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Isser Zalman Meltzer

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Isser Zalman Meltzer

Isser Zalman Meltzer (geb. 1870 in Mir; gest. 17. November 1953 in Jerusalem) war ein berühmter litauischer orthodoxer Rabbiner, Rosch Jeschiwa und Posek und zählte zu den Moetzes Gedolei HaTorah. Er ist auch bekannt unter dem Namen Even HaEzel, dem Titel seines Kommentars zu Rambams Mischneh Tora. Rav Isser Zalman zog sehr begabte junge Männer an, die zu berühmten Rabbinern werden sollten. Er besass eine große Liebe zu Eretz Jisrael und war von Beginn an (1912) in der Agudas Yisrael aktiv, an deren Kongressen er jeweils teilnahm.

Leben

Raw Meltzer wurde in Mir geboren. Sein Vater Baruch Peretz Meltzer, mit dem er als erstes lernte, war ebenso ein Rabbiner. Seit seinem zehnten Lebensjahr lernte Isser Salman gemeinsam mit Rabbi Jomtow Lipman, dem Rabbiner der Stadt, und an der Mirrer Jeschiwa.

Im Alter von 14 Jahren begann er das Studium an der Woloschiner Jeschiwa unter dem Netziv und unter Raw Chaim Soloveitchik, wo er die nächsten sieben Jahre blieb und als "Illuj der Jeschiwa" bezeichnet wurde - obwohl dort die besten Köpfe jener Zeit lernten. Ein anderer Name, den er in der Jeschiwa erhielt, war "Sunje, der Mirrer".

Dort kam er auch in Kontakt mit der Ness-Ziona-Gesellschaft, die einen Teil der Chowewei-Zion-Bewegung bildete. Gemeinsam mit seinem Schwager, Raw Moshe Mordechai Epstein, war er an der Gründung der Stadt Chadera beteiligt und kaufte Land für eine Obstplantage zum Anbau von Etrogim.

1892 heiratete er eine Tochter der berühmten Frank-Familie (Rav Shraga Feivel Frank war einer der reichsten Männer Litauens und unterstützte Torastudien). Nach seiner Heirat vertiefte Rav Meltzer sich in das Studium von Mussar bei Rav Yitzchak Blazer (1837-1907, Schüler von Rav Yisroel Salanter) in Kovno.

1894 wurde Raw Meltzer, wiederum gemeinsam mit seinem Schwager, Raw Epstein, Maggid Schiur an der Slobodka Jeschiwa.

1897 verliess Raw Meltzer auf Veranlassung von Rav Nosson Tzvi Finkel (Alter von Slabodka, 1849-1927) die Jeschiwa und übernahm die Leitung einer anderen Jeschiwa, und zwar derjenigen Jeschiwa, die der Ridvaz in Slutsk gegründet hatte. Die Leitung dieser Jeschiwa hatte er bis 1923 inne.

Gebt den Hühnern ihre Ruhe ... (Illustration der Jüdischen Zeitung, Ausgabe vom 16.11.2012, Seite 20)

1903 wurde Isser Salman Meltzer zum Rabbiner von Slutsk ernannt, welche Position er für 20 Jahre beibehalten sollte. Obwohl er bereits als Rosch Jeschiwa dort gewirkt hatte, verfügte er über keine Smicha, weil er nie beabsichtigt hatte, einen Rabbinerposten zu übernehmen, sondern eigentlich nur Torawissen verbreiten wollte. Als sich die Pläne, ihn als Rabbiner zu verpflichten, verfestigten, bat er seinen Lehrer Chaim Soloveitchik sowie Raw Yechiel Michel Epstein, ihm die nötigen Bescheinigungen zur Verfügung zu stellen. Raw Epstein schickte sofort einen Brief mit der Smicha, während Raw Soloveitchik ein kurzes Telegramm schickte, das bloss die Worte enthielt: "Jore jore, jodin, jodin" (was faktisch der Smicha gleich kam).

Unter der Sowjetregierung wurde Raw Meltzer mehrmals verhaftet und floh schliesslich 1923 nach Polen, wo er an der Jeschiwa von Kletzk, der sein Schwiegersohn Rav Aharon Kotler vorstand, lehrte. 1925 emigrierte Rav Meltzer nach Eretz Jisrael und wurde Rosch Jeschiwa der Etz Chaim Jeschiwa in Jerusalem.

Er starb an einem Dienstag, dem 17. November 1953 (10. Kislev), und wurde auf dem Har HaMenuchot begraben.

Raw Meltzer war auch ein Schüler des Chofetz Chaim sowie von Nosson Tzvi Finkel. Er war der Schwiegervater von Aharon Kotler und war Freund und Bewunderer von Avraham Yitzhak Hacohen Kook, dem damaligen Oberrabbiner in Palästina.

Zu den weiteren aussergewöhnlichen Eigenschaften von Raw Meltzer gehörte sein Zidkut und seine überaus grosse Herzensgüte. Jeder Lamdan, der sein Haus betrat, um mit ihm etwas zu lernen, wurde von ihm freundlich und gelassen empfangen. Es wurde gefragt und geantwortet, erklärt und nachgedacht, bis die Worte und die Sache glasklar erschienen, während Reb Isser Salman immer Wert darauf legte, dass die andere Person das Gefühl erhielt, dass sie der grosse "Mechadesch" war und der ganze Chidusch nur infolge einer Frage des Fragestellers entstanden war. Oft handelte es sich dabei überhaupt um unberechtigte Fragen und Behauptungen. Dann bog Raw Isser Salman die Sache zurecht und lobte den "Mechadesch" wegen seiner Grösse ...

Als Reb Isser Salman in fortgeschrittenem Alter zur Jeschiwa ging, um einen Schiur zu geben, und das Gehen ihn schon sehr anstrengte, schlug er trotzdem nicht den schnellsten Weg ein, sondern machte jeweils einen Umweg durch kleine Gässchen. Als man ihn immer wieder um eine Erklärung dafür bat, wollte er kein Aufhebens darum machen und lehnte eine Erklärung ab. Irgendwann einmal konnte jemand doch den Grund erfahren: Auf dem schnellen und direkten Weg gab es Hühner, die frei umherliefen und ihr Fressen suchten. Sobald er mit seinem Stecken vorbeiging, erschraken sie und flohen vor dem Klopfen seines Stocks. Er wollte die Hühner in ihrer Ruhe nicht stören. Alle Einwände vermochten nicht, ihn von diesem Brauch abzuhalten. Er wollte die Tiere einfach nicht stören!

Schüler

Unter seinen Schülern finden sich viele bedeutende Persönlichkeiten:

  • Sein Sohn, Rabbi Zvi Yehuda Meltzer, Oberrabbiner von Rehovot und Schwiegervater von Raw Yehuda Amital
  • Sein Sohn, Rabbi Professor Feivel Meltzer, bedeutender Linguist des Biblischen Hebräisch in Israel
  • Sein Schwiegersohn, Rabbi Yitzchack Ben Menachem, Oberrabbiner von Petah Tikva
  • Sein Schwiegersohn, Rabbi Aharon Kotler, Gründer des Bet Midrasch Gevoha in Lakewood, New Jersey
  • Der Ehemann seiner Enkelin, Rabbi Yehuda Amital, Rosch Jeschiwa der Jeschiwat Har Etzion
  • Rabbi Moshe Feinstein, Gadol HaDor
  • Rabbi Elazar Shach, Rosch Jeschiwa der Ponevezh Jeschiwa in Israel und Führungsperson der litwischen Juden
  • Rabbi Shlomo Zalman Auerbach, Rosch Jeschiwa von Kol Torah und führender Posek seiner Zeit
  • Rabbi Moshe Aharon Poleyeff, Rosch Jeschiwa der Yeshiva University
  • Rabbi Avraham Yaakov Zelaznik, Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Etz Chaim
  • Rabbi Shimon Zelaznik (Bruder des Obigen), Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Shaalvim
  • Rabbi Shlomo Goren, Gründer des israelischen Militärrabbinats und früherer aschkenasischer Oberrabbiner Israels
  • Rabbi Yosef Eliyahu Henkin, Gründer von Ezras Torah
  • Rabbi Yisroel Yaakov Fisher

Literatur (Auswahl)

  • Lester Eckman, History of Yeshivot and White Russia from their Beginnings Until 1945, Elizabeth, New Jersey 2006

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