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treif

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Treif oder auch treife (hebräisch: טרף, "trehf") ist ein Ausdruck aus der Kaschrut, dem jüdischen Speisegesetz. Dieses Adjektiv wird hauptsächlich in Bezug auf nicht zum Verzehr geeignetes Fleisch verwendet. Das jiddische Wort treif ist vom hebräischen Wort trefa abgeleitet. Etymologisch steht es für (von Raubtieren) gerissenes Aas. Dies ist eine der Kategorien von Fleisch, die von der Tora explizit als nicht koscher benannt werden. Ebenso ist das Fleisch von Schalentieren oder von schuppenlosen Fischen treif.

Von wilden Tieren gerissene Beutetiere trugen vermutlich Zerlöcherungen innerer Organe davon, die sie lebensunfähig machten. Dadurch wurden sie als Opfergabe, aber auch als Nahrung für den Menschen unbrauchbar. Der talmudische Grundsatz aus dem Traktat Chulin lautet: "Kol sche'ejn kamoha chaja trefa" - "Was in diesem Zustand nicht lebensfähig ist, ist trefa".

Später wurde der Begriff "trefa" generell auf Speisen angewandt, die nach der Halacha verboten sind. Der Begriff spielt auch eine Rolle in der jüdischen Medizinethik, wird auf Menschen bezogen und hat eine wichtige Bedeutung auch ausserhalb der Speisegesetze. Jüdische Medizinethiker übertragen dieses Konzept der Tarfut auf den Menschen und definieren es in Analogie als das Vorhandensein einer unheilbaren Erkrankung, die innerhalb einer bestimmten Zeit unumkehrbar zum Tode führt.

Damit kennt die jüdische Medizinethik zwei unterschiedliche Bezeichnungen für Todkranke: Als Goses bezeichnet die Halacha einen Menschen, der erwartungsgemäss innerhalb von 72 Stunden sterben wird, also einen Menschen, bei dem augenscheinlich der Sterbeprozess begonnen hat. In dieser Definition fehlt jedoch die erwähnte Unumkehrbarkeit der Tarfut, und es werden keine spezifischen pathologisch-anatomischen Befunde damit verknüpft, sondern nur die Symptome des Sterbeprozesses aufgeführt. Dies bedeutet auch, dass der Zustand eines Goses potenziell reversibel ist, und erklärt, warum die Halacha so sehr betont, dass ein Goses in jedem Fall wie ein Lebender zu behandeln ist. Jede Massnahme, die sein Leben verkürzt, gilt als Mord.

Eine Unterscheidung zwischen Gosesim und Tareifot vorzunehmen, ist keine Erfindung der modernen jüdischen Medizinethik. Es gibt im Talmud (Traktat Sanhedrin) Anweisungen für juristische Entscheidungen, die berücksichtigen, ob ein Mensch trefa ist, also an einer unheilbaren Krankheit leidet, die innerhalb von mindestens zwölf Monaten zum Tode führt, oder nicht.

Lazarus Goldschmidt übertrug trefa in seiner Talmud-Übersetzung mit "auf den Tod verletzt" oder "mit Tod-Verletzungen". Bei der Ahndung von Kapitalverbrechen wie Mord durch die Todesstrafe spielte diese Berücksichtigung eine grosse Rolle. So entfiel für einen Mörder die sonst übliche Todesstrafe, wenn sein Opfer von vornherein trefa war. Den Mörder sollte in dem Fall keine irdische Strafe treffen, von der göttlichen Strafe war er indes nicht frei.

Der amerikanische konservative Rabbiner und Medizinethiker Elliot N. Dorff plädiert dafür, den Begriff der Tarfut auf manche der Kranken anzuwenden, die so typisch für unsere Epoche sind: die unheilbar und unumkehrbar tödlich erkrankt sind und doch durch die Errungenschaften der modernen Medizin nicht wie früher unmittelbar sterben, sondern Monate oder gar Jahre weiterleben müssen. Da sie aber weder in die Kategorie der Gosesim noch die der gesunden Lebenden zu zählen sind, könnte es eine Berechtigung geben, bei ihnen die künstlich lebenserhaltenden medizinischen Massnahmen angesichts der fehlenden Aussicht auf Besserung abzubrechen oder gar nicht erst einzuleiten. Das natürliche Sterben sollte in diesen Fällen zugelassen werden und nicht um jeden Preis das Sterben hinausgezögert werden, wenn sie trefa sind.


Hinweis: Weite Teile dieses Artikels wurden (gekürzt und leicht abgewandelt) einem Artikel der Jüdischen Allgemeinen entnommen: "Trefa", Jüdische Allgemeine, Ausgabe vom 22. Oktober 2015 (Autor: Stephan Probst).

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Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Treif aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.