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Adélaïde Hautval

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Adélaïde Hautval, genannt Haïdi Hautval (geb. 1. Januar 1906 in Le Hohwald; gest. 12. Oktober 1988) war eine französische Psychiaterin und Häftlingsärztin im KZ Auschwitz.

Leben

Hautval, Tochter eines evangelischen Pastors, absolvierte in Straßburg ein Medizinstudium und promovierte dort zum Dr. med.[1] Sie schloss ihre Facharztausbildung zur Psychiaterin 1933 ab. Danach war sie an Straßburger und Schweizer Kliniken tätig.[1] 1938 kehrte sie nach Le Hohwald zurück, um dort eine Einrichtung für behinderte Kinder zu gründen.[2]

Hautval wurde im April 1942 bei dem Versuch des illegalen Grenzübertritts von dem besetzten Teil Frankreichs zum so genannten Vichy-Frankreich verhaftet. In Bourges wurde Hautval in Untersuchungshaft genommen, wo sie ihren Prozess erwartete. Aufgrund von Protesten gegen die Behandlung jüdischer Mitgefangener bei der Gestapo wurde Hautval mit weiteren politischen Gefangenen in das Gefängnis Romainville überstellt.[3]

Ende Januar 1943 wurde Hautval in das KZ Auschwitz als „Judenfreundin“ deportiert und dort bald als Häftlingsärztin (Häftlingsnr. 31.802) im Krankenrevier des Stammlager des KZ Auschwitz eingesetzt. Der Standortarzt Eduard Wirths teilte sie unter anderem dem KZ-Arzt Carl Clauberg zu, um diesem bei Zwangssterilisationen zu assistieren. In Eduard Wirths Auftrag - und im Forschungsinteresse seines Bruders Helmut Wirths - musste sie auch Gewebeproben am Gebärmutterhals entnehmen. Diese Versuchsreihe sollte der Früherkennung von Gebärmutterkrebs dienen. [4] Nachdem Hautval festgestellt hatte, dass weibliche jüdische Häftlinge mittels Röntgenstrahlen sowie Ovariektomien sterilisiert und Opfer medizinischer Experimente wurden, weigerte sie sich, weiter an den Versuchsreihen teilzunehmen.[3]

Ohne Bestrafung für ihre Weigerung wurde sie daraufhin ins KZ Auschwitz-Birkenau verbracht, wo sie als Häftlingsärztin tätig wurde und Mithäftlinge unterstützte. In Birkenau sollte sie bei den medizinischen Experimenten von Josef Mengele assistieren, was sie ebenfalls ablehnte. Der Aufforderung, sich am 16. August 1943 in der Politischen Abteilung zu melden, konnte sie entgehen.[1] Freundinnen im Häftlingskrankenbau, darunter Orli Wald, verabreichten ihr zuvor ein Schlafmittel und versteckten Hautval. Im August 1944 wurde sie nach einer Typhuserkrankung ins KZ Ravensbrück überstellt, wo sie am 30. April 1945 durch die Rote Armee befreit wurde.[5][1]

Nach der Befreiung versorgte sie noch die kranken Häftlinge im Lager und kam Ende Juni 1945 in Paris an. Sie begann, ihre Lagererfahrungen im Konzentrationslager niederzuschreiben, und war 1946 Zeugin in mehreren Militärgerichtsprozessen gegen Angehörige des KZ-Personals. Sie war als Schulärztin in Besançon und später in einem Vorort von Paris beschäftigt. Hautval, die mit ihrer Lebensgefährtin zusammenlebte, wandte sich 1961 gegen Frankreichs Algerienpolitik.[5]

Hautval kümmerte sich um ihre pflegebedürftige Lebensgefährtin bis zu deren Tod und suizidierte sich im Oktober 1988.[5] Die von ihr noch 1987 überarbeitete Niederschrift ihrer Lagererfahrungen erschien erstmals in fränzösischer Sprache 1991 und 2008 als deutsche Erstausgabe unter dem Titel: Medizin gegen die Menschlichkeit. Die Weigerung einer nach Auschwitz deportierten Ärztin, an medizinischen Experimenten teilzunehmen.[5]

Ehrungen

  • Hautval ist seit Dezember 1945 Trägerin des Kreuzes der Ehrenlegion.[5]
  • In Le Hohwald wurde sie 1991 mit einem Gedenkbrunnen geehrt, auf dessen Sockel ein Satz Hautvals steht: „Denke und handle nach den klaren Wassern Deines Wesens“.[2]
  • In Straßburg trägt eine Straße ihren Namen.[5]

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Frankfurt am Main, 1980, S. 264f.
  2. 2,0 2,1 Adelaide Hautval - Andenken an eine Gerechte, in: Antifaschistische Nachrichten, Ausgabe 20, 1998
  3. 3,0 3,1 3,2 Enzyklopädie des Holocaust; Piper Verlag, München 1998, Band 2, Seite 198f.
  4. Hans-Joachim Lang: Die Frauen von Block 10. Medizinische Versuche in Auschwitz. Hamburg 2011, S. 144-166.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 Gaby Rehnelt: „Denke und handle getreu den klaren Quellen deines Wesens“, in buchbesprechungen – informationan 69, S. 45 (pdf)


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