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Internat Kristinehov

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Das Internat Kristinehov war ein 1934 gegründetes Landschulheim im südschwedischen Västraby. Das Internat war eine zionistisch orientierte Einrichtung für jüdische Kinder und Jugendliche aus Deutschland, die hier vor allem auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereitet werden sollten. Kristinehov gehört zu den erstmals von Hildegard Feidel-Mertz erforschten zwanzig Schulen im Exil.

Västraby (Schweden)
Västraby
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Lokalisierung von Västraby in Südschweden (Skåne, Götaland)
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Die Ursachen der Schulgründung

Die Hintergünde und Notwendigkeiten, die zu dieser Schulgründung im Ausland führten, beschreibt Hans Friedenthal, ab 1936 geschäftsführender Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland:

„Ich war damals der Yorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland, und viele wandten sich um Rat und Hílf an mich. Besonders schwierig war die Lage der Kinder. Von den Schulen vertrieben, fanden sie nicht genügend jüdische Schulen, die sie hätten aufnehmen können, und soweit es solche gab, waren sie aus Mangel an Lehrern und passenden Unterkünften sehr dürftig. Dies betraf besonders die Kinder bis zu 15 Jahren, weil die älteren mit der Jugendalijah nach Palästina auswandern konnten. Damals gründeten eine Reihe von jüdischen Pädagogen, zum grossen Teil Nichtzionisten, Internatsscbulen in Deutschland angrenzenden Ländern.[1]

Zwei dieser Pädagogen, die sich für die in Deutschland ausgegrenzten jüdischen Kinder und Jugendlichen einsetzten, waren das Ehepaar Ludwig und Charlotte (Yael) Posener. Sie gründeten 1934 das Internat Kristinehov in Südschweden.

Die Gründer des Internats Kristinehov

Ludwig Posener (* 20. Februar 1902 in Berlin – † August 1978 in Zürich, begraben in Jerusalem), ist der Sohn von Moritz Moses Posener und dessen Ehefrasu Gertrud, einer geborenen Oppenheim.[2] Sein Bruder ist der Architekt und Architekturhistoriker Julius Posener. Beide stammen aus einem großbürgerlichen Elternhaus und verlebten ihre Jugend in einer Villa in Berlin-Lichterfelde. Aus Julius Poseners Erinnerungen „wird deutlieh, dass die Familie Oppenheim-Posener in Lichterfelde isoliert war und nur untereinander verkehrte. Ihre schönen Landhäuser waren wie Burgen. In der Schule ließ man ihre Kinder ihr .Iüdisehscin schmerzlich spüren. Der Vater Posener verlangte von seinen Söhnen ausdrücklich, jede antisemitisehe Beleidigung tätlich abzuwehren. Als l9l4 der Erste Weltkrieg ausbrach, suchten die Poseners mit den übrigen Lichterfelder Familien an patriotisehcn Taten zu wetteifem.“[3] Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem der älteste der drei Posener-Brüder, Karl, noch als Freiwilliger teilgenommen hatte, lockerte sich offenbar innerhalb der Familie die deutsch-nationale Gesinnung, und insbesondere Ludwig Posener begeisterte sich für den Zionismus und "war angesichts anlisemitiseher Erfahrungen dem zionistisehen Wanderbund Blau-Weiß beigetreten, was zu schweren Konflikten mit dem Vater Posener führte, der seine Erziehung gescheitert und sein eigenes Deutschtum durch den Zionismus gefährdet sah.“[4]

Ludwig Posener studierte Mathematik und Physik in Berlin und wurde promoviert. 1930 heiratete er Charlotte Neumann (* 16. April 1910 in Berlin – † 1990). Deren Eltern waren der 1876 in Meiningen geborene Rechtsanwalt Heinrich Neumann und seine 1884 in Prag geborene Frau Lilly (geborene Spiro). Die beiden gingen 1941 in Prag aus Angst vor der Deportation in den Freitod.[5]

Charlotte Posener hatte ebenfalls in Berlin studiert und wurde 1933 zum Dr. phil. promoviert. 1934 emigrierte das Ehepaar nach Schweden und gründete das Internat Kristinehov. Sie leiteten es allerdings nur bis 1937, da sich ihnen, zusammen mit ihren beiden Kindern (Yochanan Peres (* 1931) und Ruth Oltolenghi (* 1935), 1938 die Möglichkeit zur Ausreise nach Palästina bot. Ludwig Posener, der seinem Namen den Zusatz Nachman hinzugefügt hatte, wurde in Palästina zunächst Direktor der höheren Schule in Rechovot und später Professor an der Universität von Tel Aviv. Charlotte Posener, die ihrem Namen Yael hinzufügte, arbeitete 1938-39 als Oberschullehrerin in Jerusalenı und von 1940 bis 1952 als Inspektorin für Jugend-Alíyah. 1952 wurde sie vom israelischen Außenministerium in das Büro des Ministerpräsidenten delegiert, wo sie bis 1964 arbeitete. Von 1964 bis 1973 war sie verantwortlich für das Bauwesen, wurde 1973 stellvertretende Direktorin und 1976 Direktorin der Abteilung Schulverwaltung im Ministerium für Erziehung und Kultur. 1977 ging sie in den Ruhestand und übernahm den Vorsitz im Verwaltungsrat der Organisation für die Entwicklung israelischer Gemeindezentren.[6]

Zwischen Landerziehungsheim und „Rückschulung“

Die politischen Randbedingungen in Schweden, unter denen die Schulgründung stattfand, skizziert Pontus Rudberg:

„Until 1939, the care and support of refugees was seen entirely as the responsibility of the organization or individual who had provided authorities with the guarantees made on behalf of the refugees. [..] Jewish refugees were seen primarily as the responsibility of Sweden’s small Jewish communities. In 1933, there were approximately 7,000 Jews in Sweden, 4,000 of whom lived in Stockholm. Because membership in a religious congregation was mandatory according to Swedish law, all Jews with Swedish citizenship belonged to one of the official Jewish communities. All of the major communities created their own relief committees to raise and distribute funds for Jewish victims of Nazi persecution.
Despite Sweden’s restrictive immigration policy, local Jewish representatives managed to negotiate a few concessions. The first was a transmigration quota that allowed for temporary residence permits to be given to young Jews who did their agricultural re-training on Swedish farms. The program was run by the Zionist Hechaluz movement and gave the youth the work experience required to obtain immigration certificates to Palestine. The second was a similar quota for German Jewish school children who attended the Landschulheim Kristinehov boarding school. Run by the German Jewish couple Ludwig and Charlotte Posener, the school was staffed by 13 Jews who thus had managed to escape Germany along with 170 pupils.[7]

Pontus Rudbergs Befund, der auf seiner 2015 veröffentlichten Dissertation beruht, deckt sich weitgehend mit der Auffassung von Feidel-Mertz. Nach ihr hatte das Internat Kristinehov „von vornherein die ‚Transmigration‘, das heißt die Durchreise und gezielt die Einwanderung nach Palästina im Sinn“.[8] Einen Absatz weiter relativiert sie aber diesen Befund unter Bezug auf nicht weiter dokumentierte Schülereinschätzungen: „Nach dem Urteil ehemaliger Schüler, die bis 1941 die Schule besuchten, soll Kristinehov vor der Kristallnacht eher ein reguläres Landerziehungsheim gewesen und erst danach bewußt auf die Einwanderung nach Palästina ausgerichtet worden sein.“[8] Vermutlich auf die erste Phase bezieht sich auch eine andere Einschätzung von ihr, nach der die Schule auch reformpädagogischen Grundsätzen entsprochen habe.[9] Und diesem Zeitabschnitt gilt auch Hans Friedenthals Erinnerung an Västraby:

„Endlich gab es einen Platz in einem freundlichen Land unter der Leitung von echten Pädagegee, wo die Kinder nicht nur lernten, sondern auch seelisch betreut wurden. Sport, Spiele und Ausflüge ergänzten das Schulprogramm. Kurzum, es war wie ein Licht in der Finsternis. Natürlich schickte ich auch meine Kinder hin.
Was Ludwig Posener dort geleistet hat, war erstaunlich. Bei der schweren Arbeit half ihm sein profundes wissen, sein nie versiegender Humor und seine grosse Musikalität. In seiner Erau hatte er eine adäquate Helferin. So oft meine Frau und ich dort waren, um unsere Kinder zu besuchen, kehrten wir getröstet zurück. So vergingen die Jahre, bis die beiden Posenere und wir nach Erez Israel gingen.[10]

1937, mit dem Ausscheiden der Poseners, hat zunächst eine Zweiteilung in der Schulleitung stattgefunden: Die „akademische“ Schulleitung übernahm „Dr. Ernest M. Wolf, während die ‚christliche‘ Frau eines jüdischen Lehrers, Berthold Levi, für die Verwaltung zuständig war“.[8] In dieser Zeit muss sich der ursprüngliche Charakter der Schule allmählich verändert haben. Die Kristallnacht als äußerlicher Anlass hierzu wurde schon erwähnt. In der Folge hatte sich auch Schweden – analog zu den Kindertransporten nach England – bereit erklärt, ein Kontingent von anfänglich 60 später 500 jüdischen Kindern aus Deutschland aufzunehmen, für die allerdings jüdische Spender und die jüdischen Gemeinden in Schweden bürgen mussten.[11] Für einen Teil dieser Kinder versuchte Eva Warburg, eine Tochter von Anna Warburg, die Ausreise nach Palästina im Rahmen der Jugendalija zu organisieren. In diesem politischen Kontext verlagerte sich offenbar der Schwerpunkt der schulischen Aktivitäten und wurde „bewußt auf die Einwanderung nach Palästina ausgerichtet [..]. Die Schule war außerdem ein Zentrum für die sprachliche und intellektuelle Ausbildung von Chaluzim, jungen Zionisten, die bei schwedischen Bauern in der Umgebung die Landwirtschaft erlernten.“[8] Damit wurde offenbar ein ähnliches Konzept verfolgt wie an der der Quäkerschule Eerde angegliederten Landbauschule.[12] Im Unterricht, der ursprünglich von der Volksschule bis zur Mittleren Reife führen sollte, nahm unter den veränderten Bedingungen „Neu-Hebräisch und jüdische Geschichte eine zentrale Stelle ein. Die Ausbildung in den für ein neues Leben in Palästina benötigten Fertigkeiten wie Schreinerei und vor allem Gartenbau diente zugleich der Selbstversorgung. Dennoch muß der Lebenzuschnitt in Kristinhov außerordentlich karg gewesen sein. Das kleine Auto, über das die Schule verfügte, wurde „Die Hoffnung“ genannt.“[8]

1940/41 war Manfred Moritz Schulleiter und die Schule übersiedelte nach Osby. „Die Schule hatte sich mehr und mehr zum ‚Wartesaal‘ entwicklet. Schubweise kamen und gingen die Kinder, einzelne auch in andere Länder als Palästina. Manche blieben in Schweden, ebenso einige der Lehrer, denen die Einwanderung nach Palästina, für die sie die Kinder erzogen, selbst nicht gelang. [..] Die dadurch bedingte Fluktuation mußte eine beträchtliche Diskontinuität und Unruhe in das schulische Leben gebracht haben. Dazu kam ein ebenso häufiger Wechsel von Lehrern mit unterschiedlicher Qualifikation, darunter auch solche, die eigentlich keine Lehrer von Beruf, aber trotzdem gute Pädagogen waren.“[8]

Nach 1941 übernahmen Heinz und Ruth Säbel die Schulleitung. Die Schule selber wurde gegen Kriegsende zu einem „Kinderheim für die ‚Rückschulung der über ganz Schweden verstreuten jüdischen Kinder ins Judentum‘.“ Die Säbels leiteten danach vom schwedischen Staat gegründete Internate für Kinder und Jugendliche aus den Konzentrationslagern.[13] Über das Ende oder die abermals veränderte Weiterführung von Kristinehov ist nichts überliefert.

Alija statt Internat

Wie schon erwähnt, hatte Eva Warburg um 1940 herum große Anstrengungen unternommen, Kindern- und Jugendlichen die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen. Ein großer Teil dieser Kinder und Jugendlichen „war in einem von Eva Warburg initiiertem Heim in der Nähe der Stadt Falun untergebracht worden. Dort arbeiteten die meisten bei den Bauern der Umgebung. Sie wohnten und lernten allerdings gemeinsam im Heim, was dadurch einem Kibbuz glich.“[11] Für 95 von ihnen hatte Eva Warburg von der Jewish Agency for Israel Zertifikate für die Einreise nach Palästina erhalten. „Die Zertifikate sind für Kinder bestimmt, die in Hälsinggården, Tjörnarp, Kristinehov und in privaten Familien untergebracht sund und die durch die Abt. Kinderhilfe nach Schweden zur Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina gekommen sind.“[14]

Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte weitreichende Folgen für die Auswanderung aus Schweden. Kommunikations- und Reisewege waren drastisch eingeschränkt und verursachten hohe Kosten, denn faktisch stand „nur noch der sehr beschwerliche und zudem sehr teure Landweg über die Sowjetunion“ offen, und die dafür benötigten Mittel von jüdischen Netzwerken in Westeuropa oder den USA konnten nach dem deutschen Westfeldzug nicht mehr transferiert werden.[11]

Eva Warburg versuchte, dieses Dilemma durch Spendenappelle an die jüdische Gemeinde in Stockholm zu überwinden. Doch deren Finanzkraft war längst überstrapaziert; sie unterstützte unter anderem auch das Internat Kristinehov. Gerade dieses Internat spielte in Warburgs Argumentation eine große Rolle. Neben der Auflösung einiger anderer der in dem zitierten Brief erwähnten Einrichtungen und der dadurch qua Auswanderung eingesparten Kosten, konnte sie der jüdischen Gemeinde auch vorrechnen, dass Schüler von Kristinehov, die auswandern wollten, zu einer deutlichen finanziellen Entlastung bei den laufenden Kosten beitragen würden. Durch diese Gegenrechnung – eingesparte Aufenthaltskosten in Schweden versus Reisekosten für den Transfer nach Palästina – konnte Eva Warburg überzeugen. Parallel dazu betrieb sie jedoch den Ankauf eines Grundstücks in der Nachbarschaft von Kristinehov, um dort eine Zweiganstalt der Jugendalija zu errichten.[11]

Die weitgehend gelösten Fianzierungsprobleme für die Auswanderung waren jedoch keine Garantie für deren Gelingen. Es gab Visaprobleme mit vielen Transitländern und „Insbesondere die türkische Regierung schien zögerlich gewesen zu sein. In Ankara bestand man auf schriftlichen Garantien, dass alle anderen Länder Durchgangsvisen erstellt hatten.“ Syrien und die Türkei blockierten sich wechselseitig, weil jeder seine Visaerteilung von der des anderen abhängig machte. So lautet das ernüchternde Fazit:

„Darüber, ob die Kinder letztlich wirklich nach Palästina gelangten, gibt uns die Quelle selbst keinen Aufschluss. In den Aufzeichnungen der jüdischen Gemeinde Stockholm und ihres Hilfskomítees finden sich für die Zeit nach Oktober 1941 keine Berichte über die Ausreise einer so großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen und Hälsinggården wurde nicht aufgelöst. Im Gegenteil, der Kibbuz wuchs sogar Weiter an, als die Chaluzim aus Dänemark im Oktober 1943 nach Schweden kamen.“ Allerdings eroberte das nationalsozialistische Deutschland Schweden nicht, wie anfänglich befürchtet. Es ist zu hoffen, dass es einigen nach der Befreiung Europas 1945 gelang, doch noch nach Palästina auszuwandem.[11]

Personalia

Lehrkräfte am Internat Kristinehov

Die beiden Gründer, Ludwig und Charlotte Posener, wurden oben schon ausführlich dargestellt. Wer darüber hinaus wann und wie lange dort gearbeitet hat, ist kaum dokumentiert. Rudberg gibt keine Auskunft über die „13 Jews who thus had managed to escape Germany along with 170 pupils“[15] und lässt auch offen, ob das Ehepaar Posener bereuts in der Zahl 13 eingeschlossen sit. Feidel-Mertz wiederum verweist zwar, wie oben schon zitiert, auf den häufigen Wechsel von Lehrern mit unterschiedlicher Qualifikation, darunter auch solchen, die eigentlich keine Lehrer von Beruf, aber trotzdem gute Pädagogen waren[8], doch nennt sie in dem Zusammenhang gerade mal zwei Namen: Rudi Bruch und Gisela Tuteur. Darüber hinaus verweist sie lediglich auf ein „Buch mit ‚Erinnerungen‘ ehemaliger Lehrer/innen und Schüler/innen[, das] nach dem Tod von Ludwig Posener 1979 in Israel auf Initiative von Yael Posener und Elisabeth Stern-Dan“ entstanden sei[16], doch über dieses Buch gibt es weder bei ihr noch in anderen Quellen weitergehende Informationen.

  • Gisela Tuteur: Feidel-Mertz erwähnt sie lediglich als als ‚Regisseuse‘ einer offenbar glücklich bewältigte Aufführung des ‚Sommernachtstraums‘ als ‚Höhepunkt‘ eines jüdischen Festes.[8] Mehr Informationen über sie sind auch im Internet nicht zu finden.
  • Rudi Bruch: Er wird in dem ohnehin schon kuezen Text über Kristinehov als Garnbaulehrer und Singgenie vorgestellt.[8] In einem biografischen Anhang, auf dem im Text selber nicht verwiesen wird, offenbart sich das abernteuerlivhe Schicksal von Rudi Bruch, der sich später in den USA Rudi Brook nannte. Rudi Bruch, war als Jurist im Jüdischen Kinder- und Landschulheim Caputh für die Schulverwaltung verantwortlich. Von dort aus ging er mit seiner Frau, Eva Bruch, nach Kristinehov, wo er als Gartenbaulehrer arbeitete. 1938 emigrierten Rudi und Eva Bruch in die USA. Rudi Bruch hat zuerst in Los Angeles als Gärtner gearbeitet und sich dann selbständig gemacht.[17]
  • Eva Bruch: Eva Bruch war Gymnastik- und Zeichenlehrerin in Caputh und später in Kristinehov. Sie hatte 5 Semester lang die Kunstgewerbeschule in Magdeburg besucht, eine Zweig des Bauhauses in Dessau. Ihre Ausbildung als Gymnastiklehrerin absolvierte sie in Berlin. Danach arbeitete sie in dem von Gertrud Feiertag, der späteren Gründerin des Jüdischen Landschulheims Caputh geleiteten Kinderheim auf Norderney und danach in Caputh selbst.
    Eva Bruch hatte außerdem zwei Kindergärtnerinnen-Seminare absolviert: eines bei der jüdischen Gemeinde, das zweite bei Nelly Wolffheim, einer Freundin von Anna Freud. 1937 emigrierte sie zusammen mit ihrem Mann nach Schweden.
  • Berthold Levi, jüdischer Lehrer, und seine ‚christliche‘ Frau: Die Identität der beiden ist nicht zu klären. Der Name „Berthold Levi“ ist nich gerade selten und taucht auch in Verbindung mit dem Lehrerberuf relativ häifig auf. Keine der vielen Spuren führen aber eindeutig zum Internat Kristinehov.
  • Heinz und Ruth Säbel
  • Manfred Moritz
  • Ernest M. Wolf (auch: Ernst M. Wolf)
  • Kurt Lewin (Kurt Levin): Er war kein Lehrer in Kristinehov gewesen, sondern Betreuer von Jugendlichen in den Ferien. „1937 und 1938 hatte Kurt Lewin jeweils drei Wochen der Sommerferien in einem Kinderlagcr in Kristinehov, Västraby, verbracht. Als ehrenamtlicher Helfer des Jugendpflegedezernates der jüdischen Gemeinde zu Berlin hatte der knapp 20-Jährige jeweils eine Gruppe von Acht- bis Zwölfjährigen betreut.“[18]
    Der Kontext, in dem sich Lewin an die beiden Aufenthalte in Kristinehov erinnert, ist seine endgültige Flucht nach Schweden, die Bessel wie folgt skizziert: „‚Der Bratschist – Die außergewöhnliche Flucht des Kurt Lewin‘“ beschreibt die vielleicht ungewöhnlichste Flucht vor den Nazis. [..] Ein deutscher Jude rettet sich Weihnachten 1942 bei minus 20 Grad im Güterwaggon von Berlin nach Malmö. [..) Kurt Lewin wurde am Neujahrstag 2009 in Uppsala begraben, auf den Tag genau 66 Jahre nach seiner Ankunft in Schweden. Vorausgegangen war eine spektakuläre Flucht aus Nazi-Deutschland in einem mit französischen Furnieren beladenen Eisenbahnwaggon von Berlin nach Schweden. In einem der strengsten Winter des vergangenen Jahrhunderts, den am Heiligabend 1942 auch die 6. Armee in Stalingrad zu erleiden hatte, legte sich Lewin bei minus 20 Grad mit seinem Freund Joachim Markuse und dessen Frau Gerda in einen Güterwaggon. Auf ihrer Fahrt nach Sassnitz müssen die drei nicht nur eine körperliche Tortur überstehen, sondern sie lassen auch ihr ganzes bisheriges Leben in Deutschland Revue passieren. Zeitgleich arbeiten die schwedischen Nazis fieberhaft an Listen mit den ‚noch nicht gehängten Juden‘ im eigenen Land, während die Regierungen in Stockholm und Berlin über weitere Rohstofflieferungen, Kredite und militärische Beihilfe verhandeln. Lewin wird später zu einem wahren Star der Kammermusik werden und reist mit dem legendären ‚Kyndelquartett‘ um den Globus.“[19]
    Weitere Hinweise auf Kurt Lewin sind sehr rar. Im ‚Kyndelquartett‘ hat er von 1952 bis 1969 die Viola gespielt[20], und er war zeitweilig auch Leiter eines Kammerorchesters in Uppsala.[21] Lewin war außerdem Professor in Uppsala[22], er wird in Yad Vashem in der Geschichte über Sigurd Larsen erwähnt, der der Organisator der oben erwähnten Flucht war und dafür als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde.[23]
  • Eva Warburg: Sie war, wie Kurt Lewin, keine Lehrerin in Kristinehov und der Schule, wie oben gezeigt, nur indirekt verbunden. Aber sie spielte eine wichtige Rolle bei der Hilfe für jüdische Kinder und deren Flucht nach Schweden, wo sie teils in Kristinehov, aber auch in vielen anderen Einrichtungen untergebracht werden konnten. Im Juli 1940 plante sie in der Nachbarschaft von Kristinehov eine Zweiganstalt der Jugendalija einzurichten.[11]

Schülerinnen und Schüler von Kristinehov

Noch weniger als über die Lehrerschaft der Schule ist über deren Schülerschaft bekannt. Sie waren ja in der Regel Vorboten ihrer Eltern, vorab schon in Sicherheit gebracht im Hinblick auf eine weitere Auswanderung. Vielfach stand ihen jedoch nicht die Wiedervereinigung mit ihren Eltern in einem Exilland in Aussicht, sondern die von den Eltern getrennte Auswanderung nach Palästina – ohne iregndwelche Klarheit über das Schicksal der Eltern.[11] Auf die daraus resultierenden Probleme macht Feidel-Mertz aufmerksam:

„Entscheidender war jedoch die Orientierung am gemeinsamen Schicksal und der kollektiv zu bewältigenden Zukunft. Über die Verfolgung in Gegenwart und jüngster Vergangenheit durfte nicht gesprochen werden. Das hat schwerwiegende psychische Probleme der Kinder nicht verhindert, wenn auch vielleicht soweit überdeckt, daß sie von manchen Lehrern überhaupt nicht wahrgenommen wurden. Gegen sie machten die Schüler mitunter wiederum gemeinsam Fnont: mit zunächst heimlichen Treffen auf dem Dachboden, Aufstellung eigener Verhaltensregeln als Vorstufe zu einen ‚Schülerrat‘.[8]

Auch wenn Feidel-Mertz abschließend behauptet, einige frühere Schüler von Kristinehov hätten sich einen Namen gemacht, kann sie für diese Behauptung doch nur ein Beispiel anführen:

  • Erwin Leiser ist der einzige bei Feidel-Mertz namentlich erwähnte Schüler.
  • Aus dem oben zitierten Brief von Hans Friedenthal geht außerdem hervor, dass dessen Kinder bis 1937 oder 1938 Kristinehov besucht haben und dann mit ihren Eltern nach Palästina auswanderten.

Literatur

  • Hildegard Feidel-Mertz (Hrsg.): Schulen im Exil. Die Verdrängte Pädagogik nach 1933. rororo, Reinbek, 1983, ISBN 3-499-17789-7
  • Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933. Erziehung zum Überleben. Bilder einer Ausstellung. dipa–Verlag, Frankfurt am Main, 1990, ISBN 3-7638-0520-6
  • Hildegard Feidel-Mertz (aktualisierte Fassung: Hermann Schnorbach): Die Pädagogik der Landerziehungsheime im Exil, in:Inge Hansen-Schaberg (Hg.): Landerziehungsheim-Pädagogik, Neuausgabe, Reformpädagogische Schulkonzepte, Band 2, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler, 2012, ISBN 978-3-8340-0962-3, S. 183-206.
  • Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte unter der Gesamtleitung von Werner Röder und Herbert A. Strauss, Teil 1: Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben, Saur, München u. a., 1980, ISBN 0-89664-101-5 und 3-598-10087-6.
  • Monika Richarz: Biographie und Remigration – Die Rückkehr Julius Poseners nach Berlin. In: Mark H. Gelber, Jakob Hessing und Robert Jütte (Hg.): Integration und Ausgrenzung. Studien zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Festschrift für Hans Otto Horch zum 65. Geburtstag, Niemeyer, Tübingen, 2009, ISBN 978-3-484-62006-3, S. 335-350.
  • Pontus Rudberg: Sweden and Jewish Refugees from Nazi Germany, 1933–1939, in: International Holocaust Remembrance Alliance (Ed.): Bystanders, Rescuers or Perpetrators? The Neutral Countries and the Shoah, Metropol Verlag & IHRA, Berlin, 2016, ISBN 978-3-86331-287-9, S. 65-76. Dieses Buch ist komplett online einsehbar unter Bystanders, Rescuers or Perpetrators? The Neutral Countries and the Shoah. Umfassender mit der Thematik hat sich Rudberg in seiner 2015 veröffentlichten Dissertation auseinandergesetzt:
  • Pontus Rudberg: The Swedish Jews and the victims of Nazi terror, 1933-1945, Studia historica Upsaliensia, Band 253, Uppsala Universitet, Uppsala 2015, ISBN 9789155493585.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Undatierter Brief, abgedruckt in: Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933, S. 166
  2. Geneaologische Daten über Ludwig Posener
  3. Monika Richarz: Biographie und Remigration, S. 339
  4. Monika Richarz: Biographie und Remigration, S. 339
  5. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, S. 572-573. Zusätzlich: Lebensdaten von Charlotte Yael Posener im DNB-Katalog
  6. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, S. 572-573.
  7. Pontus Rudberg: Sweden and Jewish Refugees from Nazi Germany, 1933–1939, S. 68-69
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 8,7 8,8 8,9 Hildegard Feidel-Mertz (Hg.): Schulen im Exil, S. 104-107
  9. Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933, S. 165
  10. Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933, S. 166
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 11,6 Clemens Maier-Wolthausen: Eine unmögliche Reise
  12. An der Quäkerschule Eerde hatte 1939 Noni Warburg, die Schwester von Eva Warburg, ihr Examen abgelegt und arbeitete inzwischen in einem von den Quäkern betreuten Kindergarten in Stockholm.
  13. Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933, S. 166
  14. Brief von Eva Warburg, zitiert nach Clemens Maier-Wolthausen: Eine unmögliche Reise
  15. Pontus Rudberg: Sweden and Jewish Refugees from Nazi Germany, 1933–1939, S. 69
  16. Hildegard Feidel-Mertz: Pädagogik im Exil nach 1933, S. 166
  17. Hildegard Feidel-Mertz (Hg.): Schulen im Exil, S. 234
  18. Lars Bessel: Der Bratschist. Die außergewöhnliche Flucht des Kurt Lewin, Books on Demand, Norderstedt, 2013, ISBN 978-3-7322-8661-4, S. 46
  19. Der Bratschist
  20. Kyndelquartett in der WIKIPEDIA-SV
  21. Uppsala Kammarstråkar in der WIKIPEDIA-SV
  22. Was sich nur indirekt aus Musiker-Lebensläufen erschließen lässt, so z. B. aus dem Lebenslauf von Juliane Kunath
  23. Sigurd Larsen as Righteous Among the Nations. Ähnlich auch: Sigurd Larsen


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