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Felix Freudenberger

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Felix Freudenberger (geboren 7. August 1874 in Heidingsfeld; gestorben 15. Dezember 1927 in Schönberg / Württemberg) war ein deutscher Politiker.

Leben

Felix Freudenberger wuchs in kleinen Verhältnissen als eines von elf Kindern eines Lehrers in Heidingsfeld auf.[1] Nach der Realschule in Fürth[2] absolvierte er dort eine Lehre als Buchhandelsgehilfe und walzte nach Frankfurt am Main und Witten. 1899 eröffnete er in Würzburg in der Augustinerstraße 4 eine kleine Buch- und Schreibwarenhandlung. Er heiratete Rosa Frankenfelder, Tochter eines Metzgers. Rosa führte das Buchgeschäft später weiter. Sie wurde am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort im Mai 1944 in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Die 1901 geborene Tochter Sophie konnte nach England entkommen.[3]

Freudenberger trat 1895 der SPD bei, für die er als Parteiredner auftrat und im Fränkischen Volksfreund schrieb. Seit 1914 war Freudenberger auch Mitglied des SPD-Landesvorstands im Königreich Bayern.

Die SPD stellte ihn 1907 bei den undemokratischen Wahlen zur Abgeordnetenkammer als Kandidaten auf. Nach der Demokratisierung des Wahlrechts war seine Kandidatur für den Bayerischen Landtag 1919 erfolgreich.[4]. Seit 1908 war Freudenberger SPD-Vertreter im Würzburger Gemeindekollegium[2], ab 1915 unter dem undemokratischen Gemeindewahlrecht auch als Gemeindebevollmächtigter, nach 1919 wurde er Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion. Er wurde auch Abgeordneter im unterfränkischen Kreistag.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieb Freudenberger innerhalb der Sozialdemokratie auch angesichts der Kriegsbegeisterung ein Pazifist. Vom Antikriegsbuch Der Mensch ist gut von Leonhard Frank wurden in seiner Buchhandlung 300 Exemplare beschlagnahmt.[1] Auf dem SPD-Reichsparteitag, der 1917 in Würzburg abgehalten wurde, hielt er eine pazifistische Begrüßungsrede. Gleichwohl wurde ein Antrag der Kriegsgegner in der Partei mit 26 zu 257 Stimmen abgelehnt.[1] Einen Übertritt zur neu gegründeten USPD lehnte Freudenberger im Unterschied zu Curt Geyer, der zwischen 1915 und 1917 sich als Redakteur bei ihm in Würzburg aufhielt[5], allerdings ab.

Freudenberger wurde aus der SPD heraus einer der Anführer eines Arbeiter- und Soldatenrats, der im November 1918 auch in Würzburg gebildet wurde, und war Delegierter beim Reichsrätekongress im Dezember 1918 in Berlin.[2] Freudenbergers Einfluss sorgte dafür, dass die Räterevolution im April 1919 in Würzburg weitgehend friedlich verlief. Er selbst wurde von den Revolutionären kurzzeitig festgesetzt.[1] Nach der Niederschlagung der Revolution in Würzburg mobilisierte Freudenberger gegenrevolutionäre Freikorpskämpfer.[1]

Gegen den antisemitisch gemünzten Widerstand der bürgerlichen Parteien wurde Freudenberger 1919 zum vierten (ehrenamtlichen) Bürgermeister für Schule und Kultur in Würzburg gewählt. In seine kurze Amtszeit fällt die Gründung der Volkshochschule. Freudenberger wurde Mitglied im Aufsichtsrat der Würzburger Strassenbahnen und der Kreis-Elektrizitaetsversorgung Unterfranken. Er wurde, wie schon im Kaiserreich, als Sozialdemokrat weiterhin von der bayerischen Staatspolizei rigoros bespitzelt und überwacht.[1] Beim Würzburger „Barmat-Skandal“ wurde er 1925 zur Zielscheibe der rechtsradikalen Hetze, ohne dass man ihn gerichtlich belangen konnte.[6]

Stolperstein Augustinerstraße 4, Würzburg

Freudenberger starb während eines Sanatoriumsaufenthalts im Schwarzwald in Schönberg oder Schömberg. Bei seiner Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof in Würzburg sprachen die SPD-Politiker Hermann Müller und Hans Vogel.[1]

Nach Freudenberger wurde im Jahr 2008 der Felix-Freudenberger-Platz am Oberen Mainkai in Würzburg benannt

Literatur

  • Roland Flade: Felix Freudenberger, in: Manfred Treml, Wolf Weigand (Hrsg.): Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Lebensläufe. München : Saur, 1988, S. 269–272
  • Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945. Mit einer wissenschaftlichen Einleitung von Herbert A. Strauss. Würzburg : Schöningh 1989, S. 169
  • Sheraga Har-Gil: Alte Liebe rostet nie. Vorw. von Hans Steidle. Würzburg : Königshausen und Neumann, 2004 (Sheraga Har-Gil = Paul Philipp Freudenberger, Neffe von Felix.).
  • Bettina Köttnitz-Porsch: Novemberrevolution und Räteherrschaft 1918/19 in Würzburg. Würzburg : Freunde Mainfränk. Kunst u. Geschichte. 1985. Bamberg, Gesamthochsch., Diss., 1983

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Roland Flade: Felix Freudenberger, 1988
  2. 2,0 2,1 2,2 Felix Freudenberger, bei Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG)
  3. Biografische Angaben zu Rosa Frankenfelder bei ihrer Schwester Selma (Sara) Frank. Die Tochter Sophie heiratete den kommunistischen Juristen Werner Fischl, in zweiter Ehe 1941 den Flüchtling Richard Meyer, später Richard Morton.
  4. Die Wiederwahl in den Landtag 1920 und 1924, die in der Literatur behauptet wird, ist bei der maßgeblichen Quelle, dem Abgeordentenverzeichnis beim HdBG nicht belegbar
  5. Wolfgang Benz,Hermann Graml (Hrsg.): Die revolutionäre Illusion : zur Geschichte d. linken Flügels d. USPD / Erinnerungen von Curt Geyer. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1976
  6. Felix Freudenberger, bei: Historisches Unterfranken


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