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Satmar

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(Weitergeleitet von Satmarer Rebbe)
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Satmar-Synagoge zu Jerusalem

Satmar (hebräisch סאטמאר, auch סאטמר) ist eine chassidische Gruppierung („Hof“), die von Rabbi Joel Teitelbaum 1905 begründet wurde. Sie ist nach ihrem Entstehungsort benannt, der Stadt Satu Mare, die damals zum Königreich Ungarn gehörte und heute im äußersten Nordwesten Rumäniens liegt. Nach dem Holocaust im Zweiten Weltkrieg wurde die Sekte in New York wiedergegründet. Die Satmarer tragen Knickerbocker, weisse Strümpfe und flache Filzhüte (sie sind mehr oder weniger die einzigen, die flache Hüte tragen).

Geschichte

Am 15. Februar 1904 starb Hananja Jom-Tow Lipa Teitelbaum, Admor der chassidischen Sekte in Marmaroschsiget. Sein älterer Sohn, Haim Zwi, erbte seine Stelle. Eine kleine Gruppe seiner Anhänger betrachtete den zweiten Sohn, Joel, als rechtmäßigen Nachfolger. Joel verließ Sighet; nach einem Aufenthalt bei seinem Schwiegervater in Radomyśl Wielki siedelte er am 8. September 1905 nach Satu Mare (Jiddisch: Satmar) um. Dort sammelte er Anhänger, und nach kurzer Zeit nannte er sich Rebbe von Satmar.[1]

Im Frühling 1911 wurde Haim Zwi Teitelbaum zum Rabbiner der Stadt Ilosva ernannt. 1920, infolge des Vertrages von Trianon, wurde der nordöstliche Teil Ungarns – die Basis der Sigheter Sekte – zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei aufgeteilt. Viele Chassidim in der ČSR konnten nicht mehr regelmäßig zu Haim Zwis „Hof“ in Rumänien reisen, und wandten sich zu Joel.[2] 1926 starb Haim Zwi. Offiziell wurde er von seinem 14-Jährigen Sohn Jekusiel Jehuda beerbt; aber fast alle Sighet-Chassidim wurden Anhänger des Satmarer Rebbe, der jetzt eine große Gefolgschaft hatte.[3]

1944 wurde Joel Teitelbaum durch den Kasztner Zug vor der Deportation in ein Konzentrationslager gerettet. Am 26. September 1946 übersiedelte er nach New York. Dort begann er seine Sekte, die vom Holocaust schwer betroffen war, wiederaufzubauen. Im April 1948 wurde der Kahal Jetew Lew d'Satmar gegründet, die offizielle Organisation der Gruppierung.[4] Im Gegensatz zur rechtlichen Lage in den alten jüdischen Gemeinden in Europa konnten die Satmars und andere chassidische Bewegungen in den Vereinigten Staaten ihre eigenen, unabhängigen Verbände etablieren.[5] Die Statuten von Kahal Jetew Lew erkannten Joel Teitelbaum als das lebenslange geistliche Oberhaupt der Gemeinschaft an.[6] 1968 war Satmar schließlich mit 1300 Familien schon die größte chassidische Sekte in New York.[7]

1979 starb Joel Teitelbaum und wurde von seinem Neffen Moshe Teitelbaum als Nachfolger beerbt. Seit dessen Tod im 2006 streiten dessen Söhne Aaron und Salman Leib um das Erbe.[8] Beide erheben den Anspruch, der rechtmäßige Nachfolger als Rebbe zu sein; Salman ist der Hauptrabbiner der großen Satmar-Gemeinde in Williamsburg (Brooklyn), und Aarons Zentrum ist Kiryas Joel.[9]

Anhängerschaft

Die Anhänger werden als Satmar-Chassidim bezeichnet. Die größte Zahl der Anhängerschaft lebt in Williamsburg (Brooklyn) in New York City, gefolgt von Kiryas Joel (New York), Boro Park (Brooklyn) und Monsey (New York) sowie anderen ultraorthodoxen Ballungszentren. 1990 gab es 23.000 Schüler in den Ausbildungsanstalten der Satmar-Chassidim: 19.000 in den USA, 2.000 in Israel, 1.000 in Großbritannien und weitere 1.000 in Österreich, Belgien, Brasilien und Argentinien.[10]

2006 behaupteten Quellen, dass die Satmar 119.000 Anhänger – samt Frauen und Kinder – haben, und damit die größte Bewegung des heutigen Chassidismus seien.[11] Der Soziologe Samuel Heilman hatte eine ähnliche Zahl, 120.000, angegeben.[12] Der Anthropologe Jacques Gutwirth schrieb hingegen 2004, dass es nur 50.000 Mitglieder in den Satmar Gemeinden weltweit gebe, Chassidim und deren Familienangehörige zusammengerechnet.[13] Die Sekte verfügt über ein Vermögen von rund einer Milliarde Dollar in den Vereinigten Staaten.[11]

Ideologie

Hauptmerkmal von Satmar heute ist die strikte Ablehnung jedes Zionismus, der nicht vom Messias persönlich angeführt wird. Joel Teitelbaum war ein Vertreter der ungarischen Ultraorthodoxie (nicht zu verwechseln mit dem allgemeinen ultraorthodoxen Judentum), eine Strömung die im 1860er Jahre entstand. Geführt von Rabbiner Hillel Lichtenstein (1815–1894), lehnten die Ultraorthodoxen jede Art von Akkulturation und Modernisierung kategorisch ab. Ihre Angriffe richteten sie nicht gegen das liberale neologen, sondern gegen Rabbi Esriel Hildesheimer von Eisenstadt, einer der Begründer der modernen Orthodoxie. Lichtensteins Anhänger waren gezwungen auch un-halachische Quellen zu benutzen, um ihre strenge Weltanschauung zu fördern, und wandten sich zur Aggada. Teitelbaums Opus Magnum, WaJoel Mosche – „Und Mose willigte“, das, wie viele rabbinische Werke, ein Bibelzitat als Titel hat (2. Buch Mose 2:21) und zudem ein Wortspiel mit dem Namen (Joel) enthält, bestätigt, dass jeglicher Versuch, das Exil der Juden vor der Ankunft des Messias zu beenden, verboten ist durch die „Drei Schwüre“, einen aggaditischen Text im Mischnatraktat K'tubbot. Deshalb sei, laut Teitelbaum, Zionismus eine schwere Häresie. Der Rabbiner war ein lebenslanger Gegner der Zionisten und des Staates Israels.[14]

Er und seine Nachfolger waren Vorsitzende von Edah HaChareidis, einer ultraorthodoxen Gemeinschaft in Jerusalem, obwohl keiner der früheren Rabbiner permanent in Jerusalem gelebt hatte; diese Tradition endete im Jahr 2006 mit dem Tod Moshe Teitelbaums.

Der Welt-Autor Hannes Stein argumentiert, dass die Unaufgeklärtheit und die Ablehnung weltlicher Gerichte die Sekte anfällig mache für Verbrechen wie Kindesmissbrauch.[15]

Literatur

  • Israel Rubin: Satmar. An Island in the City. Quadrangle Books, Chicago 1972
  • Deborah Feldman: Unorthodox. Eine autobiografische Erzählung. Secession Verlag für Literatur, Berlin 2016, ISBN 978-3-905951-79-0. (kritisch zu lesen)

Einzelnachweise

  1. Dezső Schön: Istenkeresők a Kárpátok alatt: a haszidizmus regénye. Múlt és Jövő Lapés Könyvk, 1997. S. 286–287.
  2. Yitsḥaḳ Yosef Kohen: Ḥakhme Ṭransilṿanyah, 5490-5704. Jerusalem Institute for the Legacy of Hungarian Jewry, 1988. OCLC 657948593. S. 73–74.
  3. Yehudah Shṿarts: Ḥasidut Ṭransilvanyah be-Yiśraʼel. Transylvanian Jewry Memorial Foundation, 1982. OCLC 559235849. S. 10.
  4. Israel Rubin: Satmar: Two Generations of an Urban Island. P. Lang, 1997, ISBN 9780820407593, S. 45–48.
  5. Jerome R. Mintz: Hasidic People: A Place in the New World. Harvard University Press, 1992, ISBN 9780674041097, S. 31
  6. Matter of Congregation Yetev Lev D'Satmar Inc. v Kahan. Decided on October 22, 2004 Supreme Court, Kings County.
  7. Jerome R. Mintz: Legends of the Hasidim. University of Chicago Press, 1968, ISBN 9781568215303, S. 42.
  8. Joseph Berger: Divisions in Satmar Sect Complicate Politics of Brooklyn Hasidim. New York Times, 5. Juli 2012.
  9. Andy Newman: Dispute Over Rabbi's Successor Heats Up. New York Times, 25. April 2006.
  10. George Kranzler: Hasidic Williamsburg: A Contemporary American Hasidic Community. Jason Aronson, 1995. ISBN 9781461734543. S. 23–24.
  11. 11,0 11,1 Michael Powell. Succession Unclear After Grand Rebbe's Death. Washington Post, 26. April 2006.
  12. Associated Press. Moses Teitelbaum, 91; Rabbi Was Spiritual Leader of Orthodox Sect. Los Angeles Times, 25. April 2006.
  13. Jacques Gutwirth: La renaissance du hassidisme: De 1945 à nos jours. Odile Jacob, 2004. ISBN 9782738114983. S. 69.
  14. Zvi Jonathan Kaplan: Rabbi Joel Teitelbaum, Zionism, and Hungarian Ultra-Orthodoxy. Modern Judaism, Heft 24, No. 2 (May, 2004). S. 165–178
  15. Hannes Stein: Die Parallelwelt der ultrafrommen Kinderschänder. Die Welt, 14. November 2014

Andere Wikis

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