Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Artur Kutscher

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Datei:Arthur Kutscher.jpg
Artur Kutscher (Gemälde von Albert Weisgerber, um 1910)

Artur Heinrich Theodor Christoph Kutscher (geb. 17. Juli 1878 in Hannover; gest. 29. August 1960 in München) war ein deutscher Literatur- und Theaterwissenschaftler.

Leben

Nach dem Studium der Literaturwissenschaft in München, Kiel und Berlin (Promotion 1904) ließ sich Artur Kutscher in München nieder, wo unter anderem Otto Falckenberg, Frank Wedekind, Hermann Löns, Albert Weisgerber und Max Halbe zu seinem Freundeskreis zählten. 1907 habilitierte er sich in Berlin für Literaturwissenschaft, wurde im selben Jahr Privatdozent und 1915 außerordentlicher Professor in München. Aus dem 1908 gegründeten Kutscher-Seminar gingen bedeutende Schriftsteller und Theaterleute hervor, darunter Bertolt Brecht und Erwin Piscator.[1]

Kutscher forderte, ausgehend von der These, Theater sei mimisch, nicht literarisch zu erfassen, seit 1909 die Schaffung einer neuen Disziplin Theaterwissenschaft, als deren Begründer er gilt.[2] Er unternahm seit 1910 Exkursionen zu Theatern in Süddeutschland, später in ganz Europa, veranstaltete Autorenabende des sogenannten Kutscher-Kreises in Schwabinger Lokalen mit Gästen wie Johannes R. Becher, Ludwig Ganghofer, Hans Grimm, Richard Hülsenbeck, Heinrich und Thomas Mann, Erich Mühsam, Alexander Roda Roda, Frank Wedekind, Alfred Wolfenstein und Stefan Zweig und spielte Theater mit seinen Studenten (Euripides' Satyrspiel Der Kyklop, Goethes Lustspiel Die Mitschuldigen etc.).[3] Nach dem Tod Wedekinds 1918 ordnete er dessen Nachlass und schrieb seine Biografie.

Während seiner langen Lehrtätigkeit hat Artur Kutscher viele Schriftsteller und Philologen geprägt. Zu seinen Studenten gehörten unter anderem Schalom Ben-Chorin, Bertolt Brecht, Peter Hacks, Ödön von Horváth, Hanns Johst, Klabund, Erwin Piscator und Ernst Toller.[4]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er 1933 dem NS-Lehrerbund bei. 1938 wurde er auch Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und des NS-Reichskriegerbundes. Nachdem er 1940 außerplanmäßiger Professor geworden war, trat er 1942 der NSDAP bei.[5]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er 1945 amtsenthoben, wurde aber bald darauf erneut Professor. 1951 trat er in den Ruhestand.[5] 1958, zwei Jahre vor seinem Tod, wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[5]

Werke

  • Die Kunst und unser Leben (1909)
  • Frank Wedekind. Sein Leben und seine Werke. 3 Bde. München 1922, 1927, 1931.
  • Das Salzburger Barocktheater. Wien, München u.a. 1924.
  • Grundriß der Theaterwissenschaft. (2 Bände, 1932-36)
  • Die Comédia dell'arte und Deutschland. Emsdetten 1955. (Die Schaubühne, Bd. 43).
  • Der Theaterprofessor. Ein Leben für die Wissenschaft vom Theater. München: Ehrenwirth 1960. (Autobiografie)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. Ein Leben für die Wissenschaft vom Theater. München: Ehrenwirth 1960. S. 73, 83.
  2. Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. München: Ehrenwirth 1960. S. 76f.
  3. Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. München: Ehrenwirth 1960. S. 80–102.
  4. Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. München: Ehrenwirth 1960. S. 72f., 82f.
  5. 5,0 5,1 5,2 Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 347.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Artur Kutscher aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.