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Bibel

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Als Bibel bezeichnen Judentum und Christentum unterschiedliche Sammlungen von Schriften, die für sie das Wort Gottes enthalten und als Heilige Schrift Urkunden ihres je eigenen Glaubens sind.

Der Abschluss der Niederschrift der Bücher der Bibel (Kanonisierung zum Teil umstritten bis ins 2. nachchristliche Jhdt.) erfolgte im späten ersten vorchristlichen Jahrhundert.

Hier die überlieferte Reihenfolge (24 Bücher) Tanach / Tenach (= Bibel) (Tora [Pentateuch]-Newiim [Propheten]-Ketuwim [Hagiographen]):

I. Pentateuch

Pentateuch, fünf Bücher Mose, Chumasch (Tora); Pentateuch "Fünfbuch", Πεντετεύχως , „Fünfgefäss“, griechische Bezeichnung der fünf Bücher Mose, der Tora; hebräisch Chamischa Chumsche Tora ("die fünf Fünftel der Tora"), abgek. Chumesch; Tora hebräisch "Weisung", "Gesetz", grch. he pentateuchos biblos, "das fünfgeteilte Buch", quasi ein Religionsgesetz mit historischer Begründung; die im Allgemeinen heute anerkannte Quellenscheidungstheorie unterscheidet im Pentateuch vier Quellenschriften: Jahwist (J), Elohist (E), Deuteronomium (D), Priesterschrift (P):

1. Genesis (Bereschit), 1. Buch Mose (Schöpfung, Urgeschichte, Paradies und Sündenfall, der Brudermord, Ahnen, die Arche Noahs, der Turmbau, Abraham und die Engel, Sodom und Gomorrha, Opferung Isaaks, das Erbbegräbnis, Elieser und Rebekka, die Himmelsleiter, Jakob ringt mit dem Engel, Josef und seine Brüder, Jakobs Segen; 12 Wochenabschnitte, 50 Kap.)
2. Exodus (Schemot), 2. Buch Mose (Auszug aus Ägypten, Sinaibund und Stiftshütte, Grundlegung des Gesetzes, die Geburt Mosis, der brennende Dornbusch, die zehn Gebote, das goldene Kalb, das Schilflied; 11 Wochenabschnitte, 40 Kap.)
3. Leviticus (Wajikra), 3. Buch Mose (Gesetz; Priestergesetze, Kultus- und Opferbestimmungen; 10 Wochenabschnitte, 27 Kap.), auch Priesterkodex (Torat Kohanim) genannt
4. Numeri (Bemidbar), 4. Buch Mose (von den Zählungen in der Wüste bis zur Eroberung des Ostjordanlandes; Gesetz, der Priestersegen, Bileams Sprüche; 10 Wochenabschnitte, 36 Kap.)
5. Deuteronomium (Dewarim), 5. Buch Mose (Wiederholung des mosaischen Gesetzes, Höre Israel, das Lied Mosis; 11 Wochenabschnitte, 34 Kap.)


II. Propheten

(Newiim = "Verkünder") (Einzahl Nawi/Nabi; traditionell hat Mosche als erster die Stufe der Prophetie = Newua errungen; in der Kette der Überlieferung folgen auf Mose, Josua und die "Ältesten" erst die Propheten im eigentlichen Sinn, die von den "Männern der grossen Versammlung" der Esra-Zeit abgelöst werden; vgl. hierfür Pirque Abot im Talmud ["die Männer der Grossen Synagoge" oder "Synode" / ansche knesset hagedola verbinden in Abot I, 1-2 die Zeit der Propheten mit der pharisäischen Bewegung, als deren erster Vertreter Simeon der Gerechte genannt wird; sie überbrücken also eine Zeit von etwa zwei Jahrhunderten; die spätere rabbinische Literatur schreibt ihnen u. a. die Niederschrift von Ezechiel, den 12 kleinen Propheten, von Daniel und Ester zu; eine geschichtliche Rekonstruktion ihrer Organisation, z. B. die Annahme von 120 Mitgliedern, und ihrer Tätigkeit scheint unmöglich zu sein; wahrscheinlich handelt es sich überhaupt eher um eine Fiktion, abgeleitet aus der grossen Volksversammlung von Nehemia 8-10]; als weibl. Propheten kennt die Bibel die Richterin Debora und die Prophetin Hulda)

Erste Propheten (Newiim rischonim für die im Folgenden genannten biblischen Bücher, "Propheten" genannt, weil Propheten in ihnen auftreten und zugleich als ihre Verfasser gelten)
6. Josua (Einnahme des Landes, Jericho, Aufteilung des Landes auf die zwölf Stämme)
7. Richter (Schofetim) (die heroische Zeit, Gideon, Jeftahs Gelübbde, Simson, das Kebsweib zu Gibea, das Debora-Lied als vielleicht ältestes Stück der Bibel; Pflanzen-Fabel [Maschal])
8. Samuel I.-II. (Samuel-Bücher, historische Bücher, Fortsetzung des Richterbuches, behandeln die Geschichte von Eli und Samuel/Schemuel, Saul und David, 2 Teile, 31 und 24 Kapitel, Zeit des Reiches, das Königsrecht, David und Goliath, die Hexe zu Endor, das Schäfchen des Armen, Davids Klage um Jonathan)
9. Könige (Melachim) I.-II. (22 und 25 Kapitel), Bücher der Könige, behandeln die Geschichte des israelitischen und judäischen Königtums von Salomo an, Fortsetzung der Bücher Samuel, Könige I.+II. daher in der Septuaginta als "3. bis 4. Buch Könige" gezählt, Paralleldarstellung – aber nur die Könige Judas behandelnd – in II. Chronik; Kriege und Zerfall, Salomos Urteil, Elia auf dem Horeb; Gleichnis des höchsten Baums
Letzte (spätere) Propheten (Newiim acharonim, die eigentlichen prophetischen Bücher der Bibel in zwei Gruppen: a) = 10.-12. "Grosse" Schriftpropheten; b) = 13. = die Zwölf kleinen Propheten:
10. Jesaja (pathetische Weissagung, Rede an die Töchter Zions, Gleichnis vom Weinberg, Gottes Thron und die Engel, vom einstigen Frieden; tröstet, tröstet mein Volk! – der Knecht Gottes, das Leiden des Gerechten, Verheissung der Gnade; Kap. 40 ff. werden von der Bibelwissenschaft einem anderen Propheten / Deuterojesaja / Deutero-Jesaja zugeschrieben)
11. Jeremia (Predigten, Rahel weint um ihre Kinder; rhythmische Mahnrede und Weissagung, dazwischen geschichtliche Berichte über den Untergang Judas)
12. Ezechiel/Hesekiel/Jecheskel („Gott ist mächtig“) (Visionen, der göttliche Wagen; Klage, Ach und Weh, Predigt gegen die Buhlerin, Auferstehung der Toten; eine der Quellen jüdischer Mystik/Thronwagen-Vision - und Eschatologie/Belebung der Toten, neuer Tempel und neues Jerusalem; - textlich schlecht überliefert, hat nach dem Exil eine Neuredaktion erfahren)
13. Zwölf Kleine Propheten (Dodekapropheton, aram.Tre Assar [die Zwölf])
(1.) Hosea (hauptsächlich Strafpredigt, zentrales Thema die Liebe Gottes zu seinem Volk; textlich schlecht erhalten)
(2.) Joël (apokalyptischen Charakters)
(3.) Amos („der Beladene“), soziale Kritik
(4.) Obadja („Knecht Gottes“) (ein Kapitel, kleinstes Buch der Bibel)
(5.) Jona („Taube“) (Bussprediger zu Ninive, vom Walfisch verschlungen und wieder ausgespien) [im Übrigen zur Taube / ausserhalb des Jona-Buchs: Jona = Taube = reiner Vogel, Opfertier; eine Taube bringt Noah die Botschaft vom Ende der Sintflut]
(6.) Micha (soziale Kritik, Unheils- und Heilsweissagung)
(7.) Nahum / Nachum („Tröster“) (Weissagung gegen Assyrien)
(8.) Habakuk [Zeitgenosse Daniels?]
(9.) Zefanja („Gott verhüllt“)
(10.) Haggai [Heimkehrer aus dem babylonischen Exil, Aufruf und Ermunterung zum Wiederaufbau des zerstörten Tempels]
(11.) Sacharja/Secharja („Ruhm Gottes“; griech.: Zacharias) (Vision und messianische Weissagung) [dessen acht Nachtgesichte ergänzt durch "Deutero-Sacharja" und "Trito-Sacharja"]
(12.) Maleachi (Meleachi) („mein Bote“, „mein Engel“)

III. Hagiographen

Hagiographen (grch. "heilige Schriften") / Ketuwim (hebr. "Schriften")

14. Psalmen / der Psalter [griech. psalterion, ein Saiteninstrument, zu dessen Begleitung die Lieder gesungen wurden] (Tehillim) (Gebete, Hymnen; die Himmel rühmen …; der Herr ist mein Hirte, von der Vergänglichkeit; lobe den Herrn, meine Seele; danket Gott …; an den Wassern Babylons); Psalmen = Tehillim = "Lobgesänge" / Kultlieder; Einzel-Psalm: Mismor = "Lied", erstes Hagiographen-Buch, Sammlung religiöser Lieder, Hymnen und Gebete, grundlegend für jüdische (und christliche) Liturgie, nach der Tradition von David verfasst bzw. redigiert (II. Chr. 29,30), umfassen 150 Stücke in fünf Abteilungen (beginnend Ps. 1 – 42 – 73 – 90 – 107); ["Psalmen Salomos" ist pseudepigraphisches Buch (griechisch, ursprünglich hebräisch, 18 Kapitel)]
15. Buch der Sprichwörter / Sprüche (Mischle)/Sprüche Salomos (Mischle Schelomo), lat. Proverbia (Sammlung sittlich-religiöser und profaner Sprüche, Weisheit, Lebensregeln; die wackere Hausfrau, König Salomo zugeschrieben, 31 Kapitel)
16. Hiob / Ijob (Erkenntnis durch Leid; Gottes Rede aus dem Gewitter: Auseinandersetzung mit dem Vergeltungsproblem); Hiob (Ijow), der leidende Gerechte, vom Satan verleumdet, von Gott gestraft, von den Freunden gescholten, besteht die göttliche Prüfung [Hiob-Legende: Dichtung in Dialogform, 42 Kap., laut agadischer Tradition von Mose verfasst]
"Fünf Rollen", chamesch megillot, Sammelbezeichnung der fünf mittleren Hagiographen (Hohelied bis Esther), deren jede zu besonderer Gelegenheit im Gottesdienst verlesen wird (Hohelied zu Pesach, Ruth zu Schawuoth, Klagelieder am 9. Aw, Kohelet zu Sukkot, Esther zu Purim) und die seit altersher als kleines "Fünfbuch" (neben dem grossen Fünfbuch, der Tora) ein besonders beliebter Gegenstand der Auslegung gewesen sind (z. B. Midrasch rabba zum Pentateuch und den fünf Rollen)
17. Hoheslied (Schir ha-Schirim, "Lied der Lieder") (Liebesdichtung; Schwarz aber lieblich, Sulamith, "die Friedliche", gräzisiert: Salome, dort 7,1 besungen), die erste der "fünf Rollen" in Hagiographen, Sammlung althebräischer Liebespoesie, Salomo zugeschrieben, nach traditioneller Auslegung Allegorie des Verhältnisses zwischen Gott und der Gemeinde Israel, 8 Kapitel; - Verlesung zu Pessach
18. Ruth, zweite der "fünf Rollen" in den Hagiographen der Bibel, in den alten Bibelübersetzungen hinter das Richterbuch gesetzt, weil die Erzählung in der Richterzeit spielt; die Ruth-Idylle, 4. Kapitel, Verlesung am Wochenfest
19. Klagelieder (Echa), dritte der „fünf Rollen“ in den Hagiographen der Bibel; Elegien über die Zerstörung Jerusalems: fünf Lieder, die den Untergang der heiligen Stadt beklagen; von der Tradition dem Propheten Jeremia zugeschrieben (Vortrag der Klagelieder im Gemeindegebet am 9. Aw)
20. Kohelet [hebr. "Versammler", "Gemeindeleiter"]/grch. Ekklesiastes [Vulgata: Ecclesiastes]/dt. „Prediger“, vierte der „fünf Rollen“ in den hagiographischen Büchern der Bibel, enthält Betrachtungen über die Unbeständigkeit alles Irdischen (der grübelnde Geist; alles ist eitel; alles hat seine Zeit) (Vorlesung von Kohelet am Laubhüttenfest); Kohelet („der Versammelnde“?) ist Eigen- oder Beiname des königlichen Verfassers (nach der Tradition: Salomo, stammt jedoch tatsächlich aus dem späten 3. Jhdt. v. Chr., wie der starke hellenistische Einfluss deutlich macht); Aphorismen-Sammlung ohne umfassende sachliche Gliederung
21. Esther
22. Daniel (Visionen, Weissagungen, Belsazars Gastmahl; Daniel 5 "Mene tekel", aram. "gezählt" und "gewogen", wunderbare Schrift an der Wand, Unglücksverkündung für Belsazar, von Daniel gedeutet; Gebet des Asarja, Gesang der drei Männer im Feuerofen, Erzählungen von Bel und dem Drachen; Susanna) [das Buch stammt nicht von Daniel und aus der Exilszeit, sondern aus der Makkabäerzeit, geschrieben in den Jahren nach -168]
23. Esra (zum Teil Aramäisch), die Erinnerungen Esras, der für die religiöse Reform verantwortlich war, Esra als eigentlicher Erneuerer des Judentums nach dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit;
Nehemia (gezählt als 2. Buch Esra); die in erster Person erzählten Memoiren des Nehemia, der um die Mitte des 5. vorchristlichen Jhdts. als Beauftrager der persischen Regierung den Wiederaufbau Jerusalems leitete und das jüdische Gemeinwesen reorganisierte;
(apokryphes 3. Buch Esra (biblische Stellen mit Zusätzen); pseudepigraphisches 4. Buch Esra (Apokalypse, christianisiert, kurz vor 100 n. Chr.)
24. Chronik (Diwre ha-Jamim) I.-II. (Kriege und Zerfall)

Literatur

Bibliographie
  • Elenchus Bibliographicus Biblicus. Pontifical Biblical Institute Press, Rom 1920 ff., ZDB-ID 1838-7, (nahezu vollständige Sammlung zur Sekundärliteratur)
Überblicks- und Nachschlagewerke
Fachliteratur
Populärwissenschaftliches

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