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Gertrud Isolani

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Gertrud Isolani, eigentlich Gertrud Isaacsohn (geb. 7. Februar 1899 in Dresden; gest. 19. Januar 1988 in Riehen, Kanton Basel-Stadt), war eine vielgelesene Journalistin und Schriftstellerin in der linksliberalen Presse der Weimarer Republik und den Zeitungen des Exils.

Leben und Wirken

Gertrud Isolani war die Tochter des Journalisten und Theaterkritikers Eugen Isaacsohn. Mit 17 Jahren beendete 1916 Isolani erfolgreich das Realgymnasium und folgte ihrem Vater in der Berufswahl nach. Sie begann u.a. für das Berliner Tageblatt (Verlag Mosse), für Die Woche (Verlag Scherl), für die Berliner Illustrirte Zeitung (Verlag Ullstein) zu schreiben. Anfangs waren es feuillontistische Essays, später dann auch Theaterkritiken und Buchrezensionen.

1918 konnte Isolani mit einer Studie über den Schriftsteller Christian Morgenstern auch als Schriftstellerin debütieren. Ihre ersten Arbeiten signierte sie noch mit „Ger Trud“; später übernahm sie von ihrem Vater das Pseudonym, der es sich wegen des immer stärker werdenden Antisemitismus wählte. In Berlin heiratete sie und hatte auch eine Tochter namens Ursula, der befreundete Autoren wie Arthur Silbergleit humorvolle Briefe schrieben.

Von der rechten Presse schon vor 1933 als „Asphaltliteratin“ beschimpft, kam sie nach der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten einem Schreibverbot zuvor und emigrierte zusammen mit ihrer Familie nach Paris. Dort schrieb Isolani für das Pariser Tageblatt, die Pariser Tageszeitung und andere französische Zeitungen. Zudem war sie Korrespondentin einiger schweizerischer Zeitungen. Sie verfasste sowohl journalistische Arbeiten als auch Novellen und Erzählungen. Dazu übersetzte sie viele Artikel französischer Autoren ins Deutsche.

Auf Anordnung der französischen Regierung wurde Isolani mit ihrer Tochter und vielen anderen 1940 im Vélodrome d’Hiver (eine Radsporthalle, später unrühmlich bekannt durch Rafle du Vélodrome d'Hiver) eingesperrt. Von dort kam sie ins Internierungslager Camp de Gurs. Kurz vor ihrer Deportation nach Osteuropa gelang ihr die Flucht. Von 1940 bis 1942 überlebte sie mit ihrer Tochter im französischen Untergrund.

Nach zweimaligem Scheitern konnte sie mit ihrer Tochter im November 1942 in die Schweiz fliehen und kam dort, nachdem sie sich gemeldet hatte, für über ein Jahr in ein Flüchtlingslager. Die Erlebnisse ihrer Lager-Aufenthalte wurden zur Basis ihres autobiographischen Romans „Stadt ohne Männer“, der bereits Ende 1945 in deutscher Sprache erschien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Isolani wieder als Journalistin und konnte auch noch einige literarische Werke veröffentlichen. Jedoch war es ihr nicht vergönnt, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Ihre letzten Jahre verbrachte sie im Altenheim „La Charmille“ in Riehen, wo sie knapp drei Wochen vor ihrem 89. Geburtstag am 19. Januar 1988 starb.

Werke (Auswahl)

  • Briefe, Gespräche, Begegnungen - Teil 1 der Memoiren: Berlin, Frankreich, Schweiz. Leinenausgabe, Böhlau, Köln 1985, ISBN 3-412-01683-3 (formal falsche ISBN). - Von zwei geplanten Bänden ist nur dieser eine erschienen. Dieser Band ist mit dem Titel Kein Blatt vor den Mund : Briefe, Gespräche, Begegnungen - Teil 1 der Memoiren: Berlin, Frankreich, Schweiz. auch als kartonierte Ausgabe in Basel, Basileia-Verlag 1985 erschienen.
  • Der Donor. Roman; das Problem der künstlichen Befruchtung. J. G. Bläschke Verlag, Darmstadt 1969 (Nachdruck der Ausgabe Biel 1949).
  • Golda Meir. Israels Mutter Courage. 2. Aufl. Verlag Peter, Rothenburg/T. 1970.
  • Der Jünger des Rabbi Jochanaan. Erzählungen. Verlag Starczewski, München 1967.
  • Die letzte Havanna. Kriminalroman (Die grünen Kriminal; 11). Fraumünster-Verlag, Zürich 1944.
  • Maîtressen. Erzählung. Hegereiter Verlag, Rothenburg o.T. 1962.
  • Malererbe. Studie zum Lebenswerk Christian Morgensterns. Pfeil Verlag, Berlin 1919.
  • Nacht aller Nächte. Roman des Erzvaters Abraham. Herbert Reich Verlag, Hamburg 1957.
  • Schwiegermütter, Schwiegermütter. Eine psychologische, kulturhistorische, soziologische und humoristische Studie. Verlag Gissler, Basel 1975.
  • Stadt ohne Männer. Roman. Falken Verlag Zürich 1945 . Der Roman wurde mehrfach neu aufgelegt, zuletzt beim Verlag Basler Zeitung, Basel 1979, ISBN 3-85815-052-5 und in sieben Sprachen übersetzt. Er enthält die Schilderung ihrer Erlebnisse im Frauencamp Gurs in Südfrankreich.

Literatur (Auswahl)

  • Anja Clarenbach: Gertrud Isolani und Heinrich Eduard Jacob: Korrespondenz über „Stadt ohne Männer“; in: „EXIL. Forschung – Erkenntnisse – Ergebnisse“, XVI Jg., Nr. 2 (1994); S. 37-50.
  • Lisa A. Bilsky: Adrienne Thomas, Gertrud Isolani und Gabriele Tergit. German Jewish women writers and the experience of exile. Dissertation, University Press, Madison, Wisc. 1995.
  • Gabriele Mittag: Es gibt Verdammte nur in Gurs. Literatur, Kultur und Alltag in einem südfranzösischen Internierungslager 1940-1942. Attempo Verlag, Tübingen 1996, ISBN 3-89308-233-6.
  • Renate Wall: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil. 1933-1945. Neuaufl. Verlag Haland & Wirth, Giessen 2004, ISBN 3-89806-229-5, S. 165-167.

Weblinks


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