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1872

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Ereignisse

  • 1872: Gründung der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ (Berlin, Artilleriestrasse 14), wissenschaftliche Hochschule, Rabbiner- und Lehrerseminar, Bibliothek (50 000 Bände); Name 1883-1922 und erneut 1933-1942 (Jahr der Schliessung): "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums", hervorragende Dozenten: A. Geiger, H. Steinthal, S. Maybaum, I. Elbogen, L. Baeck ... Neben der Hochschule (bzw. Lehranstalt) für die Wissenschaft des Judentums existiert bis heute die ebenfalls in Berlin (und zwar im Jahr 1919) als freie Stätte der Forschung gegründete Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die auf Initiative Hermann Cohens, angeregt durch Franz Rosenzweigs Schrift Zeit ist's, zustande kam
  • 1872: Der österreichische Kulturhistoriker Friedrich von Hellwald (1842-1892) schrieb anknüpfend an Renan 1872 in einem Zeitungsartikel, Juden seien aus Asien eingewanderte Fremdrassige; dies würden Europäer „instinktiv“ spüren. Das so genannte Vorurteil gegen Juden sei also durch zivilisatorischen Fortschritt nie zu überwinden. Als Kosmopolit sei der Jude dem ehrlichen Arier an Schläue überlegen. Von Osteuropa aus grabe er sich als Krebsgeschwür in die übrigen Völker ein. Ausbeutung des Volkes sei sein einziges Ziel. Egoismus und Feigheit seien seine Haupteigenschaften; Selbstaufopferung und Patriotismus seien ihm völlig fremd.
  • 1872: Gottschalk Lewi gründet den Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina
  • 1872: Arbeit macht frei, eine Parole, die in erster Linie durch ihre Verwendung als Tor-Aufschrift an den nationalsozialistischen Konzentrationslagern bekannt wurde; „Arbeit macht frei“ ist der Titel eines 1872 in Wien erstveröffentlichten Romans des deutschnationalen Autors Lorenz Diefenbach; 1922 druckte der antisemitische Deutsche Schulverein Wien Beitragsmarken mit der Aufschrift Arbeit macht frei; wie es in deutschnationalen Kreisen zu einer Affinität zu diesem Spruch kam, ist unbekannt, er wurde aber immer wieder in antisemitischen Kreisen verwendet; in den Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus war die Tor-Aufschrift eine zynische Umschreibung für den angeblichen "Erziehungszweck" der Lager, die in Tat und Wahrheit nach dem Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" angelegt waren; der Historiker Harold Marcuse führt die Verwendung als KZ-Motto auf den ersten SS-Kommandanten des KZ Dachau, Theodor Eicke, zurück; zusätzlich zur Tor-Aufschrift wurde in einigen Konzentrationslagern, unter anderem Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme, gut sichtbar die folgende, von Himmler stammende Parole angebracht: Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heissen: Gehorsam, Fleiss, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland! Am Tor des Stammlagers Auschwitz befindet sich der Schriftzug „Arbeit macht frei“ mit einem auf dem Kopf stehenden Buchstaben "B"; ehemalige Auschwitz-Häftlinge berichten, es habe sich um einen heimlichen Protest ihres Mitgefangenen Jan Liwacz gehandelt, der als Kunstschlosser mehrere Auftragsarbeiten für die SS ausführen musste; im KZ Dachau schrieb Jura Soyfer das bekannte Dachau-Lied, in dessen Refrain der Spruch „Arbeit macht frei“ verwendet wird; einziges KZ mit einer abweichenden Torüberschrift war das KZ Buchenwald mit dem Spruch Jedem das Seine - der in der lateinischen Fassung "suum cuique" der Wahlspruch der preussischen Monarchen war (vgl. Juli 1937)
  • 1872: James Breit geboren, Jurist (Handels- und Wirtschaftsrecht)
  • 1872: Richard Mühsam geboren, Mediziner (Chirurg) in Berlin
  • 1872: Walther Bruck geboren, Zahnmediziner in Breslau
  • 1872: H. H. A. Kistemaekers geboren, belgisch-jüdischer, französisch schreibender Schriftsteller
  • 4.1.1872–7.9.1940: Edmund Rumpler, geb. in Wien, gest. in Neu Tollow (Kreis Wismar), Flugzeug- und Automobilkonstrukteur, gründete 1908 in Berlin die erste deutsche Flugzeugfabrik; 1909 schrieb er ein Handbuch der Automobilindustrie; 1911 Erfinder der Rumplertaube (Etrich-Taube), das erfolgreichste deutsche Flugzeug vor 1914, im Ersten Weltkrieg als Kampfflugzeug gefürchtet; baute Fernaufklärer und Doppeldecker; nach dem Ersten Weltkrieg Erfinder des „Tropfenwagens“ mit sensationellem cw-Wert
  • 11.1.1872–12.11.1963: Georg Karo, geb. in Venedig, gest. in Freiburg i. Br., Archäologe, evangelisch getauft, war 1905–1919 und 1930–1936 Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, dazwischen Prof. in Halle, emigrierte 1939 in die USA, kehrte 1952 nach Deutschland zurück und war 1954 Prof. in Freiburg; Hauptwerke: Die Schachtgräber von Mykenai, 2 Bde., 1930/33; Greek Personality in Archaic Sculpture, 1948; Greifen am Thron, 1959; 50 Jahre aus dem Leben eines Archäologen, 1959
  • 29.1.1872–14.2.1945: Sir William Rothenstein, angesehener englischer Maler, bekannt besonders durch charakteristische Porträtzeichnungen
  • 4.2.1872–21.1.1944: Wilhelm Caspari, Mediziner (Krebsforschung) in Frankfurt
  • 6.2.1872–8.4.1942: Alfred Mombert, geboren in Karlsruhe, gest. in Winterthur, Dichter, Freund und (von diesem selbst als solcher anerkannter) Nachfolger Richard Dehmels (Nichtjude) und Moeller van den Brucks; erst Rechtsanwalt 1899-1906, wandte sich dann der Dichtung und philosophischen Studien zu; seine hymnisch-mystischen Dichtungen gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der deutschen Lyrik aus dieser Zeit; lebte in Heidelberg; Armin Knab vertonte seine "Musik der Welt"; 1933 aus der Preussischen Akademie der Dichtkunst ausgeschlossen (Verbot seiner Werke 1934), kam er in Frankreich 1940 in das KZ Gurs (bis April 1941), dann als Kranker durch Bemühungen von Freunden im Oktober 1941 in die Schweiz, wo er am 8. April 1942 an den gesundheitlichen Folgen des Lageraufenthalts verstarb; er dichtete eine mythische Kosmologie, die dem Gedanken der Seelenwanderung neue Form gab; wird mit Hölderlin und Nietzsche gleichgesetzt; Werkauswahl: Der Sonne Geist, 1905; Der himmlische Zecher, 1909; Aeon vor Syrakus (Drama), 1911; Der Held der Erde, 1919; Atair, 1925; Sfaira, der Alte, 2 Teile, 1936-1942
  • 6.2.1872–6.8.1942: Dr. phil. Michael Guttmann (Mihály Guttmann), geboren in Félegyháza (Ungarn), gestorben in Budapest, jüdischer Gelehrter und Rabbiner, forschte auf den Gebieten Halacha und talmudische Methodologie sowie, vor allem unter apologetischem Blickwinkel, über das Verhältnis des Judentums zur nichtjüdischen Umgebung, auch historisch-mathematische Forschungen gehörten zu seinem weit gespannten Tätigkeitsgebiet; er erhielt den ersten Unterricht in Bibel und Talmud bei seinem Vater Alexander (gest. 1899), nahm Unterricht bei Rabbiner Moses Pollak (gest. 1888) in Bonyhad, besuchte mehrere Jeschiwot (zuletzt die in Pressburg), die Universität Budapest und das Budapester Landesrabbinerseminar seit 1895; 1903 Abschluss des Seminars sowie Promotion an der Universität, 1903-1907 Rabbiner in Csongrád (Südungarn), 1907-1921 Prof. an der Landesrabbinerschule in Budapest, 1921-1925 Mitherausgeber der Zeitschrift "Hazofe", 1924-1925 Gastvorlesungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem, 1922-1934 Rabbiner und Prof. am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau; 1934-1942 Direktor des Rabbinerseminars in Budapest; Werke (Auswahl): Maphteach hatalmud / Clavis Talmudis ("Schlüssel zum Talmud", auf 12 Bände angelegt, 1906 ff., unvollendet); Einleitung in die Halacha (I. 1909, II. 1915); Abraham ben Chija, "Chibbur hamschichah wehatischboreth", Berlin 1913/1914 (ins Katalanische übersetzt durch Prof. I. Millas, Barcelona 1931); Das Judentum und seine Umwelt, Berlin 1927 (umfassendes apologetisches Werk, auch unvollendet); Untersuchungen über die Zählung und den Geltungsumfang der mosaischen Gebote (Breslau 1928); "Enthüllte Talmudzitate", Berlin 1930; - Bibliographie Guttmanns: A. Scheiber, List of Writings of Michael Guttmann (1900-1946), in: Jewish Studies in Memory of Michael Guttmann, Budapest 1946
  • 8.2.1872–31.8.1933: Theodor Lessing, deutsch-jüdischer Arzt, Schriftsteller und Philosoph, besonders aufsässig, gerade heraus, respektlos, unangepasst und unkonventionell, origineller Denker als Kultur- und Geschichtsphilosoph, deshalb extrem verhasst, vor allem in der „feinen Gesellschaft“, geb. in Hannover; niedergeschossen von nationalsozialistischen Auftragsmördern in Marienbad am 30.8.1933; er war ein schlechter und unglücklicher Schüler; Jugendfreundschaft mit Ludwig Klages, die von Klages beendet wird (antisemitischer Zusammenhang?); 1908-1926 ist Theodor Lessing umstrittener Dozent für Philosophie an der Technischen Hochschule in Hannover, als solcher eine absolute Randerscheinung an dieser Einrichtung (Person und Fach); Lessing war kreativ-produktiver Vertreter einer geistfeindlich-kulturpessimistischen Geschichtsdeutung; Werke (Auswahl): „Europa und Asien“, 1916; „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“, 1919; „Jäö oder wie ein Franzose auszog um in Hannover das „raanste“ Deutsch zu lernen“ (Theodore le Singe), 1919; „Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs“, 1925; „Nietzsche“, 1925; „Meine Tiere“, 1926; „Blumen“, 1928; „Der jüdische Selbsthass“, 1930; - die Ermordung Lessings durch die Nazis hatte sich angekündigt, war Höhepunkt einer langen Reihe von gewaltsamen Übergriffen und Hetztiraden; nachdem die Nationalsozialisten sein Haus in Hannover demoliert hatten, floh der Philosophie-Dozent, von "Schutzhaft" bedroht, über die tschechische Grenze; lange vor Hitlers Machtergreifung gehörte Lessing wegen seines kompromisslosen Kampfes gegen den deutschen Militarismus zu den verfolgten Gegnern der Nationalsozialisten; das änderte sich auch im tschechischen Exil nicht; bald erfuhr Lessing, dass das Deutsche Reich 80 000 Reichsmark auf seinen Kopf ausgesetzt hat; „Es ist nicht leicht, vom Schicksal zum Zweiflertum dieses Judas bestimmt zu sein“, schreibt Theodor Lessing im Prager Tagblatt vom 7. Juni 1925; sein "Offener Brief an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg" nimmt die komplette Titelseite ein; darin bekennt sich der jüdische Philosoph zu einer „nationalen Tradition kritischer und wahrhaftiger Meinungsäusserung“; Judas in seiner Rolle als Zweifler sei „von allen Jüngern der gläubigste gewesen“, schreibt Lessing in seinem Appell an Hindenburg und an die deutsche Bevölkerung; solange seine kritischen Äusserungen dem Wohle des Volkes dienen, sei er bereit, dafür unterzugehen; Theodor Lessing war einer der Intellektuellen, die mit Ihrem Appell an die Öffentlichkeit scheiterten; anstatt das deutsche Volk von seinem Anliegen zu überzeugen, erreichte er mit seinem Offenen Brief im Prager Tagblatt genau das Gegenteil; in seinem Wohnort Hannover wurde er seines Lebens nicht mehr froh; Auslöser der Affäre war ein ebenfalls im Prager Tagblatt veröffentlichter, mit kritischen Anmerkungen versehener Artikel über den Reichspräsidentschaftskandidaten Paul von Hindenburg; nach dessen Wahlerfolg zitierte eine Zeitung in Hannover den Text verkürzt und antisemitisch kommentiert; Lessing hatte u. a. geschrieben: "Nach Plato sollen die Philosophen Führer der Völker sein. Ein Philosoph würde mit Hindenburg nun eben nicht den Thronstuhl besteigen. Nur ein repräsentatives Symbol, ein Fragezeichen, ein Zero. Man kann sagen: "besser ein Zero als ein Nero". Leider zeigt die Geschichte, dass hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht" ("Hindenburg", in: Prager Tagblatt, 25. April 1925); 1935 erschien, aus dem Nachlass herausgegeben: "Einmal und nie wieder" (autobiographisch zu seiner Jugendzeit); - Literatur (kleine Auswahl): August Messer, Der Fall Lessing, eine objektive Darstellung und kritische Würdigung, Bielefeld 1926; Ekkehard Hieronimus, Theodor Lessing, Otto Meyerhof, Leonard Nelson. Bedeutende Juden in Niedersachsen, Hannover 1964; Rainer Marwedel, Theodor Lessing, 1987; Julius H. Schoeps, Der ungeliebte Aussenseiter, 1997
  • 4.3.1872–30.7.1933: Louis Forest, französisch-jüdischer Prosa-Schriftsteller
  • 20.3.1872–8.12.1934: Bernhard Sekles, geb. u. gest. in Frankfurt/M., Komponist, "Neuromantiker"; Oper "Schahrazade", Orchestervorspiel zum "Dybuk", zahlreiche Kammermusikwerke und Lieder
  • 5.4.1872–11.8.1959: David Pinski (selten auch: David Pinsky; Pseudonym als Sachbuchautor zeitweise: D. Puls), geb. in Mogilew am Dnjepr, gest. in Haifa, angesehener jiddischer Erzähler, Dramatiker und Journalist, der sich besonders sozialer Themen annahm und den Typus des jüdischen Arbeiters in einen literarischen Rang erhob; in den ersten Jahrzehnten nach 1900 gehörte er in Russland und Amerika zu den meistgespielten modernen Autoren; er lebte in Moskau, Warschau (seit 1892, Besuche bei Perez brachten ihn von seinem ursprünglichen Wunsch eines Medizinstudiums ab und überzeugten ihn, eine literarische Karriere anzustreben; hier veröffentlichte er u. a. auch kürzere Artikel in Spektors Hausfreund), Berlin (seit 1896, hier trat er u. a. in näheren Kontakt zu Chaim Schitlowski) und der Schweiz; seit 1894 begann er eine intensive Tätigkeit innerhalb der jiddischen Literatur und war u. a. Hauptmitarbeiter der Jom Tow Bletlech von Perez; im Dezember 1899 übersiedelte er nach Berufung zum verantwortlichen belletristischen Mitarbeiter der "Arbeiterzeitung" in die USA, lebte und arbeitete in New York; er war Journalist (u. a. Ovend Blatt [seit 1896], Die Arbeiterzeitung, Der Tog in New York), Dramatiker und Erzähler, aktiv in der jüdischen Arbeiterbewegung (1913 in New York Mitgründer der Farband Labor Zionist Order) und lebte seit 1949 in Israel, wo er weiter jiddische Stücke schrieb, die aber kaum noch ein jiddischsprechendes Publikum fanden; -- Werke (Auswahl): Eisik Scheftel, 1899 (naturalistisches Arbeiterdrama in zwei Akten, das die Ausbeutung des Erfindergeistes eines einfachen Arbeiters durch seinen Arbeitgeber beschreibt; als zweiten Teil dieses Dramas veröffentlichte Pinski Isaak Piniew. Eine Tragödie aus der revolutionären Arbeiterbewegung); Die Mutter, 1901; Die Familie Zwi. Tragödie von dem letzten und einzigen Juden, 1903 (Drama); Der Oizer, 1906 (Tragikomödie in vier Akten, Uraufführung unter Reinhardt in Berlin 1910); Yankel der Schmid, 1906 (Drama, behandelt erstmals im jiddischsprachigen Theater das Thema sexueller Leidenschaft); Der eibiger Jid oder Der Fremder, 1906 (einaktiges Drama; schildert einen jüdischen Bauern, der auf der ewigen erfolglosen Suche nach dem Messias nicht aufgeben will); Gabri und die Frauen, 1908; Dos jiddische drama. Ein iberblik iber ir entwiklung, New York 1909 (literaturgeschichtliches Werk); Der schtummer Meschiach, 1911 (aufgeführt 1919 im jüdischen Kunsttheater in New York: Ein als Messias verehrter Arzt, dem man bei einer Folterung seine Zunge herausgerissen hatte, will seine aus Illyrien ausgewiesenen jüdischen Landsleute nach Palästina führen, doch kaum bessert sich die Lage im Heimatland, verlassen sie ihn und kehren um); Jeder mit san Gott, 1912; Duvd Hamelech un sane Waber, 1912; Die Bergsteiger, 1912; Mit Siegerfahnen, 1916; Berg Steiner, 1918; Glücksvergessen, 1918; Die krimme Wegen fun Liebe, 1918; Arnold Levenberg, 1919 (Roman, behandelt Assimilation und nachlassende Kräfte der Jüdischkeit am Beispiel des Romanhelden, eines kraftlosen, verfeinerten Nachfahren aus deutsch-jüdischer Aristokratenfamilie); Der letzter Sach hakl, 1923; The House of Noah Edon, 1929 (Erzählung; das jiddische Original erschien erst 1939; beschreibt die fortschreitende Assimilation einer ostjüdischen Familie über mehrere Generationen hinweg); eine eigene Erwähnung verdient Pinskis fiktionales literarisches Grossprojekt zu den Frauen Salomos; er hatte geplant, alle "tausend Frauen Salomos" zu porträtieren; an diesem Zyklus arbeitete er von 1921 bis 1936; in diesem Zeitraum vollendete er 105 Erzählungen zu diesem Thema; Herausgeberschaften (Auswahl): Der Arbeiter, 1904-1911 (sozialistische Wochenschrift, gemeinsam mit dem Publizisten Jos. Schlossberg); Die jiddische Wochenschrift, 1912 (kurzlebige literarisch-sozialistische Zeitschrift, ebenfalls gemeinsam mit Schlossberg); weitere Tätigkeiten als Redakteur (Auswahl): Der jüdische Kämpfer, seit 1916 (literarisch hochstehendes poalezionistisches Organ); Die Zeit, September 1920 bis April 1922 (Tageszeitung, als Chefredakteur dieses weitverbreiteten Blattes); Werkausgaben: Gesamtausgabe der Dramen, New York 1918-1920 (5 Bände); Oysgeklibene Shriftn, Buenos Aires 1969
  • 7.4.1872–30.12.1923: Leonhard Haskel, geb. in Seelow, gest. in Berlin, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchschreiber
  • 8.4.1872–19.11.1922: Iwan Bloch, Arzt und Sexualforscher
  • 9.4.1872–30.3.1950: Léon Blum, geboren in Paris, gest. in Jouy-en-Josas, Département Seine-et-Oise; zusammen mit J. Jaurès 1902 Gründer der Sozialistischen Partei Frankreichs, seit 1919 deren Führer; 1936/1937 und 1938 Ministerpräsident der Volksfrontregierung; 1940 von der Vichy-Regierung verhaftet, 1943-1945 in Deutschland interniert, 1946 nochmals Ministerpräsident; Vertreter eines humanistischen Sozialismus; war auch Förderer von Keren Hajessod und Comité France-Palestine
  • 13.4.1872: "Roda Roda" (Alexander Roda Roda, eigentlich: Sándor Friedrich Rosenfeld) geboren in Drnowitz/Mähren (nach anderen Quellen in Pusta Zdenci/Slawonien), Schriftsteller; liess sich 1894 katholisch taufen; 1892-1902 österreichischer Offizier; Kriegsberichterstatter während des Ersten Weltkriegs; sein erbitterter Gegner war Karl Kraus, der sich über Roda Rodas Kriegseuphorie und seine verklärte Sehnsucht nach der Monarchie lustig machte; 1938 emigrierte Roda Roda über die Schweiz in die USA, wo er am 20. August 1945 in New York an Leukämie starb; er schrieb zahlreiche Sammlungen meisterhaft pointierter Anekdoten, Lustspiele u. a.; einer seiner Aussprüche: "Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden ... "; seine Schwester Gisela, die nicht emigrieren konnte, wurde nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet
  • 19.4.1872–30.8.1948: Dr. phil. (1908 [1906?]), Dr. med. h. c. (1932) Alice Salomon, deutsch-jüdische Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin, geb. in Berlin, vereinsamt gestorben in New York; 1893 Mitbegründerin der "Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit" in Berlin, in denen sie die Idee der Verpflichtung der Frau zu sozialer Hilfsarbeit verbreitete; sie nahm an der Entwicklung der modernen Armenpflege durch die Begründung verschiedener Wohlfahrtsvereine führenden Anteil, schuf und leitete 1908-1924 die Soziale Frauenschule in Berlin und leitete dann von 1925-1933 die von ihr gegründete Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit in Berlin; sie befasste sich mit dem Schutz der Arbeiterin, war führend im Bund deutscher Frauenvereine sowie im Internationalen Frauenbund und schuf in Deutschland u. a. den Beruf der Fürsorgerin; sie war die zweite Tochter und das dritte von acht Kindern des Albert Salomon (1834-1886) und dessen Ehefrau Anna, geborene Potocky-Nelken (1838-1914); 1914 [1916?] trat sie vom Judentum zur evangelischen Kirche über; 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus allen Ämtern verdrängt, wurde sie sechs Jahre später nach Gestapo-Verhören zur Emigration gezwungen und ging über Zwischenstationen in die USA und lebte fortan in New York; ihre Memoiren fanden weder in den USA noch in ihrem Heimatland einen Verleger (Erstveröffentlichung dann 1983 in Deutschland, 2004 dann in den USA); noch zu Lebzeiten erhielt sie für ihre Leistungen, insbesondere für die Schaffung eines eigenständigen von den verschiedenen soziologischen Trägern ausgehendes Kulturarbeitsgebiets, des sozialen Aus- und Fortbildungswesens, von der Preussischen Staatsregierung und vom Ministerium für Volkswohlfahrt die Silberne Staatsmedaille und von der medizinischen Fakultät der Universität Berlin den Ehrendoktor, heute tragen ein ICE, eine Briefmarke der Deutschen Bundespost, eine Hochschule, einige weitere Schulen und ein Platz in Berlin ihren Namen; Werke (nur kleine Auswahl): Leitfaden der Wohlfahrtspflege, 1921; Die Ausbildung zum sozialen Beruf, 1927; Heroische Frauen, 1936; Education for social work, 1937
  • 1.5.1872–3.7.1946: Issay Barmas, Violinist
  • 2.5.1872–7.10.1932: Arthur Kahane, geb. in Wien, gest. in Berlin, Lyriker, Romanschriftsteller, Essayist, Dramaturg des Berliner Deutschen Theaters, Freund und enger Mitarbeiter von Max Reinhardt, an den meisten seiner Inszenierungen beteiligt; 1918-1920 redigierte er die Monatsschrift für Literatur und Theater "Das junge Deutschland"; Werke (Auswahl): Gedichte, 1908; Lieder, 1910; Clemens und seine Mädchen, 1918 (Roman); Willkommen und Abschied, 1919 (Roman); Die Tarnkappe, 1920 (Roman); Der Schauspieler, 1925 (Roman); Tagebuch eines Dramaturgen, 1928 (schildert u. a. verschiedene Lebensläufe berühmter jüdischer Künstler); Aus dem Tagebuch eines Theatermanns, 1930; Das Judenbuch, 1931 (Bekenntnis Kahanes zum Judentum)
  • 8.5.1872–21.5.1967: Ilona Eibenschütz, ungarisch-jüdische Pianistin aus Budapest, musikalisches Wunderkind schon mit fünf Jahren, spielte vor den gekrönten Häuptern ihrer Zeit
  • 18.5.1872–15.1.1960: Ernst Peter Pick, Pharmakologe in Wien
  • 24.5.1872–18.9.1945: Hermann Vallentin, geb. in Berlin, gest. in Tel Aviv, deutsch-jüdischer Schauspieler, Sohn des Grossindustriellen Felix Vallentin, Bruder der Schauspielerin und Kabarettistin Rosa Valetti; erstes Engagement 1895/1896 am Zentraltheater Berlin, dann Auftritte an verschiedenen Berliner Bühnen; seit 1914 auch viel beschäftigter Filmschauspieler; er verkörperte meist Familienväter, Patriarchen und Direktoren, aber auch kleinkarierte Spiessbürger; in der Filmversion „Der Hauptmann von Köpenick“ von 1931 spielte er den Uniformschneider Adolph Wormser; die Machtübernahme der Nationalsozialisten beendete abrupt seine Filmkarriere; 1933 emigrierte er in die Tschechoslowakei, wo er an deutschen Bühnen in Aussig und Prag auftrat; 1938 ging er in die Schweiz und wirkte am Stadttheater Basel und am Schauspielhaus Zürich; 1939 wanderte er nach Palästina aus; da er des Hebräischen nicht mächtig war, musste er die Schauspielerei ganz einstellen, hielt Vorträge, Dichterlesungen und war zeitweilig Sprecher deutschsprachiger Nachrichten im Palestine Broadcasting Service (P. B. S.); Filme (Auswahl): „Das ganze Deutschland soll es sein!“, 1914; „Der geheimnisvolle Wanderer“, 1915; „Das Geschöpf“, 1917; „Fesseln“, 1918; „Schloss Vogelöd“, 1921; „Die Ratten“, 1921; „Hanneles Himmelfahrt“, 1922; „Schlagende Wetter“, 1922; „Die Buddenbrooks“, 1923; „Der letzte Mann“, 1924; „Des Lebens Würfelspiel“, 1925; „Madame wünscht keine Kinder“, 1926; „Sprung ins Glück“, 1927; „Lotte“, 1928; „Frau im Mond“, 1929; „Cyankali“, 1930; „Er oder ich“, 1930; „Schneider Wibbel“, 1930; „Der Hauptmann von Köpenick“, 1931; „Das erste Recht des Kindes“, 1932 (auf persönliche Intervention Himmlers verboten); „Sprung in den Abgrund“, 1933
  • 4.7.1872–7.8.1940: Eugenie ("Genia") Schwarzwald, geb. in Polupanowka bei Tarnopol, Galizien; gest. in Zürich; gebürtige Nussbaum, Wiener Schulreformerin und Journalistin; bekannt ist sie insbesondere als Pionierin in der Mädchenbildung; die erste koedukative Volksschule Österreichs geht auf ihre Initiative zurück; die von ihr gegründete Schwarzwaldschule in Wien war das erste Gymnasium Österreichs, an dem Mädchen die Matura ablegen konnten; Eugenie Schwarzwald absolvierte ihre Schulen in Czernowitz, bevor sie von 1895 bis 1900 Philosophie und Germanistik an der Universität Zürich studierte (der damals einzigen Hochschule im deutschsprachigen Raum, die Frauen zum regulären Studium zuliess; sie promovierte 1900 als eine der ersten Österreicherinnen zum Dr. phil.; nach ihrer Heirat 1900 mit Herrmann Schwarzwald lebte sie in Wien und übernahm dort 1901 das Mädchenlyzeum von Eleonore Jeiteles; 1904 wurde ihr die Unterrichtsbefugnis entzogen (angeblich, weil die Nostrifikation ihres Studiums in Österreich-Ungarn negativ oder nicht möglich war), weshalb sie Lehrer einstellen musste, darunter so grosse Namen wie Oskar Kokoschka (Malen und Zeichnen), Adolf Loos (Architektur), Arnold Schönberg und Egon Wellesz (Musik) oder Hans Kelsen (Soziologie und VWL) und Otto Rommel (Literatur); in Schwarzwalds Salon verkehrten illustre Persönlichkeiten des damaligen Wien, darunter neben den oben Genannten Elias Canetti, Robert Musil, Karl Raimund Popper und Jakob Wassermann; während des Ersten Weltkrieges war sie zudem gemeinnützig tätig; nach dem Tod ihres Mannes und der Schliessung ihrer Schule durch die Nationalsozialisten emigrierte sie 1938 über Dänemark in die Schweiz, wo sie am 7. August 1940 starb
  • 12.7.1872–7.10.1944: Jacobus H. Kann (auch: Jakobus H. Kann), geboren im Haag, holländisch-jüdischer Bankier und zionistischer Politiker, Partner der Firma Lissa und Kann in Den Haag, einer der bedeutendsten Finanzleute Hollands seiner Zeit; Freund David Wolffsohns; er war einer der ersten Anhänger Herzls in Holland und war führend beteiligt an der schwierigen Gründung der Jüdischen Kolonialbank (JCT), Herzl hatte viel mit ihm vor, Kann sollte deshalb auch Teilnehmer der Palästina-Delegation zu Kaiser Wilhelm (1898) sein, sagte aber ab; Kann war Mitbegründer der ersten holländischen Zionistenorganisation und von 1905 bis 1911 Mitglied des Engeren, 1905-1918 Mitglied des Erweiterten zionistischen Aktionskomitees; er geriet mit Herzl in heftige Auseinandersetzungen über Fragen der Leitung der Bank, trat am 3.5.1900 von der Leitung der Bank zurück bzw. wurde von Herzl entmachtet, bevor Kann (öffentlichkeitswirksam) demissionieren konnte (vgl. die verschiedenen Briefe in diesem Zeitraum; dann folgte doch noch eine kurze Schlammschlacht in den Zeitungen; 1907 besuchte er Palästina und veröffentlichte unter dem Titel "Erez Israel" (Berlin 1909) seine Reiseeindrücke; nach dem Krieg geriet er in Meinungsverschiedenheiten über die anzustrebende Art und Weise der Palästinakolonisation, beendete seine aktive zionistische Tätigkeit und trat dann auch später als Direktor des Jewish Colonial Trust sowie der Anglo Palestine Company zurück (er war Vizepräsident des JCT 1902-1924); für einige Jahre übersiedelte er nach Palästina und war 1923-1927 niederländischer Konsul in Jerusalem; anschliessend kehrte er in den Haag zurück; er kam im KZ Theresienstadt ums Leben; seine Frau, seine beiden Brüder und sein Sohn kamen ebenfalls um
  • 15.7.1872–17.4.1942: Alfred Hertz, Dirigent in Amerika, deutsch-jüdischer Herkunft
  • 21.7.1872–10.8.1921: Samson Hochfeld, geb. in Höxter, gest. in Berlin, Rabbiner und Gelehrter; einen Namen machte er sich vor allem als Repräsentant des liberalen Reformjudentums; er wuchs als Sohn eines Musiklehrers in Höxter auf; nach dem Abitur studierte er, finanziell unterstützt von der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt, von 1888 bis 1897 an der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“ in Berlin und jüdische Theologie und orientalische Sprachen, unter anderem bei den Professoren Cohen und Maybaum; nach der Promotion (1893) an der Universität Halle/Saale mit „Beiträgen zur syrischen Fabelliteratur“ war er von 1897 bis 1903 Rabbiner (dann Oberrabbiner) in Frankfurt (Oder); danach wirkte er von 1903-1907 als Vorgänger von Leo Baeck als Rabbiner in Düsseldorf, wo er 1904 die neue Synagoge an der Kasernenstrasse einweihen konnte; 1907 kehrte er als Rabbiner der Synagoge an der Fasanenstrasse nach Berlin zurück und lehrte dort von 1908 bis zu seinem Tod auch als Dozent an der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“; er war verheiratet mit Gertrud Alexander; in diesen Jahrzehnten wurde er zu einem wichtigen Vertreter des Reformjudentums und war Mitglied der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“; davon zeugen unter anderem seine Mitarbeit an den „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum“ (1912) und seine Mitherausgeberschaft an den fünfbändigen „Lehren des Judentums nach den Quellen“ (1920-1925); in den Erinnerungen von Zeitgenossen wird er als glänzender Redner bei Vorträgen gerühmt; kurz nach dem Erscheinen des zweiten Bandes verstarb Samson Hochfeld am 10. August 1921 und wurde in der Ehrenreihe des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weissensee beigesetzt
  • 26.7.1872–12.10.1947: Henri de Rothschild (Henri James de Rothschild); Henri war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Rothschilds; als ausgebildeter Arzt gründete und leitete er 30 Jahre lang ein Kinderkrankenhaus; daneben betätigte sich der als Playboy und Spieler bekannte Henri auch als Schriftsteller, der unter seinem Pseudonym Andre Pascal insgesamt 277 Komödien, Romane und andere Werke veröffentlichte; 1894 kaufte sich Henri de Rothschild eines der ersten Autos in Frankreich (Führerschein Nr. 5) und finanzierte aus Begeisterung eine Autofabrik; Mitgründer der Stiftung Curie; grosse Spenden; Chateau Mouton Rothschild (berühmtes Weingut); Villa in Deauville (später verkauft); Chateau de la Muette am Westrand von Paris gebaut (20er Jahre; nach dem 2. Weltkrieg übernahm die US-Armee und später die OECD das Schloss); sehr bedeutende Kunstsammlung: Er erbte Kunstsammlungen von seinem Grossvater, von seinem Vater und vom Onkel Arthur (GB); seine Sammlung von 6 000 seltenen Büchern und Handschriften vermachte er der Nationalbibliothek; verheiratet (1895) mit Mathilde de Weissweiller (1872-1926, Bankfamilie aus Frankfurt, die 1880 nach Paris ging)
  • 4.8.1872-1952: Friedrich Leppmann, Mediziner (Gerichtsmedizin) in Berlin
  • 12.8.1872-22.9.1942: Leo Nachtlicht, jüdischer Architekt, in Berlin tätig
  • 13.8.1872–5.1.1933: Moritz Sobernheim, geb. u. gest. in Berlin, Orientalist, jüdischer Gelehrter, seit 1918 Legationsrat im Auswärtigen Amt
  • 13.8.1872: Richard Willstätter in Karlsruhe geboren, Chemiker, 1912 o. Prof. Berlin, Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie; 1915-1925 o. Prof. München, Mitglied der Preussischen und Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ritter des Ordens Pour le mérite, Ehrendoktor von Oxford usw.; Hauptstudien über Chinone, Farbstoffe, Chlorophyll, tierische Pigmente, Zellatmung; Chemie-Nobelpreis 1915; er starb am 3.8.1942 in Locarno; - schrieb auch das Geleitwort zu Kaznelsons "Juden im deutschen Kulturbereich" (München, Herbst 1934)
  • 14.8.1872–23.3.1932: Moritz Katzenstein, Mediziner (Chirurg) in Berlin
  • 15.8.1872–6.3.1936: Rubin Goldmark, jüdischer Komponist in Amerika
  • 16.8.1872–30.8.1934: Maurice Fishberg, geb. in Kamenez-Podolsk, gest. in New York, Mediziner und Anthropologe, Prof. an der Universität New York; argumentierte gegen eine "jüdische Rasse" im biologischen Sinne; "Die Rassenmerkmale der Juden", 1913 (vgl. 1913)
  • 18.8.1872–26.3.1925: Hugo Bettauer (Maximilian Hugo Bettauer), österreichisch-jüdischer Schriftsteller, geb. in Baden bei Wien (als Sohn des Börsenmaklers Arnold (Samuel Aron) Bettauer aus Lemberg und dessen Ehefrau Anna, geborene Wecker; er war das jüngste Kind und hatte noch zwei ältere Schwestern: Hermine (Michi) und Mathilde); gest. in Wien (erschossen); er verbrachte seine Schulzeit in Wien; 1887/1888 besuchte er gemeinsam mit Karl Kraus die 4. Klasse des Franz-Josephs-Gymnasiums in der Stubenbastei; sein Mitschüler Karl Kraus galt Zeit seines Lebens auch als sein schärfster Kritiker; mit 16 Jahren riss Bettauer von zu Hause aus und reiste nach Alexandria, von wo er wieder zurückgeschickt wurde; 1890 trat er vom Judentum zum evangelischen Glauben über, vermutlich nicht aus Überzeugung, sondern nur, um diesen „Makel“, dieses Karrierehindernis los zu werden; mit seiner Mutter zog er nach Zürich und trat mit 24 Jahren (1896) das beachtliche Erbe seines Vaters an; in Zürich heiratete er seine Jugendliebe Olga Steiner und wanderte mit ihr nach dem Tod der Mutter in die USA aus; noch während der Überfahrt verlor Bettauer durch Spekulationen sein gesamtes Vemögen; die beiden blieben bis 1899 in New York, wo seine Frau als Schauspielerin auftrat; da er keine Arbeit fand, zogen beide nach Berlin, wo sein Sohn Heinrich Gustav Hellmuth geboren wurde; als Journalist in Berlin mit amerikanischer Staatsangehörigkeit tätig, griff er dort die Berliner Polizei und preussische Beamte wegen Bestechlichkeit an; nachdem er die Korruption des Direktors der Berliner Hoftheater aufgedeckt hatte, der darauf Selbstmord beging, musste Bettauer Preussen verlassen; er zog nach München, arbeitete im Kabarett „Elf Scharfrichter“ und ging im Herbst 1901nach Hamburg und wurde dort Leiter des Fachblattes „Küche und Keller“; nach der Scheidung von seiner Frau lernte Bettauer in Hamburg seine zweite Frau, Helene Müller (die damals erst 16 war), kennen; 1904 ging er mit ihr wieder nach New York (noch auf der Überfahrt heiratete er seine Geliebte, die noch im selben Jahr den Sohn Reginald Parker zur Welt brachte), wo er als Reporter der »Deutschen Zeitung« und als Schriftsteller arbeitete; er schrieb Fortsetzungsromane für die Einwanderer; 1910 kehrte er nach Wien zurück, begann bei der „Neuen Freien Presse“ und verfasste bis 1924 in grosser Produktion eine Reihe von Kriminalromanen mit sozialem Engagement (1918 war er nach einem Streit wegen einer defekten Schreibmaschine an der Front von der Neuen Freien Presse gefeuert worden); sein bekanntester Roman ist „Die Stadt ohne Juden“ aus dem Jahr 1922, in dem er schildert, wie sich Wien entwickeln würde, wenn alle Juden auswandern müssten; nebenher gründete Bettauer auch Wochenschriften, ein Journal, das regelmässig für Aufruhr wegen seiner aufklärerischen und oft auch wohl reisserischen Inhalte sorgte; wie in den USA setzte er auch hier das Konzept des Fortsetzungsromans um; Bettauer verdiente im Lauf der Zeit noch zusätzlich an Rechten für Bühnen- und Filmversionen; er gehörte damit nicht nur zu den umstrittensten, sondern auch erfolgreichsten Schriftstellern seiner Zeit; in der Verfilmung „Die freudlose Gasse“ (G. W. Pabst, 1925) feierte Greta Garbo ihr internationales Leinwanddebüt, und in „Stadt ohne Juden“, verfilmt unter Regie von Hans Karl Breslauer, Hans Moser und Ferdinand Maierhofer; ab 1924 war er Mitherausgeber von „Sie und Er. Wochenschrift für Lebenskunst und Erotik“; die Zeitschrift wurde als sittengefährdend beschlagnahmt; der Streit um seine aufklärerische Kampagne, seinen Entdeckungsjournalismus eskalierte; in dem sich anschliessenden Pornographie-Prozess wurde er zwar freigesprochen (und die Nachfolgezeitschrift erreichte nun mit 60 000 Exemplaren die höchste Auflage unter den damaligen Wochenzeitungen), aber von Antisemiten verfolgt und in seiner Redaktion von einem fanatischen Nationalsozialisten, dem Zahntechniker Otto Rothstock, niedergeschossen (25.3.1925, sechs Schüsse in Brust und Arme, an denen er einen Tag später im Krankenhaus verstarb); der Attentäter wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, die er nach 18 Monaten als freier Mann verlassen durfte; Bettauers Schriften (Auswahl): „Im Banne von New York“, 1907; „Im Kampf ums Glück“, 1907; „Auf heissem Boden“, 1907; „Im Schatten des Todes“, 1907; „Aus den Tiefen der Weltstadt“, 1907; „Faustrecht“, 1919; „Hemmungslos“, 1920; „Die drei Ehestunden der Elizabeth Lehndorff“, 1921; „Bobbie auf der Fährte“, 1921; „Die Stadt ohne Juden“, 1922; „Der Frauenmörder“, 1922; „Der Herr auf der Galgenleiter“, 1922; „Das blaue Mal“, 1922; „Der Kampf um Wien“, 1923; „Das entfesselte Wien“, 1924; „Die Freudlose Gasse“, 1924; „Die lustigen Weiber von Wien“, 1924; „Gekurbeltes Schicksal“, 1924; „Die schönste Frau der Welt“, 1924; „Memoiren eines Hochstaplers“, 1924; „Die blaue Liebe“, 1924; „Kampf ums Glück“, 1926; „Der Tod einer Grete und andere Novellen“, 1926: „Geschichten aus dem Alltag“, 1926
  • 23.8.1872–13.7.1929: Berthold Freudenthal, geb. in Breslau, gest. in Frankfurt am Main, Strafrechtler; 1905 an der Akademie für Handels- und Sozialwissenschaft, seit 1914 o. Prof. für Strafrecht an der Universität Frankfurt am Main; trat für Errichtung des Jugendgerichts (1908) und von Jugendgefängnissen in Deutschland sowie für einen erzieherischen Strafvollzug ein; aufgrund seiner Denkschrift wurde das erste Jugendgefängnis in Wittlich/Eifel gegründet (1911); Hauptwerke: Strafrecht und Strafvollzug im Rechtsstaat, 1918; Wider die Auslieferung, 1920; Schuld und Vorwurf, 1922; Der Entwurf eines Strafvollzugsgesetzes von 1927 (1932)
  • 29.8.1872–31.5.1955: William Meinhardt, geb. in Schwedt/Oder (sein Vater war dort Tabakfabrikant), gest. im Exil in London, Industrieanwalt, Dr. Ing. h. c. (TH Aachen), hatte eine Industriepraxis in Berlin, war als Patentrechtler eine gesuchte internationale Autorität, stand 1919-1933 an der Spitze der Osram-Gesellschaft, sass im Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und förderte die Weltorganisation der Glühlampenindustrie; er war auch der letzte Vorsitzende des Aufsichtsrates der Danatbank
  • 18.9.1872–13.9.1943: Leopold Lucas, geb. in Marburg, gest. im KZ Theresienstadt, jüdischer Historiker und Rabbiner; er studierte in Berlin Geschichte, jüdische Wissenschaft, Philosophie und orientalische Sprachen und promovierte 1895 in Tübingen mit der Arbeit Geschichte der Stadt Tyrus zur Zeit der Kreuzzüge zum Doktor der Philosophie; ab 1899 wirkte er als Rabbiner in der traditionsreichen jüdischen Gemeinde von Glogau; seine wissenschaftliche Arbeit galt vor allem der Geschichte der Juden in den ersten christlichen Jahrhunderten; mit Martin Philippson, der zum Vorsitzenden gewählt wurde, teilte er, der zum Schriftführer bestellt wurde, sich in die Leitung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums (gegr. 2.12.1902); Leo Baeck berief Lucas 1940 an die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums; am 17. Dezember 1942 wurde das Ehepaar Lucas nach Theresienstadt deportiert, wo Leopold Lucas starb; seine Frau Dorothea wurde im Oktober 1944 in das KZ Auschwitz verschleppt und umgebracht
  • 18.9.1872–9.9.1955: Carl Friedberg, geb. in Bingen/Rhein, gest. in Meran, grossartiger Pianist
  • 25.9.1872–14.1.1946: Joseph Herman Hertz, Rabbiner; in Rumänien (Rebrits) geboren, studierte er in New York; 1898 wurde er zum Rabbiner der Witwatersrand-Gemeinde in Johannesburg, Südafrika, ernannt; während des südafrikanischen Krieges ausgewiesen wegen seines Eintretens für Religionsfreiheit von Juden und Katholiken, lehrte er zunächst in den USA und nach seiner Rückkehr von 1906 bis 1908 Philosophie am Transvaal University College; 1912 wurde er Rabbiner in New York und 1913 zum Oberrabbiner der United Hebrew Congregations des britischen Empire (= Chief-Rabbi von England) berufen, was er bis zu seinem Tode blieb
  • 26.9.1872–20.7.1953: Martin Wolff, deutscher Jurist, 1914 o. Prof. Marburg, 1918 Bonn, 1921-1935 Berlin; Hauptgebiete: Bürgerliches Recht, internationales Privat- und Handelsrecht
  • 27.9.1872–8.6.1933: Joseph Lehmann, geb. in Warburg, gest. in Berlin, Rabbiner, langjähriger Prediger der Berliner Reformgemeinde
  • 30.9.1872–17.10.1965: Edmund Stiasny, geb. in Wien, gest. in Helsingborg, Schweden, österreichisch-jüdischer Chemiker (Lederchemie, liess sich 1911 den ersten Gerbstoff patentieren, der bei der BASF auf grosses Interesse stiess, wurde später Direktor des Lederinstituts in Darmstadt)
  • 3.10.1872–24.2.1936: Gotthold Herxheimer, Mediziner (Pathologie) in Wiesbaden
  • 14.10.1872–16.1.1966: Margarete Susman (verheiratete von Bendemann), geboren in Hamburg, gest. in Zürich, Schriftstellerin; studierte Philosophie bei Simmel, war Mitarbeiterin der Frankfurter Zeitung; emigrierte 1933 nach Zürich; schrieb zuerst Lyrik, dann Essays über Frauenliebe und über die Stellung des Judentums in einer christlichen Umwelt; -- Werke (Auswahl): "Vom Sinn der Liebe", 1912; "Die Frauen der Romantik", 1929; "Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes", 1946; "Goethe und Charlotte von Stein", 1951; "Deutung biblischer Gestalten", 1955; "Ich habe viele Leben gelebt", 1964 (Lebenserinnerungen)
  • 19.10.1872–4.11.1934: Joseph Schocken, geb. in Margonin bei Posen, gest. in Berlin, genannt Julius Schocken, war ein Bremerhavener deutsch-jüdischer Kaufhausbesitzer und Synagogenvorsteher; er kam nach seiner kaufmännischen Ausbildung 1903 mit seiner Frau Jeanette Schocken nach Bremerhaven; er eröffnete mit Jakob Spiro, der 1913 aus dem Unternehmen wieder ausschied, das dortige Kaufhaus Schocken; 1929 erwarb er zusätzlich das Geestemünder (heute Bremerhaven) Kaufhaus Hirsch; sein Unternehmen gehörte zwar nicht zum Kaufhauskonzern Schocken seiner Brüder, bei Einkauf und fortschrittlichen Methoden der Personalausbildung arbeitete er jedoch mit ihnen zusammen und war auch Mitglied im Aufsichtsrat des Konzerns; als aktives Mitglied der Synagogen-Gemeinde Lehe-Geestemünde wurde Julius Schocken 1928 zum Synagogenvorsteher gewählt; dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus
  • 5.11.1872–16.9.1932: Norbert Falk (Fred Orbing), österreichisch-deutscher Schriftsteller (Kritik, Romane), vor allem aber Drehbuchschreiber; „Madame Dubarry“, 1919; „Anna Boleyn“, 1920; „Marter der Liebe“, 1928; „Frauenraub in Marokko“, 1928; „Die grosse Liebe (Revolutionshochzeit)“, 1928; „Zwei Welten“ („Two Worlds“, „Les deux mondes“), 1930; „Der Kongress tanzt“ („Le congrès s’amuse“, „Congress Dances“), 1931
  • 8.11.1872–15.7.1943: Friedrich Kitzinger, Strafrechtler
  • 10.11.1872–3.9.1943: Leon S. Moiseiff (Leon Solomon Moisseiff), geb. in Riga, führender Brückenbauer (Hängebrücken) in Amerika (Tacoma Narrows Bridge, Manhattan Bridge/East River, Benjamin Franklin Bridge/Delaware River etc.), seine Theorien beeinflussten auch den Erbauer der Golden Gate Bridge; - 1889 bis 1891 Studium am Baltischen Polytechnischen Institut in Riga; 1891 Flucht nach New York aus politischen Gründen, 1895 Bauingenieur-Diplom Columbia University, 1898 Beginn der Arbeit für das Brückenamt der Stadt New York, 1910 dessen Chefingenieur, 1915 Gründung eines eigenen Büros; er starb an einem Herzinfarkt
  • 10.12.1872–1942: Emil Pottner, österreichischer Maler, Graphiker und Bildhauer, trat vor allem als Tierplastiker hervor; zahlreiche Modelle für Porzellanmanufakturen
  • 12.12.1872-29.10.1941: Bruno Cassirer, Verleger und Galerist in Berlin. 12.12.1872 Breslau – 20.10.1941 Oxford; Cousin von Paul Cassirer; zusammen mit ihm Sekretär der Berliner Secession; in den drei gemeinsamen Jahren machten sie die Berliner Kunst- und Literaturszene mit den neuesten belgischen, englischen, französischen und russischen Strömungen bekannt; seit 1903 arbeitete Christian Morgenstern in Bruno Cassirers Verlag; neben seiner Verlagstätigkeit beschäftigte Bruno Cassirer sich mit der Traberzucht, besass zwei Rennställe und war Vorsitzender der Obersten Behörde für Traberzucht und -rennen. 1938 Emigration nach Grossbritannien.
  • 25.12.1872–21.6.1936: Gertrud David (Heirat mit dem sozialdemokratischen Zeitungsredakteur und späteren freien Schriftsteller – ursprünglich Gymnasiallehrer – Dr. Eduard David im Jahr 1896; er macht später politisch Karriere), geb. in Leipzig (als Gertrud Swiderski, das älteste von vier Kindern des wohlhabenden, monarchistisch eingestellten Maschinenbaufabrikanten Philipp Swiderski und seiner Frau Helene, geborene Schlenk), gest. in Berlin; Regisseurin, Drehbuchschreiberin, Kultur-Werbefilm-Produzentin (Gründung der Firma Gervid-Film 1924); zuvor politische Schriftstellerin und Herausgeberin (zu Themen der Sozialdemokratie, Genossenschaftswesen, „Revisionismus“, Frauenfragen, „Bund für Mutterschutz“); Regie: „Bethel, Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf“, 1922; „Bethel, Bilder aus der Fürsorgeerziehung“, 1922; „Bethel, Bilder aus der Liebesarbeit der Diakonissen von Sarpeta“, 1922; „Bethel, der Werdegang eines Nazareth-Bruders“, 1922; „Bethel, ein Denkmal der Barmherzigkeit Gottes“, 1922; „J. C. Schmidt, Erfurt“, 1922; „Allerlei Bilder aus Bethel“, 1924; „Die Heilsarmee“, 1924; „Stätten und Werke der Liebe im schönen Lipperland“, 1924; „Hoffnungsthal, eine Zuflucht für Hoffnungslose“, 1924; „Allmutter Natur“, 1924; Privatfilm für Hugo Simon, 1924; „Erste Hilfe bei Unglücksfällen“ (Dokumentarfilm für das Deutsche Rote Kreuz), 1925; „Ferientage auf Amrum“, 1925; „Sprechende Hände“, 1925 (über Taubblindenarbeit; 1929 als einziger Film auf dem Weltreklame-Kongress in Berlin ausgezeichnet); „Vom unsichtbaren Königreich“, 1925 (Regie und Buch); „Vom unsichtbaren Königreich. Dienst an Kranken und Alten“, 1925; „Vom unsichtbaren Königreich. Evangelische Flussschiffermission“, 1925; „Vom unsichtbaren Königreich. Die innere Mission in den Nöten und Leiden des Alltags“, 1925 (Regie und Buch); „Vom unsichtbaren Königreich. Evangelische Auswanderer- und Bahnhofsmission“, 1925; „Vom unsichtbaren Königreich. Evangelische Erziehungsarbeit“, 1925; „Aus der Waffenschmiede der SPD“, 1926; „Ein Freitag Abend“ (für Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden), 1926; „Die Schwester vom Roten Kreuz. Ein Lebenslauf“, 1926; „Wie werde ich Mitglied im Konsumverein?“ 1926 (für Grosseinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften); „Kling, klang Gloria“, 1927; „ … und hätte der Liebe nicht“, 1927; „Die innere Mission in den Nöten und Leiden des Alltags“, 1927 (Regie und Buch); „Die von der Sanitätskolonne“, 1927; „Kling, klang Gloria. Maienzeit im Kindergarten“, 1928; „Wanderung durch die Arbeit des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz“, 1928; „Die GEG-Fleischwarenfabrik Oldenburg in Oldenburg“, 1929; „Unser Jungvolk studiert“, 1929; „Konserven für den Winter – aber nur aus dem eigenen Betrieb“, 1930; „In den Spuren Vater Bodelschwingh’s. Zum hundertsten Geburtstag eines Mannes der Liebe. Durch Dienst zur Freude“, 1930; „Die 400-Jahresfeier von Augsburg“, 1930; „Kreuz über der Grossstadt“, 1930; „Dienen will ich“, 1931; „Kirche und Heimat“, 1932; „Ringende Menschen. Die Tragödie einer Familie“, 1933 (zum Thema Erbkrankheit, dargestellt am Schicksal einer Epileptiker-Familie); „Das Rauhe Haus in Hamburg. 100 Jahre evangelische Erziehungsarbeit“, 1933; „Segensspuren der Liebe“, 1934; „In Jesu Dienst“, 1934; „Helfende Liebe in der Grossstadt“, 1935; „Die Gemeindeschwester der Grossstadt“, 1935; Buch: „Die Geächteten“, 1917; „Unsere Kinder – unsere Zukunft“, 1918/1919; „Irrwahn“, 1918/1919 (für die Interessen der deutschen Schwerindustrie: Alfred Hugenberg etc.); „Der Kampf gegen den Erbfeind“, 1919; „Die lachende Konkurrenz“, 1919; „Margots Freier“, 1919; „Zwischen zwei Feuern“, 1919/1920; nur Produktion: „Bilder aus der Sudan-Pionier-Mission im Nillande“, 1927; „Das Heilige Land und Vater Schnellers Liebeswerk“, 1927; „Gottes Wundertaten unter dem Batavolk auf Sumatra“, 1927/1928; „Auf Vorposten im Urwald einer heidnischen Insel“, 1927/1928
  • 25.12.1872–30.9.1943: Naum Aronson, jüdischer Bildhauer
  • 1872–1884: Präsident der IKG Wien: Ignaz Kuranda
  • 1872–1899: Joseph Marcou Baruch (Josef Markou Baruch), Abenteurer, Pädagoge, Journalist, geboren in Konstantinopel, besuchte dort die Schule der Alliance Israélite Universelle, dann die Universität; nach Aufenthalten in Österreich, Frankreich und Algerien liess er sich in Bulgarien nieder, schloss sich 1895 der zionistischen Jugendbewegung ha-shachar an, gründete die französische (mit einer Beilage in Ladino) Zeitschrift „Carmel“; 1897 wurde er Leiter der aschkenasischen Schule in Kairo; bald danach kämpfte er auf Seiten der Griechen gegen die Türken; nachdem er von Herzl erfahren hatte, wurde er zu einem enthusiastischen zionistischen Propagandisten; als Studentenführer gründete er in verschiedenen Ländern zionistische Studentengruppen, agitierte in Italien und Ägypten; kurze Begegnung mit Herzl auf dem 2. Zionistenkongress 1898; auch am 3 Kongress nahm er teil; nach einer unglücklichen Liebesgeschichte nahm er sich in Florenz das Leben (vgl. unter 13.9.1899)
  • 1872–1909: Hahambaşı: Moses Levi
  • 1872–1910: Siegwart Gentes, bekannter Humorist
  • 1872–1920: Willi Handl, Literaturkritiker und Prosaschriftsteller
  • 1872–1926: Otto Abraham, geb. und gest. in Berlin, Tonpsychologe, 1894 Dr. med., ab 1896 Assistent am Psychologischen Institut, gründete das Phonogrammarchiv; Hauptwerke: "Tonsystem und Musik der Japaner", 1902; "Das absolute Tonbewusstsein", 1906 f.; "Formanalyse an siamesischen Orchesterstücken", 1920; Phonographierte Melodien, 1922
  • 1872–1927: Jehoasch (eigentlich Salomo Blumengarten), geb. in Wirballen, gest. in New York, jiddischer Dichter (lyrische Gedichte, Epos), Übersetzung der Bibel ins Jiddische
  • 1872–1931: Richard Huldschiner, Schriftsteller (Prosa)
  • 1872–1937: Jacob de Haas, Londoner Journalist und Schriftsteller, Herausgeber des Wochenblattes „The Jewish World“ in London von 1892-1900; er gehörte zu den ersten Helfern Herzls in England und führte ihn dort ein; im Jahr 1900 war er zuständig für die organisatorische Vorbereitung des vierten Zionistenkongresses in London; 1902 siedelte er auf Herzls Bitte in die Vereinigten Staaten über, wo er als Nachfolger von Stephen Samuel Wise zum Sekretär der amerikanischen Zionistenföderation gewählt wurde (Richard Gottheil hatte ihn auf Vorschlag und Bitte Herzls engagiert); eines seiner grössten Verdienste für den Zionismus ist, dass er die Freundschaft Louis Brandeis' gewann und diesen zu einem überzeugten Zionisten machte (seit 1908); 1908-1918 war de Haas einer der Herausgeber des "Jewish Advocate" in Boston; u. a. veröffentlichte er noch eine Herzl-Biographie (1927)
  • 1872–1942: Samu Bettelheim, geb. in Pressburg/Ungarn, orthodoxer Frühzionist; er organisierte dort die erste ungarische Zionistenorganisation; nach 1904 schloss er sich dem Misrachi an, wurde dann während des ersten Weltkriegs Mitglied der Agudat Israel und ein Gegner der Zionisten
  • 1872–24.10.1948: Rustem Vámbéry, ungarischer Strafrechtler und Politiker, Sohn von Hermann Vámbéry
  • 1872–1951: Pinchas Spektor, Kantor, bedeutender Vertreter der Synagogalmusik in Czernowitz
  • 1872–1955: Dr. Meir Ebner, einer der ersten Zionisten in der Bukowina, Teilnehmer am Ersten Kongress, Mitglied des Aktionskomitees seit 1897; römischer Senator 1928; wanderte 1940 nach Palästina aus

Zeitungen und Zeitschriften

  • Seit 1872: El Telegrapho, in Konstantinopel wöchentlich in Spaniolisch erscheinendes nationaljüdisches Blatt
  • Seit 1872: El Tiempo, in Konstantinopel 2 x wöchentlich in Spaniolisch erscheinend (Mercado Fresco)
  • Seit 1872: New Yorker Jiddische Zeitung, in New York erscheinendes orthodoxes Wochenblatt
  • 1872–1921: Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, in Berlin in zwangloser Folge in deutscher Sprache erschienenes Publikationsorgan

1872 in Wikipedia