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Lehrerseminar

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Das Lehrerseminar oder das Studienseminar (für das Gymnasium oder die Berufsschule) bildet Lehramtsanwärter oder Studienreferendare in Deutschland mit dem Abschluss des Zweiten Staatsexamens aus.

Deutschland

Organisation

Lehrerseminare sind in Deutschland eine Ausbildungseinrichtung der so genannten „Zweiten Phase“ der Lehrerbildung. Teilweise unterstehen sie den Regierungspräsidien, in mehreren Ländern direkt dem Kultusministerium. Sie finden sich meist in größeren Städten für einen Einzugsbereich von jeweils mehreren umliegenden Städten und Kreisen oder sind Landesseminare. Sie werden nach den verschiedenen Lehrämtern eingeteilt und jeweils von einem Seminarleiter geführt.

Der Besuch eines Lehrerseminars ist ein Teil der Ausbildung auf dem Weg zum Zweiten Staatsexamen. Verpflichtend nehmen an einem Lehrerseminar die Lehramtsanwärter teil, in der Regel Lehramtsstudenten mit abgeschlossenem Ersten Staatsexamen. Sie befinden sich im Vorbereitungsdienst, sind einer Schule zugeteilt und besuchen in der Regel an einem Tag der Woche das Lehrerseminar.

Die Dozenten am Lehrerseminar sind Lehrer, die teils im Schuldienst stehen, teils sich beruflich ausschließlich der Ausbildung der Lehramtsanwärter widmen. Sie werden auch Fachleiter oder Studienleiter genannt. Der Seminarleiter ist ihr Vorgesetzter.

Die Ausbildung am Lehrerseminar dauert in der Regel 24 Monate und schließt mit dem Zweiten Staatsexamen ab.

Um zu dieser Prüfung zugelassen zu werden, müssen in regelmäßigen Abständen Hospitationen durchgeführt und Lehrproben abgelegt werden.

Zum Zweiten Staatsexamen gehört eine Hausarbeit mit einem praktischen Teil über eine Unterrichtseinheit in einem der Fächer oder über ein pädagogisch-gesellschaftliches Thema. Zudem wird in Pädagogik und in jedem der Ausbildungsfächer eine mündliche Prüfung abgehalten. In den Fächern findet jeweils mindestens eine Lehrprobe an der ausbildenden Schule statt, an der die Fachbetreuer der jeweiligen Schule (Mentoren) und die Fach-/Studienleiter sowie der Leiter des Lehrerseminars und der Schulleiter teilnehmen.

Geschichte

Lehrerseminare wurden ursprünglich für die Ausbildung der Lehrer des Elementarbereichs bzw. der Volksschulen eingerichtet. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Unterricht an Elementarschulen in der Regel von nicht weiter ausgebildeten Küstern, Handwerkern, ehemaligen Soldaten oder Studenten erteilt. Der Zustand des Schulwesens war dementsprechend desolat.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Lehrerseminare in Verbindung mit neu gegründeten Waisenhäusern, so etwa in den Stiftungen August Hermann Franckes in Halle/Saale (1707 und 1718), aber auch im Zusammenhang mit Armen- und Freischulen. Sie eröffneten den Zöglingen eine berufliche Perspektive, indem ihnen Kulturtechniken, Singen und Religion, aber auch alltagspraktische Fertigkeiten etwa für die Landwirtschaft als Grundlage für Lehrtätigkeiten vermittelt wurden. Neben der Form der Seminarausbildung existierte weiterhin die Form der „Meisterlehre“, in der Lehrer ihre eigenen Nachfolger als 'Schulgehilfen' ausbildeten. Nur zögerlich setzte sich die Seminarausbildung der Volksschullehrer gegen konservative politische Befürchtungen durch. Ein gutes Beispiel dafür ist das 1781 als ein Kind der Aufklärung von dem Kieler Theologe Johann Andreas Cramer (1723–1788) gegründete Lehrerseminar Kiel. Nach Cramers Tod leitete der 29-jährige Theologe Heinrich Müller das Seminar, der von konservativen Kreisen um den Universitätskurator Friedrich Karl von Reventlow im Jahre 1804 zur Resignation gezwungen wurde. Danach verfiel das Seminar und wurde 1823 aufgelöst.

Friedrich Gedike begann in Berlin mit der Ausbildung von Lehrern am Gymnasium 1787, Wilhelm von Humboldt führte 1810 das examen pro facultate docendi ein. 1826 führte Preußen ein pädagogisches Probejahr ein. 1890 wurde die zweite Ausbildungsphase eine feste Institution in Preußen, die zwei Jahre dauerte. Ausbilder waren Praktiker in den Gymnasien. 1917 wurde das zweite Staatsexamen eingeführt.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Seminare und Präparandenanstalten etwa in Bayern (1809) oder in Preußen ausgebaut (1811: 15 Seminare; 1871: 81 Seminare) und so „zur Keimzelle der Verbesserung des niederen Schulwesens“ (Sandfuchs). 1826 wurden eine Seminarabschlussprüfung sowie eine zweite Lehrerprüfung nach drei Jahren Berufspraxis eingeführt. Preußen setzte 1872 für die Lehrerausbildung neue Maßstäbe, die in den Folgejahren auch das Niveau der Seminarausbildung anhoben. Ende der 1880er Jahre leisteten die Seminare „die flächendeckende Versorgung mit nach dem Stand der Zeit gut ausgebildeten Lehrern“ (U. Sandfuchs). Die Forderung, auch die Ausbildung der Volksschullehrer ähnlich wie die der Gymnasiallehrer einheitlich im ganzen Reichsgebiet auf universitäres Niveau anzuheben, wurde aus Kostengründen lange nicht realisiert. Für den Beruf des Volksschullehrers wurde bis 1919 kein Abitur vorausgesetzt.

In der Weimarer Republik entstanden in einzelnen Ländern des Deutschen Reiches Pädagogische Akademien, für die das Abitur Voraussetzung war (in Preußen ab 1925 durch die Richertsche Gymnasialreform). Teilweise wurde die Ausbildung den Universitäten angegliedert, andere Länder behielten jedoch trotz der Forderung in der Weimarer Reichsverfassung nach akademischer Ausbildung ihre seminaristische Lehrerbildung bei (Württemberg, Bayern).

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die demokratiefreundlichen Pädagogischen Akademien geschlossen und an ihrer Stelle eine Hochschule für Lehrerbildung eingerichtet, ab 1941 entstanden Hunderte von nichtakademischen Lehrerbildungsanstalten, die vornehmlich auf weltanschaulichen Drill und Sport ausgerichtet waren, für die wieder kein Abitur vorausgesetzt wurde. So sollte die hohen Blutverluste durch den Weltkrieg ersetzt werden.

Nach 1945 knüpften die Bundesländer an die Ausbildungstraditionen vor 1933 an. Die Lehrerausbildung in den Seminaren blieb teilweise lange Zeit noch konfessionell getrennt. Die Forderung nach einer Akademisierung der gesamten Lehrerbildung, also auch der Lehrer für die nichtgymnasialen Schulformen, setzte sich nur langsam durch und wurde im Strukturplan für das Bildungswesen (1970) aufgenommen. Das bis dahin auf die Gymnasiallehrer beschränkte Ausbildungsmodell eines Vorbereitungsdienstes an Studienseminaren wurde in der Kultusministerkonferenz am 9. Oktober 1970 in Frankenthal auf alle Lehrämter übertragen. Der Vorbereitungsdienst für alle Lehramtsanwärter erfolgt seither an „besonderen Ausbildungsinstitutionen“.

Die DDR bildete ihre Lehrer einphasig an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen aus, es gab kein besonderes Lehramt für die Erweiterte Oberschule (EOS). Zur Ausbildung zum Grundschullehrer am Institut für Lehrerbildung reichte der Abschluss der Polytechnischen Oberschule nach der 10. Klasse. Ab 1990 wurde die westdeutsche Lehrerbildung übertragen.

Schweiz

Im Jahr 1832 wurde mit dem Zürcher Lehrerseminar in Küsnacht das erste staatliche Lehrerseminar der Schweiz eröffnet. Die Ausbildung dauerte im Anschluss an die Sekundarschule zunächst zwei Jahre, dann drei Jahre, schließlich wurde sie auf vier Jahre verlängert. Die Ausbildung wurde mit einem Lehrerpatent abgeschlossen, welches zum Unterricht an der Primarschule (1. bis 9. Klasse) berechtigte.

Später wurde die Ausbildung auf fünf Jahre verlängert, zugleich ermöglichte das Lehrerpatent die Immatrikulation an einer Universität. Einzig für das Studium der Medizin und für die Studiengänge an der ETH Zürich konnte man sich nicht einschreiben.

Die letzten Lehrerpatente, welche man an einem Lehrerseminar erwerben konnte, wurden 2004 ausgestellt. Seither gibt es in der Schweiz kein Lehrerseminar mehr. Die Ausbildung erfolgt an einer Pädagogischen Hochschule.

Literatur

  • Joachim Rohlfes: Deutscher Geschichtsunterricht im 19. Jahrhundert. Staatlich-politische Vorgaben, geschichtswissenschaftliche Maßstäbe, pädagogische Impulse. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 2004, S. 382ff.
  • Uwe Sandfuchs: Geschichte der Lehrerbildung in Deutschland. In: Sigrid Blömeke, P. Reinhold, G. Tuoldziecki, J. Wildt (Hrsg.): Handbuch Lehrerbildung. Westermann/Klinkhardt, Braunschweig/Bad Heilbrunn 2004, ISBN 3-7815-1344-0, S. 14–37.
  • Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte. 6 Bände. Beck, München 1987–2005.

Siehe auch


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