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Hamburger Institut für Sozialforschung

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Hamburger Institut für Sozialforschung
– HIS –
Hamburger Institut für Sozialforschung– HIS –
Hamburger Institut für Sozialforschung
Standort der Einrichtung: Hamburg
Art der Forschung: Sozialwissenschaft und Zeitgeschichte
Leitung: Jan Philipp Reemtsma, Geschäftsführender Vorstand und Stifter.
Homepage: www.his-online.de

Das 1984 gegründete Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) ist eine unabhängige sozialwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Forschungsstätte. Es wird von einer Stiftung getragen, deren Vorstand Jan Philipp Reemtsma ist. Das Institut hat empirische und theoretische, zeithistorische und soziologische, international ansetzende Forschungsschwerpunkte. In drei Arbeitsbereichen unter der Leitung von Ulrich Bielefeld, Heinz Bude und Bernd Greiner geht es um die bundesdeutsche Gesellschaft, um Protestbewegungen seit dem Nationalsozialismus, um Gewalt (Genozide, Terror und Krieg im 20. und 21. Jahrhundert) und Fragen und Ideen der politischen Vergesellschaftung sowie den Wandel gesellschaftlicher Normbildung und der staatlichen Sozialpolitik.

Das Institut veranstaltet eine Vielzahl von Konferenzen und öffentlichen Vortragsreihen. Seit 1992 erscheint die institutseigene Zeitschrift Mittelweg 36 und im Verlag des HIS, der 1994 gegründeten Hamburger Edition, erscheinen jährlich 10 bis 12 Bücher. Die Spezial-Bibliothek erweitert ihren Bestand jährlich um mehr als tausend neue Bücher und leistet sich zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements. Im Archiv des Instituts findet sich eine umfangreiche Sammlung zu den sozialen Bewegungen seit 1945: Plakate, Fotos, Graue Literatur, Anwaltsakten, Zeitungen oder Dokumente.

Der breiten Öffentlichkeit wurde das Institut bekannt durch seine in den 1990er Jahren viel beachteten Wanderausstellungen über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg (siehe Wehrmachtsausstellung). Die Ausstellungen sahen mehr als 800.000 Menschen und zweimal waren sie Gegenstand von Bundestagsdebatten sowie vielen Landtagsdebatten. Die Mittäterschaft der Wehrmacht an den Verbrechen des Nationalsozialismus ist durch die Ausstellungen zum Allgemeingut geworden. Die erste Version (mit dem Titel Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944) wurde 1999 vom Institut zurückgezogen, als es wiederholt Kritik an der Zuordnung einiger der tausend Fotos gab. Die Historiker Bogdan Musial und Krisztián Ungváry wiesen auf Fehler bei der Zuordnung einiger Fotos hin, die „nicht deutsche, sondern sowjetische Verbrechen im Sommer 1941 zeigen“. Eine daraufhin berufene Historikerkommission überprüfte die Vorwürfe und kam zum Ergebnis, dass von den 1.433 Fotos weniger als 20 fehlerhaft zugeordnet waren.[1] Eine zweite anhand der im Kommissionsbericht geäußerten Kritik überarbeitete Ausstellung (mit dem Titel "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944") lief bis 2004.

Seit Ende der 1990er Jahre forscht das HIS u.a. zu Fragen der Exklusion, Prekarität und Wohlfahrtstaatlichkeit. Zu diesen Themen fand eine Vielzahl von Tagungen statt. Die Debatte zur Frage der Exklusion wurde intensiv im Mittelweg 36 dokumentiert.

Seit 2003 veranstaltet das HIS jährlich die von Bernd Greiner organisierten Tagungen zum Kalten Krieg: Zwischen "Totalem Krieg" und "Kleinen Kriegen".

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Institutes wurde zum 2. und 3. Juni 2009 in Hamburg die international hochrangig besetzte Tagung „Im Blick der Nachbarn. Die Bundesrepublik nach sechzig Jahren“ organisiert. Im Dezember 2009 organisierten das Frankfurter Institut für Sozialforschung, das Hamburger Institut für Sozialforschung und der Münchner Sonderforschungsbereich Reflexive Modernisierung gemeinsam die Tagung "Rückkehr der Gesellschaftstheorie. Kritische Sozialforschung im Widerstreit", die sich mit dem sich wandelnden Verständnis von Gesellschaft und Aktualität der Gesellschaftstheorie befasste.

Anmerkungen

  1. Dabei beschränkte sich der Bericht auf die Überprüfung bereits von Kritikern begründeter Zweifel, wies aber gleichzeitig auf die Unmöglichkeit hin, die Herkunft aller Fotos lückenlos zu überprüfen und nachzuweisen. Die Defizite der Ausstellung lagen nach Meinung der Kommission nicht so sehr in Methode oder fehlerhafter Arbeitsweise, als vielmehr im „unbekümmerten Gebrauch fotografischer Quellen, wie er in geschichtswissenschaftlichen und populären Publikationen leider sehr verbreitet ist“: Kommissionsbericht zur Überprüfung der Ausstellung S. 9/S.85/S. 86 (pdf)

Weblinks


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