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Ereignisse

  • Um 200: Mischna / Mischna-Hebräisch / rabbinisches Hebräisch, die Sprache der Mischna, die nie als Umgangssprache verwendet wurde
  • Um 200: Targum Onkelos / Onqelos = Tora-Targum (aramäische Übersetzung) in Babylonien, die klassische, durch wörtliche Übersetzung ausgezeichnete aramäische Tora-Übersetzung, die schon früh im Judentum offizielle Geltung erlangt hat; den rabbinischen Bibel-Ausgaben beigedruckt
  • Ca. 200-275: R. Simeon ben Lakisch, gewöhnlich Resch Lakisch (hebr. ריש לקיש, Resch für Rabbi Schim'on) genannt, war Amoräer der zweiten Generation in Galiläa. Er lebte ca. 200-275, war Schwager (Mann der Schwester) Rabbi Jochanans und wie dieser in Tiberias wohnhaft, starb jedoch früher als dieser. Die Berufungslegende erzählt, er sei ein Räuber gewesen, kehrte um, tat Buße und wurde Schriftgelehrter
  • 3. Jhdt.: Gamaliel III. (Sohn "Rabbis", Gamliel Berabbi), jüdischer Patriarch des 3. Jahrhunderts u. Z., Patriarch in den Jahren 217-235 (in welchem Jahr er vermutlich auch starb). Er war der Sohn des berühmten Jehuda ha-Nasi, des Hauptredaktors der Mischna, mit dem die Ära der Tannaiten zu einem großartigen Abschluss kam, und wurde von diesem zu seinem Nachfolger im Patriarchat bestimmt (Ket 103b). Gamaliel III. setzte die literarische Arbeit seines Vaters fort, unter seiner Leitung wurde die Redaktion der Mischna vollendet, einige seiner Aussprüche sind dort auch erhalten (Sprüche der Väter II,2-4). Ein Grab in Bet Schearim mit dem Namen R. Gamaliels neben einem anderen mit dem Namen R. Simeons könnte seines sowie das seines Bruders sein. Seine Aussprüche in Aboth II., 2-4: Schön ist das Thorastudium in Verbindung mit weltlicher Beschäftigung und guter Sitte ... Seid vorsichtig mit Machthabern, denn sie ziehen den Menschen nur zu ihrem eigenen Nutzen an sich heran; sie erscheinen wie Freunde zur Zeit ihres Nutzens, stehen aber dem Menschen nicht bei zur Zeit seiner Not. ... Erfülle seinen Willen wie deinen Willen, damit er deinen Willen erfülle wie seinen Willen. Vereitle deinen Willen vor seinem Willen, damit er den Willen anderer vereitle vor deinem Willen.
  • Nach 200: Oschaja, Amoräer der 3. Generation (Palästina), Schüler des Chija b. Abba, gilt als Redaktor der Tossefta
  • Nach 200: Rab Huna (Chona), der gelehrte Exilarch, Amoräer der zweiten Generation in Babylonien. Er war vor allem Halachist, Zeitgenosse Rabbis, Schüler von Rab und Mar Samuel; bedeutendster Lehrer in Sura nach Rab. Rab Huna war vermutlich identisch mit dem gelehrten Exilarchen Huna II. Sein Leichnam wurde nach Palästina gebracht. Rabbah bar Rab Huna war sein Sohn.
  • Nach 200: Dura Europos, dort die bekannte Synagoge, von der heute noch Reste erhalten sind, vor allem berühmte Fresken mit alttestamentlichen Szenen. Dura Europos, weit im syrischen Landesinneren am Euphrat gelegen, ist eine griechisch-römische Stadt, die von den Seleukiden im 3. Jhdt. v. d. Z. an der strategisch wichtigen Verbindung zwischen Mesopotamien und der Mittelmeerküste gegründet wurde.
  • Nach 200: Kapernaum (Kefar Nachum, "Dorf Nachums"), Ort am Kinneret, späterer Name "Tel Chum", Fundstätte einer Synagoge aus frühchristlicher Zeit
  • Nach 200 (?): Midrasch Ijob
  • Nach 200: erste Bausteine der Peschitta ("die einfache"), der syrischen Bibelübersetzung, die diesen Namen erst im 9. Jhdt. erhielt; alttestamentliche und neutestamentliche Peschitta haben eine komplett andersartige Textgeschichte und müssen klar voneinander unterschieden werden
  • Nach 200: (Kernbestand von) Abot de Rabbi Natan / Avot de-Rabbi Nathan / = ARN, ein in zwei Hauptfassungen erhaltenes rabbinisches Kommentarwerk zu den Sprüchen der Väter (Abot), es zählt zu den ausserkanonischen Traktaten, die im Anhang zum babylonischen Talmud abgedruckt werden; Kommentar zum Mischnatraktat Avot, den er zitiert und im Stile eines Midrasch auslegt; er enthält keine Bestimmungen zum jüdischen Religionsgesetz, sondern ausschliesslich aggadische Stoffe: weisheitliche Aussprüche von Rabbinen, Erzählungen, ausschmückende Auslegungen zur Bibel, Zahlensprüche und ähnliches; Avot de-Rabbi Nathan ist in zwei Hauptfassungen überliefert, die in Umfang und Aufbau zum Teil erheblich voneinander abweichen (und wohl auch unterschiedlich alt sind; die Datierungen reichen bis ins frühe achte Jahrhundert); Version A wird in 41 Kapitel eingeteilt, ist aber erheblich länger als die 48 Kapitel von Version B (B bewahrte, da nicht so verbreitet wie A, die urtümlichere Textgestalt); für die Entstehungsgeschichte von ARN ist der Name von R. Natan belanglos; es ist weder sicher, dass damit der bekannte Tannait gemeint ist, noch, dass dieser als Verfasser von ARN angesehen wurde; - ein Beispiel zu den Zahlensprüchen: "Vier Charakterzüge gibt es bei Frauen, aber nicht bei Männern: Frauen sind gefrässig, eifersüchtig, faul und lauschen heimlich. Woher wissen wir, dass sie gefrässig sind? Es steht geschrieben: „Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise wäre und sie nahm von seiner Frucht ... “ (Gen 3,6) Woher wissen wir...? [Analog werden die anderen Eigenschaften abgehandelt.] Rabbi Jossi sagt: So wie es bei den Frauen vier Charakterzüge gibt, gibt es auch bei den Männern vier Charakterzüge: Männer sind gefrässig, eifersüchtig, faul und lauschen heimlich. Woher wissen wir, dass sie gefrässig sind? Es steht geschrieben: „Und sie sassen um Brot zu essen...“ (Gen 37,25) Woher wissen wir...? [Analog werden die anderen Eigenschaften abgehandelt.], Avot de-Rabbi Nathan, Version B Kapitel 45; - Text: S. Schechter, Aboth de Rabbi Nathan. Edited from Manuscripts with an Introduction, Notes and Appendices, Wien 1887 (hebräisch); Übersetzungen Fassung A: Kaim Pollak, Rabbi Nathans System der Ethik und Moral, Frankfurt/Main 1905; Judah Goldin, The Fathers according to Rabbi Nathan, New Haven 1955; von Fassung B: Anthony J. Saldarini, The Fathers according to Rabbi Nathan (Abot de Rabbi Nathan) Version B. A Translation and Commentary, Leiden 1975
  • Nach 200 (?): Kalla ("Braut"), ausserkanonischer Traktat zu Verlobung und Ehe; zur Urheberschaft werden verschiedene Theorien diskutiert: Jehudai Gaon (8. Jhdt.) ?; tannaitisch, von einem Schüler des Elieser b. Hyrkan? Kalla Rabbati hingegen aus dem 8. Jhdt.?
  • Nach 200: Seder Olam Rabba, ursprünglich nur Seder Olam, "die grosse Weltchronik", traditionell Jose ben Chalafta zugeschriebene, in hebräischer Sprache verfasste altjüdische Chronik-Schrift, die sich zumeist eng an die biblische Chronologie hält und schon im Talmud zitiert wird; nach 200 redigiert und später um Vielfaches ergänzt, schildert sie in 27 bzw. 30 Kapiteln die wichtigsten Ereignisse von der Erschaffung der Welt bis zur Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezzar, die Perserzeit und die wichtigsten Ereignisse zwischen Alexander dem Grossen und Bar Kochba; Seder Olam Rabba, deren tatsächlicher Autor unbekannt ist, gilt als die erste nachbiblische hebräische Schrift, die allgemeine Anerkennung gefunden hat; sie wurde viel gelesen, studiert, kommentiert und auch ins Lateinische übersetzt; auf dem Seder Olam Rabba beruht die unter Juden allgemein üblich gewordene Zählung der Jahre seit der Weltschöpfung; Erstdruck: Mantua 1513
  • Nach 200: Einführung der Wochenabschnitte/Paraschiot. Parascha (hebr. Einteilung, Absonderung) ist der Leseabschnitt im masoretischen Text der Tora, auch Sidra genannt; im Synagogengottesdienst am Schabbat wird die Tora als fortlaufender Text gelesen; entsprechend den Wochen des jüdischen Jahres wurde der masoretische Text im 3. Jhdt. n. Chr. in 54 Abschnitte eingeteilt („Wochenabschnitte“); nach den Namen der Wochenabschnitte sind auch die Schabbatot selbst bezeichnet; der Zyklus der Tora-Lesungen endet und beginnt wieder von vorne an Simchat Tora (Fest der Torafreude = letzter Tag von Sukkot, Laubhüttenfest); falls das Jahr aufgrund von Feiertagen oder Schaltregelungen weniger Sabbate hat, als für 54 Lesungen nötig wären, werden auch zwei aufeinander folgende Lesungen zusammen vorgetragen; in talmudischer Zeit wurden am Schabbat relativ kurze Stücke als Wochenabschnitte (sidrot) gelesen (Meturgeman / Dolmetscher: in talmudischer Zeit Übersetzer des Textes der synagogalen Toravorlesung in die – aramäische – Volkssprache sowie Sprecher/Interpret des Meisters der Gelehrtenschule); im Land Israel brauchten die Gemeinden für die Vorlesung der ganzen Tora drei bis dreieinhalb Jahre; erst in Babylonien hat sich die einjährige Vorlesung der ganzen Tora durchgesetzt, wodurch dann die Wochenabschnitte wesentlich länger wurden; diese Wochenabschnitte heissen Parascha; Benjamin von Tudela (12. Jhdt.) beobachtete in Alexandria mit einem sehr vielfältigen jüdischen Leben sowohl Synagogen mit der palästinischen (dreijährigen) wie der babylonischen (einjährigen) Tradition; die palästinische Tradition hat sich mit Änderungen in vielen konservativen und liberalen Gemeinden durchgesetzt; jedoch werden die babylonischen Wochenabschnitte in sidrot aufgeteilt, so wird zwar die ganze Tora im Lauf von drei Jahren einmal gelesen, aber die Gemeinde liest jeweils aus dem gleichen Wochenabschnitt wie die orthodoxen Gemeinden mit babylonischem Zyklus; die Paraschot werden im Hebräischen benannt nach den Worten mit denen sie beginnen bzw. nach dem erstvorkommenden wichtigen Begriff.
  • Nach 200 (?): Sefer ha-Razim (hebr. Buch der Geheimnisse), magisch-mystisches Zauber-Buch, vermutlich in Palästina im 3. nachchristlichen Jahrhundert entstanden, entdeckt bzw. rekonstruiert erst 1963 unter den Fragmenten der Kairoer Geniza. Es schildert, ähnlich den Hekhalot-Texten, die sieben Himmel, teilt die Namen der darin befindlichen über 700 Engel mit und endet mit einem hymnischen Gotteslob. Das Buch bietet magische Rezepte für jede Lebenslage, Traumdeutung, Erkenntnis der Zukunft usw.
  • 3. Jhdt.: erste Juden in Ofen (das spätere Budapest)
  • Seit 200: Seit 200 gaben die Römer den Christen die Schuld für alle möglichen Unglücke, Seuchen usw. und bezichtigten sie wegen ihres Abendmahls des Ritualmords. Daher griffen christliche Apologeten wie Tertullian diesen Vorwurf damals nicht auf, um ihn gegen die Juden zu wenden. Sie bekämpften im Gefolge des Paulus weniger das Judentum als das „Judaisieren“ christlicher Gegner. Ihre Polemik gegen Häresien wie den Manichäismus, Gnostizismus und Lehren Marcions war weitaus schärfer als die gegen Juden. Jedoch priesen sie das Christentum hellenistisch gebildeter Römer als bessere, vernünftige Philosophie, um es auch in oberen Gesellschaftsschichten zu etablieren. Dabei übernahmen sie zum Teil die antike Judenfeindschaft römischer Autoren wie Cicero und Tacitus, etwa den Vorwurf des „Menschenhasses“, und stellten sie auf eine neue Basis: die Auslegung der Bibel und eine „historische“ Beweisführung. Dabei hoben sie die bleibende Bedeutung des Alten Testamentes für die werdende Kirche hervor. Die Patristik kanonisierte es schliesslich als Wort Gottes auch für Christen. Damit bewahrte sie einerseits jüdische Tradition, beanspruchte andererseits die wahre Auslegung der religiösen Urkunde des Judentums in Konkurrenz zu ihm. Ihre Exegese unterlegte Bibeltexten entgegen ihrer Eigenbedeutung oft einen spirituellen, allegorischen oder christologischen Sinn in der Tradition des Neuplatonismus.