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Artushof (Königsberg, Altstadt)

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Der Artushof im Königsberger Stadtteil Altstadt, auch Altstädtischer Junkerhof, befand sich in der Wassergasse Nr. 35 und bestand bereits im XIV. Jahrhundert. Er wurde 1544 neu erbaut und 1708–1710 im Stil des Barock umgestaltet. 1876 wurde er von den Gebrüdern Siebert erworben und zu einem Geschäftshaus umgebaut.[1] Von den verschiedenen mittelalterlichen Artushöfen in Königsberg hat sich keine Spur erhalten. Bei den Luftangriffen auf Königsberg und der anschließenden Schlacht um Königsberg wurde das Gebäude zerstört.

Geschichte und Ausstattung

Wichtige historische Persönlichkeiten waren Mitglieder des Altstädter Artushofes: Heinrich von Plauen (1410), Hm von Richtenberg, Albertus Dei gratia Magister generalis, Christophorus von Gottes Gnaden Markgraf zu Brandenburg (1565), Friedrich II., König von Dänemark (1566), George Friedrich von Gottes Gnaden Markgraf zu Brandenburg, in Preußen Herzog und Hans Sigismund, Markgraf und Kurfürst von Brandenburg (1611), auf dessen Schild war folgende Inschrift zu lesen war:

„Diffugiant lites veniat cum pace
Triumphus floreat in patrio Pax generosa solo.
Übersetzung:
Streitereien verschwinden, wenn der Friede kommt
Der Triumph erblüht, Frieden auf seinem Heimatboden.[2]

Weitere Mitglieder waren Hans Albrecht, Herzog zu Mecklenburg, Burggraf Fabian zu Dohna (1622), Paul Fuchs (1691) und Johann Ernst von Wallenrodt (1666).

Der Junkerhof wurde von den Mälzenbrauern, Kaufleuten und Gildefischern als Versammlungsort verwendet. Das Gebäude hatte fünf sogenannte Winkel: Rats-, Gerichts-, Ritter-, Kannen- sowie Hölkenwinkel (nach „Holke“=Schiff).

Ratswinkel

Im Ratswinkel befanden sich Gemälde, die Sigismund III. Wasa sowie von Wladislaw IV. Wasa, Könige von Polen, darstellten. Dazu kamen das fürstliche und altstädtische Wappen. Dazu befanden sich dort Statuen, die Allegorien auf Niedrigkeit, Reichtum, Glück und Unglück darstellten.

Gerichts- oder Schöppenwinkel

Im Gerichts- oder Schöppenwinkel befanden sich die Statue des Moses, ein Kreuz sowie die Statue der Justitia. Es gab dort auch Gemälde, die die Kurfürsten von Brandenburg darstellten: Johann Sigismund und dessen ältesten Sohn, den Kurfürsten Georg Wilhelm.

Ritterwinkel

Im Ritterwinkel befand sich am Ofen der Tisch der Älterleute. An den Fenstern standen die Figuren von Karl dem Großen und der englischen Sagengestalt des König Artus von Camelot. Von der Artuslegende inspiriert, entstanden im 14. Jahrhundert zahlreiche Artushöfe. Zudem befand sich dort eine Statue des Roland. Zwischen der Artus- und Roland-Statue war folgendes Gedicht aufgehängt, welches die Gebrüder Siebert später in den Neubau übernahmen:

„ Es war Arthurus Hoff durchs Alterthum der Zeiten
In solchen schlechten Stand und Abnahm schon gebracht.
Daß sich zu seinem Fall das Alles wollt' bereiten,
Was ihn zur Wüsteney auf diesem Platz gemacht.
Dem ist Gott und die Zeit noch zeitig vorgekommen
Belobte Altenstadt es hat die Obrigkeit gericht
und beider Krafft der Sach sich angenommen
und den Arthurus Hoff vom Untergang befreut
Er ist durch ihrer Hülf in bessern Stand gediehen
Als er vor diesem war, ihr Beitrag hats gemacht
Und Gott hat seine Gnad' und Hülf dabei verliehen,
dass dieses Ehrenhaus in schönen Bau gebracht
Es steh' so lang der Bau der Welt sich noch wird halten:
So wünschen die , so jetzt Arthurus Hoff verwalten
H. Martinus Wellenburg
H. Bartholomäus Höpfner, Brauherr
A. 1709 den 12. September.[3]

Im Ritterwinkel war auch ein Tisch mit dem Gemälde einer mit einer Axt abgeschlagenen Hand mit folgender Beschreibung[4]

„Kein wapffen bloss (Keine Waffen entblöße),
kein Messer zick, (ziehe kein Messer)
Bey Straff der hand (bei Strafe der Hand)
meid böse tück (meide böse Tücke)
Halt Manzucht, (halte Mannzucht), Fried (Frieden),
brauch mesigkeit (gebrauche Mäßigkeit),
sonst folget straff (Sonst folgt Strafe) und grosses Leid.[5]

An den Wänden standen Statuen, die Allegorien der Frömmigkeit, des Krieges, des Neides darstellten, und eine Statue des Herkules, den Centauren tötend.

Im Ritterwinkel befanden sich verschiedene Gemälde, so das Bild des Hlg. Georg, die Statue der Ruhe und das Bild eines alten, gebrechlichen Mannes auf einem Stuhl sitzend, der ein Horn mit Bier hielt, mit den Versen zu jungen Männern sprechend:

„Wenn ein junger Mann wüßt,
wie einem Alten der Trunk lüst.
Er würde viel sparen
in seinen jungen Jahren.
Mit Mannzucht und Ehr
soll ein jeder trinken sein Bier.
Es ist zu warm an diesem Ort,
dass man muss trinken immerfort.[6]

Holkenwinkel

Im Holkenwinkel war der Versammlungsort der Kaufleute und Gildefischer. Dort befanden sich die Statue des Hlg. Sebastian, die Bildnisse der Musen, das Urteil des Paris mit Juno, Venus und Pallas. Das Wappen des Holkenwinkel zeigte ein Schiff und darüber zwei kreuzweise gelegte Bootshaken.

Kannenwinkel

Im Kannenwinkel war der Versammlungsort der Mälzenbrauer. Der Kannenwinkel hatte als Zeichen eine Kanne, darüber zwei große, kreuzweise gelegte Schlüssel. Er war der Festraum der Mälzenbrauer. Vom Wappen dieses Kannenwinkels haben sich die beiden gekreuzten Schlüssel, jetzt im Kunstgewerbemuseum, erhalten.[7] Sie haben gotische Musterung mit Fischblasen in Bart und Griff. Auf den Bärten befindet sich eine Gravierung von Drachen und Vögeln. Das Material ist Silberblech über Holz.

Der große Saal im Junkerhof war 21,2 m lang und 11,3 m breit. Zur Wassergasse hin befand sich ein Balkon mit schmiedeeisernem Gitter, den der Kaufmann George Schomaker 1710 ganz vergoldet hatte, und der für Ansprachen an das Volk und auch dem Musikchor gewidmet war.

Im Artushof stand sein Wahrzeichen: ein in Holz geschnitzter Mann, auf dessen Haupt eine Nachteule mit einem Halsband zu sehen war.

Literatur

  • Adolf Boetticher (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Im Auftrag des Ostpreußischen Provinzial-Landtages. Heft VII. Die Bau- und Kunstdenkmäler in Königsberg. Bernhardt Teichert, Königsberg 1897, OCLC 312871065.

Einzelnachweise

  1. vgl. Boetticher, S. 214-218: Altstädtischer Junckerhof
  2. Boetticher, S. 217: Altstädtischer Junckerhof
  3. Boetticher, S. 217: Altstädtischer Junckerhof
  4. archiv.preussische-allgemeine.de/1966/1966_03_26_13.pdf
  5. Boetticher, S. 214: Altstädtischer Junckerhof
  6. Boetticher, S. 214: Altstädtischer Junckerhof
  7. Abb. 155.

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