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Stil

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Dieser Artikel behandelt eine charakteristisch ausgeprägte Art der Ausführung menschlicher Tätigkeiten. Zum französischen Schriftsteller siehe André Stil.

Das Wort Stil bezeichnet eine charakteristisch ausgeprägte Art der Ausführung menschlicher Tätigkeiten. Ursprünglich bezieht sich der Ausdruck auf Kunst: Maler haben einen Malstil; Schreibende (z. B. Autoren, Dichter) einen Schreibstil, Komponisten einen Komponierstil, Musiker einen Musizierstil, Sänger einen Gesangsstil. Kunststile werden untersucht und klassifiziert von der Stilkunde, einem Teilbereich der Kunstgeschichte.

In einem weiteren Sinne umfasst 'Stil' auch allgemeinere Phänomene etwa der Alltagskultur, zum Beispiel die Art wie man sich kleidet (Kleidungsstil), schmückt, sein Haar trägt.

Der Anglizismus Style wird seit Jahrzehnten - besonders im Kontext von Mode und Jugendkulturen - häufig anstelle des Wortes „Stil“ verwendet, allerdings mit etwas anderen Bedeutungsschattierungen und – je nach Zusammenhang – unterschiedlichen Konnotationen: „gestylt“, „stylis(c)h“.

'Style' ist Bestandteil einiger deutscher Wörter geworden, z. B. Styling, Hairstylist.

Begriffsbestimmung

Ein Stil bezieht sich auf eine Epoche oder Ära der Kunstgeschichte (Epochenstil), eine Region mit gemeinsamer kultureller Tradition oder die Kunstäußerungen einer spezifischen kulturellen Gruppe (kultureller Stil), das Kunstschaffen einer Ethnie in ihrer kulturellen Identität (ethnische Kunst) oder aber eine einzelne Persönlichkeit eines Künstlers oder einer Werkstatt (persönlicher Stil). Die Einheit eines Personalstils schließt Vielfalt - Vielfalt in der Einheit - nicht aus, wie etwa bei dem spanischen Dichter Francisco de Quevedo, der bei unverkennbar eigener literarischer Charakteristik "düster zu sein vermag und witzig, derb und tiefsinnig, trocken und visionär"[1].

Die „charakteristische Ausprägung“ bezieht sich auf Ähnlichkeit bezüglich formaler Merkmale (nicht auf die Gleichheit der Form wie bei Standardisierungsprozessen), die als Gemeinsamkeit dem Gros der Manifestationen/Tätigkeiten jener Epoche, Region, Person, etc. zugeschrieben wird. Ein Stil bildet sich durch die – nicht immer bewusste, aber stets kohärente – Auswahl, Bewertung und Anwendung bestimmter Ausführungsmerkmale. Anhand solcher stilbildender Merkmale lassen sich beispielsweise in den bildenden Künsten Stilrichtungen feststellen. Mit anderen Worten ist ein Stil der Kanon einer Formensprache und Stilbruch das vorsätzliche oder versehentliche Verletzen dieses Kanons.

In Kunst und Handwerk bezeichnet der Stil demgemäß die Art und Weise, wie ein (Kunst-)Werk geschaffen ist (die Art des Prozesses und die Art des Resultats), wobei es um Merkmale geht, die typisch bzw. charakteristisch sind für einen Künstler, eine Epoche, eine Schule oder auch nur ein Werk. Der Stil kann unabhängig sein von Funktion oder Inhalt des Werks; dann hat er sich verselbständigt. In der Kunst wird Stil manchmal von Manier abgegrenzt. Bei Komponisten und darstellenden Künstlern spricht man auch von einem Personalstil.

In der Sprache handelt es sich bei Stil um diejenigen Merkmale einer Äußerung oder eines Textes, die nicht die Bedeutung betreffen, sondern nur die Art und Weise, wie diese Bedeutung versprachlicht wird. Die gleiche Bedeutung kann auf unterschiedliche Art und Weise, also mit unterschiedlichem Stil versprachlicht sein. Insofern gibt es Überschneidungen mit dem Begriff der Sprachebene, die sich im Wesentlichen in Hochsprache, Alltagssprache, Rotwelsch oder Slang und Vulgärsprache unterteilen lässt. In der Rhetorik gibt es eine Reihe von rhetorischen Figuren, mit deren Hilfe besondere sprachliche Effekte erzielt werden. Im Journalismus wurde der Ausdruck „Stilform“ durch die Bezeichnung journalistische Darstellungsform abgelöst.

Der Stil wird maßgeblich von dem Genre bestimmt, in dem geschrieben wird, zum Beispiel in der dichten Form einer SMS oder eines Zeitungsartikels (dort dann wissenschaftlich oder politisch motiviert), in der feuilletonistischen Kurzform einer Glosse oder im Roman (siehe auch Sprachgebrauch). In fiktionalen Texten hat der Autor mehr stilistische Freiheiten.

Herkunft und Aussprache

Stil ist seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen bezeugt und geht auf gr. στύλος latinisiert stylusGriffel“ zurück. Die Verbindung ist folgende: Man konnte an einem Schriftstück erkennen, wie (also zunächst mit welchem Griffel) jemand etwas geschrieben hatte: Danach wurde die Bedeutung von „Technik zu schreiben“ über „Art zu schreiben“ (Handschrift) auf „die typische Handschrift eines Meisters oder einer Schule“ (Manier) übertragen. Das Wort ist möglicherweise nicht direkt aus dem Lateinischen ins Deutsche gekommen, sondern über das Italienische stile, wo es schon sehr viel länger bezeugt ist.

Stil kann (vor allem von süddeutschen Sprechern) im Anlaut wie Stadt ausgesprochen werden, jedoch sprechen viele Sprecher des Deutschen im Anlaut ein scharfes (stimmloses) s, um das Wort von Stiel zu unterscheiden, mit dem es allerdings von seiner Herkunft her sogar verwandt ist.

Interessant erscheint, dass „Stil“ nicht bedeutungsgleich mit „Stilisierung“ (Abstraktion) zu sehen ist, das den ursprünglichen Kontext des Graphischen gegenüber dem Ausformuliert-Malerischen behalten hat.

Erweiterte Bedeutungen

Außerhalb der bildenden Künste, allgemein, spricht man auch von Stilen, oft von Verhaltensstilen, je nach betrachtetem Verhalten/Resultaten einer Handlung, also etwa von Wohnstil, Modestil, Denkstil, Programmierstil, Lauf- oder Schwimmstil usw. Stile können sich ändern; sie sind oft zeitgebunden und differieren zumeist örtlich, nach Gruppen und Individuen außerordentlich stark.

Zu erwähnen sei noch das Spannungsfeld der Begriffe „mit Stil“, „kultiviert“, „manieriert“, „zivilisiert“:

  • Jemand hat einen Stil, orientiert also sein (Konsum-)verhalten konsequent an einem von ihm vertretenen Wertkonzept, dem meist traditionelle Qualitätsvorstellungen zu Grunde liegen
  • aber jemand hat Stil, wenn er sich innerhalb eines geschmacklichen Kanons sicher bewegt.

Stil in der Musik

In den Musikwissenschaften ist der Stilbegriff von Guido Adlers zentraler Setzung bis zu seiner Verdrängung durch Geschmacks- und Präferenzforschungen in den 1970er Jahren mit unterschiedlichem Stellenwert und deutlich verschiedenen Absichten verhandelt worden. Während bei Adler die Systematisierung „chaotischer Zustände“ dazu dienen sollte, „in dem Knäuel künstlerischer Erscheinungen [...] den roten Faden der Geschichte aufzudecken“[2], ging es bei der Annäherung des Stilbegriffs an die Mode um eine Erweiterung von Maßstäben der perfekten Angemessenheit auf den Lebensstil – was lange vor Adlers Abhandlung zur Temporalisierung des Stilbegriffs geführt hat.[3] Dick Hebdige vertritt für die populäre Musik eine anthropologisch-strukturalistische Position, bei der er zwei Annäherungen vorschlägt: Homologie und praktische Zuordnung von Bedeutung.[4] Leonard B. Meyer befasste sich mit der Systematisierung von Einschränkungen bei der Stilausübung.[5] Mit der Aneignung von Stilmitteln ist die Antizipation von Handlungen zugunsten eines virtuell gemeinschaftlichen Handlungsverlaufs durch eine Variation von Gegenstandsbezügen verbunden. In den 1970er Jahren kann die Rede von einer exponentiellen Vervielfachung von Stilrichtungen in der populären Musik sein, die dem Entstehen von vielen kleinen Studios und Schallplattenfirmen anstelle weniger großer zu verdanken war.

Literatur

  • Ludwig Börne: Bemerkungen über Sprache und Stil (1826), in: Sämtliche Schriften, Bd. II, Düsseldorf 1964.
  • Dirk Budde (1998): Stil und Stilbegriff in der Populären Musik, Gießen [1]
  • Gerhard Dünnhaupt: Das Eindringen des marinistischen Prosastils in die deutsche Romanprosa mit Werders Dianea-Übersetzung, in: Studi Germanici, nuova serie XI.3 (1973), S. 257-272.
  • Hans-Werner Eroms: Stil und Stilistik. Eine Einführung, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2007.
  • Gumbrecht, H.U. / Pfeiffer, K.L. (1986): Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements, Frankfurt/Main.
  • Gumbrecht, H.U. (1986): Schwindende Stabilität der Wirklichkeit. Eine Geschichte des Stilbegriffs. In: Gumbrecht, H.U. / Pfeiffer, K.L. (a.a.O.), S. 726 - 788.
  • Hebdige, D. (1979): Subculture – The Meaning of Style, London (dt. 1983 in: Schocker. Stile und Moden der Subkultur, Reinbek).

Weblinks

Wikiquote: Stil – Zitate
 Wiktionary: Stil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Andreas Dorschel, 'Herrsche in Dir selbst', in: Süddeutsche Zeitung Nr. 32 (9. Februar 2004), S. 14.
  2. Adler, G. (1911): Der Stil in der Musik. Prinzipien und Arten des musikalischen Stils, Leipzig (1929), S. 3.
  3. Sanders, W. (1973): Linguistische Stiltheorie, Göttingen. S. 116
  4. Hebdige, D. (1979): Subculture – The Meaning of Style, London (dt. 1983 in: Schocker. Stile und Moden der Subkultur, Reinbek).
  5. Meyer, L.B. (1989): Style and Music. Theory, History and Ideology, Chicago.


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