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Schlomo Ansbacher

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Schlomo Ansbacher (geb. 1843 in Veitshöchheim; gest. Erev Jom Kippur 1911, beigesetzt in Georgensgmünd am 4. Oktober 1911) war Raw der orthodoxen Kehilla in Nürnberg, bekannt für seine bis ans Äusserste gehende Toratreue, aber auch für seinen schlagfertigen, treffsicheren Witz. Zitat aus dem "Israelit" (Artikel aus Anlass seines Todes 1911): "Über 30 Jahre hat er auf diesem Posten ausgeharrt: einem knorrigen Eichbaum gleich, der nach des Psalmisten Bild seine Saugwurzeln an den Wassern der Tora netzt, stand er seiner Gemeinde voran, ein fester Stamm, den der Zeiten Stürme, wie scharf sie ihn und das kleine Häuflein seiner Mitstreiter auch umbrausten, niemals auch beugen konnten."

Leben

Illustration der "Jüdischen Zeitung" (vgl. Text und Hinweis unten)

Raw Schlomo Ansbacher erwarb seine Torakenntnisse in der Jeschiwa in Würzburg. Anschliessend begab er sich nach Eisenstadt zu seinem Raw Muwhak, dem Gaon Raw Esriel Hildesheimer, der ihm später auch die Semicha erteilte. Im Alter von nur 33 Jahren wurde er gebeten, nach Nürnberg zu kommen und bei der Gründung und Führung der Gemeinde "Adas Jisrael" behilflich zu sein. Zu diesem Zeitpunkt musste das orthodoxe Judentum mit all seinen Kräften gegen die Reform-Juden ankämpfen, die mit verschiedenen "Verbesserungen der Jüdischkeit" versuchten, die Überlieferung der Tora zu zerstören. Deshalb beschlossen auch die orthodoxen Jehudim in Nürnberg, ihre eigene Austrittsgemeinde zu bilden, ähnlich zur Kehilla von Raw Sch. R. Hirsch in Frankfurt. Raw Ansbacher sah dann in der Bildung "seiner" Kehilla seine Lebensaufgabe und widmete sich dieser heiligen Arbeit voll und ganz.

Nebst seinem aussergewöhnlichen Wissen in den offenen Teilen der Tora wusste Raw Ansbacher auch sehr viel über die verborgenen Teile. Er betete mit grösster G'ttesfurcht und zählte immer zu den ersten zehn Männern des Minjans. Er hielt auch viele private Fasttage ab. Über einen dieser Fasttage wird Folgendes erzählt: Raw Schlomo Ansbacher hatte einmal einen Traum, in dem ihm offenbart wurde, dass einer seiner nächsten Verwandten schwer krank sei. Raw Schlomo wusste zwar nicht, von wem die Rede war. Er nahm aber im Traum sofort "bli Neder" auf sich, während eines Jahres jeden Montag und Donnerstag zu fasten. Er schrieb sich das Datum auf und begann zu fasten, wie er es auf sich genommen hatte. Als ein Jahr vorüber war und er sein Fasten beendete, erhielt er wenig später eine Mitteilung von seinem Bruder, dass sein Vater, Raw Mordechai, in eine bessere Welt abberufen wurde. Raw Schlomo seufzte daraufhin und sagte: "Schade. Einerseits fühle ich mich getröstet, dass ich durch mein Fasten eventuell das Leben meines Vaters um ein Jahr verlängert habe. Hätte ich es aber gewusst, dann hätte ich noch einige Jahre auf mich genommen!"

Vor einigen Jahren wurde im privaten Machsor "Kol Nidrei" von Raw Schlomo Ansbacher eine Geschichte von einem Wunder entdeckt, die er als "Dankesgabe" mit seiner eigenen Hand aufgeschrieben hatte. Die Begebenheit geschah, als er noch als Schliach Zibbur und More Zedek der Kehilla im Dorf Bolzheim war. Einer der "Ba'alei Batim" der Ortschaft pflegte jeweils für "Kol Nidrei" als Schliach Zibbur zu amtieren. Obwohl Raw Schlomo von seinem Gebet nicht beeindruckt war, liess er ihn weiterhin vorbeten. Einmal wurde dieser Jehudi kurz vor Jom Kippur krank und so wurde Raw Schlomo gebeten, auch bei Kol Nidrei als Vorbeter zu dienen und statt des anderen Jehudi vorzudawenen. Als er an das Vorbeterpult hintrat und mit dem Kol Nidrei begann, ertönte plötzlich ein Riesenlärm, einer der grossen Leuchter des Bet Haknesset hatte sich von der Decke gelöst und war in der Synagogenbestuhlung zerschmettert. Es handelte sich um den Leuchter, der über dem Sitzplatz von Reb Schlomo Ansbacher angebracht war. Raw Schlomo schreibt darüber: "Hätte ich mich wie gewöhnlich an diesem Sitzplatz befunden, wäre mein Schädel durch die Arme des Leuchters ohne jeden Zweifel zerschmettert worden!" Die Krankheit des Mannes, der gewöhnlich vorgebetet hatte, rettete ihm sein Leben. Niemand ahnte damals, dass genau 38 Jahre danach, am Abend des Jom Kippur, dieser Gaon niftar werden würde ...

Infolge seiner grossen Bescheidenheit gab Raw Schlomo seine Chiduschim nicht als Sefer heraus. Nach seinem Tod liess sein Sohn, Raw Jona Ansbacher, der viele Jahre später Raw in London war, eine Sammlung seiner Chiduschei Tora über die Parascha in deutscher Sprache unter dem Namen "Sichron Schlomo" drucken.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 23. August 2013, Seite 27 (Autor: D. Goldschmidt).


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