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Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

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Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F010290-0005, Villa Hügel Essen, Präsident von Togo.jpg
Alfried Krupp (rechts) und der Präsident von Togo, Sylvanus Olympio, in der Villa Hügel

Alfried Felix Alwyn Krupp von Bohlen und Halbach (geb. 13. August 1907 in Essen; gest. 30. Juli 1967, ebenda) war Inhaber der Krupp-Werke.

Vorkriegs- und Kriegsjahre

Der Unternehmer

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach besuchte das Realgymnasium in Essen-Bredeney, die heutige Goetheschule, studierte von 1928 bis 1934 Ingenieurwissenschaften in München, Berlin und Aachen und schloss sein Studium an der TH Aachen mit dem akademischen Grad des Diplomingenieurs ab. Danach absolvierte er eine Volontärszeit bei der Dresdener Bank, Berlin. 1935 trat er in das Familienunternehmen, die Friedrich Krupp AG, ein. Er war zunächst in der Hauptverwaltung des Konzerns in Essen tätig. 1936 wurde er Prokurist. Im Oktober desselben Jahres wechselte er als Assistent in die Abteilung für Rüstungsproduktion und Artilleriekonstruktion. 1938 wurde er Leiter der Rohstoff- und der Rüstungsabteilung. Am 22. März 1941 wurde Alfried Mitglied des Direktoriums (Vorstand) mit einem Jahresgehalt in Höhe von 60.000 Reichsmark.

Datei:Drei Ringe von Krupp.jpg
Drei Radreifen – Das Firmenemblem von Krupp

Im März 1943 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in Nachfolge seines Vaters Gustav Krupp von Bohlen und Halbach Vorsitzender des Direktoriums der Friedrich Krupp AG. Zu diesem Zeitpunkt verfügte seine Mutter Bertha Krupp von Bohlen und Halbach über nahezu alle Aktien der Krupp AG. Alfrieds Eltern bewegten Hitler zur sogenannten Lex Krupp vom 12. November 1943. Demnach sollte die Krupp AG in ein Einzelunternehmen umgewandelt werden, dessen Alleininhaber ein Familienmitglied werden sollte, welches analog dem kaiserlichen Dekret berechtigt sein sollte, den Namen Krupp seinem jeweiligen Familiennamen voranzustellen. Zweck der Lex Krupp war außerdem, dem Unternehmen die Zahlung der Erbschaftssteuer zu ersparen. Am 15. Dezember 1943 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach alleiniger Inhaber der Firma Krupp. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma ein bedeutendes Industrieunternehmen und einer der wichtigen Rüstungslieferanten des nationalsozialistischen Deutschen Reichs. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Krupp, wie auch alle anderen großen deutschen Unternehmen, Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln, der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1. Januar 1943 bei ungefähr 25.000. Diese Arbeiter wurden in verschiedenen Krupp-Betrieben eingesetzt. Die gelegentlich angeführte Zünderfabrik bei Auschwitz wurde zwar von Krupp-Personal eingerichtet, dann aber ab 1943 von der Firma Weichsel-Metall-Union Sils und Co. zur Produktion genutzt.

Beziehungen zum Nationalsozialismus

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war bereits seit 1931 förderndes Mitglied der SS. Er war Mitglied des Nationalsozialistischen Fliegerkorps, in dem er zuletzt den Rang eines Standartenführers innehatte. Ab 1938 war er Mitglied in der NSDAP. 1937 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach – ebenso wie sein Vater – zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Zudem war er Stellvertreter seines Vaters in dessen Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft. Er war Mitglied des Rüstungsrats beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Nach Kriegsbeginn war er für die Demontage von Betrieben in den besetzten Gebieten und deren Wiederaufbau im Deutschen Reich verantwortlich. Alfried wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.

Beziehungen in Wirtschaftsvereinigungen

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war 1941 Mitbegründer und anschließend Präsidiumsmitglied der Reichsvereinigung Kohle und ab 1942 stellvertretender Vorsitzender der Reichsvereinigung Eisen. Außerdem war er Beiratsmitglied der Ausfuhrgemeinschaft für Kriegsgerät sowie Mitglied des Verwaltungsrats der Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Ost mbH (BHO).

Sonstiges

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war ein begeisterter Segler. Bei den Segelwettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1936 vor Kiel gewann er mit der Crew seiner 8-Meter-Rennyacht Germania III für Deutschland die Bronzemedaille.[1] Später ließ er die Yachten Germania V (1956) und Germania VI (1963) bauen, mit denen er auch aktiv segelte.[2]

Familie

1937 heiratete Krupp von Bohlen und Halbach die in seiner Herkunftsfamilie wenig gelittene Anneliese Lampert geb. Bahr (1909–1998). Mit Anneliese hatte er einen Sohn, Arndt von Bohlen und Halbach. Die Ehe wurde 1941 auf Drängen des Vaters Gustav und vor allem der Mutter Bertha wieder geschieden: Gustav Krupp wollte die Erbfolge ändern lassen, die auf dem Generalregulativ des Großvaters Alfred beruhte. Dann wäre nicht Alfried, sondern einer der jüngeren Brüder Erbe der Krupps geworden. Diesem Druck beugte sich Alfried und willigte in die Scheidung ein. In der weiteren Folge sollte sich dies noch als nachteilig für die Beziehung zu seinem Sohn Arndt erweisen, der von seiner aus der Essener Villa Hügel vertriebenen und enttäuschten Mutter gegen die Familie Krupp von Bohlen und Halbach auf Distanz gebracht wurde. Sein Sohn Arndt wurde von Alfried und von anderen später als zur Leitung der Firma Krupp wenig geeignet befunden, was teils auch auf den Einfluss der von den Krupps enttäuschten Mutter Arndts zurückgeführt wurde.[3]

Die Nachkriegszeit

Inhaftierung und Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

Am 11. April 1945 wurde Krupp von Bohlen und Halbach von amerikanischen Truppen in der Villa Hügel unter Arrest gestellt und sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt. Nachdem die Alliierten zunächst beabsichtigt hatten, seinen Vater im Rahmen des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher anzuklagen, was jedoch wegen dessen Gesundheitszustand unterblieb, klagten die Amerikaner Krupp von Bohlen und Halbach zusammen mit elf leitenden Mitarbeitern der Firma Krupp 1947 in einem gesonderten Verfahren (Fall X: Krupp-Prozess) an.

1948 wurde er wegen Sklavenarbeit (Einsatz von Zwangsarbeitern) und Plünderung von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland zu zwölf Jahren Haft und Einziehung seines gesamten Vermögens verurteilt. In der Anklageschrift wurde ihm auch die Planung eines Angriffskrieges und die damit verbundene Verschwörung vorgeworfen. Von dieser Schuld wurde er jedoch freigesprochen, da in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sein Vater, und nicht er, die Geschicke der Firma leitete.

Amnestie, Mehlemer Vertrag und erneute unternehmerische Tätigkeit

Auf der Grundlage eines Gutachtens unabhängiger amerikanischer Sachverständiger wurde Krupp von Bohlen und Halbach durch Entscheidung des amerikanischen Hohen Kommissars für Deutschland John Jay McCloy am 31. Januar 1951 begnadigt und vorzeitig aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen.

1953 kam es zum Abschluss des sogenannten Mehlemer Vertrages zwischen Krupp von Bohlen und Halbach und den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs. Durch diesen Vertrag wurde ihm sein gesamtes Vermögen unter bestimmten Bedingungen zurückerstattet. Eine der wesentlichen Bedingungen war die Bestimmung, dass die Berg- und Hüttenbetriebe vom Krupp-Konzern abgetrennt und bis zum Jahr 1959 verkauft würden.

Im März 1953 übernahm Krupp von Bohlen und Halbach wieder die Leitung des Unternehmens. Ende des gleichen Jahres holte er Berthold Beitz als Generalbevollmächtigten in den Konzern. Er stellte das Unternehmen vollständig auf zivile Produktion, hauptsächlich auf Anlagenbau, um. Die Krupp AG erreichte schnell wieder ihre Stellung als führender Stahlproduzent. Tatsächlich wurden nämlich die Berg- und Hüttenbetriebe in der Folgezeit zwar – wie im Mehlemer Vertrag vorgesehen – abgetrennt, jedoch letztlich nicht verkauft. Vielmehr wurden sie 1960 zusammengefasst und mit dem Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation AG fusioniert.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach starb an Lungenkrebs. Kurz vor seinem Tod verfügte Krupp von Bohlen und Halbach die Gründung einer Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein sollte. Mit seinem Tod ging sein gesamtes Vermögen auf die Stiftung über. Dies wurde durch den Erbverzicht seines Sohns Arndt von Bohlen und Halbach möglich. Die Stiftung nahm ihre Tätigkeit am 1. Januar 1968 auf, verwendet die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige Zwecke und ist heute größte Einzelaktionärin der ThyssenKrupp AG.

Sonstiges

1952 heiratete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in zweiter Ehe Vera Knauer geb. Hossenfeld (1909–1967). Die Ehe wurde 1957 geschieden.

1961 erhielt Alfried Krupp von Bohlen und Halbach den Ehrenring der Stadt Essen. 1966 schenkte er der Ruhr-Universität Bochum einen Teil der Bibliothek der Villa Hügel. Seine Schallplattensammlung ging nach seinem Tod an die Folkwang-Hochschule für Musik.

1969 diente Krupp von Bohlen und Halbach als Vorlage für den Charakter des Friedrich Bruckmann in Luchino Viscontis Kinofilm Die Verdammten (The Damned). Gespielt wird der Charakter von Dirk Bogarde. Das Drehbuch wurde 1970 für den Oscar nominiert.

Das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg Greifswald, das Alfried Krupp Krankenhaus in Essen, der Seenotrettungskreuzer Alfried Krupp und ein Lehrstuhl für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht der Bucerius Law School sind nach ihm benannt.

Mit Alfried Krupp von Bohlen und Halbach erlosch der Zusatz „Krupp“ in der Familie von Bohlen und Halbach. Laut Verfügung Wilhelms II. durften nur solche Personen den Zusatz Krupp tragen, die auch Inhaber der Firma Krupp waren. Mit dem Übergang des Unternehmens in eine Stiftung und nachdem kein Bohlen und Halbach in der Unternehmensführung tätig blieb, war Alfried die letzte Person mit dem Nachnamen Krupp von Bohlen und Halbach.[4]

Literatur

Weblinks

 Commons: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Unter dem roten Greif. In: Die Zeit, Nr. 32/1967
  2. Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania – Die Yachten des Hauses Krupp; S. 207ff
  3. Joachim Knäpper: Berthold Beitz - Die Biografie. Berlin Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8270-0892-3.
  4. Katja Schmidt: Krupp – eine deutsche Familie. heise.de, 22. März 2009


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