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Tanger

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Dieser Artikel befasst sich mit der marokkanischen Stadt Tanger, zum gleichnamigen Fluss in Sachsen-Anhalt siehe Tanger (Fluss).
Tanger
طنجة
Wappen von Tanger طنجة
Tanger طنجة (Marokko)
Tanger طنجة
Tanger
طنجة
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Tanger-Tétouan
Provinz: Tanger-Asilah
Koordinaten 35° 47′ N, 5° 49′ W35.784722222222-5.812580Koordinaten: 35° 47′ N, 5° 49′ W
Einwohner: 700,000 (2. Juni 2011[1])
Fläche: 199,5 km²
Bevölkerungsdichte: 4 Einwohner je km²
Höhe: 80 m
Webpräsenz (Stadtverwaltung):
Bild von Tanger طنجة

Tanger (arabisch ‏طنجة‎ Tandscha, DMG Ṭanǧa) ist eine marokkanische Stadt mit etwa 700.000 Einwohnern (Stand 2007) (Volkszählung 2008) im Norden des Landes in der Provinz Tanger-Asilah. Sie liegt an der nordafrikanischen Küste, etwas westlich der Straße von Gibraltar. Südlich der Stadt befindet sich der Flughafen Tanger-Boukhalef; zwischen Tanger und Ceuta wird Tanger-Med gebaut, ein neuer Containerhafen.

Legende

Der Legende nach hat Antaios, Sohn von Poseidon und Gaia, die Stadt gegründet. Herkules spaltete an dieser Stelle die Erde und schuf so die Meerenge von Gibraltar, in der Mittelmeer und Atlantik ihre Gewässer vermischen.

Geschichte

Gegründet wurde Tanger im 5. Jahrhundert v. Chr. von Karthagern. Später geriet die Siedlung Tingis unter römische (siehe auch: Mauretania Tingitana) bzw. byzantinische Herrschaft, bevor sie 702 von den Arabern erobert wurde.

1471 hielten die Portugiesen Einzug, denen 1580 die Spanier und 1661 die Briten folgten – Katharina von Braganza brachte es als Mitgift in die Ehe mit Charles II. ein. Doch schon kurz darauf, 1684, wurde Tanger an Marokko unter den Alawiden übergeben.

Der Nordwesten Afrikas 1912
Satellitenaufnahme von Tanger
Tanger - Avenue Mohammed VI
Die Karte des Spanischen Marokko-Protektorats (gelb) zeigt die Lage der früheren Internationalen Zone von Tanger im Nordwesten

Die geographische Lage Tangers machte die Stadt zum marokkanischen Zentrum europäischer Diplomatie und Wirtschaft im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Eine internationale Krise löste die Rede Kaiser Wilhelms II. anlässlich seines Besuches der Stadt 1905 aus, in der er eine Erklärung zur fortwährenden Unabhängigkeit Marokkos abgab.

1912 verlor Marokko seine Unabhängigkeit und wurde faktisch zwischen Frankreich und Spanien geteilt, wobei letzteres gleich ganz Nordmarokko und einen Teil der Atlantikküste im Süden besetzte. Der Status von Tanger blieb ungeklärt. 1923 wurde die Stadt und ein kleines Gebiet um sie herum zur Internationalen Zone von Tanger erklärt und von acht Mächten verwaltet (Frankreich, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Portugal, Schweden und seit 1928 Italien). Der Hafen von Tanger war zollfrei, der Schmuggel wurde zum einträglichen Geschäft.

Dieser Zustand blieb, mit Ausnahme der Zeit von 1940 bis 1945, als es wegen des Krieges unter alleiniger spanischer Verwaltung stand, bis zum 29. Oktober 1956 erhalten (an die Stelle Italiens traten jedoch die USA und die UdSSR). Die Freizügigkeit der Stadt in den 1940er- und 50er-Jahren machte sie zu einem Magneten für europäische und amerikanische Schriftsteller, für „Aussteiger“ und Außenseiter jeder Art. Am 29. Oktober 1956 jedoch traten die Protokolle von Tanger in Kraft, die die Stadt mit dem wenige Monate zuvor wieder unabhängig gewordenen Staat Marokko wiedervereinigten und ihre Freizügigkeit beendeten. 1956 begann auch der Exodus der bis zu 40.000 Juden oder Hebräer, wie sie sich nannten, aus Tanger.[2]

In den 1960er- und 70er-Jahren erlebte Tanger eine zweite literarische Blüte als „Mekka“ von Schriftstellern der neu entstandenen Popliteratur. Paul Bowles, Jane Bowles, Tennessee Williams, Jack Kerouac, Muhammad Asad, Truman Capote und William S. Burroughs waren nur einige von ihnen. Auch Marokkos wohl berühmtester Schriftsteller, Mohamed Choukri, lebte hier. Er verarbeitete seine Erfahrungen als armer Heranwachsender im Tanger der 50er-Jahre in seinem Roman „Das nackte Brot“ (arabisch „al-Chubs al-hafi“). Auch heute noch leben bekannte Autoren in der Stadt (z.B. Bernard-Henri Lévy).

Sehenswürdigkeiten

Medina in Tanger

Aus karthagischer Zeit stammen die in den Fels gehauenen und in römischer Zeit wiederverwendeten Steinkistengräber der Nekropole von Marshan. Die Römer umgaben im 3. und 4. Jahrhundert den Burgberg - das heutige Kasbah-Viertel - mit einer Stadtmauer, die von den Portugiesen im 15. und 16. Jahrhundert restauriert wurde. Größte Attraktion der Stadt ist die belebte Medina (Altstadt) rund um den Petit Socco mit ihren Märkten, Handwerksbetrieben, Geschäften und Cafés. Unbedingt sehenswert ist auch das "Musée de la Casbah" mit vielen interessanten archäologischen Fundstücken zur mehr als 2000 Jahre währenden Stadtgeschichte; Glanzstück ist das aus Volubilis stammende Bodenmosaik mit der Darstellung einer „Seefahrt des Venus“. Mehrere Galerien präsentieren Wechselausttellungen mit Werken marokkanischer und europäischer Künstler.

Kultur

Seit dem Jahr 2000 findet alljährlich im Sommer das Jazz-Festival Tanjazz statt.[3]

Wirtschaft

Renault produziert ab 2012 Fahrzeuge der Konzernmarke Dacia bei Tanger. Zunächst sollen 170.000 Fahrzeuge, später bis zu 400.000 Fahrzeuge hergestellt werden, ab 2016 auch ein Fahrzeug, das auf Märkten wie Indien nicht mehr als 3.000 Euro kosten soll.[4]

Söhne und Töchter der Stadt

Quellen

  1. Bevölkerung von Tanger
  2. Neue Zürcher Zeitung: Geschützt, verdrängt, geduldet - Jüdisches Leben in islamischen Ländern – eine gefährdete Tradition 25. Februar 2008
  3. Tanjazz
  4. Michael Kläsgen: Renault setzt auf superbillig. sueddeutsche.de vom 10. Februar 2012, abgerufen am 11. Februar 2012

Literatur

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 129f, ISBN 978-3-7701-3935-4

Weblinks

 Commons: Tangier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Tanger aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.