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Israel Salanter

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Israel Salanter

Israel Salanter (eigentlich: Israel Lipkin; geb. 3. November 1810 in Žagarė, Russisches Kaiserreich, heute Litauen; gest. 2. Februar 1883 in Königsberg i. Pr.; Jahrzeit 25. Schwat) war jüdischer Gelehrter, Talmudist, Rabbiner, Prediger und Gründer der religiös-ethischen Schule Mussar, die die charakterliche Vervollkommnung zum Ziel hat. Er forderte eine intensivere Verknüpfung von Halacha und Ethik in Theorie und Alltagspraxis der Orthodoxie.

Lehre und Leben

Israel Salanter war Sohn eines Rabbiners, erhielt eine streng orthodoxe Erziehung und studierte den Talmud. Nach den damaligen Gepflogenheiten heiratete er im Alter von 13 Jahren die Tochter eines angesehenen Mannes in Salant. Nach dieser Stadt, in der er viele Jahre als Schüler des R. Hirsch Braude und des R. Sundel (Rav Joseph Sundel von Salant, 1786-1866) lernte und lehrte, erhielt er seinen Namen, unter dem er bis heute bekannt ist. Neben der jüdischen Religion studierte er gleichzeitig Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften.

Salanters wichtigstes Anliegen war die sittliche Läuterung, Selbsterkenntnis und Selbstvervollkommnung. Weder rabbinisches Studium allein noch der Chassidismus entsprachen seiner Vorstellung, Weltflucht und Entsagung hingegen seien viel eher geeignet, sich zu vervollkommnen. Freude und Fröhlichkeit hielt er für sündhaften Leichtsinn.

Zur selben Zeit, in der die jüdische Aufklärung die Ketten der Tradition sprengen wollte, mahnte Israel Salanter zur Einhaltung der religiösen Gebote. Als Haupt der Ramailes-Jeschiwa (benannt nach Rabbi Mailo) in Wilna bestach er allseits durch seine grosse Gelehrsamkeit und begann um 1840, Gruppen zum Studium des Mussar zu bilden, entwickelte aber ein zum Teil eigenwilliges Verständnis religiöser Vorschriften, indem er z. B. im Cholerajahr 1848 das Fastengebot am Jom Kippur aufhob und öffentlich in der Synagoge eine Mahlzeit zu sich nahm. Die großen Rabbiner seiner Zeit wie der Beis HaLevi zollten ihm ihre Achtung. In dieser Zeit lehrte er im ersten Bet HaMussar, wo in kleinen Gruppen die Mussar-Klassiker wie Mesillas Jeschorim des RaMChal studiert wurden.

1849 zog er nach Kovno und eröffnete dort eine Jeschiwa, die sehr schnell hundertfünfzig Schüler anzog, die zu den führenden Rabbinern der nächsten Generation werden sollten, darunter Rav Elieser Gordon (1841-1910) und Rav Simcha Sissel Siv (1824-1898).

Später lebte er in verschiedenen europäischen Städten (Königsberg, Memel, Paris) und blieb stets bemüht, das Talmud-Studium zu popularisieren und seine Ideen der um sich greifenden Reformbewegung entgegenzusetzen. In Memel gab er 1861 die Zeitschrift Hatewuna ("Die Vernunft") heraus.

1877 gründete er das Kovno Kollel als erste Institution für verheiratete Toragelehrte, die im Gegenzug für ihr Lernen mit einem geringen Stipendium unterstützt wurden. Mit siebzig Jahren bemühte er sich um die russischen Juden in Paris und kehrte schließlich nach Königsberg zurück, wo er 1883 starb.

Zu seinen Werken gehören Iggeres HaMussar, Even Yisroel und Ohr Yisroel.

Sein Sohn Lipman Lipkin (1842-1875) war ein bekannter Mathematiker und Erfinder.

Werke (Auswahl)

  • Sepher Mesilath Jescharim, Königsberg 1858 (Luzzatto-Ausgabe)
  • Imre bina, 1878 (Darstellung seiner Grundlehren)
  • Ez peri, 1880
  • Ewen Jisroel, Warschau 1883 ("Stein Israels")

Literatur (Auswahl)

  • E. Binjamin, R. Isr. Lipkin Salant, 1899
  • J. Blaser, Or Jisrael, 1900
  • H. N. Maggid, Ir Wilna, 1900
  • S. Rosenfeld, R. Israel Salanter, 1911 (hebr.)
  • Wininger 1925 ff. Bd. IV
  • Isaak Markon, Artikel LIPKIN, ISRAEL, in: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Bd. III
  • Menachem G. Glenn, Rabbi Israel Salanter. Religious-Ethical Thinker. The Story of a Religious-Ethical Current In Nineteenth Century Judaism, 1953

Andere Wikis


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