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Aschera

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Aschera (Begriffsklärung) aufgeführt.

Aschera (Ašerā, dA-si-rat, auch Ascherah) ist eine syrisch-kanaanäische Meeresgöttin.

Name

Ihr Name (ugaritisch art, wohl als Airat zu vokalisieren[1], althebräisch Ašerā) leitet sich nach Albright und anderen vom semitischen ar (heiliger) Ort ab[2]. Verehrt wurde sie unter anderem in Form eines Kultpfahls.

Geschichte

Die Göttin ist bereits aus den Ebla-Texten belegt[3], spielte hier anscheinend aber keine wichtige Rolle. Wie Day herausstellt, wurde keiner dieser Texte bisher publiziert[4]. Day[5] und Hadley wollen, der Ugaritischen Götterliste[6]folgend, die Göttin Ašratum altbabylonischer Texte mit Ašerā gleichsetzen. In einem Brief von Guli-Adad an Rewassa, den Herrscher von Taanach bei Megiddo[7], bittet Guli-Adad diesen um einen Wahrsager der dA-si-rat, der ihm dringend Vorzeichen deuten soll. Der Brief stammt aus dem 15. Jahrhundert [8]. Ein amurritischer König namens Abdi-Asirta[9] (= „Diener der Asirat“) schrieb zwei Amarna-Briefe[10].

Ugarit

Die ugaritische ʿAṯiraṯ, Gattin des Schöpfergottes El wird oft mit der biblischen Aschera gleichgesetzt.

Nach dem Keret-Epos [11] hatte Aṯirat auch Tempel in Sidon und Tyros[12].

Aschera in der Bibel und in Israel

Der Begriff Aschera kommt etwa vierzig mal in der Bibel vor, als Name der Göttin und als Bezeichnung für ihren Kultpfahl.

In Ri 6,25 EU ist nachzulesen, wie der Engel des Herrn dem Gideon befiehlt, die Aschera seines Vaters Joasch umzuhauen und dem lebendigen Gott JHWH einen neuen Altar zu bauen. Erst anschließend wird Gideon von JHWH gebraucht, um das Volk Israel von der Last der Midianiter zu befreien. 1 Kön 15,13 EU erwähnt, dass Königinmutter Maacha der Aschera ein Standbild errichtet hat. Auch König Manasse (2 Kön 21,7 EU) stellte ein Kultbild der Aschera auf. 400 Propheten Ascheras aßen vom Tisch Isebels (1 Kön 18,19 EU). König Joschija entfernte aus dem Tempel (2 Kön 23,4 EU) Gegenstände, „die für den Baal, Aschera und das ganze Heer des Himmels angefertigt worden waren.“ 2 Kön 23 EU beschreibt die Beseitigung des Ascherakultes.

Archäologische Funde lassen vermuten, dass Aschera in Israel als Ehefrau von JHWH verehrt wurde. So fand sich in der Karawanenstation Kuntillet 'Adschrud ein Vorratskrug (Krug A) aus dem 8. bis 7. Jahrhundert mit folgender Inschrift:

… Ich habe Euch gesegnet durch JHWH und seine Aschera.
Amaryo sprach zu seinem Herrn: …
Ich habe dich gesegnet durch JHWH und seine Aschera.
Er möge dich segnen,
und er möge dich behüten,
und er möge sein mit meinem Herrn Auf einem weiteren Pithos (B) wird Jahwe von Teman seine Aschera erwähnt.

Auf einer Wand in Chirbet el Kom (nahe Hebron) fand sich folgende Inschrift:

Uriyahu, der Reiche, hat dies geschrieben:
Ein Gesegneter ist Uriyahu durch JHWH -
aus seinen Bedrängnissen hat er ihn durch Aschera gerettet.
Durch Onyahu.[13]

In einer aramäischen Inschrift wird sie als Göttin von Teman bezeichnet. Dies ist interessant, weil es in Hab 3,3 EU heißt: „Gott kommt von Teman her.“ Folgt man Jer 49,7.20 EU, so ist mit Teman die gleichnamige Stadt in Edom gemeint[14].

Punier

In Karthago wurde Aschera weiter verehrt, aber in Popularität durch Tanit verdrängt. Eine Inschrift aus Sarepta, tnt ašrt könnte die Gleichsetzung beider Gottheiten belegen[15].

Ägypten

Aschera wurde ikonographisch mit der Göttin des Qudschu-Typs (qdš) identifiziert. Diese hält in ihren abgewinkelten Armen Schlangen und Papyrus- oder Lotosblüten als Symbole der Fruchtbarkeit. Ihr schulterlanges Haar erinnert an die Locken der ägyptischen Hathor. Sie wird auf einem Tier stehend dargestellt, häufig einem Löwen, gelegentlich einem Pferd. Allerdings hat sich die Identifikation von Aschera und Qudschu als nicht haltbar erwiesen.[16]

Rezeption

Der Asteroid (214) Aschera ist nach Ašerā benannt.

Im Science-Fiction-Roman Snow Crash von Neal Stephenson ist Aschera für ein Meta-Virus verantwortlich, das in Sumer die Menschen wieder zurück in geistlose Lebewesen, die ferngesteuert mittels Me funktionieren, verwandelt. Ihr Gegenspieler ist der sumerische Gott En-Ki, bei Neal Stephenson ein Neurolinguistik-Hacker. Moderne Zungenrede wird dort mit einem wiedererweckten „Kult der Aschera“ assoziiert.

Des Weiteren erschien 2002 der Roman Maria Magdalena von Margaret George, in dem die junge Maria aus Magdala am Wegesrand ein Götzenbild findet und heimlich aufbewahrt. Im Laufe ihres Lebens gibt sich diese Gottheit als Aschera zu erkennen, spricht zu ihr, schenkt der scheinbar unfruchtbaren Maria ein Kind, verlangt ihre Treue und treibt Maria fast in den Wahnsinn.

Siehe auch

Literatur

  • Susan Ackerman 2008. Asherah, the West Semitic Goddess of Spinning and Weaving? Journal of Near Eastern Studies 67/1, 1-30.
  • K. H. Bernhardt: Aschera in Ugarit und im Alten Testament. In: Mitteilungen des Instituts für Orientforschung Nr. 13, 1967.
  • M. J. Dahood 1985. Ancient Semitic deities in Syria and Palestine. In: Sabatino Moscati (Hrsg.), Le antiche divinité semitiche. Rom, Centro di Studi Semitici, 65-94.
  • John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 385-408.
  • William G. Dever: Did God have a wife? Archaeology and folk religion in ancient Israel. Grand Rapids, Mich. [u. a.] Eerdmans, 2005. ISBN 0-8028-2852-3
  • Manfried Dietrich, Oswald Loretz: Jahwe und seine Aschera. Anthropomorphes Kultbild in Mesopotamien, Ugarit und Israel; das biblische Bilderverbot. Münster 1992. ISBN 3-927120-08-1
  • Israel Finkelstein/Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, C. H. Beck München 2002
  • Christian Frevel: Aschera und der Ausschließlichkeitsanspruch YHWHs: Beiträge zu literarischen, religionsgeschichtlichen und ikonographischen Aspekten der Ascheradiskussion. Bonner biblische Beiträge 94, Weinheim 1995. ISBN 3-89547-061-9
  • Judith M. Hadley 2000. The Cult of the Asherah in Ancient Israel and Judah: Evidence for a Hebrew Goddess. University of Cambridge Oriental Publications 57. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Saul M. Olyan 1988. Asherah and the Cult of Yahweh in Israel. Society of Biblical Literature, Monograph Series 34. Atlanta, Scholars Press.
  • J. B. Pritchard 1943. Palestinian Figurines in relation to certain goddesses known through literature. New Haven: American Oriental Society.

Einzelnachweise

  1. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 387
  2. W. F Albright 1925, The Evolution of the West-Semitic Divinity 'An-'Anat-' Atta," American Journal of Semitic Languages 41, 99-100; H. Gese 1970, in H. Gese, M. Hofner, K. Rudolph (Hrsg.), Die Religionen Altsyriens, Altarabiens und der Mandier. Stuttgart, Kohlhammer
  3. P. Matthiae 1980. Ebla: An Empire rediscovered. London, Hodder & Stoughton, 187
  4. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 386
  5. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 386
  6. Ugaritica V.18=RS 20.24, 19
  7. W. F. Albright, A Prince of Taanach in the Fifteenth Century B.C. Bulletin American Society Oriental Research 94, 1944, 18
  8. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 386
  9. auch abdi-a-si-ir-ta, abdi-asi-ir-ti/te, abdi-as-ra-tum, abdi-asa-ra-tum, abdi-as-ra-ti, abdi-as-ra-ti, abdi-as-ra-ta
  10. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 386
  11. CTA 14.198-99, 201-2
  12. John Day 1986. Asherah in the Hebrew Bible and Northwest Semitic Literature. Journal of Biblical Literature 105/3, 388
  13. Israel Finkelstein/ Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho, 2002, S. 262
  14. so auch Saul M. Olyan, 1988. Asherah and the Cult of Yahweh in Israel. Society of Biblical Literature, Monograph Series 34. Atlanta, Scholars Press, 34
  15. G. W. Ahlström 1990, Besprechung von: Asherah and the Cult of Yahweh in Israel by Saul M. Olyan. Journal of the American Oriental Society, 110/3, 578
  16. Othmar Keel, Christoph Uehlinger, Göttingen, Götter, Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen. QD 134. Herder: Freiburg, Basel, Wien. 5. Auflage 2001, S. 74-76.


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