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Anne Spoerry

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Anne Marie Spoerry (geb. 13. Mai 1918 in Cannes; gest. 2. Februar 1999 in Nairobi) war eine kenianische Ärztin und Pilotin französischer Abstammung. Von 1950 bis wenige Wochen vor ihrem Tod war sie als Mitarbeiterin verschiedener Hilfsorganisationen als „fliegende Ärztin“ im Norden Kenias tätig, bekannt unter dem Spitznamen Mama Daktari. Ob sie während ihrer Zeit als Häftling im KZ Ravensbrück an Verbrechen der später verurteilten Carmen Mory beteiligt war, ist unklar.

Als Tochter eines elsässischen Industriellen und einer Schweizerin studierte sie ab 1938 Medizin in Paris. Nach Ausbruch des Krieges schloss sie sich gemeinsam mit ihrem Bruder Francois der Resistance an, geriet 1943 in Gestapo-Haft und war ab 1944 im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert, von wo sie im April 1945 im Rahmen der von Folke Bernadotte initiierten Rettungsaktion der Weißen Busse freigelassen wurde. Sie wurde nach Kriegsende sowohl in der Schweiz als auch in Frankreich angeklagt und der Mittäterschaft beschuldigt an Verbrechen im Umfeld der 1947 als mehrfache Mörderin zum Tode verurteilten Kapo Carmen Mory. Nach Zeugenaussagen in den Ravensbrück-Prozessen soll zwischen Spoerry und Mory eine intime Beziehung bestanden haben. Die Prozesse gegen Spoerry wurden jedoch mangels Beweisen bzw. aufgrund widersprüchlicher Aussagen eingestellt. Einer Vorladung nach Hamburg zum Ersten Ravensbrück-Prozess folgte sie nicht.

Sie beendete ihr Medizinstudium 1947 in Basel und schloss eine einjährige Ausbildung in Tropenmedizin dort an. Sie reiste 1948 nach Aden und arbeitete dort zeitweise in einem Krankenhaus. Nach weiteren Reisen nach Äthiopien und Kenia beschloss sie 1950, in Kenia zu bleiben und dort als „Buschdoktor“ in Nordkenia zu arbeiten. 1956 schloss sie eine Ausbildung als Pilotin ab und flog ab Anfang der 1960er Jahre von Nairobis Wilson-Airport aus zunächst als freie Mitarbeiterin, dann als Leiterin der Mobile Medical Unit für die Hilfsorganisation AMREF. Ihre Einsatzgebiete waren dabei sowohl Nordkenia und hier besonders das Massailand als auch die Insel Lamu. Sie kaufte und bewirtschaftete zudem eine Farm nördlich des Naivasha-Sees. Ihre viersitzige Piper Cherokee flog sie grundsätzlich selbst, im Alter von 77 Jahren verlor sie ihre Pilotenlizenz, erhielt diese jedoch wenige Wochen vor ihrem Tod zurück, ohne allerdings noch einmal geflogen zu sein. Ihre Sprechstunden fanden teilweise unmittelbar nach der Landung auf dem Flugfeld im Schatten der Tragflächen ihrer Maschine statt. Anhand ihrer Unterlagen wurde geschätzt, dass sie nahezu 100.000 Patienten behandelt hat.

Anne Spoerry starb an einem Schlaganfall (andere Quellen geben einen Herzinfarkt an) und ist in Lamu begraben.

Literatur

  • Spoerry, Anne: Man nennt mich Mama Daktari. Als fliegende Ärztin in Kenia; VDEG, 1999, ISBN 978-3791819761 (Autobiographie)

Weblinks


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