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Hermann Brill

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Hermann Louis Brill (geb. 9. Februar 1895 in Gräfenroda; gest. 22. Juni 1959 in Wiesbaden) war ein deutscher Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Thüringens erster Regierungspräsident nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1945 von der Sowjetischen Besatzungsmacht abgesetzt, wurde er Politiker in Westdeutschland.

Leben und Wirken

Hermann Brill wurde im thüringischen Gräfenroda als ältestes von fünf Kindern eines Schneidermeisters geboren. Von 1901 bis 1909 besuchte er die Bürgerschule in Ohrdruf und von 1909 bis 1914 das Herzog-Ernst-Seminar in Gotha, um Lehrer zu werden. Das erste Lehrerexamen legte er 1914, das zweite Lehrerexamen 1920 ab. Zwischenzeitlich nahm er als Offiziersanwärter bei der Feldluftschifftruppe am Ersten Weltkrieg teil. Danach arbeitete er bis 1921 als Lehrer an einer Volksschule und war anschließend als Hilfsreferent beim Thüringischen Ministerium für Volksbildung beschäftigt. Im Gebiet Gotha war er zeitgleich von 1921 bis 1923 Staatsrat unter August Frölich. Zwischen 1923 und 1924 war er Ministerialdirektor im Thüringischen Ministerium des Innern und dort leitend für die Politische- und die Polizeiabteilung verantwortlich. Als Beamter im Wartestand studierte Brill von 1924 bis 1926 noch Rechtswissenschaften, Politische Ökonomie, Soziologie und Philosophie in Jena, wo er 1929 auch zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert wurde.

Seine politische Karriere begann 1918, als er in die USPD eintrat. 1919 wurde er in den Landtag des damals noch selbständigen Bundesstaates Freistaat Sachsen-Gotha gewählt. Nach Bildung des Landes Thüringen 1920 wurde er dort Landtagsabgeordneter und blieb dies bis ihm – wie allen Sozialdemokraten – 1933 das Mandat entzogen wurde. 1922 verließ er die USPD und wechselte zur SPD. Von Juli bis November 1932 war Brill außerdem Mitglied des Reichstages.

Nachdem bereits im Januar 1930 eine bürgerlich-nationalsozialistische Koalition die Regierung in Thüringen übernommen hatte, begann für Hermann Brill der Kampf gegen den Nationalsozialismus. Als Mitglied des thüringischen Staatsgerichtshofes sowie als Landtagsabgeordneter bemühte er sich, vor allem die Politik des nationalsozialistischen Innen- und Volksbildungsministers Wilhelm Frick zu entlarven. Als Vorsitzender eines Untersuchungsausschusses, den der thüringische Landtag zur Untersuchung der Praktiken Fricks 1932 eingesetzt hatte, lud Brill auch Adolf Hitler als Zeugen vor. Dieses Zusammentreffen war für Brill eine Erfahrung, die dazu führte, dass er sich zum Widerstand gegen Hitler entschloss. Nachdem Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, trat Brill aus der SPD im Mai 1933 aus, weil er von der passiven Haltung der Sozialdemokraten gegenüber Hitler enttäuscht war. Ein Jahr später gründete er in Berlin zusammen mit dem Buchhändler Otto Brass die Widerstandsgruppe Deutsche Volksfront, zuvor war er führend in der Widerstandsbewegung „Neu Beginnen“. Brill schrieb während dieser Zeit Aufsätze und Flugblätter und wurde mehrfach von der Gestapo verhaftet. Wegen Hochverrats wurde er schließlich zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Vier Jahre verbrachte er im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Ende 1943 wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Dort gründete er am 5. Juli 1944 ein illegales deutsches Volksfrontkomitee und wurde dessen Vorsitzender. Weitere Mitglieder waren Werner Hilpert, Walter Wolf und Ernst Thape. Auf Brills Initiative hin fand am 19. April 1945 nach der Befreiung des KZ Buchenwald ein Treffen statt, auf dem das Buchenwalder Manifest der demokratischen Sozialisten verabschiedet wurde.

Datei:GrabmalBrill.jpg
Grabmal Hermann Brills auf dem Nordfriedhof Wiesbaden

Nach der Befreiung des Lagers 1945 begann er damit, im Auftrag der amerikanischen Besatzungsmacht einen Plan zum administrativen Wiederaufbau Thüringens zu entwickeln. Im Mai 1945 gründete er den Bund demokratischer Sozialisten in Thüringen. Nach Ansicht Brills hatten sowohl SPD als auch KPD in der Weimarer Republik versagt. Um den demokratischen Sozialismus zu verwirklichen, mussten nach seiner Auffassung beide Parteien miteinander verschmelzen. Im Juni 1945 wurde er zum Thüringer Regierungspräsidenten ernannt – ein Amt, das er bereits im Juli wieder verlor, nachdem Thüringen Teil der sowjetischen Besatzungszone geworden war. Seine Vorstellungen über den Neubeginn der deutschen Arbeiterbewegung kollidierten jedoch mit denen der sowjetischen Besatzungsmacht. Zweimal wurde Brill verhaftet und verhört. Schließlich erklärten ihn die sowjetischen Machthaber in seinem Heimatland Thüringen zur Unperson. Ende 1945 verließ er schließlich Thüringen und begann in Berlin für die Amerikaner zu arbeiten. Von Juli 1946 bis 1949 war Brill Chef der hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Bis zu seinem Tod 1959 arbeitete er als Berater der hessischen Landesregierung.

1948 war er Mitglied des Verfassungskonvents in Herrenchiemsee und arbeitete am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland mit. Von 1949 bis 1953 war er Mitglied des Deutschen Bundestags und u.a. im Auswärtigen Ausschuss, im Rechts- und Verfassungsausschuss und im Berlin- und Gesamtdeutschen Ausschuss tätig. 1949 wurde Brill erster Vorsitzender des Königsteiner Kreises, einer Vereinigung früherer Juristen, Volkswirte und Beamter aus der SBZ und DDR.

Später unterrichtete Hermann Brill als Honorarprofessor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (der zweite Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags beschäftigte sich mit der Klärung der Ursachen des durch die Ernennung des Staatssekretärs Dr. Brill zum Honorarprofessor an der Universität Frankfurt a.M. zwischen der Universität und dem Kultusministerium entstandenen Konfliktes[1]) und als Lehrbeauftragter an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer Staatslehre und Verfassungsgeschichte.[2] Die Einführung der Politologie als eigenständiges Studienfach geht auf ihn zurück. In seinem letzten Lebensjahrzehnt verfasste Brill zahlreiche Publikationen zu heute noch aktuellen Themen wie den Rechtsfragen der Wiedervereinigung und einer Verwaltungsreform.

Hermann Brill war mit Martha Brill, geb. Pluskat (1904–1980) verheiratet.

Er wurde auf dem Nordfriedhof Wiesbaden beerdigt.

Ehrungen

In Wiesbaden und Erfurt sind Straßen und in Weimar ist ein Platz nach ihm benannt. Das Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung Thüringen in Erfurt ist ebenfalls nach Hermann Brill benannt.

Schriften

  • Gegen den Strom. Offenbach 1946 (Wege zum Sozialismus, Heft 1)
  • Gewaltenteilung im modernen Staat. In: Gewerkschaftliche Monatshefte. 1956, Heft 7, Seiten 385–393.
  • Das sowjetische Herrschafts-System: Der Weg in die Staatssklaverei. Köln 1951

Literatur

  • Manfred Overesch: Hermann Brill. Ein Kämpfer gegen Hitler und Ulbricht. Bonn 1992
  • Marlis Gräfe, Bernhard Post und Andreas Schneider: Die Geheime Staatspolizei im NS-Gau Thüringen 1933–1945. Quellen zur Geschichte Thüringens. II. Halbband, herausgegeben von: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, unveränderte Neuauflage 2005, ISBN 3-931426-83-1. (pdf), darin Biografie von Hermann Brill
  • Siegfried Mielke (Hrsg.) unter Mitarbeit von Marion Goers, Stefan Heinz, Matthias Oden, Sebastian Bödecker: Einzigartig – Dozenten, Studierende und Repräsentanten der Deutschen Hochschule für Politik (1920–1933) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin 2008, ISBN 978-3-86732-032-0, S. 228–235
  • Renate Knigge-Tesche, Peter Reif-Spirek (Hrsg.): Hermann Louis Brill 1895–1959. Widerstandskämpfer und unbeugsamer Demokrat. Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-9809513-6-4
  • Kurzbiografie zu: Brill, Hermann. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 1.

Einzelnachweise

  1. Untersuchungsausschuss
  2. Dietfrid Krause-Vilmar: Hermann Brill und die Gründung des Instituts für Zeitgeschichte (pdf), Fritz Bauer Institut, Newsletter Ausgabe 29</br>Louis Hermann Brill auf www.mdr.de

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hermann Brill aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.