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1927

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Ereignisse

  • 1927: Nobelpreis für Literatur an: Henri Bergson
  • 12.1.1927-13.8.1999: Ignatz Bubis, prägender Zentralratsvorsitzender
  • 10.2.1927-17.2.2007: Jakov Lind, geb. in Wien als Heinz Landwirth, gest. in London (nach anderen Quellen am 15.2.2007), österreichisch-englischer Schriftsteller (bekannt für seinen ungeschönten Schreibstil, für den viele ihn verachteten), Hörspielautor, Filmregisseur und Maler; als Sohn ostjüdischer Eltern wuchs Jakov Lind in Wien auf, wo er auch die erste Schulzeit verbrachte; als 1938 seine Eltern nach Palästina emigrierten, wurde er mit einem Flüchtlingstransport in die Niederlande evakuiert; er lebte anschliessend dort und im nationalsozialistischen Deutschland im Untergrund; in den letzten Kriegsjahren, 1943 bis 1945, arbeitete er als Schiffsjunge unter dem Namen Jan Gerrit Overbeek ("geboren zu Aalten, Provinz Geldern, am 7. Januar 1926" – eine seiner vielen Identitäten, die er in seinem Leben annahm oder annehmen musste) auf einem Rheinschlepper und kurz vor Kriegsende als Kurier für eine Dienststelle des Reichsluftfahrtministeriums; nach Kriegsende 1945 emigrierte Jakov Lind ebenfalls nach Palästina (sein Name dort: Jakov Chaklan / oder Chakan?) und schlug sich dort u. a. als Gelegenheitsarbeiter (Fischer, Bauarbeiter, Orangenverkäufer, Strandfotograf), Detektiv, Journalist, Übersetzer und Regieassistent durch (leistete auch seinen Armeedienst in der Luftwaffe); 1950 kehrte Lind über Amsterdam nach Wien zurück und studierte zwei Jahre lang am Max-Reinhardt-Seminar; 1954 übersiedelte er nach London und lebte seither dort, zeitweise auch in New York und im Künstlerort Deià auf Mallorca; immer wieder unternahm Lind grosse Reisen nach Israel, durch Skandinavien, Frankreich und Italien, und nahm Gastprofessuren für Creative Writing an amerikanischen Universitäten an; 1962 las er zum ersten Mal während einer Tagung der Gruppe 47 und wurde auch später noch einige Male dorthin eingeladen; seit Beginn der siebziger Jahre widmete er sich intensiv der Aquarellmalerei und hatte zahlreiche Ausstellungen und Lehraufträge; schon in Israel begann Jakov Lind erste autobiografische Kurzgeschichten und Erzählungen zu schreiben und zu veröffentlichen; seine erste Buchveröffentlichung im deutschsprachigen Raum war 1962 der Erzählungsband Eine Seele aus Holz. „Mit diesem Band, dessen Publikation gleichzeitig in Amerika, England, Italien, Holland und Dänemark vorbereitet wird, und der Uraufführung eines Theaterstückes in Belgrad, Kopenhagen und Amsterdam führt Jacov Lind seinen Namen in der literarischen Welt ein“, schreibt der Klappentext zu diesem Buch; in dessen sieben Erzählungen verarbeitet Lind seine Ängste und Albträume ebenso wie seine Erlebnisse der Emigrationszeit; im Kern zeigen sie, dass das Böse in der Natur des Menschen angelegt ist, wobei er stilistisch realistische Elemente mischt mit surrealistischen, grotesken und traumhaften; dieser Debütband erregte hohe Aufmerksamkeit und wurde häufig rezensiert und gewürdigt, auch von Schriftstellerkollegen (Wolfgang Weyrauch, Hermann Lenz, Reinhard Lettau, Horst Bienek); mit seiner zweiten grossen Veröffentlichung 1963, dem Roman Landschaft in Beton, erreichte Lind zwar durchaus wieder die intellektuelle Öffentlichkeit, die öffentliche Anerkennung hielt sich jedoch in Grenzen, die meisten Rezensenten lehnten den Roman ab; auch seine Hörspiele Anna Laub, Das Sterben der Silberfüchse, Hunger und Angst, das Stück Die Heiden und der folgende Roman Eine bessere Welt wurden im deutschsprachigen Raum nur selten verstanden; die Übersetzungen und Aufführungen dieser Werke in den USA jedoch erfuhren ein starkes, positives Echo. Eine bessere Welt wurde als Theaterstück-Version Ergo (1968 in New York) sogar ein besonderer Erfolg; in seinem Text Muttersprache deutete Lind bereits indirekt seine künftige Praxis an, nur noch in englischer Sprache zu schreiben: „...Wer meine Muttersprache sieht, weiche ihr aus oder bringe sie um, oder übersetze sie in normale Sprache noch ehe man sie ausspricht.“ So erschien sein nächstes Buch Counting my Steps, der erste Teil seiner Autobiografie, 1969 in englischer Sprache, ein Jahr später erst in autorisierter deutscher Übersetzung unter dem Titel Selbstporträt. In seiner Vorbemerkung zu diesem Buch erläutert er plausibel diese Vorgehensweise: „Auf Deutsch konnte ich das Buch nicht schreiben, ich brauchte die Distanz zum Thema.“ Kritisch, auch selbstkritisch, erzählt er sein Leben, die Jahre bis hin zum Aufenthalt im jungen Staat Israel. Er retuschiert und bleibt dennoch bei der Wahrheit, seiner Wahrheit. Seine Erfahrungen des Grauens und sein Erleben der Grausamkeit haben ihn unwiderruflich geprägt. Völlig unsentimental beschreibt er sein bisheriges Leben; Reich-Ranicki schrieb darüber: „Das ‚Selbstporträt’ schont niemanden – weder den Autor noch den Leser, weder die Juden noch die Deutschen. Es ist hier und da von einem Stich ins Vulgäre und Oberflächliche nicht frei, aber es ist so aufschlussreich wie aufrichtig. Und es ist nie langweilig.“ Das Buch wurde auch im deutschsprachigen Raum wieder ein Erfolg; in seiner Reportage-Erzählung Israel – Rückkehr für 28 Tage artikuliert er seine zwiespältigen Empfindungen während und nach einer erneuten Reise nach Israel; er vergleicht kritisch mit seinen ersten Erfahrungen dort, und er setzt sich wieder intensiv mit den traumatischen Erlebnissen seines bisherigen Lebens auseinander; mit der Fortsetzung seiner Autobiografie Nahaufnahme (das englische Numbers erschien bereits 1972) knüpfte Jakov Lind 1973 chronologisch an den im Inland und Ausland erfolgreichen ersten Band an: Er treibt durch Europa, interessiert sich nicht für die globalen Heilslehren der Menschheit, sondern provoziert mit seinem Hass auf die Erscheinungsformen europäischer Zivilisation: Bildung, Bürgerwelt, schönes Lebens und Literatur; mit den 1973 erschienenen Erzählungen Der Ofen erreichte Lind nicht die Aufmerksamkeit wie mit den beiden Bänden seiner Autobiografie; in der folgenden Zeit beschäftigte er sich intensiv mit Graphik und Malerei; erst nach längerer schriftstellerischer Schaffenspause veröffentlichte er 1982 seine Hommage auf Jonathan Swift Travels to the Enu, das in den Vereinigten Staaten begeistert aufgenommen wurde; auch die deutsche Ausgabe Reisen zu den Enu wurde von der Kritik wieder deutlich und durchaus positiv wahrgenommen; das nächste fiktionale Werk (zunächst englisch 1987 The Inventor) Der Erfinder erfuhr wieder nur zurückhaltende Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Raum; 1991 veröffentlichte Lind den dritten Teil seiner Autobiografie Crossing – The Discovery of two Islands, der auf deutsch erst anlässlich seines 70. Geburtstags 1997 unter dem Titel Im Gegenwind erschien, doch immerhin zusammen mit Neuauflagen einiger seiner wichtigsten Werke
  • 15. Mai 1927-20. Juli 2003: Bezalel Rakow
  • 10.10.1927-18.9.1959: Harvey Murray Glatman, er war einer der ganz ganz wenigen jüdischen Serienmörder, die im Vergleich zu anderen Völkern bei Juden deutlich unterrepräsentiert sind; er war aktiv im Amerika der späten Fünfziger Jahre; er war einer der ersten "signature killers", Serienmörder, deren Verbrechen unter dem Zwang ihrer spezifischen Mordlust in einem oder in mehreren Punkten jeweils identische Verhaltensmuster aufweisen, die bei der Polizei von so genannten "Profilern" studiert und untersucht werden; in Glatmans Fall war es der Zwang, seine Opfer zu fesseln, zu foltern und Fotos der verschiedenen Phasen der Morde zu machen; in der Bronx geboren und in Colorado aufgewachsen, zeigte er schon als Kind asoziales Verhalten und sadomasochistische Tendenzen, hatte Spass daran zu fesseln und machte Versuche, sich in der Dachkammer selbst zu hängen; kurz bevor sein Bewusstsein schwand, hatte er einen Orgasmus; Ärzte versicherten den besorgten Eltern, das sei nur eine Phase, die vorübergehe; er hatte schon sehr früh begonnen, sich selbst zu foltern, band dünne Bänder um seine Genitalien, befestigte daran schwere Gegenstände und empfand grosse Freude beim Zurücklehnen, wenn sich alles immer mehr zuzog; er versuchte, sich selbst zu ersticken, was ihm sexuelle Lust bescherte; als Jugendlicher beging er Diebstähle, belästigte junge Mädchen, verschaffte sich Zutritt in ihre Zimmer, zwang sie, manchmal unter Androhung von Waffengewalt, sich zu entkleiden, gelegentlich gelang es ihm auch, sie zu fesseln und Fotos als "Souvenir" anzufertigen; kurzzeitig wurde er eingesperrt; aber es sollte noch schlimmer kommen; der Mörder Harvey Murray Glatman war seiner Zeit voraus; per Zeitungsannoncen bot er Frauen Modeljobs an; er suchte keine professionellen Fotomodelle, sondern talentierte Anfängerinnen, die er gut bezahlen wollte; als sich junge Frauen bei ihm einfanden, stellte er ihnen ein zusätzliches Honorar in Aussicht, wenn sie sich für gewagte Aufnahmen zur Verfügung stellen würden; diejenigen, die dazu bereit waren, liessen sich dazu überreden, ihm in eine abgeschiedene Wohnung zu folgen; dort bat er sie darum, nach und nach sämtliche Hüllen vor der Kamera fallen zu lassen; Glatman konnte davon ausgehen, dass sie niemandem etwas von ihrem Vorhaben gesagt hatten und folglich nicht so schnell vermisst würden; er verging sich an den Frauen; und damit sie ihn nicht anzeigen konnten, ermordete er sie danach, oder es machte ihm einfach Spass, sie sterben zu sehen, nur das gab ihm den ersehnten kick; Ende Juli 1957 antwortete die 19jährige Judy Dull auf eine seiner Anzeigen; er erklärte ihr, dass er Bilder für ein Magazin machen wollte, welches Bilder über gefesselte Frauen benötigte; dafür sollte sie 50 Dollar erhalten; am 1. August kam Dull zu ihm nach Hause; dort vergewaltigte er sie mehrmals; danach fuhr er in eine einsame Wüstengegend nahe der Stadt Indio, 125 Meilen östlich von Los Angeles; dort photographierte er die schluchzende Frau in ihrer Unterwäsche, strangulierte sie mit einem Seil und vergrub ihre Leiche; Glatman fand sein zweites Opfer, Shirley Bridgeford, im März 1958; er fuhr mit ihr in die Wüste östlich von San Diego; nachdem er sie gefesselt hatte, erwürgte er sie mit einem Strick und liess ihre Leiche neben einem Kaktus liegen; am 23. Juli traf Glatman Ruth Mercado, eine nebenberufliche Stripteasetänzerin; er vergewaltigte sie mehrmals, danach fuhr er sie in die Wüste und strangulierte sie; die 28jährige Loraine Vigil befand sich in Glatmans Wagen, in der Nähe des Santa Ana Freeway, als er seine Pistole zog und sie aufforderte, sich zu entkleiden; als sie sich wehrte, schoss Glatman ihr in den Oberschenkel; sie konnte jedoch in einem Handgemenge die Pistole an sich nehmen und hielt Glatman solange in Schach, bis zufällig ein Polizist vorbeifuhr; Glatman wurde daraufhin verhaftet und gestand die Taten sofort; er wurde in einem dreitägigen Prozess für schuldig befunden und am 18. September 1959 in der Gaskammer von San Quentin hingerichtet; sein Kommentar zum Todesurteil lautete : "It´s better this way ... I knew this is the way it would be."

Bücher

Zeitungen und Zeitschriften

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