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Justin Sonder

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Justin Sonder im Jahr 2016

Justin Sonder (geb. 18. Oktober 1925 in Chemnitz; gest. 3. November 2020 ebenda) war ein deutscher Überlebender des KZ Auschwitz und Zeitzeuge.

Leben

Justin Sonder im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen (2016)

Justin Sonder begann nach dem Schulabschluss 1941 eine Lehre als Koch. Er wurde im selben Jahr zur Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb verpflichtet. Im Zuge des nationalsozialistischen Holocausts nahm ihn am 27. Februar 1943 die Polizei wegen seiner jüdischen Herkunft fest. Sonder wurde mit der Häftlingsnummer 105027 versehen. Er kam erst in das Judenlager Hellerberg und wurde bald danach nach Auschwitz überführt, wo er an der Rampe für das KZ Auschwitz III Monowitz selektiert wurde. Insgesamt überlebte er in Auschwitz 17 Selektionen.[1] Kurz vor Befreiung des KZ Auschwitz wurde er am 18. Januar 1945 nach Gleiwitz auf einen Todesmarsch geschickt und zuletzt auf offenen Kohlewaggons mit weiteren 7000 Häftlingen deportiert, wobei er am 26. Januar 1945 im KZ Flossenbürg ankam. Am 16. April 1945 wurde er von dort aus noch einmal auf einen Todesmarsch in Richtung Wetterfeld geschickt und letztlich am 23. April 1945 von US-amerikanischen Soldaten befreit. Er war einer der wenigen Überlebenden von Auschwitz und der Todesmärsche von Flossenbürg. Die Stelle der Befreiung ist mit einem großen Holzkreuz und drei Tafeln: dem Davidstern, einem christlichen und einem orthodoxen Kreuz auf einer Anhöhe gekennzeichnet. Nur wenige Hundert Meter davon wurden auch 597 Ermordete des Todesmarsches begraben.[2]

Ort der Befreiung

Durch Zufall traf er nur kurze Zeit später seinen Vater Leo Sonder in Hof wieder. Seine Mutter Cäcilie wurde wie 21 andere Verwandte von den Nazis ermordet.[2]

Am 19. Juni 1945 kehrte Sonder wieder nach Chemnitz zurück und war zunächst sechs Wochen lang im Hotel Hermann untergebracht. Er schlug eine Laufbahn in der Kriminalpolizei ein. Bereits im Oktober 1945 war er Revierschutzmann auf Prüfung und wurde danach Wachtmeister im 7. Chemnitzer Revier (Augustusburger Straße/ Gablenzer Platz). 1947 wurde er als Kriminalist bei der Kriminalpolizei eingestellt, 1952 Leiter eines Kommissariates und schließlich von 1956 bis 1985 Dezernatsleiter für schwere Verbrechen.[3]

Sonder trat 1945 in die SPD ein und wurde nach deren Zwangsvereinigung mit der KPD Mitglied der SED. Er engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und war zeitweise Landesvorsitzender in Sachsen. 1947 trat er zudem in die FDJ ein.[3] Er berichtete noch im Alter von über 90 Jahren an Schulen über die Verfolgung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Sonder gehörte als von der Partei Die Linke in Sachsen nominierter Abgeordneter der 13. Bundesversammlung an. 2013 verfasste Margitta Zellmer eine Biographie von Sonder mit dem Titel „Chemnitz – Auschwitz und zurück. Aus dem Leben von Justin Sonder“. Der Kabarettist Uwe Steimle hatte Sonder für seine Sendung Steimles Welt zu Gast.

Im Februar 2016 reiste Sonder 90-jährig nach Detmold, um als Zeuge im Prozess gegen den 94-jährigen ehemaligen SS-Unterscharführer Reinhold Hanning auszusagen, der als Wachmann in Auschwitz arbeitete.[4]

Justin Sonder starb Anfang November 2020, wenige Tage nach seinem 95. Geburtstag, in einer Chemnitzer Pflegeeinrichtung.[5][6]

Justin Sonder war verheiratet und hatte drei Kinder: eine Tochter und zwei Söhne.[7]

Ehrungen

Biographien

  • Margitta Zellmer: Chemnitz – Auschwitz und zurück: aus dem Leben von Justin Sonder. Klinke e.V. Chemnitz, Chemnitz 2013, DNB 1128077868.
  • Klaus Müller, Justin Sonder: 105027 Monowitz – Ich will leben! Von Chemnitz nach Auschwitz – über Bayern zurück. Nora Verlag, 2013, ISBN 978-3-86-557321-6.

Literatur

  • Enrico Hilbert: Seine Beobachtungsgabe und Neugier retteten ihn. Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder wird heute Ehrenbürger der Stadt Chemnitz. In: Neues Deutschland, 21. April 2017, S. 16.
  • Marianne Schultz: Nur einmal hat er geweint. In: Freie Presse, 27. Januar 2014, S. 11.

Weblinks

 Commons: Justin Sonder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Klaus Hillenbrand: Auschwitz-Prozess in Detmold: Keine „guten SSler“ erlebt. In: taz.de. 12. Februar 2016, abgerufen am 4. November 2020.
  2. 2,0 2,1 Nachruf auf Auschwitz-Überlebenden: Die zwei Leben des Justin Sonder in der TAZ (Online-Ausgabe) vom 9. November 2020; abgerufen am 12. November 2020
  3. 3,0 3,1 Justin Sonder: Meine illegale Arbeit im KZ Auschwitz. In: Geschichtsbaustelle Chemnitz. Klinke e. V. Chemnitz, abgerufen am 3. November 2020.
  4. Hans Holzhaider: Auschwitz – „Du denkst die ganze Zeit: Gelingt es mir noch einmal, zu überleben?“ In: sueddeutsche.de. 10. Februar 2016, abgerufen am 4. November 2020.
  5. Ehrenbürger und Überlebender des KZ Auschwitz Justin Sonder ist tot. In: Freie Presse. 3. November 2020, abgerufen am 4. November 2020 (Teaser mit Information lesbar).
  6. Hendrik Lasch: Die Erwartungen eines Überlebenden. Von Chemnitz nach Auschwitz und zurück: Justin Sonder ist im Alter von 95 Jahren gestorben. In: nd.Der Tag vom 12. November 2020, S. 12
  7. Olaf Glöckner: Porträt der Woche: „Ich erinnere mich genau“. Justin Sonder hat Auschwitz überlebt und tritt in Detmold als Nebenkläger auf. In: Jüdische Allgemeine. 14. Juni 2016, abgerufen am 4. November 2020.
  8. Ehrenbürgerschaft für Justin Sonder. Pressemitteilung 34. In: chemnitz.de. 25. Januar 2017, archiviert vom Original am 26. Januar 2017; abgerufen am 4. November 2020.
  9. Uwe Rechtenbach: Auschwitz-Komitee verleiht Ehrenmedaille an Chemnitzer. In: Freie Presse. 19. November 2015, S. 11, archiviert vom Original am 20. November 2015; abgerufen am 4. November 2020.
  10. Chemnitz macht Auschwitz-Überlebenden Justin Sonder zu Ehrenbürger. In: Freie Presse. 25. Januar 2017, archiviert vom Original am 25. Januar 2017; abgerufen am 4. November 2020.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Justin Sonder aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.