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Goldenes Kalb

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des gleichnamigen niederländischen Filmpreises findet sich unter Goldenes Kalb (Filmpreis), des Romans von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow unter Das goldene Kalb sowie ein Hinweis zum gleichnamigen Ballett von Helmut Zapf
Darstellung aus der Schedelschen Weltchronik
Darstellung von Nicolas Poussin

Das Goldene Kalb war laut biblischer Überlieferung ein Götzenbild, das die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten gemeinsam mit Aaron schufen, während Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote erhielt.

„Als aber das Volk sah, daß Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat. Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und bringt sie zu mir. Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!“

– 2. Mose 32,1–4

Hiervon abgeleitet wird die gängige Redensart vom „Tanz ums goldene Kalb“ als Sinnbild für eine Verehrung von Reichtum und Macht.

Moses zerschlug nach seiner Rückkehr den Götzen und die Gesetzestafeln; anschließend wurden laut biblischer Überlieferung von den abgefallenen Anhängern JHWHs 3000 Menschen erschlagen:

„Als nun Mose sah, daß das Volk zuchtlos geworden war – denn Aaron hatte sie zuchtlos werden lassen zum Gespött ihrer Widersacher –, trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi. Und Moses sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: ‚Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum andern und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten‘. Die Söhne Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann.“

Exodus 32,25–28

Goldenes-Kalb-Symbolik

Ein Kalb ist zunächst allgemein ein junger Paarhufer, etwa bei Rind und Rotwild. Das goldene Kalb der Bibel wird meist als Rind identifiziert (vgl. Bilder). Ein Stier war ein in vielen Kulturen verehrtes Sinnbild von Aggressivität, Sexualität, Stärke und Vitalität. Entsprechende Kulte existierten, wie der um den mesopotamischen Wettergott Hadad und den ägyptischen Apis-Stier. Das Gilgamesch-Epos kennt einen Himmelsstier, auch Zeus, Göttervater der griechischen Mythologie, trat als Stier auf (vgl. auch die Heilige Kuh in Indien, Stier (Mythologie)).

Zu Lebzeiten Abrahams wurden sowohl in seiner Heimatstadt Ur (im Süden des heutigen Irak) als auch in Harran, welches heute in der Türkei liegt, die fast identischen Mondgötter Nanna (Stadtgott von Ur) und Sin (Orakel verkündender Mondgott von Harran) verehrt. Sein Symbol war ebenfalls der Stier. Er taucht später in der Geschichte Moses beim Empfang der Gesetzestafeln wieder auf, als sich das Volk wieder den alten Göttern zuwandte und ein goldenes Kalb (als Symbol des Mondgottes) schuf und anbetete. Das goldene Kalb wird in dieser Geschichte von dem Bruder Moses angefertigt.

Das Material Gold gilt als Inbegriff von Reichtum und Pracht.

Weitere Goldene Kälber in der Bibel

Auch der erste König des Nordreichs Israel, Jerobeam I., schuf in Bethel und Dan Heiligtümer JHWHs mit jeweils einem Goldenen Kalb, als Sitz Gottes und sein Abbild.

„Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zuviel für euch, daß ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und er stellte eins in Bethel auf, und das andere tat er nach Dan. Und das geriet zur Sünde, denn das Volk ging hin vor das eine in Bethel und vor das andre in Dan.“

– 1. Kön. 12,28–30

Die goldenen Kälber waren ein Verstoß gegen das erste Gebot Gottes:

„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“

– 2. Mose 20,2–5

Auch wegen der Konkurrenz zu Jerusalem, der Hauptstadt des israelitischen Südreichs Juda, werden Jerobeam I. und alle ihm nachfolgenden Könige Israels von den deuteronomistischen Geschichtsschreibern immer wieder und an vielen Stellen scharf verurteilt. Denn nach ihrer Ansicht, die das Deuteronomium und das deuteronomistische Geschichtswerk, die beiden Bücher der Könige und die der Chronik, prägt, darf JHWH ausschließlich im Israelitischen Tempel von Jerusalem angebetet werden. Erst König Josia von Juda zerstört die alternativen JHWH-Heiligtümer.

Gott gedenkt der Goldenen Kälber

Dan und Ephraim aus den Stämmen Israels (die beiden Stämme, in denen die Goldenen Kälber aufgestellt wurden) wurden bei der Aufzählung der Stämme Israels nicht mehr aufgeführt. Dan und Ephraim wurden durch Josef und Levi ersetzt:

„Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden: hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren aus allen Stämmen Israels: aus dem Stamm Juda zwölftausend versiegelt, aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem Stamm Gad zwölftausend, aus dem Stamm Asser zwölftausend, aus dem Stamm Naftali zwölftausend, aus dem Stamm Manasse zwölftausend, aus dem Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm Levi zwölftausend, aus dem Stamm Issachar zwölftausend, aus dem Stamm Sebulon zwölftausend, aus dem Stamm Josef zwölftausend, aus dem Stamm Benjamin zwölftausend versiegelt.“

– Offenbarung 7,4–8

Gott gedenkt seiner Worte die er gesagt hatte, dass er Götzendienst bestrafen und den Namen eines solchen Stammes unter dem Himmel austilgen würde:

„Ihr saht ihre Greuel und ihre Götzen, die bei ihnen waren, Holz und Stein, Silber und Gold. Laßt ja nicht einen Mann oder eine Frau, ein Geschlecht oder einen Stamm unter euch sein, dessen Herz sich heute abwendet von dem HERRN, unserm Gott, daß jemand hingehe und diene den Göttern dieser Völker. Laßt unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt. Laßt niemand, der die Worte dieses Fluches hört, sich dennoch in seinem Herzen segnen und sprechen: Mir wird es wohlgehen, auch wenn ich wandle nach meinem verstockten Herzen -, damit nicht fortgerafft werde das wasserreiche mit dem dürren Land! Einem solchen Mann wird der HERR nicht gnädig sein, sondern sein Zorn und Eifer wird entbrennen gegen ihn, und es werden sich auf ihn legen alle Flüche, die in diesem Buch geschrieben sind, und seinen Namen wird der HERR austilgen unter dem Himmel“

– 5. Mose 29,16–19

„Der HERR sprach zu Mose: Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.“

– 2. Mose 32,33

Solange sie auf Erden waren (unter dem Himmel) fehlten die Stämme Dan und Ephraim aus den Stämmen Israels. Der Prophet Hesekiel schrieb, dass sie im tausendjährigen Reich wieder unter die Stämme Israels aufgenommen werden. (Hesekiel 48)

Siehe auch

Bilderverbot

Einzelnachweise


Literatur

  • Joachim Hahn: Das „Goldene Kalb“. Die JHWH-Verehrung bei Stierbildern in der Geschichte Israels. Europäische Hochschulschriften 23/154. Lang, Frankfurt a. M. u. a., 2. Aufl. 1987 ISBN 3-8204-8657-7

Weblinks

 Commons: Goldenes Kalb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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