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Hedy Blum

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Datei:Stolperstein für Hedy Blum.JPG
Stolperstein für Hedy Blum, 2006

Hedy Blum (geb. am 23. August 1931; gestorben am 21. August 1942 im Maly Trostinez)[1] war eine österreichische Schülerin und ein Opfer des Holocaust. Sie wurde als noch nicht Elfjährige gemeinsam mit ihrer Mutter am 17. August 1942 in das Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert und dort vom NS-Regime ermordet.

Leben

Hedy Blum lebte mit ihren Eltern und ihrem Bruder Natan bis 1937 in Mödling. Danach zog die Familie nach Atzgersdorf. Sie wurde zwar 1937 in der Volksschule Atzgersdorf eingeschult, jedoch wenige Wochen nach Schulbeginn zurückgestellt. Ab September 1938 war sie Schülerin dieser Volksschule, allerdings nur für wenige Wochen. Am 15. November 1938 wurde Hedy Blum, wie es im erhalten gebliebenen Klassenbuch wörtlich heißt: „als Jüdin von der Schule ausgeschlossen“. Wenige Tage zuvor, am 11. November, war ihr Vater verhaftet und ins KZ Dachau deportiert worden. „Im Mai 1939 wurden Mutter und Tochter, wie fast alle Wiener Jüdinnen und Juden, gezwungen aus ihrer Wohnung in der Breitenfurterstraße 76 (heute 320) in die Leopoldstadt in eine Sammelwohnung zu übersiedeln, die sie mit drei anderen Familien teilen mussten. Sie verbrachten dort drei Jahre.“[2] Hedy besuchte in der Leopoldstadt eine sogenannte „Judenschule“. Ihre letzte Anschrift in Wien war die Czerningasse 15/17 im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde sie am 17. August 1942 mit dem 36. Transport (Nummer 780) ins Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert. Alle verfügbaren Quellen gehen davon aus, dass Hedy Blum gemeinsam mit ihrer Mutter wenige Tage nach der Ankunft im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurde.

Von 9.000 nach Maly Trostinec deportierten österreichischen Juden sind nur 17 Überlebende bekannt.

Familienangehörige, die überlebten

Hedys Vater musste unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau das Deutsche Reich verlassen, er überlebte die Shoa in Palästina. Ihr Bruder Natan gelangte mit einem Kindertransport ins Ausland. Er lebt heute in Israel und besuchte im April 2003 Wien und die VS Atzgersdorf. Es gab ein Treffen mit dem Elternverein und den Lehrerinnen, das von den Beteiligten als „sehr bewegend“ beschrieben wurde.[3] Ein Cousin zweiten Grades, Peter Blum, kam im Jahr 2006 nach Mödling und legte eine weiße Rose am Stolperstein für Hedy Blum nieder.[4] Eine weitere Verwandte, Judy Gopher, kam am 9. November 2013 eigens zur Verlegung des Erinnerungssteines in Wien-Liesing aus Israel angereist.[5]

Gedenken

Das Bezirksmuseum Liesing in der Canavesegasse zeigte im Oktober 2003 die Ausstellung Liesing im Dunkel – verfolgte und ermordete LiesingerInnen 1934 – 1945. Darin wurde ein Überblick des mörderischen Handelns des NS-Regime in Wien-Liesing vermittelt. „Dabei beschränkte man sich nicht auf politisch und rassisch Verfolgte, sondern definierte den Opferbegriff breiter: Auch Sinti und Roma, die sog. "Asozialen", Homosexuelle, Bibelforscher (Zeugen Jehovas), Behinderte, Zivilbevölkerung (Bombenopfer!) und Wehrmachtssoldaten sowie Fremdarbeiter und Kriegsgefangene der Deutschen wurden einbezogen.“[6] Weiters wurde über mehr als zwanzig Straßen und Gassen des Bezirks berichtet, die Opern des NS-Regimes gewidmet wurden. Zwei jüdische Schicksale standen im Zentrum der Ausstellung, wovon eines das von Hedy Blum war.

Eine Gedenktafel, ein Stolperstein in Mödling und ein Erinnerungsstein in Wien-Liesing sind dem Gedenken an das Mädchen gewidmet:

  • Auf Initiative des Elternvereins wurde in der Volksschule Atzgersdorf eine Gedenktafel für Hedy Blum, die erste ihrer Art in einer Wiener Volksschule, angebracht. [7]
  • Im Jahr 2006 verlegte der deutsche Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Hauptstrasse 79 in Mödling Stolpersteine für Hedy Blum und ihre Mutter Sidonie.
  • Am 9. November 2013 wurden die ersten zwei Erinnerungssteine in Wien-Liesing verlegt, einer war Hedy Blum und ihrer Mutter Sidonie gewidmet, der andere der Widerstandskämpferin Therese Klostermann.[8]

Es besteht Namengleichheit, aber keine Verwandtschaft mit Hedy Blum (1909-2013), die in Köln geboren wurde, rechtzeitig emigrieren konnte und in Spring Valley im amerikanischen Bundesstaat New York verstorben ist.[9]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zum Todesdatum bestehen unterschiedliche Angaben, eine Quelle nennt den 23. August 1942, das war der elfte Geburtstag des Mädchens.
  2. WAZ: Steine der Erinnerung in Liesing, abgerufen am 23. Juli 2015
  3. Gerald Netzl: Liesing im Dunkel - Eine Ausstellung des Bezirksmuseums Liesing, erschienen in David, mit zwei Fotografien von Hedy Blum, abgerufen am 23. Juli 2015
  4. Stadtgemeinde Mödling: Aktion Stolpersteine 2006-2011: Erinnerung an Mödlinger Opfer des Nationalsozialismus, abgerufen am 23. Juli 2015
  5. WAZ, a.a.O.
  6. Netzl, a.a.O.
  7. Netzl, a.a.O., mit einer Abbildung der Gedenktafel
  8. WAZ, a.a.O.
  9. Obituary Hedy Blum, abgerufen am 23. Juli 2015


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Hedy Blum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.