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Hilfsverein der deutschen Juden

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Der Hilfsverein der deutschen Juden wurde auf Anregung von Paul Nathan am 23. Mai 1901 in Berlin gegründet. Mit ihren finanziellen Mitteln wollten deutsche Juden die wirtschaftliche und kulturelle Lage der Juden in Osteuropa verbessern.

Aufgabe

Die Satzung sah als Vereinszweck vor:

§ 1 – Der H. setzt sich unter Ausschluß jeder gewinnbringenden Tätigkeit für die Mitglieder das humanitäre Ziel, die sittliche, geistige und wirtschaftliche Entwickelung der Glaubensgenossen zu fördern.
§ 2 – Der H. will seine Tätigkeit insbesondere den Glaubensgenossen im östlichen Europa und in Asien zuwenden. Der Sitz des Hilfsvereins der deutschen Juden ist in Berlin.

Der antizionistische Verein hatte im Jahr 1907 5.000 Mitglieder und eine Jahreseinnahme von 100.000 Mark. Er förderte Wirtschaftsunternehmungen in Russland und Galizien, unterstützte jüdische Vorschusskassen in Rumänien und Galizien und subventionierte Schulen im Nahen Osten. Bis 1907 brachte er für die durch das Kischinjow-Pogrom (1903) geschädigten russischen Juden 550.000 Mark auf. Der Verein initiierte die Einigung aller großen jüdischen Hilfsorganisationen. Schemarjahu Levin und Oscar Tietz engagierten sich im Hilfsverein. Zwischen 1901 und 1913 unterstützte der Hilfsverein die Auswanderung von 200.000 russischen Juden nach Übersee, die sich in deutschen Häfen einschifften.[1] Mit der Unterstützung des Hilfsvereins wurde das Technikum Haifa (später Technion) gegründet, das 1924 im britischen Mandatsgebiet Palästina seinen Lehrbetrieb aufnahm.

In der Zeit des Nationalsozialismus verlegte der Verein den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Hilfe bei der Auswanderung.[2] In Stuttgart eröffnete er eine Beratungsstelle.[3] 1939 ging er in der Wanderungsabteilung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland auf.[4]

Berichte und Buchreihen

  • Geschäftsbericht des Hilfsvereins der Deutschen Juden, erstattet der Generalversammlung, 1903–1919.
  • Jahresbericht (1927–1936)
  • Aus der Arbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden (ab 1934)
  • Schulbücher des Hilfsvereins der deutschen Juden. Berlin 1912.
  • Abraham Zvi Idelsohn: Liederbuch. Sammlung hebräischer und deutscher Lieder für Kindergärten, Volks- und höhere Schulen. Berlin 1912.

Die Berichte und Bücher sind im Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg zu erhalten.

Siehe auch

Literatur

  • Hilfsverein der deutschen Juden. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Bd. 9, Bibliographisches Institut, Leipzig 1902–1909, ‎ S. 334–335.
  • Hilfsverein der deutschen Juden (Hg.): Festschrift anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens des Hilfsvereins der Deutschen Juden, gegründet am 28ten Mai 1901. 1926.
  • Edmund Burkard: Hilfsverein der Deutschen Juden 1901–1936. Münster (Westfalen) 1971.
  • Lemma Hilfsverein der deutschen Juden, in: Encyclopaedia Judaica. Band 8. He – Ir. Jerusalem 1973, Sp. 479–481 (en).
  • Kirsten Moneke: Die Emigration der deutschen Juden nach Argentinien (1933–1945). Zur Rolle der jüdischen Hilfsvereine. Westfälische Wilhelms-Universität, Lateinamerika-Zentrum, Münster (Westfalen); Röhrig, St. Ingbert 1993, ISBN 3-86110-007-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Hilfsverein der deutschen Juden: seine Tätigkeit und seine Aufgaben. Bayerische israelitische Gemeindezeitung, Heft 10, S. 302, 20. Oktober 1927, abgerufen am 18. Juni 2014 (Digitalisat an der Goethe-Universität Frankfurt).
  2. Hilfsverein der Deutschen Juden, bei Yad Vashem
  3. Zeichen der Erinnerung
  4. Mitteilung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg).


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