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Raiffeisen Schweiz

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  Raiffeisen Schweiz (Gruppe)[1]
Raiffeisen Schweiz Logo.svg
Staat Schweiz
Sitz St. Gallen
Rechtsform Genossenschaft
BC-Nummer 80000[2]
BIC RAIFCH22XXX[2]
Gründung 1899
Website www.raiffeisen.ch
Geschäftsdaten 31.12.2022[4]Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltet
Bilanzsumme ≈ 281 Mrd. CHF
Einlagen ≈ 204.8 Mrd. CHF
Kundenkredite ≈ 214.6 Mrd. CHF
Mitarbeiter 9'901 (Vollzeitstellen)
Geschäftsstellen 803[3]
Leitung

Unternehmensleitung

Heinz Huber (CEO)[5]
Thomas A. Müller
(VR-Präsident)

Raiffeisen Schweiz ist ein Zusammenschluss aller Schweizer Raiffeisenbanken. Die auf Basis einer Genossenschaft organisierten Banken bilden mit 220 rechtlich eigenständigen Raiffeisenbanken mit insgesamt 803 Geschäftsstellen das dichteste Bankstellennetz der Schweiz.

Im 21. Jahrhundert wurde die Raiffeisen-Gruppe mit einer gesamten Bilanzsumme von heute 225 Milliarden Franken zur drittgrössten Schweizer Bankengruppe. Sie gehört zu den führenden Schweizer Retailbanken. Seit Juni 2014 zählt Raiffeisen zu den systemrelevanten Banken der Schweiz und muss deswegen spezielle Anforderungen an die Eigenmittel erfüllen.[6] Raiffeisen Schweiz zählt 3,8 Millionen Kunden in der Schweiz. Davon sind über 2 Millionen Genossenschafter und somit Mitbesitzer regionaler Raiffeisenbanken.[4]

Verbundorganisation

Gebäude der Raiffeisen Schweiz in St. Gallen

Die 220 rechtlich selbständigen Raiffeisenbanken in der Schweiz haben sich zur Raiffeisen Schweiz (ehemals Schweizer Verband der Raiffeisenbanken genannt) zusammengeschlossen. Raiffeisen Schweiz ist wie die beteiligten Raiffeisenbanken eine Genossenschaft. Diese koordiniert die Aktivitäten der Gruppe, schafft Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit der örtlichen Raiffeisenbanken (beispielsweise Informationstechnik, Infrastruktur, Refinanzierung) und berät und unterstützt sie in sämtlichen Belangen. Darüber hinaus gehören das Risikomanagement und die Kontrolle zu den Aufgaben von Raiffeisen Schweiz.

Mitglied von Raiffeisen Schweiz kann jede genossenschaftlich organisierte Bank werden, die sowohl die «Musterstatuten» der Raiffeisenbanken als auch die Statuten und Reglemente der Raiffeisen Schweiz anerkennt. Die Statuten aller selbständigen Raiffeisenbanken sind demzufolge praktisch identisch. Die aufgenommenen Mitglieder werden gleichzeitig Mitglieder im Regionalverband, in dessen Gebiet sie ihren Sitz haben.[7]

Die «Musterstatuten» der Raiffeisenbanken werden durch die Generalversammlung (bis 2019: Delegiertenversammlung), dem obersten Organ von Raiffeisen Schweiz, erstellt und geändert.[8]

Der Verwaltungsrat jeder Raiffeisenbank wählt den Vertreter ihrer Bank und dessen Stellvertreter für jede Generalversammlung von Raiffeisen Schweiz (Musterstatuten Artikel 29).

Raiffeisen Schweiz betreibt direkt geführte Niederlassungen in den städtischen Regionen Basel, Bern, St. Gallen, Thalwil, Winterthur und Zürich, in denen keine Raiffeisen-Genossenschaften bestehen.[9]

Der Hauptsitz von Raiffeisen Schweiz befindet sich faktisch seit 1912 und rechtlich seit 1936 in St. Gallen.

Geschichte

Die Ideen von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, insbesondere der Selbsthilfegedanke wurden in Europa mit Interesse aufgenommen und fanden vor allem in ländlichen Gebieten viele Nachahmer. Auf Initiative von Pfarrer Johann Traber entstand 1899 in Bichelsee die erste Raiffeisenkasse der Schweiz.

1902 gründeten zehn Institute den Schweizerischen Raiffeisenverband.

Ab 1912 gab es in St. Gallen eine gemeinsame Geschäftsstelle des Verbandes, welche während der folgenden 40 Jahre durch Direktor Josef Stadelmann ausgebaut wurde.

1989 wurde die unbegrenzte Solidarhaft der Mitglieder der Raiffeisenbanken abgeschafft und an deren Stelle eine Nachschusspflicht von maximal 8000 Franken eingeführt. In allen Statuten der damals 305 Raiffeisen Genossenschaften war bis Anfang 2014 die Nachschusspflicht enthalten. Unbegrenzte Solidarhaft und Nachschusspflicht mussten in den hundert Jahren der Raiffeisen-Geschichte Schweiz nie eingefordert werden. Die Nachschusspflicht wurde 2014 abgeschafft. Damit gehen die Mitglieder einer Raiffeisenbank kein Risiko mehr ein, über ihre Anteilscheineinlage hinaus die Gruppe mit einem Nachschuss vor einem drohenden Konkurs retten zu müssen.[10][11][12]

2017 leitete die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht ein Enforcement-Verfahren bezüglich Corporate-Governance-Themen gegen die Bankengruppe[13] und bezüglich Handhabung von Interessenkonflikten während seiner Zeit bei Raiffeisen Schweiz gegen deren ehemaligen Chef Pierin Vincenz ein. Aufgrund des Rücktritts von Vincenz als Präsident der Helvetia Versicherungen und seiner Versicherung, keine verantwortungsvolle Funktion bei einer Bank oder Versicherung mehr anzustreben, stellte die Finanzmarktaufsicht das Verfahren gegen Vincenz ein,[14] während dasjenige gegen Raiffeisen weitergeführt wurde. Nach achtmonatiger Untersuchung hat die Finanzmarktaufsicht im Juni 2018 das Enforcement-Verfahren gegen Raiffeisen abgeschlossen. Der neue VR-Präsident Guy Lachappelle gab seinen Rücktritt auf Ende Juli 2021 bekannt und wurde per sofort durch Vizepräsident Pascal Gantenbein ersetzt.[15][16] Am 9. Dezember 2021 wurde Thomas A. Müller zum neuen Präsidenten gewählt.[17]

Im Jahr 2014 gründeten Raiffeisen (51-%-Beteiligung) und Avaloq (49-%-Beteiligung) das Gemeinschaftsunternehmen ARIZON Sourcing AG. Ziel der ARIZON Sourcing AG ist der Aufbau und Unterhalt der Banking-Plattform für die Raiffeisen. Das IT-Projekt wurde Anfang Januar 2019 erfolgreich abgeschlossen, indem nun alle 253 Banken (246 Raiffeisenbanken, 6 Niederlassungen und die Zentralbank) auf einer Plattform betrieben werden. Im Januar 2019 wurde bekannt gegeben, dass Raiffeisen Schweiz die 49-%-Beteiligung von Avaloq am Joint-Venture ARIZON Sourcing AG erwirbt und die ARIZON Sourcing AG vollständig in Raiffeisen Schweiz integriert[18]. Raiffeisen hat auch angekündigt, den Anteil am Derivatespezialisten Leonteq von 29 auf 19 Prozent reduzieren zu wollen.[19] Am 26. Februar 2018 gab Raiffeisen bekannt, dass die bisherigen Minderheitsaktionäre 100 % an Investnet übernehmen. Die Raiffeisen-Tochter KMU Capital, an der Investnet bisher 40 % hielt, geht dafür zurück in den vollständigen Besitz von Raiffeisen. Die Kapitalgeberfunktion (KMU Capital) und das Investment Advisory (Investnet) soll somit klar voneinander getrennt werden.

Da klassische Bankschalter mit Bargeld immer weniger nachgefragt werden, setzt Raiffeisen derweil immer mehr auf Filialen mit Bankomaten und integrierten bargeldlosen Cafés.[20] Im Zuge der überarbeiteten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) hat Raiffeisen vor, den Open-Banking-Hub von SIX zu nutzen, um Drittanbietern Zugriff auf die Bankkonto-Daten zu ermöglichen.[21]

Im November 2020 gab Raiffeisen bekannt, nach über hundertjähriger Mitgliedschaft per 31. März 2021 aus der Schweizerischen Bankiervereinigung auszutreten.[22][23]

Geschäftliche Grundsätze

In einem gebietsmässig klar definierten Geschäftskreis betreuen die genossenschaftlich organisierten Banken die Bevölkerung der Region. Dadurch, dass die Kundengelder im Geschäftsbereich verbleiben, sollen sie direkt zur Entwicklung der Region beitragen. Darüber hinaus unterstützen die Raiffeisenbanken auch lokale Vereine und soziale Einrichtungen. Sie sind zugleich regionale Arbeitgeber und Steuerzahler in den Gemeinden.

Zu den Prinzipien gehören lokale Verankerung und die Kundennähe, die Genossenschaftsstruktur und die Verbindung von genossenschaftlichen Werten mit betriebswirtschaftlichem Denken.

Individualinteressen Einzelner sind nicht möglich, die Führungsverantwortung bei Raiffeisen ist föderalistisch verteilt. Raiffeisen strebt kein Wachstum um jeden Preis an. Zu den Grundsätzen gehören ferner eine vorsichtige Kreditpolitik und die Kontrolle der Risiken.

Beteiligungen

Raiffeisen Schweiz kooperiert mit mehreren Firmen, um den angeschlossenen Raiffeisenbanken deren Services anzubieten. An den folgenden Firmen ist Raiffeisen Schweiz direkt beteiligt:[24]

Nach dem Abgang von Vincenz wurden diese Beteiligungen kritisch hinterfragt, und es findet seither ein Abbau von Beteiligungen statt.[26] So wurde die Notenstein Privatbank (Privatbank, Online-Privatbank), die seit 2012 zu 100 % zur Gruppe gehörte[27] und durch Übernahme des bereinigten Kundenstamms und der Mitarbeitenden der Privatbank La Roche Anfang 2015[28] zur Notenstein La Roche Privatbank erweitert worden war,[29] im Mai 2018 für 700 Millionen Franken an die Privatbank Vontobel verkauft.[30]

Literatur

  • Sibylle Obrecht: Raiffeisen. Verlag Huber, Frauenfeld 2000, ISBN 3-7193-1185-6
  • Andreas Zakostelsky, Friedrich Hagspiel (Hrsg.): Weißbuch Verbund. Überblick der Verbundstrukturen bei europäischen Genossenschaftsbanken. Wien 199
  • Franco Taisch: Genossenschaftsgruppen und deren Steuerung. Raiffeisen Gruppe Dike Verlag, Zürich/St. Gallen, 2009, S. 46–49. ISBN 978-3-03751-218-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Handelsregister des Kantons St. Gallen. Abgerufen am 28. Mai 2013
  2. 2,0 2,1 Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  3. [1] Abgerufen am 21. April 2023.
  4. 4,0 4,1 https://report.raiffeisen.ch/de/ergebnis/#, abgerufen am 21. April 2022
  5. Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz. Abgerufen am 10. November 2020.
  6. Eigenmittel-Situation, abgerufen am 31. Oktober 2017
  7. Musterstatuten der Raiffeisenbanken (Ausgabe 2020): Art. 5: Die Bank ist Mitglied von Raiffeisen Schweiz. Sie anerkennt deren Statuten. Sie verpflichtet sich, ihre Statuten in Übereinstimmung mit den Statuten von Raiffeisen Schweiz und den Beschlüssen der Generalversammlung von Raiffeisen Schweiz zu halten.
  8. Statuten Raiffeisen Schweiz (Ausgabe 2020): Art. 25: Die Generalversammlung ist das oberste Organ von Raiffeisen Schweiz, Art. 28: Die Generalversammlung hat folgende Kompetenzen: a) Änderung der Statuten von Raiffeisen Schweiz sowie Erstellen der Musterstatuten für die Raiffeisenbanken (RB).
  9. Schweizer Banken Info
  10. Freiburger Nachrichten vom 12. März 2014: Keine Nachschusspflicht mehr für die Mitglieder der Raiffeisenbank[2]
  11. K-Tipp vom 22. Oktober 2014: Das Ende der Nachschusspflicht[3]
  12. Inside Paradeplatz vom 6. März 2018: Wenn der Haftungsverbund „Raiffeisenbank“ ins Wanken gerät
  13. Finma leitet Verfahren gegen Raiffeisen ein. In: Finanz und Wirtschaft. 30. Oktober 2017.
  14. Ermes Gallarotti: Ein Weihnachtsgeschenk für Pierin Vincenz. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. Dezember 2017.
  15. Auf Ende Juli — Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle tritt zurück. In: SRF. 15. Juli 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.
  16. Verwaltungsrat Raiffeisen Schweiz. Abgerufen am 10. November 2020.
  17. Raiffeisen-Delegierte wählen Thomas Müller zum neuen Präsidenten. In: SRF.ch, 9. Dezember 2021.
  18. Erfolgreiche Einführung der Avaloq-Plattform bei Raiffeisen: Medienmitteilung 31. Januar 2019.
  19. Holger Alich: Gisel entrümpelt die Bank. In: Der Bund. 18. November 2017.
  20. Mischa Stünzi: Banken nehmen Abschied vom Bargeld. In: derbund.ch, 18. September 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  21. Samuel Gerber: Diese Grossbanken starten zuerst mit dem Open Banking der SIX. In: finews.ch. 15. Mai 2019, abgerufen am 19. Mai 2019.
  22. Raiffeisen vertritt ihre Interessen künftig eigenständig. In: raiffeisen.ch. 10. November 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  23. NZZ vom 10. November 2020: Knall bei der Bankiervereinigung: Raiffeisen verlässt den Dachverband
  24. Kooperationen und Beteiligungen, abgerufen am 10. November 2020
  25. Marc Badertscher: Liaison dangereuse. In. Handelszeitung, 23. März 2017, S. 3
  26. Ermes Gallarotti: Wohin treibt die Raiffeisen? Raiffeisen ist schlecht auf schwierige Zeiten vorbereitet. In: Neue Zürcher Zeitung, 21. Dezember 2017, abgerufen am 28. Dezember 2017.
  27. Vontobel kauft Notenstein La Roche. Raiffeisen Schweiz veräussert ihre Privatbanktochter für rund 700 Mio. Fr. an die Zürcher Privatbank. Vontobel stellt die Marke ein. Finanz und Wirtschaft, 24. Mai 2018, abgerufen am 28. November 2020.
  28. Ermes Gallarotti: Raiffeisen trennt sich von einer schwierigen Tochter: Notenstein La Roche geht an Vontobel. Die Genossenschaftsbank trennt sich von einer Tochter, die ihr nie richtig Freude bereitet hat. Die Käuferin, die Bank Vontobel, stärkt ihre Position im Private Banking und erfüllt sich damit einen lange gehegten Wunsch. Neue Zürcher Zeitung, 24. Mai 2018, abgerufen am 28. November 2020.
  29. Notenstein übernimmt Basler La Roche (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive), abgerufen am 21. Februar 2015
  30. Notenstein La Roche. Schweizer Raiffeisen verkauft Privatbank an Vontobel. Die Schweizer Raiffeisengruppe verkauft ihre Privatbank Notenstein La Roche. Der Vermögensverwalter Vontobel will rund 700 Millionen Franken zahlen. Handelsblatt, 24. Mai 2018, abgerufen am 28. November 2020.
47.4217659.373231
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