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Jechiel Jehoschua Rabinowitz

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Jechiel Jehoschua Rabinowitz
Die Grabstätte von Reb Jechiel Jehoschua

Rabbi Jechiel Jehoschua Rabinowitz (geb. 1900 in Schedlitz; gest. 1982 / 21. Schwat 5742 in Israel) war Admor von Biala.

Leben

Er kam im Jahr 1900 zur Welt, verlor aber schon im zarten Alter von fünf Jahren seinen Vater. Sein Vater, Reb Jerachmiel Zwi Rabinowitz, wurde nur ein halbes Jahr, nachdem er an seines Vaters statt zum Admor gewählt wurde, niftar.

Der Waise wurde von seinen Onkeln in Warschau grossgezogen. Einer von ihnen, Reb Meir Schlomo Jehuda Leib aus Mesritsch, spielte eine wichtige Rolle in seiner Erziehung und sorgte sich sehr um ihn.

Schon als Bachur konnte man erkennen, welch grosse G'ttesfurcht in ihm steckte. Im Alter von siebzehn Jahren wurde er in das polnische Militär eingezogen. Man erzählt von einem Wunder, das bewirkt haben soll, dass er nach nur drei Monaten wieder freigelassen wurde. Ein Jahr nach seiner Entlassung aus dem Militär heiratete er und kehrte zu seinem Geburtsort Schedlitz zurück.

1924 wurde er als noch junger Mann zum Admor von Biala gekrönt. Er wohnte in Schedlitz, einer sehr grossen Stadt, in der etwa 20 000 Juden lebten. Trotz seines jungen Alters wurde er von allen Stadtbewohnern sehr geschätzt und verehrt, denn seine Klugheit und G'ttesfurcht waren bekannt sowie seine Tefillot, die ständig von vielen Tränen begleitet wurden, die sich in die Länge zogen und Früchte trugen.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg beendete er das Schass viermal und war in allen Teilen des Schulchan Aruch bestens bewandert. Er nahm es mit der Erfüllung der Halacha äusserst genau. Während des grössten Teiles des Tages war er in Tallit und Tefillin eingehüllt und lernte ohne Unterbrechung.

Sechzehn Jahre führte er die Gemeinde in Schedlitz und hob sie empor. Am Schabat vor Rosch Haschana des Jahres 5700 (1939) marschierten die Nazis nach Schedlitz ein. Das Bet Haknesset und das Wohnhaus von Reb Jechiel wurden verbrannt und man nahm ihn zur Zwangsarbeit mit. Durch viele wundersame Fügungen kam er lebendig von dort wieder heraus. Einige Wochen nach der Eroberung von Polen durch die Deutschen übernahmen die Russen infolge eines geheimen Abkommens zwischen den zwei Mächten einen Teil von Polen. Es wurde noch nicht entschieden, ob Schedlitz und Umgebung unter der deutschen oder russischen Herrschaft stand. Als Reb Jechiel aus dem Gefangenenlager der Deutschen entkommen konnte, wollte er deshalb nicht in seine Heimatstadt zurückkehren, sondern beschloss, mit seiner Familie nach Weissrussland zu fliehen. Von dort wurde er aber bald nach Sibirien geschickt und musste bis ans Ende des Krieges fünf Jahre unter sehr schweren Umständen erneut Zwangsarbeit leisten. Trotz allem Leid und Qual war er für alle anderen jüdischen Lagerinsassen eine wahre Lebensquelle. Er blieb während der ganzen Zeit derjenige, der seine Mitmenschen ermunterte, ihnen Lebenswillen gab und sie ermahnte, Haschem auch in diesem Zustand mit Freude zu dienen.

Als er an Lag Baomer des Jahres 5707 (1947) in Erez Jisrael ankam, gründete er sein Bet Hamidrasch in Tel Aviv, und es dauerte nicht lange, bis es zur Anlaufstelle von tausenden Flüchtlingen wurde, die aus Europa dorthin gekommen waren. Sie waren alle gebrochen in Geist und Körper und standen ohne Familie da. Obwohl er selbst auch viel durchgemacht hatte, hatte er ein offenes Ohr für jeden Jehudi und konnte sie stärken und aufmuntern.

1955 übersiedelte er nach Jeruschalajim. Er entfaltete dort wieder jugendliche Kräfte und seine langen Tefillot waren wieder von viel Elan geprägt.[1] Er führte dort die jüngere Generation an und pflanzte ihnen einen Weg in Awodat Haschem und Limud Hatora ein. Er lehrte auch seine Schüler, wie man das himmlische Joch vollständig auf sich nimmt und offenbarte ihnen für diesen Zweck verschiedene Kawanot beim Erwähnen von G'ttes Namen.

Einst fuhr Reb Jechiel Jehoschua anlässlich der Hochzeit seines Sohnes in die Schweiz nach Lugano. Wenn er an einen fremden Platz kam, bat er jeweils, dass man ihm sein Bett mit neugekauften Tüchern beziehen soll. Als er also nach Lugano kam, erfüllte man ihm seinen Wunsch und bezog sein Bett mit neuem Bettzeug. Als er aber das Zimmer betrat, bat er, man möge ihm doch bitte anderes Bettzeug besorgen. Er begründete seine Bitte damit, dass wahrscheinlich eine nichtjüdische Haushaltshilfe aus Zeitdruck das Bett berührt hatte. Man ging der Sache nach und fand heraus, dass es wirklich der Wahrheit entsprach!

Reb Jechiel Jehoschua verfasste das Sefer Chelkas Jehoschua über die Tora und die Jamim Towim.

Er war zu einem langen Leben soche und konnte sich in den letzten Jahren trotz seiner Schwäche und seiner Leiden dennoch in Awodat Haschem stärken. Er musste auch nicht auf die Beachtung irgendeiner Halacha verzichten.

Er starb im Alter von 81 Jahren.

Anmerkungen

  1. Als Rabbi Jechiel Jehoschua in Jeruschalajim wohnte, pflegte der Admor von Gur, Reb Jisrael Alter, an Schabat-Abenden unter dem Fenster seiner Wohnung stehen zu bleiben, um zu hören, wie Reb Jechiel Jehoschua Kiddusch machte! Auch der Brisker Raw, Reb Jitzchak Seew Solovieczik, blieb jeweils beim Fenster des Admor stehen, um zuzuhören, wie er das Krijat Schema sprach und das himmlische Joch auf sich nahm.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 17. Januar 2014, Seite 21.


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