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Salcia Landmann

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Salcia Landmann
Salcia Landmann

Salcia Landmann (geb. 18. November 1911 in Zolkiew, Galizien; gest. 16. Mai 2002 in St. Gallen, Schweiz) war eine Schweizer Schriftstellerin galizisch-jüdischer Herkunft, die sich der Welt des Ostjudentums und der jiddischen Sprache und Kultur verschrieb und vor allem für ihre Auseinandersetzung mit dem Jüdischen Witz bekannt ist, worüber sie einen heute zumindest unter Nichtjuden als Klassiker geltenden Bestseller schrieb (zuerst erschienen 1960), der allerdings von jüdischer Seite heftig angegriffen wurde. In ihren letzten Lebensjahren verfasste sie dezidiert konservative politische Polemiken in fragwürdigen Organen der Neuen Rechten und stellte sich damit endgültig ins Abseits.

Salcia Landmann war ein Kind Alt-Österreichs und trauerte bis zu ihrem Tod der untergegangenen Welt der k.u.k. Monarchie nach, ein Leben lang hing ein Porträt von Kaiser Franz Josef über ihrem Sofa. Ihre gesamte Verwandtschaft, die in Osteuropa geblieben war, wurde nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Opfer der Nazi-Vernichtungsmaschinerie.

Leben

Salcia Landmann kam aus einer jüdischen Familie und war die Tochter des Israel Passweg und der Regina Passweg (geb. Gottesmann). Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr blieb Salcia bei ihren Grosseltern in Ostgalizien, wo sie noch ein Jahr lang eine polnische Nonnenschule besuchte (noch im Sterben murmelte sie die polnischen Gebete, die sie als fünfjähriges Kind bei den Nonnen gelernt hatte).

1914 übersiedelte die Familie - zunächst noch ohne die Tochter - in die Schweiz nach St. Gallen.

Nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums studierte Salcia Landmann in Berlin zunächst Rechtswissenschaften und dann Philosophie bei Nicolai Hartmann. Parallel erlernte sie den Beruf der Modegrafikerin. Nach 1933 setzte sie ihr Philosophiestudium in Basel bei Herman Schmalenbach fort. Das Studium beendete Salcia Landmann 1939 an der Universität Zürich mit einer Dissertation über Phänomenologie und Ontologie.

1939 heiratete sie den Philosophen Michael Landmann, den sie im Umfeld des George-Kreises kennengelernt hatte. 1950 kam ihr Sohn Valentin zur Welt. 1960 erschien ihr erstes Buch, Der jüdische Witz, das zum Bestseller und Standardwerk reüssierte und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.

1978 gründete sie gemeinsam mit neunzehn Schriftstellerkollegen den Liechtensteiner P.E.N.-Club. In den 1990er Jahren veröffentlichte sie mehrfach Beiträge in den von Hans-Dietrich Sander herausgegebenen Staatsbriefen.

Werk

Landmann verstand ihr Werk als stilles Requiem auf die untergegangene ostjüdische Kulturwelt[1]. Im Vorwort von Marxismus und Sauerkirschen beschrieb sie 1979, wie sich seit 1960 der Themenkreis ausweitete: „Meine nächsten Bücher galten demselben Themenkreis: jiddische Sprache und Literatur, jüdische Rasse, koschere Küche.“[2] Die Hinwendung zu politischen Themen erfolgte aus ihrem Bestreben, einen Beitrag zur Bewahrung des jüdischen Kulturerbes zu leisten: „Durch den intensiven Umgang mit der so brutal vernichteten Welt der Ostjuden war ich inzwischen für jede Art Bedrohung auch außerhalb des jüdischen Bereiches sensibilisiert“.[3]

Das Buch Marxismus und Sauerkirschen war für sie ein Versuch, „diese rational schwer fassliche, möglicherweise irreparable und irreversible Selbstzerstörungstendenz im freien Teil des Abendlandes an Beispielen aus Politik, Pädagogik, Hochschulbereich, Kunst, Religion, Psychologie, Wirtschaft, Literatur und Justiz zu illustrieren“.[4]

In ihren letzten Lebensjahren wurde sie in ihren Meinungsbekundungen (z. B. gegen alles, was in sozialistischer oder gar sozialdemokratischer Tradition stand) immer pointierter, ja radikaler, so dass ihre sonst von den Medien geschätzten Beiträge nicht mehr gedruckt wurden. Fragwürdig sind sicherlich auch ihre späten Äusserungen zu ihrem Lebensthema, dem jüdischen Witz: Das Thema jüdischer Witz sei erledigt, da seine Grundlage, die religiöse Bindung, nur noch bei Fundamentalisten gegeben sei – diese hätten jedoch keinen Humor. Auch durch die Existenz des Staates Israel sei der jüdische Witz überflüssig geworden, denn wer die Macht habe, brauche keine Witze mehr.

Kritik

Friedrich Torberg kritisierte Salcia Landmanns Erfolgs-Anthologie Der jüdische Witz und warf ihr vor, antisemitische Vorurteile zu befördern.[5]. Und tatsächlich waren viele Witze nicht authentisch und hätten ebensogut ohne grossartige Veränderung im Stürmer publiziert werden können.

Trotz dieser Kritik wurde das Buch zum Bestseller und in verschiedenen Ausgaben und Sprachen in mehr als einer Million Exemplaren verkauft.

Bibliografie

  • Phänomenologie und Ontologie. Husserl, Scheler, Heidegger. Heitz, Leipzig 1939 (Dissertation, als „Salcia Passweg“)
  • Der jüdische Witz. Soziologie und Sammlung. Walter, Olten 1960; 14. überarb. A. Patmos, Düsseldorf 2006, ISBN 3-491-45039-X
  • Jiddisch, das Abenteuer einer Sprache. Walter, Olten 1962
  • Jüdische Witze. Ausgewählt und eingeleitet von Salcia Landmann. Walter, Olten 1962
    • erweiterte Taschenbuchausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 21017), München 2007, ISBN 3-423-21017-6
  • Koschere Kostproben. Rezepte aus Alt-Österreich für Feinschmecker. Müller, Rüschlikon 1964
  • Gepfeffert und gesalzen. Gericht über Gerichte. Ein streitbares Kochbrevier. Walter, Olten 1965
  • Jüdische Anekdoten und Sprichwörter. Jiddisch und deutsch. Ausgewählt und übertragen von Salcia Landmann. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 317), München 1965
    • Neuausgabe als: Jüdische Anekdoten. Nachwort von Valentin Landmann. Huber, Frauenfeld 2011, ISBN 978-3-7193-1569-6
  • Die Juden als Rasse. Das Volk unter den Völkern. Walter, Olten 1967
    • Neu durchgesehene Ausgabe als: Wer sind die Juden? Geschichte und Anthropologie eines Volkes. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 913), München 1973, ISBN 3-423-00913-6
  • Jüdische Weisheit aus drei Jahrtausenden. Gesammelt von Israel Steinberg. Ausgewählt und ins Deutsche übertragen von Salcia Landmann. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 486), München 1968
  • West-östlicher Küchen-Divan. Steingrüben, Stuttgart 1968
  • Die echte polnische Küche. Steingrüben, Stuttgart 1970
  • Neues von Salcia Landmann. Jüdischer Witz. Herbig, München 1972, ISBN 3-7766-0600-2
  • Der ewige Jude. Piper (sp 97), München 1974, ISBN 3-492-00397-4
  • Erzählte Bilderbogen aus Ostgalizien. Ehrenwirth, München 1975
    • 2. Auflage als: Erinnerungen an Galizien. Limes, Wiesbaden/München 1983, ISBN 3-8090-2208-X
    • Neu durchgesehene und erweiterte Ausgabe als: Mein Galizien. Das Land hinter den Karpaten. Herbig, München 1995, ISBN 3-7766-1921-X
  • Die koschere Küche. 200 Rezepte für Feinschmecker und Kenner mit Erklärungen jüdischer Feste und Gebräuche. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-40181-6
    • Neuausgabe als: Die jüdische Küche. Rezepte und Geschichten. Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10859-7
  • Jüdische Witze. Nachlese 1960–1976. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 1281), München 1977, ISBN 3-423-01281-1
  • Marxismus und Sauerkirschen. Streitbare Zeitbetrachtungen. Limes, Wiesbaden 1979, ISBN 3-8090-2154-7
  • Gepfeffert und gesalzen - Ein streitbares Kochbuch, 1980
  • Jugendunruhen. Ursachen und Folgen. Schweizerzeit, Flaach 1983, ISBN 3-907983-01-7
  • Jüdische Weisheit aus drei Jahrtausenden, 1983
  • Erinnerungen an Galizien, 1983
  • Bittermandel und Rosinen - Geschichten aus Osteuropa und dem Nahen Osten: Ein koscheres Kochbuch, 1984
  • Frucht- und Blütensäfte. Mein Sirup-Brevier. Herbig, München 1985, ISBN 3-7766-1366-1
  • Jesus und die Juden oder die Folgen einer Verstrickung. Herbig, München 1987
  • Jüdische Küche, 1995
  • Jesus starb nicht in Kaschmir. Ohne Kreuzestod kein Christentum. Herbig, München 1996, ISBN 3-7766-1963-5
  • Die klassischen Witze der Juden. Verschollenes und Allerneuestes. Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-548-24051-8
  • Wenn es bitter ist, ist es koscher. Benziger, Zürich 2001, ISBN 3-545-20214-3
  • Am Sabbat ging Moishe zum Rebbe. Benziger, Zürich 2002, ISBN 3-545-20209-7

Literatur

  • Nein, nein, du bist keine Jüdin! Henning von Vogelsang im Gespräch mit Salcia Landmann. Mit Bibliografie. Hess, Ulm 1998, ISBN 3-87336-231-7

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zitat aus Marxismus und Sauerkirschen, Vorwort von Salcia Landmann, Seite 7, August 1979
  2. Vorwort zu Marxismus und Sauerkirschen, 1979, S. 7
  3. Vorwort zu Marxismus und Sauerkirschen, 1979, S. 7
  4. Vorwort zu Marxismus und Sauerkirschen, 1979, S. 8
  5. Friedrich Torberg: Wai geschrien. Salcia Landmann ermordet den jüdischen Witz. Anmerkungen zu einem beunruhigenden Bestseller. In: Der Monat XXVII/157, S. 48ff. Vgl. Hans Peter Althaus: Mauscheln: ein Wort als Waffe, de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017290-9, S. 209f.

Andere Wikis



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