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Alphabet

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Alphabet (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Alphabet (auf griechisch ἀλφάβητος alphábētos), umgangssprachlich auch "Abc" genannt, ist eine geordnete und abgeschlossene Menge von grafischen Zeichen bzw. Graphemen (genannt Buchstaben), die über orthographische Regeln zu Wörtern verknüpft eine zugehörige Lautsprache schriftlich darstellen können. Der Name Alphabet geht auf die ersten beiden Buchstaben des griechischen Schriftsystems zurück (Alpha – α, Beta – β). Im Deutschen sagt man, ausgehend von den ersten Buchstaben des deutschen Alphabets, „A-B-C“. Die festgelegte Reihenfolge erlaubt alphabetische Anordnungen wie beispielsweise in Wörterbüchern.

Alphabetschriften gehören wie Silbenschriften zu den phonographischen Schriften und stehen damit im Gegensatz zu piktografischen oder logografischen Systemen, bei denen die Zeichen für Begriffe stehen (z. B. Rind, Sonnenaufgang, Freundschaft). Im Unterschied zur Silbenschrift bezeichnen alphabetische Buchstaben in der Regel jeweils nur einen Laut (Phonem). Im engeren Sinne wird der Begriff Alphabet auch in Abgrenzung zu Konsonantenschriften und Abugidas nur für solche Schriften gebraucht, in denen alle Phoneme und insbesondere auch alle Vokale eigene, gleichberechtigte grafische Zeichen besitzen.[1]

Auch formale Sprachen in der Informatik bestehen aus Wörtern, die aus Zeichen eines Alphabets bestehen. Siehe hierzu auch Alphabet (Informatik).

Die verschiedenen Alphabete, nach Zeitalter

Datei:Alphabete.PNG
Übersicht der weltweit verwendeten Alphabete

Das deutsche Alphabet

Aa Ää Bb Cc Dd Ee Ff Gg Hh Ii Jj Kk Ll Mm Nn Oo Öö Pp Qq Rr Ss ẞß Tt Uu Üü Vv Ww Xx Yy Zz

Funktionsweise des Alphabets

Die Buchstaben eines Alphabetes sind schriftliche Symbole für die kleinsten bedeutungsunterscheidenden lautlichen Einheiten der Sprache, die Phoneme (zum Beispiel unterscheiden ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer und ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer in ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer und ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer die Bedeutung der Wörter (siehe auch Minimalpaar und Allophon).

In einem idealen Alphabet entspricht jeder Buchstabe einem Phonem und umgekehrt. In der Praxis finden sich aber immer Abweichungen:

Darüber hinaus geht die einmal festgelegte Korrespondenz von Phonem und Graphem auch durch den natürlichen Sprachwandel verloren (vergleiche englisch ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer und ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer ggü. lateinisch ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer).

Fehlen in einem Schriftsystem Zeichen für Phoneme, können sprachliche (inhaltliche) Unterschiede eventuell nicht schriftlich wiedergegeben werden. So bestanden einige Alphabete ursprünglich nur aus Konsonanten (Konsonantenschrift). Später wurden sie mit Zeichen für Vokale ergänzt, die als kleine Zusätze (z. B. Punkte, Striche) zu den Konsonanten gesetzt werden konnten (z. B. arabisches Alphabet) oder mussten (z. B. hebräisches).

Sind hingegen in einem Schriftsystem Zeichen für Phoneme im Übermaß vorhanden, können semantische (inhaltliche) Unterschiede selbst bei gleicher Lautung schriftlich ausgedrückt werden. Zum Beispiel im Deutschen ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer und ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer.

Die Schriftsysteme für die meisten europäischen Sprachen nutzen Varianten des lateinischen Alphabets. Dabei wurden den Zeichen für lateinische Laute ähnliche Laute der jeweiligen Sprache zugeordnet. Dieselben Zeichen standen in den verschiedenen Sprachen für teilweise unterschiedliche Laute. Zudem ist es im Zuge der Sprachentwicklung zu weiteren Veränderungen der Aussprache gekommen (vgl. ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer im Deutschen und Englischen).

Da die Zahl und Art der Phoneme in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich ist, genügte der Zeichenvorrat des lateinischen Alphabetes oft nicht. Deshalb wurden zur Darstellung der betreffenden Phoneme Buchstabenkombinationen (z. B. ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer) und diakritische Zeichen eingeführt (z. B. auf ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer).

Daneben wurden Varianten der ursprünglichen lateinischen Zeichen (⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer > ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer > ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer) und Ligaturen (⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer > ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer/⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer > ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer/⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer > ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer) zu eigenständigen Zeichen weiterentwickelt und gelegentlich auch Buchstaben aus anderen Alphabeten übernommen (⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer).

Phonetisches Alphabet

Ein absolut phonetisches Alphabet wäre in der Praxis unbrauchbar, weil es aufgrund der unzähligen Nuancen einer Sprache unzählig viele Zeichen hätte. Ein in Bezug auf die phonetische Wiedergabe optimiertes Alphabet ist das IPA, welches möglichst vielen Lautnuancen ein grafisches Zeichen zuordnet.

Eine phonemische Schreibweise behandelt unterschiedliche Aussprachen desselben Phonems gleich. So wird beispielsweise in der deutschen Orthografie die regional unterschiedliche (phonetische) Aussprache des Phonems /gVorlage:Klammer in ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer als norddeutsch [taχ] und hochdeutsch [taːk] nicht berücksichtigt. Daneben sorgen morphemische Schreibungen für ein konstanteres Schriftbild bei der Flexion, z. B. schreibt man wegen des Plurals Tage nicht *⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, sondern ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer, und bei der Derivation, z. B. ⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer statt *⟨Vorlage:Graphem/1Vorlage:Klammer.

Buchstabieren

Wenn Menschen einander sprachlich die korrekte Schreibweise eines Wortes mitteilen, indem sie nacheinander alle Buchstaben jenes Wortes nennen, so bezeichnet man diesen Vorgang als Buchstabieren (Verb: buchstabieren). Beim Buchstabieren werden Buchstaben meist mittels deren Buchstabennamen ausgesprochen (Ah [aː], Beh [beː], Ceh [tseː]…). Bei schwierigen Wörtern und/oder Klangverhältnissen, wie beispielsweise in Funk- oder Telefongesprächen, kann dies auch mithilfe eines Buchstabieralphabets (Anton, Berta, Cäsar,…) abgehandelt werden, wodurch der vom Sprecher beabsichtigte Buchstabe mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit korrekt vom Hörer erkannt werden soll.

Entstehung und Entwicklung

Aus den in Vorderasien gebräuchlichen Keilschriften entwickelten Händler in Ugarit um 1400 v. Chr. die erste alphabetische Schrift, die sogenannte Ugaritische Schrift. Aus ihm heraus hat sich um 1000 v. Chr. unter anderem das Alphabet der Phönizier entwickelt, das wiederum Ausgangspunkt für die heute gebräuchlichen Alphabete ist. Sie bedienten sich dabei Elementen der vorhandenen Bilderschriften. Die Zeichen lösten sie dabei vollständig von ihrer bildlichen Bedeutung und wiesen ihnen klare Lautwerte zu. Die phönizische Schrift verlief von rechts nach links. Trotz dieser Unterschiede lassen sich die Zeichen der Phönizier jeweils mit Zeichen der Ugaritischen Schrift in Verbindung bringen.

Die phönizische Schrift war eine reine Konsonantenschrift. Dies entsprach der Struktur der semitischen Sprachen. Die hebräische und die arabische Schrift, die daraus entstanden, verzichten bis heute (weitgehend) auf Vokale. Als die Griechen etwa im 10. oder 9. Jh. v. Chr. die phönizische Schrift übernahmen, benutzen sie Zeichen für bestimmte Konsonanten, die zwar in semitischen, aber nicht in europäischen Sprachen vorkommen, zur Bezeichnung von Vokalen, z. B. wurde aus dem Zeichen für "H" das Eta = "E". Einige Zeichen für Konsonanten, die die phönizische Sprache nicht kannte, wurden neu geschaffen, z. B. das Psi. Im Jahre 403 v. Chr. wurde in Athen das Alphabet normiert. Es wurde so zum Schriftsystem für ganz Griechenland. Anfang des 4. Jh. v. Chr. brachten griechische Siedler das Alphabet nach Italien, wo die Etrusker (in der heutigen Toskana) es im Laufe des 4. Jahrhunderts übernahmen. Im 3. Jh. v. Chr. orientierten sich die Römer an der griechisch-etruskischen Schrift und überlieferten sie im 1. Jh. v. Chr. nach Mitteleuropa.

Historische Bedeutung

Durch das Alphabet entstand ein System mit vergleichsweise wenigen Zeichen. Um die Aufzeichnungen der alten Ägypter verstehen zu können, musste man Hunderte, später sogar Tausende Hieroglyphen lernen. Nun genügten zwei Dutzend Zeichen, um sämtliche Gedanken, die überhaupt formulierbar sind, zu notieren. Die Einfachheit dieses Systems begünstigte dessen Verbreitung über die halbe Welt.

„Die menschlichen Sprechwerkzeuge können zwar eine riesige Zahl von Lauten erzeugen, doch beruhen fast alle Sprachen auf dem formalen Wiedererkennen von nur ungefähr vierzig dieser Laute durch die Mitglieder einer Gesellschaft.“ (Jack Goody).

Die Reihenfolge des griechischen und lateinischen Alphabets folgt global (wenige Ausnahmen) der Reihenfolge des phönizischen Alphabets, da die Zeichen auch mit einem Zahlwert gekoppelt waren.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Peter Willberg: Wegweiser Schrift. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2001, ISBN 3-87439-569-3
  • Lewis F. Day: Alte und neue Alphabete. Ein Streifzug durch die Welt der Lettern. Reprint der Ausgabe von 1906, mit einem Nachwort von Hans A. Halbey. Harenberg Edition, Dortmund 1991, ISBN 978-3-88379-603-1
  • George L. Campbell: Handbook of scripts and alphabets. Routledge, London 1997, ISBN 0-415-13715-2.

Weblinks

Wikiquote: Alphabet – Zitate

Einzelnachweise

  1. Dem liegt die Auffassung zugrunde, dass ein Alphabet gemäß der Herkunft des Begriffs aus den Namen der beiden ersten Buchstaben des griechischen Alphabets alle Laute der Typen Alpha (Vokale) und Beta (Konsonanten) wiedergeben sollte. Vgl. Peter T. Daniels & William Bright: The World’s Writing Systems. Oxford University Press, New York & Oxford 1996, ISBN 0-19-507993-0.


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