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Mongolensturm

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Als Mongolensturm oder Tatarensturm (stark abwertend auch als Mongolenflut) wird sowohl in der abendländischen als auch in der arabischen und persischen Geschichtsschreibung der Einfall der Tataro-Mongolen in zahlreiche Staaten Asiens und Europas bezeichnet.

Mittelalter

1241: Nach der Schlacht bei Muhi schleppen Tataren versklavte Ungarn fort. In der Darstellung von 1488 sind die Tataromongolen als Muslime dargestellt; den Islam nahmen sie allerdings erst später an

1237 eroberten die Tataro-Mongolen das Reich der Wolgabulgaren und Moskau; ab 1238 griffen sie die Fürstentümer der Kiewer Rus an und zerstörten 1240 Kiew. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen des Sommers 1241 schlugen sie zunächst ein deutsch-polnisches Heer in der (ersten) Schlacht bei Liegnitz und das Aufgebot des ungarischen Königs Béla IV. in der Schlacht bei Muhi. Ihr Einfall in Kleinpolen und Schlesien verbreitete in ganz Europa Angst und Schrecken. Mongolische Vorausabteilungen erreichten Teile Brandenburgs, Mähren, Niederösterreich, die kroatische Adria und Thrakien. Vor allem Ungarn mit Siebenbürgen und Bulgarien erholten sich lange nicht von den Zerstörungen und Bevölkerungsverlusten durch die Überfälle. Die Reisen von Johannes de Plano Carpini und Wilhelm von Rubruk waren direkte Folgen des für die Europäer überraschenden Auftretens der Mongolen.

Um 1220 war das Reich der Choresm-Schahs zerstört. Die Versuche des Thronfolgers Dschalal ad-Din blieben nach Kämpfen gegen die Mongolen und Kai Kobad I., den Herrscher der Rum-Seldschuken, erfolglos, sodass nach seinem Tode 1231 die mongolische Herrschaft über Persien gesichert war. Die Rum-Seldschuken in Kleinasien wurden nach der Schlacht vom Köse Dağ 1243 zu Vasallen degradiert, und das Abbasiden-Kalifat mit Sitz in Bagdad ging 1258 unter. Die Mongolen verwendeten das Konzept der „psychologischen Kriegführung“ in vollem Umfang. Auf Widerstand und Verrat reagierten sie selbst für die damalige Zeit ungewöhnlich hart, mit Erdöl übergossene und verbrannte Pyramiden aus tausenden abgeschlagener Schädel (Schädeltürme) sind auch während späterer mongolischer Invasionen aus dem frühen 15. Jahrhundert unter Timur überliefert.

Erst 1260 konnten die ägyptischen Mamluken in der Schlacht von Ain Djalut und 1262 die Ungarn unter ihrem König Béla IV. den mongolischen Verbänden erstmals Einhalt gebieten, 1279 wurden stattdessen die letzten Gebiete der südlichen Song-Dynastie im heutigen China von den Heeren des Kublai Khan überrannt. Nach 1287 beschränkten sich in Europa die Angriffe der nunmehr islamisierten Mongolen und Tataren zumeist auf die Nachfolgestaaten der Kiewer Rus, die dem mongolischen Nachfolgereich der Goldenen Horde untertan wurden. In Asien jedoch wurden von den Nachfolgern Kublai Khans Japan, Indonesien und Vietnam sowie von den Ilkhanen und Timur Indien und Syrien angegriffen.

Neuzeit

Als Nachfolger der Goldenen Horde setzte das islamisierte Khanat der Krimtataren seine Angriffe auf christliche Gebiete fort, so auf Russland, die damals durch Polen-Litauen beherrschte Ukraine oder die Moldau. In Gebieten in der heutigen Südukraine, die den Tataren im 16. Jahrhundert abgenommen worden waren, siedelten die Litauer und Russen freie Wehrbauern an, was die Entstehung des ukrainischen und russischen Kosakentums förderte.

Als Tatarensturm wird aber auch der Einfall von Lipka-Tataren und Krimtataren im Herzogtum Preußen 1656/57 bezeichnet. Er erfolgte, nachdem sich Brandenburg-Preußen unter Kurfürst Friedrich Wilhelm im Zweiten Nordischen Krieg auf die Seite der Feinde Polens gestellt hatte, das ab 1654 mit dem Krim-Khanat verbündet war. Die Tataren sollen bis zu 23.000 Einwohner Preußens getötet und 34.000 in die Sklaverei verschleppt haben; bis zu 80.000 Menschen sollen in den verwüsteten Landstrichen verhungert oder erfroren sein[1].

Umgekehrt fielen polnische, ukrainische und russische Kosaken wiederholt in das Gebiet der Krimtataren und das türkisch-osmanische Eyâlet Silistrien ein und entlang der Schwarzmeerküste (z.B. in Sosopol). Die tatarischen Einfälle endeten, nachdem die Krim-Residenz Bachtschyssaraj 1736 durch eine russische Strafexpedition zerstört wurde.

Begriffskritik

Wenn auch vor allem in abendländischen Chroniken Mongolen und Tataren oftmals gleichsetzt bzw. vor allem in russischen Quellen neuerdings als Tataro-Mongolen zusammengefasst wurden, so muss zumindest für die Angriffe in der Mitte des 13. Jahrhunderts eher von mongolischer Eroberung gesprochen werden, deren erste Opfer gerade die ethnisch und sprachlich von den Mongolen verschiedenen Tataren geworden waren.

Siehe auch

Literatur

  • Michael Weiers: Geschichte der Mongolen (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher 586) Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-017206-9.
  • András Székely: Illustrierte Kulturgeschichte Ungarns, Seiten 26ff. Urania-Verlag Leipzig/Jena/Berlin 1979

Einzelnachweise

  1. Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Ungek. Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH, Pößneck 2010, S. 87.


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