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Joel Teitelbaum

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Joel Teitelbaum

Joel Teitelbaum (auch genannt: Reb Yoelish oder Reb Joilisch; geb. am 13. Januar 1887 in Sighetu Marmației, Königreich Ungarn, heute Rumänien; gest. am 19. August 1979 im Mount Sinai-Krankenhaus in Manhattan) war der Gründer und der erste Admor der Satmarer Dynastie. Er leistete einen immensen Beitrag zur Renaissance des Nachkriegs-Chassidismus und vertrat eine äusserst strenge, konservative, allem Modernen abgewandte und isolationistische Linie und war ein erbitterter Gegner des Zionismus, den er als im Sinne des orthodoxen Judentums eindeutig häretisch bewertete. Während sein älterer Bruder Chajim Zwi Teitelbaum ein einfacher, ruhiger, stets den Frieden suchender Charakter war, war Joel Teitelbaum ein Eiferer. Allerdings war ausnahmslos jeder, der ihm begegnete, von seiner Klugheit, seiner Tora und seinem Chassidut begeistert.

Leben

Joel Teitelbaum war das fünfte und zugleich jüngste Kind des Grossrabbiners Chananyah Yom Tov Lipa Teitelbaum und dessen zweiter Frau Chana Ashkenazi. Sein Vater heiratete sie im Jahr 1878, nachdem er die rabbinische Erlaubnis erhalten hatte, ein zweites Mal zu heiraten, weil seine erste Frau, Reitze, Tochter des Rebben Menashe Rubin von Ropshitz, keine Kinder bekommen konnte und als unfruchtbar galt. Chananyah amtierte als Rabbiner von Sighet sowie Vorsitzender des lokalen Rabbinerseminars und war die Führungsfigur der "Sigeter", die ihr Zentrum in der Stadt Sighet hatten. Er war der Urenkel von Moses Teitelbaum, eines Schülers des Sehers von Lublin. Die Rebbes der Teitelbaum-Familie waren bekannt für ihre sehr konservative Einstellung, ihren Widerstand gegen die Haskala, gegen Reformjudentum und Zionismus.

Joel Teitelbaum war von früher Jugend an für seine ausserordentlichen Geistesgaben bekannt. Bei seiner Bar Mitzvah hielt er einen mehrstündigen Vortrag über ein Thema aus dem Traktat Schabbat. In Fragen der rituellen Reinheit war er äusserst rigide und akribisch. Bereits vor seiner Hochzeit erhielt er die Semicha von mehreren prominenten Rabbinern, darunter Moshe Greenwald.

1904, wenige Tage vor dem Tod seines Vaters, heiratete der siebzehnjährige Joel Teitelbaum Chavah Horowitz (gest. 1936), die Tochter des Rebben Abraham Chaim Horowitz von Połaniec. Sie hatten drei Töchter, von denen keine ihren Vater überlebte oder selbst Kinder hatte: Esther (gest. in ihrer Jugend 1921), Rachel (gest. 1931, kurz nach ihrer Hochzeit) und Chaya Roisa (Reysel oder Roysele), gestorben 1953.

Joels älterer Bruder Chaim Tzvi Teitelbaum folgte seinem Vater in allen seinen Funktionen nach. Eine zahlenmässig kleine Gruppe von Chassidim betrachtete hingegen Joel Teitelbaum als den geeigneteren Nachfolger, und auch seine Mutter bestärkte ihn in dieser Einschätzung.

Joel Teitelbaum ging in die Ortschaft seines Schwiegervaters nach Radomyśl Wielki und blieb dort über ein Jahr, im September 1905 liess er sich in Satu Mare (Satmar) nieder, wo seine Anhänger, obwohl er noch so jung war, für ihn ein Bet Midrasch eröffneten. Die Zahl seiner Anhänger stieg, und bald bezeichnete er sich selbst als den Admor von Satmar. Es folgten angespannte Beziehungen zu demjenigen, der sich schon früher als Admor von Satmar bezeichnet hatte, mit Yisaschar Bertzi, Sohn von Mordechai von Nadvorna, der allerdings am 12. September 1906 starb. Der junge Rebbe Joel Teitelbaum erwarb sich bald den Ruf, ein kompromissloser Eiferer zu sein: Als die Gemeindeleiter seine Bitte ablehnten, ein im Bau befindliches Ritualbad für Frauen, das sich nach Teitelbaums Auffassung zu nah an einem Ritualbad für Männer befand, räumlich zu verlagern, zerstörten er und seine Anhänger die Baustelle in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

1911 wurde Joel Teitelbaum von der jüdischen Gemeinde der Stadt Irschawa eingeladen, als ihr Rabbiner zu amtieren, wo er anschliessend ein lokales Rabbinerseminar installierte und im Sinne des Chassidismus sehr aktiv wirkte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte er nach Satu Mare zurück, wo er schliesslich den Lehren seines Vaters und Grossvaters treu blieb und jeden Kontakt zu zionistisch eingestellten Personen verbot, dieses Verbot umfasste auch die religiösen Zionisten (Mizrachi); stattdessen unterstützte er Chaim Elazar Spira in seiner Ablehnung der World Agudath Israel.

Der Satmarer Oberrabbiner Judah Grünwald starb am 9. März 1920 und Joel Teitelbaum wurde als dessen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Jedoch war die Opposition gegen ihn seitens der nicht-chassidischen aschkenasischen Mehrheit der Gemeinde, seitens der Zionisten und der moderner eingestellten Gemeindemitglieder zu gross, viele Chassidim lehnten ihn ebenfalls ab. Schliesslich wählte man als Nachfolger Rabbi Eliezer David Grünwald (nicht verwandt mit Judah Grünwald). Im Jahr 1922 kehrte Teitelbaum zu seiner Gemeinde in Irschawa (zu diesem Zeitpunkt tschechoslowakisch) zurück.

Im März 1925 wurde Joel Teitelbaum zum Obberrabiner von Carei bestimmt, begab sich aber erst ein Jahr später in diese Stadt. Im Januar 1926 starb unerwartet sein älterer Bruder Chaim Tzvi an einer Hirnblutung. Chaim Tzvis ältester Sohn, Jekusiel Jehuda, war zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt. Obwohl viele für Joel Teitelbaum als Nachfolger seines Bruders votierten, folgte man dennoch den alten Traditionen und der Jugendliche wurde in alle drei Positionen seines Vaters eingesetzt, mit Rabbi Jekusiel Judah Gross von Berbești als seinem Berater und Mentor, der damit zum eigentlichen Oberrabbiner von Sighet wurde. Allerdings folgten immer mehr Chassiden Joel Teitelbaum als ihrem eigentlichen Rebben in jeder Hinsicht, ausser offiziell, dem Namen nach. Die Gefolgschaft von Jekusiel hatte, auch während er älter wurde, ein gewisses Mass nie überschritten und war nie über die Ortschaft seines eigentlichen Wirkens hinausgelangt. Er heiratete Rachel, die Tochter seines Onkels, die kurz darauf starb.

Im Mai 1928 starb Rabbi Eliezer David Grünwald von Satmar, und Joel Teitelbaum bemühte sich erneut um das städtische Rabbanut. Ein von der orthodoxen Gemeinde aufgestelltes Wahlkomitee wählte ihn am 11. Juni des Jahres, mit 19 Pro-, 5 Contra-Stimmen und zwei Enthaltungen. Nach lang anhaltenden Auseinandersetzungen über die Umstände der Wahl entschied man sich, eine Urwahl bei allen Gemeindemitgliedern durchzuführen. Diese fand am 9. August statt, und Teitelbaum erhielt 437 Pro- und 331 Contra-Stimmen. Die Opposition war nicht bereit, das Wahlergebnis zu akzeptieren. In einer weiteren Abstimmung, am 27. September, bestätigten ihn 779 Stimmen, während nur eine Stimme ihn ablehnte. Chaim Freund, der Gemeindepräsident, sowie weitere Vorstandsmitglieder gaben Joel Teitelbaum ihre volle Unterstützung, aber die Gegner beschuldigten diese der Wahlfälschung. Beide Seiten zerrten einander vor diverse rabbinische Gerichte und beschwerten sich auch bei den staatlichen Behörden. Sie fertigten auch lange Pamphlete und Streitschriften an (herausgegeben 1929), die ihre jeweiligen Positionen unterstützen und absichern sollten.

Weil die Stimmen der starken Opposition gegen Teitelbaum nicht verstummen wollten, gründeten seine Anhänger und Unterstützer am 10. Dezember 1929 ihre eigene unabhängige Gemeinde, in der er unangefochten als Rabbiner amtieren konnte. Die Furcht, zahlende Gemeindemitglieder zu verlieren, brachte die Opposition nun an den Verhandlungstisch, und ein Kompromiss wurde ausgehandelt (11. Juni 1930), der darauf hinauslief, Joel Teitelbaum nun als orthodoxen Oberrabbiner Satmars zu installieren. Teitelbaum bestand allerdings darauf, zuvor eine satte Mehrheit an Unterstützern im Gemeindevorstand zu haben, dies sah er dreieinhalb Jahre später als gegeben an und trat dann sein Amt in Satmar am 27. Februar 1934 an. Mit über 330 Studierenden wurde das dortige Rabbinerseminar die grösste entsprechende Institution in Satmar – mit mehr Studierenden als die anderen drei Einrichtungen zusammengenommen aufweisen konnten.

Im August 1932 besuchte er Jerusalem. Eine kleine Anhängerschaft wollte ihn nach Sonnenfelds Tod zum aschkenasischen Oberrabbiner machen, jedoch wurde Josef Zwi Duschinsky Sonnenfelds Nachfolger.

Am 29. Januar 1936 starb Teitelbaums Frau Chava. Am 20. August 1937 heiratete er ein zweites Mal, diesmal Alte Faige Shapiro (gest. 1979), die verwaiste 25-jährige Tochter des Rabbi Avigdor Shapiro von Tschenstochau, die halb so alt war wie er selbst.

1940 wurde Satmar wieder ein Teil des Königreichs Ungarn. In diesen Jahren organisierte Teitelbaum Hilfen für verfolgte jüdische Flüchtlinge und besorgte ihnen Obdach und gefälschte Dokumente. Im März 1944 fiel die deutsche Armee in Ungarn ein. Am 3. Mai 1944 wurden die Juden Satmars deportiert. Joel Teitelbaum wurde von seinen Anhängern in einem Bunker versteckt und noch am selben Tag von einem zuvor bestochenen ungarischen Offizier gemeinsam mit seiner Frau und einigen persönlichen Assistenten in einem Krankenwagen nach Klausenburg gebracht, um von dort die Grenze nach Rumänien zu überqueren. Sie kamen dort spät in der Nacht an und wurden unverzüglich von der ungarischen Gendarmerie inhaftiert und in das örtliche Ghetto verbracht. Baron Fülöp von Freudiger, Präsident der Budapester jüdischen Gemeinde, wählte 80 Rabbiner und andere prominente jüdische Persönlichkeiten und bezahlte für deren Aufnahme in die sogenannten Kastner-Transporte. Darunter war auch Joel Teitelbaum. Am 10. Juni erreichten sie Budapest, das sie am 30. Juni verliessen, dann aber am 9. Juli Richtung KZ Bergen-Belsen umgeleitet wurden. In den folgenden Monaten verhandelte Kastner mit Eichmann über ihre Freilassung. Im Lager lebten sie derweil unter erträglichen Bedingungen und erhielten auch ausreichend Nahrung. Teitelbaum beachtete auch im Lager jedes kleinste Detail der Halacha und hatte eigene, koschere Nahrung mit auf den Weg genommen, die seine Frau für ihn zubereitete. Er ass nichts von den Mahlzeiten, die die anderen Gefangenen zugeteilt bekamen. Die Leiter der Gruppe befürchteten, dass die Bärte der Rabbiner die Wachmannschaften und Offiziere provozieren könnten, und baten die Rabbiner, sich ihre Bärte abzurasieren. Teitelbaum wickelte sich ein Handtuch um den Kopf und gab vor, an Zahnschmerzen zu leiden.

Während eine erste Gruppe der Kastner-Gefangenen anfangs August freigelassen wurde, befand sich Joel Teitelbaum in der zweiten Gruppe, die Bergen-Belsen am 4. Dezember 1944 verliess. In der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 1944 erreichte der Transport Kreuzlingen in der neutralen Schweiz. George Mantello besorgte Teitelbaum ein Visum und mietete für ihn und seine Frau ein luxuriöses Appartement in Genf.

Im August 1945 verliess Teitelbaum mit mehreren Hundert anderen Personen der Kastner-Transporte die Schweiz und wurde in Italien an Bord der "Ville d'Oran" nach Haifa eingeschifft, wo sie am Morgen des 2. September ankamen. Während seines Aufenthalts im britischen Mandatsgebiet lebte er in Jerusalem im Haus seines Neffen und Schwiegersohns Lipa Meir Teitelbaum. Er blieb ein Jahr, dann emigrierte der Satmarer Rebbe in die Vereinigten Staaten. An Rosch Haschana des bürgerlichen Jahres 1946 kam er in New York an und liess sich mit einer kleinen Zahl an Anhängern in Williamsburg, Brooklyn, nieder. Im April 1948 errichteten die Satmarer Chassidim die Kongregation "Yetev Lev", benannt nach seinem Grossvater, deren Statuten 1952 anerkannt wurden und Joel Teitelbaum als zwar unbezahlte, aber unangefochten höchste spirituelle Autorität auswiesen.

1951 wurde er der Präsident der antizionistischen Edah HaChareidis, obwohl er kein Bewohner Israels war. Nach dem Tod von Zelig Reuven Bengis am 21. Mai 1953 wurde er in dessen Nachfolge auch der Vorsitzende des rabbinischen Gerichts dieser Organisation. Er besuchte Israel jeweils in mehrjährigen Abständen. 1955 gründete er den Central Rabbinical Congress der Vereinigten Staaten und Kanadas, deren Vorsitzender er bis zu seinem Lebensende blieb.

Seit den frühen 1960er-Jahren suchten seine Chassidim im Auftrag des Rebben nach einer geeigneten ländlichen Siedlung, wo sich das Chassidut abgeschieden von der Aussenwelt und ihren als schädlich empfundenen Einflüssen würde niederlassen können, und sie fanden schliesslich Land in Monroe, New York, wo sie Kiryas Joel errichteten ("Stadt des Joel", des Joel Teitelbaum). Die ersten Familien liessen sich dort im Jahr 1974 nieder.

Am 23. Februar 1968 erlitt Joel Teitelbaum einen Schlaganfall und war fortan zum Teil gelähmt und in seiner Gesundheit schwer beeinträchtigt. In den frühen Stunden des 19. August 1979 klagte er über Schmerzen und wurde ins Mount Sinai-Krankenhaus gebracht, wo er einen Herzinfarkt erlitt und um etwa 8:00 Uhr starb. Über 100 000 Personen wohnten seiner Beerdigung in Kiryas Joel bei. Sein Nachfolger wurde Moshe Teitelbaum, sein Neffe und der zweite Sohn seines älteren Bruders.

Ansichten und Lehren

Teitelbaum war berühmt-berüchtigt für seinen radikalen Antizionismus. Er ermutigte seine Anhänger, autarke Gemeinschaften zu bilden, ohne die Hilfe des säkularen Staates in Anspruch zu nehmen, zu dem er jeden offiziellen Kontakt untersagte.

Vor dem Zweiten Weltkrieg glaubten die meisten chassidischen Rabbiner und viele orthodoxe Rabbiner mit ihnen, dass G'tt selbst sein Volk unter der Führerschaft des Messias nach Erez Israel werde zurückkehren lassen. Der Messias würde kommen, sobald das Volk Israel die Erlösung verdient hätte. In der Zwischenzeit sollten die Juden die 613 Mitzwot halten und nicht gegen die Völker der Welt aufbegehren. In den Jahren nach dem Holocaust hielt Joel Teitelbaum umso stärker an diesen Positionen fest.

Nach Ansicht der Teitelbaum-Anhänger widersprach die Gründung des Staates Israel der fundamentalen Satmarer Lehre und Vision, dass die Juden auf den Messias warten sollten. Mehr noch, Joel Teitelbaum erklärte, dass die Existenz des zionistischen Staates den Messias von seinem Kommen abhalten würde.

Teitelbaum sah seine Opposition gegen den Zionismus als ein Mittel, jüdisches Leben zu schützen und Blutvergiessen zu vermeiden. Obwohl einige charedische Rabbiner dieser Ansicht zustimmen, ist die generelle Sicht der World Agudath Israel und vieler orthodoxer Rabbiner die, dass ein Engagement im und für den Staat dann erlaubt und erstrebenswert ist, wenn dadurch das religiöse Judentum gestärkt werden kann. Teitelbaum hingegen glaubte, dass jede Teilnahme an staatlichen Angelegenheiten, sogar die Teilnahme an allgemeinen Wahlen, eine schwere Sünde darstelle, weil dies einen Beitrag leiste zur spirituellen und physischen Zerstörung unschuldiger Menschen. Teitelbaum war ein offener Gegner der Aguda, und bis in die Gegenwart hinein lehnt die offizielle Satmar-Philosophie und –bewegung eine Mitgliedschaft in der Aguda ab. Die Sicht der Satmarer ist, dass der Messias allein eine neue, legitime jüdische Regentschaft in Erez Jisrael bringen kann. Selbst wenn eine neue Regierung vor der Ankunft des Messias sich selbst als religiös deklariert, würde dies illegitim sein und nichts weiter als eine Anmassung.

Teitelbaum war sehr streng in vielen halachischen Fragen und debattierte beispielsweise mit Moshe Feinstein über die korrekte Höhe der Mechitza. Feinstein fand, die Mechitza müsse bis an die Schulter einer durchschnittlich grossen Frau reichen, während Teitelbaum fand, die Mechitza müsse verhindern, dass man überhaupt Frauen sehen könne. Teitelbaum lehnte den Gebrauch einer Pipette bei der Brit Mila rigoros ab und argumentierte, dies würde eine Steigerung der Promiskuität nach sich ziehen.

Teitelbaum ermutigte alle verheirateten chassidischen Männer, einen Shtreimel zu tragen. Obwohl diese Kopfbedeckung von den meisten chassidischen Männern im Vorkriegs-Ungarn nicht getragen wurde, meinte Teitelbaum, dass es in Amerika für die jüdischen Männer umso wichtiger sei, sich von den Nichtjuden zu unterscheiden, um Assimilationsgefahren abzuwenden, die hier viel virulenter seien als damals in Ungarn. Teitelbaum meinte auch, dass Jungen und Mädchen sich vor ihrer Verlobung nicht häufiger als zwei oder drei Mal begegnen sollten.

Teitelbaum betonte die Wichtigkeit von Tzniut für Frauen. Er war ein starker Befürworter des ungarischen chassidischen Brauchs, dass verheiratete Frauen sich regelmässig jeden Monat das Haupthaar scheren, bevor sie in die Mikwe steigen. Er lehnte für verheiratete Frauen auch das Tragen eines Sheitels strikt ab und deklarierte dies als vom jüdischen Gesetz verboten. Er wünschte sich stattdessen, dass verheiratete Frauen ihr Haar auf andere Weise bedecken und verbergen, z. B. mit einer Art Turban. Teitelbaum bestand darauf, dass alle Frauen und Mädchen dicke braune Strümpfe mit Naht tragen. Die Strümpfe sollten mindestens 90 den haben. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit solcher Strümpfe ermutigte Teitelbaum einen seiner Chassiden, die Strümpfe selbst gemäss diesen Vorgaben zu produzieren. Diese Strümpfe wurden "Palm" genannt, eine englische Übersetzung von Teitelbaums Nachnamen.

Teitelbaum verbot auch den Besitz von Fernsehgeräten. Er besass und kontrollierte eine eigene jiddischsprachige Zeitschrift, "Der Yid". Andere jiddische Zeitschriften enthielten seiner Meinung nach auch Artikel und Ansichten, die zu lesen verboten waren. Zudem benötigte er eine Plattform zur Verbreitung seiner antizionistischen Positionen.

Die zurückgelassene Sefer Tora

Illustration der "Jüdischen Zeitung" (siehe nebenstehenden Hinweis)

Reb Awraham Dzialosinsky aus Basel berichtete gemäss einem Augenzeugenbericht, dass Reb Joilisch zu Beginn des Krieges eine kleine Sefer Tora mit sich brachte, die er für das Tora-Leinen am Schabat, Montag und Donnerstag verwendete. Darauf wollte er nicht verzichten. An einem bestimmten Tag musste er sich aber von ihr trennen, weil er die Halacha auf korrekte Weise beachten wollte, und zwar als er mit dem Kastner-Transport per Eisenbahn unterwegs war. Als sie bei einem Wald vorbeikamen, hielt der Zug, und alle Juden wurden aufgefordert, den Waggon zu verlassen, unter ihnen der Satmarer Rebbe mit der Torarolle auf dem Arm. Sie befanden sich dort im Wald während einiger Stunden - es war Freitag Nachmittag. Die Sonne ging unter, es wurde Schabat, und dann kam plötzlich der Befehl, dass alle wieder den Waggon besteigen sollten. Der Admor befand sich nun in einem Dilemma. Einerseits war der Wald ein "Karmelit" und der Zug ein "Reschut Hajachid", wodurch das Tragen nur ein Verbot der Rabanan war. Er könnte also durch das Tragen der Sefer Tora und das Übertreten eines Verbots der Rabanan die Mitzwa des Tora-Leinens erfüllen. Dennoch beschloss er schlussendlich schweren Herzens, dass es richtiger war, das Verbot der Rabanan nicht zu übertreten und die Sefer Tora im Wald zurückzulassen ...

Literatur

  • Yechezkel Yossef Weisshaus, The Rebbe. A Glimpse into the Daily Life of the Satmar Rebbe Rabbeinu Yoel Teitelbaum, Lakewood, New Jersey, 2008
  • Dovid Meisels, The Rebbe. The extraordinary life and worldview of Rabbeinu Yoel Teitelbaum, the Satmar Rebbe, Lakewood, New Jersey, 2010

Weblinks

Hinweis

Der Artikeltext beruht teilweise auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 19. Juli 2013, Seite 24.

Andere Wikis

Siehe auch


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