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Jisrael Seev Minzberg

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Jisrael Seev Minzberg

Raw Jisrael Seev Minzberg (auch: Jisrael Welwel Minzberg, Velvel Mintzberg etc.; geb. 1872 bei Lublin; gest. 1962 / 17. Adar 5722 in Israel) war ein bedeutender Rabbiner und jahrzehntelang Dajan und Aw Bet Din in Jerusalem.

Leben

Raw Welwel kam in der Nähe von Lublin zur Welt. Im Alter von sechs Jahren kam er nach Erez Jisrael und liess sich zusammen mit seinem Grossvater, Reb Awraham Minzberg, der zu den Mitbegründern der Chaje-Olam-Jeschiwa gehörte, in Jerusalem nieder. Schon in seinen Jugendjahren gönnte er sich keine Ruhe und lernte mit grösstem Fleiss Tag und Nacht. Bereits als junger Bachur stand er mit den Geonim der Stadt im Briefwechsel und behandelte grosse Themen aus der Tora mit ihnen. Zu diesen Geonim gehörten u. a. auch Raw Schne'ur Salman von Lublin, der Verfasser des "Torat Chessed", und Raw Jehoschua Leib Diskin, der Raw von Brisk. In allen drei bekannten Jeschiwot von damals – Torat Chajim, Chaje Olam und Eitz Chajim, wurden seine Chiduschei Tora gelernt.

Er strebte nach dem klaren Psak Halacha und lernte deshalb nicht nur für den Pilpul, sondern versuchte aus jedem Thema auch die klare Halacha zu entnehmen. Es dauerte nicht lange, bis alle über seine Grösse in der Tora Bescheid wussten, und er wurde schon in jungem Alter zu den grössten Posskim der Stadt gezählt. Er hatte das Verdienst, während sechzig Jahren als Dajan zu amtieren. Raw Eljahu Klezkin aus Lublin sagte über ihn, dass er auch hundert Jahre zuvor zu den prominentesten Posskim in Polen gezählt hätte. Während der Jahre, als der "Saba Kadischa", Raw Schlomo Elasar Alfandri, in Jerusalem wohnte, lernte er jeden Freitag mit dem um Jahrzehnte jüngeren Raw Minzberg zusammen Chawruta. Einmal entstand im Zusammenhang mit dem Kaschrut von Etrogim eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Gedolim der Stadt. Raw Alfandri veröffentlichte darüber seine Meinung, zog sie jedoch gleich zurück, als er hörte, dass Raw Minzberg die andere Meinung vertritt, und gab zu, dass Raw Minzberg Recht hatte.

Raw Minzberg wurde von allen Teilen des Klall Jisrael angenommen und geschätzt, weil er sich nie als Teil einer spezifischen Gruppe ausgab. Einerseits amtierte er als Rawa'd der chassidischen Gemeinde, gehörte auch zu den sieben Tuvei Ha'ir der Eida Charedit und wurde andererseits auch als Führer des "Wa'ad Haklali", der von den Bekannten des Raw Haraschi, Raw Awraham Jitzchak Kook, geführt wurde, gewählt. Es war seine persönliche Einstellung, sich allgemein aus allen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Dazu kam auch, dass Reb Welwel sich infolge seiner sagenhaft grossen Bescheidenheit in allen Teilen Klall Jisraels beliebt machte. Jeder, ob reich oder arm, Talmid Chacham oder Kind, fühlte, dass er bei dem grossen Gaon auf ein offenes Ohr stiess, wenn er etwas brauchte, und dass er von ihm in grösster Ehre empfangen wurde. Ausser seiner grossen Bescheidenheit, die er sich aneignete, trugen auch die grossen Leiden, die ihn durch sein Leben führten, dazu bei, dass er sich so demütig gegenüber seinen Mitmenschen verhielt. Im Jahr 1918 starb seine Frau und er blieb mit seinen fünf Kindern zurück, die er nun erziehen musste.

Im Monat Ijar des Jahres 5708 (1948), als sich das ganze Land, speziell aber Jerusalem, in grösster Gefahr gegenüber dem Feind Jordanien befand, weigerte sich Reb Welwel, Jerusalem zu verlassen und in einer anderen Stadt Schutz zu suchen. Er fühlte sich für die 2000 Juden, die noch in der Altstadt zurückgeblieben waren, verantwortlich. Über diese schwere Zeit schreibt Raw Minzberg:

"Die Woche, die mit dem Freitag, 12. Ijar, begann, war die letzte Woche in der Altstadt. An jenem bitteren und traurigen Freitag wurde das Bet Haknesset, das durch Raw Nissan Beck erbaut wurde, bombardiert ... In diesem Bet Haknesset habe ich all die Jahre gedawent ... Am Donnerstag, dem 18. Ijar, gab es in meinem Haus eine Versammlung, an der sich alle Ältesten der Stadt beteiligten, Aschkenesim und Sefardim. Auch der Oberbefehlshaber der Kämpfer kam dorthin. Nach der Versammlung explodierte gleich neben meinem Haus eine Bombe. Das Treppenhaus in meinem Haus brach zusammen und ich persönlich wurde durch ein grosses Wunder gerettet. Nur mein Hörvermögen wurde infolge der Explosion beschädigt. Am darauffolgenden Tag kam der Oberbefehlshaber der Hagana zu mir, und in seiner Gegenwart wurde beschlossen, dass man sich dem Feind unterwerfen soll. Ich überzeugte Raw Ben Zijon Chasan davon, einzuwilligen, mit mir zusammen die weisse Fahne zu halten und zum arabischen Feind herüberzugehen. Ich gab einem Bedürftigen, der neben meinem Eingang stand, 18 Münzen für Zedaka und sprach: "Ich gebe hiermit meine Seele her, um Klall Jisrael zu retten!" Wir gingen hinaus und schwenkten einige Male die Fahne. Die Schüsse hörten aber nicht auf und Raw Chasan wurde leicht verletzt. Er rief ihnen auf Arabisch zu, bis die Schüsse verstummten. Nachdem wir uns ihnen unterworfen hatten, gaben sie uns bekannt, dass wir die Altstadt verlassen müssen ... Ich konnte nicht verstehen, wie das geschah, dass sie dabei Erfolg hatten, uns aus der Altstadt zu vertreiben!"

Während der letzten Jahre seines Lebens wohnte Raw Welwel in der Katamon-Gegend. Es schmerzte ihn sehr, dass Tausende seiner Teschuwot, die schon bereit zum Druck waren, durch den Feind verbrannt worden waren. Am Ende seines Lebens nahm er sich zusammen und arbeitete mit all seinen Kräften an seinem grossen Werk "Sche'erit Jisrael", das Teschuwot aus allen vier Teilen des Schulchan Aruch enthält. Es wurde schliesslich ein Jahr nach seinem Tod veröffentlicht. Während seiner letzten Lebensjahre war sein Seh- und Hörvermögen sehr geschwächt, und auch sein Gedächtnis liess nach, wodurch er begann, Teile seiner gelernten Tora zu vergessen. Er dawente daraufhin mit seinem ganzen Herzen, dass Haschem ihm seine Tora zurückgeben möge. Und wirklich wurde seine Tefilla wohl angenommen und es geschah ein Wunder: Innerhalb kürzester Zeit kehrte sein Gedächtnis und sein klarer Verstand wieder vollständig zu ihm zurück. Bis zum letzten Moment seines Lebens konnte er sein Gelerntes auswendig vortragen.

Hinweis

Der Artikeltext beruht in weiten Teilen auf einem Nachruf in der Jüdischen Zeitung, Zürich, Ausgabe vom 15. Februar 2013, Seite 17.


Dieser Artikel / Artikelstub / diese Liste wurde in Jewiki verfasst und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. Hauptautor des Artikels (siehe Autorenliste) war Michael Kühntopf. Weitere Artikel, an denen dieser Autor / diese Autorin maßgeblich beteiligt war: 2.066 Artikel (davon 923 in Jewiki angelegt und 1.143 aus Wikipedia übernommen). Bitte beachten Sie die Hinweise auf der Seite Jewiki:Statistik.