Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Chassidismus

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Chassidismus oder Hassidismus (von hebräisch חסידות chassidut, chassidus ‚Frömmigkeit‘) bezeichnet verschiedene voneinander unabhängige Bewegungen im Judentum.

Gemeinsam ist diesen Bewegungen die strenge Einhaltung religiöser Regeln, der hohe moralische Anspruch sowie eine besondere Empfindung der Gottesnähe, die häufig mystische Ausprägung gefunden hat.

Insbesondere werden unterschieden:

Chassidim in der Zeit des Zweiten Tempels

Da jeder Fromme als Chassid bezeichnet werden kann, ist häufig unklar, ob mit den in den Quellen erwähnten Chassidim einfach die Gesamtheit der frommen Juden oder eine konkrete, strukturierte Gruppe gemeint ist.[1]

Fassbar als Gruppe werden Chassidim als eine Vereinigung endzeitlich orientierter Gruppen um 300 bis 175 v. Chr., die nach 1. Makkabäer 2, 29–38 auf der Suche nach Recht und Gerechtigkeit ihre Wohnsitze verließen und in die Wüste zogen, um den religionspolitischen Zwangsmaßnahmen der Seleukiden zu entgehen. Widerstandslos ließen sie sich am Sabbat überfallen, nur um das Sabbatgebot nicht zu entweihen. Nach 2. Makkabäer 5, 24–26 eroberte Apollonius unter Ausnutzung dieser Mentalität Jerusalem am Sabbat. Erst Judas Makkabäus beschloss, sich auch am Sabbat zu verteidigen, und erreichte die Unterstützung der Chassidim. Es gelang, die Seleukiden unter Antiochos IV. erfolgreich zu bekämpfen und aus dem Land zu vertreiben.

Der Chassidismus des Mittelalters

Siehe auch: Chasside Aschkenas

Vor dem Hintergrund der Judenverfolgungen während der Kreuzzüge entwickelte sich der Chassidismus in Deutschland parallel zur Entstehung der christlichen Mystik von etwa 1150 bis 1250 vor allem in den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz sowie in Regensburg. Prägend waren insbesondere die Angehörigen der aus Italien eingewanderten Familie der Kalonymiden:

Der Chassidismus ist keine philosophische oder theologische Lehre, sondern die religiöse Praxis des Chassid (hebräisch ‚der Fromme‘, abgeleitet vom Begriff ‚Gnade‘, ‚Güte‘), die sich insbesondere im Gebet als spiritueller Übung äußert. Bestimmende Momente sind dabei:

  • die Abwendung von der Welt,
  • vollkommener seelischer Gleichmut.

Auch unter den Juden im Herrschaftsbereich des Islam entwickelte sich im 13. Jahrhundert eine mystische Richtung, ähnlich wie in der islamischen Mystik. Beispiele dafür sind Judah ibn Malka in Marokko sowie Obadja ibn Abraham in Ägypten, Enkel von Maimonides.

Der osteuropäische Chassidismus

Hauptartikel: Chassidismus (modern)

Der Chassidismus im osteuropäischen Judentum hat mit dem deutschen Chassidismus des Mittelalters nur wenig mehr als den Namen gemeinsam und übertrifft diesen erheblich an Bedeutung. Er entstand um etwa 1750.

Der Legende nach ist Israel ben Elieser (um 1700–1760), genannt Baal Schem Tov („Meister des guten Namens“), der Begründer des osteuropäischen Chassidismus. Bis 1830 verbreitete sich der Chassidismus in jüdischen Gemeinden Polen-Litauens und Österreich-Ungarns.

Der Baal Schem Tov und seine Nachfolger betonten den Wert des traditionellen Studiums der Tora zusamenn mit die mystische Tradition der Kabbala. Über dieses Studium hinaus steht im Chassidismus das persönliche und gemeinschaftliche religiöse Erlebnis an vorderster Stelle.

Der chassidische Rabbi, genannt Zaddik (‚Gerechter‘, ‚Bewährter‘, von hebräisch zedek = ‚Gerechtigkeit‘) oder Admor (אדמו"ר, hebräische Akronym für ‚unseren Meister, Lehrer und Rabbiner‘), ist ein charismatischer Führer und Mittelpunkt der Gemeinde. Die Chassidim (Mehrzahl von Chassid) versammeln sich besonders am Sabbat und den jüdischen Festtagen um ihrem Zaddik (jiddisch Rebbe), um in Gebet, Liedern und Tänzen und auch religiöser Ekstase Gott näher zu kommen.

Chassidische Gemeinden sind Teil des orthodoxen Judentums. Seit dem Holocaust konzentrieren sie sich häuptlich auf Israel und der Vereinigte Staaten, und auch in kleineren Zentren in Europa wie Manchester oder Antwerpen.

2016 gab es über 130.000 chassidische Familien weltweit und mehr als 230 Zaddikim.

Literatur

Sachbücher

Weblinks

 Commons: Chassidismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Chassidismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege

  1. Norbert Copray: Der Messias, die fromme Szene und das Reich Gottes. Z. kritischer Christen 4 (1995), S. 23.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Chassidismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.