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Jakow Alexandrowitsch Brafman

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Книга Кагала (Kniga Kagala, „Das Buch vom Kahal“). Russische Erstausgabe von 1868

Jakow Alexandrowitsch Brafman (russisch Я́ков Алекса́ндрович Бра́фман; * 1824 oder 1825 in Klezk, Gouvernement Minsk, heute Weißrussland; † 16.jul./ 28. Dezember 1879greg. in Sankt Petersburg, auch Jacob Aleksandrowitsch Brafman) war ein russischer Journalist. Nach seinem Übertritt vom Judentum zum Christentum veröffentlichte er einflussreiche antisemitische Schriften.

Leben

Brafman wurde als Sohn eines Rabbiners in einem Stetl im kaiserlich-russischen Ansiedlungsrayon geboren. Er verwaiste früh, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde von entfernten Verwandten aufgezogen. Um der Wehrpflicht in der Zarenarmee zu entgehen, floh er nach Minsk. Nach einem erfolglosen Versuch, sich dort als Photograph zu etablieren, konvertierte er 1858 zum orthodoxen Christentum, möglicherweise aber schon früher zum lutheranischen Christentum. Bei einem Staatsbesuch von Zar Alexander II. in Minsk 1858 unterbreitete ihm Brafman ein Memorandum über die Frage, wie Juden in Russland am besten zu missionieren und zu „nützlichen“ Untertanen zu erziehen seien.[1] Dieses Memorandum wurde dem Heiligen Synod in Petersburg übermittelt, und als Folge davon erhielt Brafman 1860 die Stelle eines Dozenten für Hebräisch am griechisch-orthodoxen Seminar in Minsk. [2] 1866 zog Brafman nach Wilna, wo er in einer Reihe von Aufsätzen die Kehillahim, die jüdischen Gemeindeorganisationen, als angeblich wichtigstes Hindernis für eine Akkulturation der russischen Juden beschrieb. Daraufhin wurde ihm ein Stipendium zum Studium der jüdische Gemeindebücher gewährt, die gleichzeitig von den Studenten des Wilnaer Rabbinerseminars ins Russische übersetzt wurden. Das Ergebnis dieser Arbeit war Brafmans Werk Книга Кагала (Kniga Kagala, „Das Buch vom Kahal“), das 1868 erschien. 1870 siedelte Brafman nach Sankt Petersburg. über. Wie zuvor schon in Wilna arbeitete er hier als Zensor für hebräische und jiddische Publikationen. Er war mit dem slawophilen Schriftsteller Aksakow befreundet. 1879 starb er in st. Petersburg an einer Lungenentzündung.

Schaffen

In den 1860er Jahren wurde Brafman ein glühender Verfechter des Antisemitismus. Ab 1867 veröffentlichte er im offiziellen „Wilnaer Kurier“ (Wilenskij westnik) eine Serie von Artikeln über die Lebensweise und Gebräuche jüdischer Gemeinden, die 1869 als Das Buch vom Kahal und Lokale und weltweite jüdische Bruderschaften publiziert wurden. Diese zwei Bücher enthalten zahlreiche judenfeindliche Verschwörungstheorien. Im Buch vom Kahal behauptet Brafman, Juden würden unter Verwendung von Grundsätzen aus dem Talmud Anhänger anderer Religionen von Handel und Industrie ausschließen und selbst sämtliches Kapitel und allen Grundbesitz ansammeln. Die „jüdischen Bruderschaften“ bezeichnete er als „Hauptarterien der jüdischen Gesellschaft… Sie verbinden alle Juden, die in der Welt zerstreut sind, zu einer mächtigen und unbesiegbaren Gruppe.“ Die Kahals der ganzen Welt würden von einem Hauptquartier aus gesteuert, das seinen Sitz in Frankreich habe: dies sei die Alliance Israélite Universelle. Die beiden Bücher wurden sämtlichen russischen Regierungsstellen zugänglich gemacht, und Brafman wurde 1870 Mitglied der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft.[3] 1879 erschienen beide Schriften als zweibändige Gesamtausgabe. Das Buch vom Kahal wurde 1928 in einer deutschen Übersetzung von Siegfried Passarge herausgegeben.[4]

Rezeption

Brafman wurde von seinen Gegnern als „neuer Pfefferkorn“ bezeichnet. Seine Ausführungen dienten im Zarenreich als Rechtfertigung für judenfeindliche Verordnungen nach 1881 (Maigesetze) und gelten als gedanklicher Vorläufer der Protokolle der Weisen von Zion.[5]

Die Vorstellung, es gäbe eine international operierende jüdische Verschwörung, die Brafman in Kniga Kagala entwirft, beeinflusste auch die anonymen Verfasser der Protokolle der Weisen von Zion, ein um 1900 entstandener fiktionaler Text, der vorgibt, Beweise für eine Jüdische Weltverschwörung zu liefern. Dort ist von einem „musterhaften Späherdienst des Kahal“ die Rede, mit dem die Juden ihre künftige Weltherrschaft absichern würden.[6] Brafmans Buch gilt als gedanklicher Vorläufer der Protokolle.[7]

In Umberto Ecos Roman Der Friedhof in Prag (2010) wird Brafman (in der deutschen Umschrift Jakob Brafmann) als konvertierter Jude und Hebräischlehrer am theologischen Seminar in Minsk vorgestellt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Anke Hilbrenner: Brafman, Jakov. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 97 f.(abgerufen über De Gruyter Online)
  2. John Doyle Klier: Imperial Russia's Jewish Question, 1855-1881
  3. The History of Anti-Semitism, Volume 4: Suicidal Europe, 1870-1933
  4. Digitalisat in der Freimann-Sammlung der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  5. Anke Hilbrenner: Brafman, Jakov. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 97
  6. Jeffrey L. Sammons (Hrsg.): Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Grundlage des modernen Antisemitismus. Eine Fälschung. Text und Kommentar. 6. Auflage. Wallstein, Göttingen 2011, S. 92.
  7. Leonid Luks: Zwei Gesichter des Totalitarismus. Bolschewismus und Nationalsozialismus im Vergleich. Böhlau, Köln/Weimar Wie 2007, S. 33.


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