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Georg Lehmann (Sportfunktionär)

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Georg Lehmann (geb. 29. April 1887 in Berlin; gest. 6. Dezember 1974 in Buenos Aires, Argentinien) war ein deutscher Jurist und Sportfunktionär, erster Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sowie Initiator der Gründung des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF).

Werdegang

Ausbildung und Beruf

Lehmann kam als Sohn des Chemikers und Ingenieurs Arthur Lehmann in Berlin zur Welt. Nach der Reifeprüfung 1907 am Stadtgymnasium zu Stettin studierte er sieben Semester Rechtswissenschaft an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. Im Juni 1911 legte er am Kammergericht in Berlin die erste juristische Staatsprüfung ab. 1912 promovierte er cum laude an der Juristischen Fakultät der Universität Jena bei Heinrich Gerland. Im Februar 1916 erhielt er als Rechtsanwalt in Berlin die Zulassung zum Kammergericht und wurde 1927 zum Notar ernannt.

Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes

Neben seiner beruflichen Tätigkeit hatte Lehmann sich dem Tischtennissport verschrieben. Als aktiver Spieler gehörte dem Tischtennisverein Gelb-Weiß 1900 Berlin an. Bei inoffiziellen deutschen Meisterschaften gewann er von 1904 bis 1907 den Titel. Daneben spielte er auch Tennis, wo er etwa 150 Preise gewann.[1]

Als Mitte der 1920er Jahre das Tischtennis in Deutschland wieder Aufschwung nahm und der Ruf nach einheitlichen Regeln laut wurde, kamen am 21. Februar 1925 im Münchener Palais Preysing Vertreter von 21 deutschen Tischtennisvereinen zusammen. Lehmann wurde in einen Ausschuss gewählt dessen Aufgabe es war, einen „Deutschen Tisch-Tennis Verband“ zu gründen. Nach vorbereitenden Arbeiten wurde am 8. November 1925 eine Generalversammlung im Clubhaus des Gelb-Weiß 1900 Berlin einberufen. Hier wurde von den 32 anwesenden Vereinen der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) gegründet und Lehmann zum ersten Präsidenten gewählt.[2]

Unverzüglich bereitete Lehmann auch die Gründung des Weltverbandes vor. Noch Ende 1925 nahm er Kontakt mit Tischtennisverbänden im Ausland auf. Am 15. Januar 1926 kam es in Berlin mit den Verbänden aus Österreich, England, Ungarn, Wales und Deutschland zur Gründung der International Table Tennis Federation. Bei der im Dezember des gleichen Jahres in London durchgeführten ersten Tischtennisweltmeisterschaft führte Lehmann die deutsche Mannschaft als Non-playing Captain an. In der Folge plante er, eine Weltmeisterschaft in Deutschland zu veranstalten. Dieses Bestreben führte zur Vergabe der vierten WM 1930 nach Berlin.

Unter Lehmanns Präsidentenschaft erhöhte sich die Anzahl der deutschen Vereine 1927/28 auf 70.[2] Er war Delegierter zum Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA). Im Frühjahr 1929 musste er als Nichtarier zurücktreten, sein Nachfolger wurde Werner Arndt.

Emigration und Leben in Argentinien

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten verließ er Deutschland und emigrierte 1940 nach Argentinien. Unter schwierigen Umständen baute er sich in Buenos Aires eine neue große Kanzlei auf. Mit der Novellierung des Reichsbürgergesetzes wurde ihm im November 1941 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er beim Kammergericht in Berlin wieder als Rechtsanwalt zugelassen und erhielt 1952 auf eigenen Antrag hin die deutsche Staatsangehörigkeit zurück.

Schwerpunkt seiner anwaltlichen Tätigkeit war die Vertretung von jüdischen Emigranten zu Fragen der Wiedergutmachungsgesetzgebung. Zu deren Durchführung beriet er die 1951 eingerichtete diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Argentinien mündlich und schriftlich. Durch seine selbstlose Tätigkeit erwarb er sich hohes Ansehen unter seinen Kollegen und wurde Senior und Sprecher der in Buenos Aires ansässigen und bei deutschen Gerichten zugelassenen Rechtsanwälte.

Publizistisch machte er sich in Deutschland einen Namen als Fachmann in Fragen des Rückerstattungs- und Wiedergutmachungsrechts, über das er in juristischen Fachzeitschriften zahlreiche Abhandlungen veröffentlichte. Lange Jahre schrieb er für das Argentinische Tageblatt.

Ehrungen

Schriften

  • Die Klage gegen die Ehegatten wegen vorehelicher Schulden der Frau. Jena, Univ., Diss. v. 25. Juli 1912

Quellen und Einzelnachweise

  • Auskunft Archiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Promotionsakt
  • Auskunft des Landesarchivs Berlin, u.a. anhand einer Personenakte des Präsidiums der Rechtsanwaltskammer B Rep. 068, Nr. 1813 (Wortlaut dieser Auskunft ist im OTRS unter dem Ticket:2009071510071009 hinterlegt)
  • 75 Jahre Deutscher Tischtennis-Bund - Ein Spiel fürs Leben, ISBN 3-00-005890-7, S.214
  • Vorschlagsliste Nr. 3463 für die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Bundesarchiv B 122/38.750)
  • Rechtsanwalt Dr. Georg Lehmann mit dem Grossen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. in: Argentinisches Tageblatt, 76. Jahrgang, Nr. 25.053 vom 3. Februar 1966, S. 3
  • In memoriam Dr. Georg Lehmann. in: Argentinisches Tageblatt, 15. Dezember 1974
  1. http://www.ittf.com/museum/TTC33.pdf S.13
  2. 2,0 2,1 Zeitschrift DTS, 1975/21 S.5-6

Weblinks

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