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Arthur Bloch

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Arthur Bloch (geb. 1882 in Aarberg; gest. 16. April 1942 in Payerne) war ein Schweizer Jude, der in Payerne von vier Männern, die mit den deutschen Nationalsozialisten sympathisierten, aus rassistischen Gründen umgebracht wurde. Die Bedeutung des Falls liegt darin, dass dieser antisemitische Mord während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz stattfand.

Ermordung

Der aus Bern stammende Viehhändler Bloch wurde während eines Viehmarkts in Payerne in einen Stall an der Rue à Thomas gelockt unter dem Vorwand, ihm eine Kuh verkaufen zu wollen. Dort wurde er erschlagen und erschossen. Nach dem Mord zerstückelten die Täter die Leiche, versteckten die Leichenteile in drei Milchtansen und versenkten diese im Neuenburgersee.

Strafverfolgung der Täter

Die Täter - Fernand Ischi, Robert Marmier, Fritz Joss, Georges Ballotte und Max Marmier - wurden kurz nach dem Mord gefasst. Die drei Haupttäter wurden 1943 zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt, ein minderjähriger Mittäter und ein Helfer erhielten Haftstrafen von 20 bzw. 15 Jahren.

Der ehemalige protestantische Pfarrer Philippe Lugrin, ein Anführer der Nationalen Bewegung der Schweiz, der die Täter angestiftet hatte, konnte zunächst mit Unterstützung des deutschen Konsulats nach Deutschland fliehen. Er wurde nach dem Krieg von den Alliierten an die Schweiz überstellt und 1947 zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Aufarbeitung

Das Schicksal von Arthur Bloch wurde von dem aus Payerne stammenden Schriftsteller Jacques Chessex im Buch «Un Juif pour l’exemple» aufgearbeitet, das 2009 erschien. Chessex war zum Zeitpunkt des Mordes acht Jahre alt und kannte sowohl das Opfer als auch die Täter. Er hatte das Ereignis bereits 1967 im Erzählband «Reste avec nous» unter dem Titel «Un crime en 1942» thematisiert.[1]

1974 hatte Walter Matthias Diggelmann in seiner Erzählung «Der Jud Bloch» auf den Fall Bezug genommen. 1977 folgte der 82-minütige Dokumentarfilm «Analyse d’un crime» von Yvan Dalain sowie das Buch «Le Crime nazi de Payerne» von Jacques Pilet. 2001 wurde der Fall von Hans Stutz aufgegriffen, der insbesondere kritisierte, dass die Täter wohl bestraft, das rassistische Motiv aber weitgehend ausgeblendet worden sei.[2]

Im Mai 2009 - wenige Monate nach der Veröffentlichung von Jacques Chessex' Buch - verabschiedete das Stadtparlament von Payerne eine Resolution im Gedenken an das Verbrechen. Die Stadt war zuvor von Chessex dafür kritisiert worden, dass sie sich nicht der Vergangenheit stellen wolle und den Mord bagatellisiere.[3] [4]

Literatur

  • Jacques Chessex: Un Juif pour l’exemple. Grasset & Fasquelle, Paris 2009. ISBN 978-2246743514.
  • Hans Stutz: Der Judenmord von Payerne. Rotpunktverlag, Zürich 2001, ISBN 978-3858692115.
  • Jacques Pilet: Le crime nazi de Payerne – 1942 en Suisse: un Juif tué «pour l’exemple». Favre, Lausanne 1977.

Filme

Einzelnachweise

  1. Martin Zingg. Payerne, 16. April 1942: Ein Besuch beim Schriftsteller Jacques Chessex in Lausanne. Neue Zürcher Zeitung, 25. April 2009, S. B1.
  2. Heinz Roschewski. Kein Wort zu Tatmotiv oder Hintergründe. Der Bund, 19. Mai 2001.
  3. Nach Judenmord von 1942: Payerne stellt sich endlich der Geschichte. Tages-Anzeiger, 7. Mai 2009.
  4. Assassinat d'Arthur Bloch: Payerne réagit. TSR, 7. Mai 2009.


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