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Orgon

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Dieser Artikel beschreibt ein Konzept von Wilhelm Reich. Für die gleichnamige französische Gemeinde siehe Orgon (Bouches-du-Rhône).

Orgon ist der von Wilhelm Reich (1897–1957) geprägte Name für eine von ihm postulierte zunächst „biologische“, später „primordiale kosmische“ Energie. Reich war davon überzeugt, sie Ende der 1930er Jahre an einer von ihm so genannten Bionkultur entdeckt zu haben. Auf dieser Grundlage und aus Ergebnissen weiterer Experimente formulierte Reich mit Hilfe einer speziellen, aus dem Dialektischen Materialismus entwickelten Methode des „orgonomischen Funktionalismus“ ein System von Postulaten und Theoremen: die von ihm als transdisziplinäre Wissenschaft konzipierte so genannte „Orgonomie“. Sie ist allerdings allgemein nicht als Wissenschaft anerkannt.

Vor seiner „Entdeckung des Orgons“ war Reich, der nach seiner Promotion zum Dr. med. in Wien unter Wagner-Jauregg zum Psychiater ausgebildet worden war, zwei Jahrzehnte als Psychoanalytiker tätig. In Weiterführung von Freuds Libidotheorie hatte Reich als Kriterium für eine erfolgreich abgeschlossene Psychoanalyse das Erreichen der orgastischen Potenz vorgeschlagen. Aus therapeutischen Techniken, die geeignet waren, die Widerstände des Patienten gegen das Erreichen dieses Therapieziels zu überwinden (Widerstandsanalyse), hatte er die Charakteranalyse entwickelt und – nach seinem durch Freud veranlassten Ausschluss aus allen psychoanalytischen Vereinigungen 1934 – durch Einbeziehung körperlicher Prozesse zur so genannten Vegetotherapie weiterentwickelt. Dabei hatte er u. a. an das von dem damals berühmten Mediziner Friedrich Kraus entwickelte Konzept der „vegetativen Strömung“ angeschlossen.[1] Eine Fortsetzung dieser Entwicklung stellt die „Orgontherapie“ dar.

Reich betätigte sich, weil er die Orgonenergie für allgegenwärtig (ubiquitär) hielt, nicht mehr nur in seiner Disziplin, der Medizin, als „Orgonforscher“, sondern wandte sich auch anderen Gebieten zu, so etwa der Mikrobiologie, der Physik und der Meteorologie.

Von der Psychoanalyse zur Orgonomie

Das Konzept der orgastischen Potenz

Freuds Annahme zur Libido war, dass die primäre Funktion des „Neuronensystems“ sei, Energie unverzüglich und vollständig zur Abfuhr zu bringen und die sekundäre Funktion, Energie in bestimmten Neuronen und Neuronensystemen zu speichern. Freud ging davon aus, dass Störungen der Psyche durch Verhinderung der freien Entladung dieser libidinösen Energie in der Kindheit entstehen, z. B. durch moralische Verbote bestimmter lustvoll besetzter Handlungen, überbehütendes oder übermäßig strenges Verhalten der Eltern etc. Auf diesem Konzept baute Reich seine Theorie der orgastischen Potenz auf.

Reich hatte in seiner klinischen Arbeit mit seinen Patienten festgestellt, dass Neurotiker generell eine sexuelle Störung im Erleben des Orgasmus haben. Er definierte solch eine Orgasmusstörung nicht wie die medizinische Forschung als Beeinträchtigung der Fähigkeit, (irgend)einen Orgasmus zu erleben, sondern eher anhand der Empfindungsfähigkeit beim gesamten Geschlechtsakt. In einer Rede vor dem Psychoanalytischen Kongress in Salzburg (1924) beschrieb er die orgastische Potenz als die Fähigkeit, sich „den Strömen der biologischen Energie ohne Hemmung hinzugeben“, die Fähigkeit „zur vollständigen Entladung aller aufgestauten Sexualerregung durch unwillkürliche, lustvolle Kontraktionen des Körpers.“ So geht er zum Beispiel davon aus, dass ein Mann, der zwar eine Erektion haben kann, aber während des Geschlechtsakts keine „tiefen“ Empfindungen hat, durch Gedanken übermäßig abgelenkt wird bzw. sich selbst ablenkt oder allzu sehr bemüht ist, „gut“ zu sein und dann beim Orgasmus nur ein mehr oder minder kurzes „Aufflammen“ der Befriedigung erlebt, keine volle orgastische Potenz erreicht.[2] Die „orgastische Impotenz“ – die Unfähigkeit zur vollständigen Energieabfuhr – bewirkt laut Reich eine Stauung der Libido, die je nach Ausmaß zu neurotischen Störungen führen kann.

Charakteranalyse und Charakterpanzerung

Auf der Grundlage seiner Arbeit im „Wiener Seminar für Psychoanalytische Therapie“ kam Reich zu einer von der Freudschen Analyse abweichenden Erklärung der Phänomene Widerstand und Übertragung. Nach Reich ist der Widerstand eines Patienten durch dessen „Körperpanzerung“ verursacht. So reagiere jeder Patient gemäß seiner Körperpanzerung auf die Therapie mit einer spezifischen Abwehr, die unterschiedliche Formen annehmen kann. Diese individuelle Organisation der Abwehrmuster nannte Reich den „Charakterpanzer“. Er ging davon aus, dass der Charakterpanzer das Resultat der erstarrten Lebensgeschichte eines Menschen ist, also „die funktionelle Summe aller vergangenen Ereignisse“. Hierbei weist Reich, ebenso wie Freud, den Erlebnissen der frühen Kindheit eine entscheidende Rolle zu. Nach Reich sind dabei Zeitpunkt und Intensität der Konflikte, ihre Art (wie bei Freud differenziert nach oralen, analen und genitalen Aspekten), das Verhältnis zwischen Triebbefriedigung und Frustration, das Ausmaß der Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil und die Widersprüche im versagenden Verhalten des Elternteils wichtige Einflussgrößen für die Ausbildung der Charakterpanzerung. Durch die Wechselwirkung dieser Faktoren kann es zu einem breiten Spektrum unterschiedlicher neurotischer Charakterstrukturen kommen. Reich unterscheidet folgende Haupttypen:[3]

  • Phallisch-narzisstischer Charakter: maskuline Mutter, Liebesregung für sie verdrängt, Abwertung aller Frauen, evtl. Homosexualität;
  • Passiv-femininer Charakter: in analer Phase übermäßig strenge Mutter, Nachgiebigkeit und Unterwerfung charakteristisch, auch (unter weiteren Bedingungen) Masochismus möglich; andere Form, wenn Vater sehr streng: Sohn muss Hassgefühle gegen Vater verdrängen und sich hinter weiblich-unterwürfiger Charaktermaske verstecken;
  • Männlich-aggressiver Charakter: strenger Vater verhält sich gegenüber Weiblichkeit der Tochter zurückweisend, Weiblichkeit wird verdrängt, Identifikation mit Härte und Stärke;
  • Hysterischer Charakter: Liebe von Tochter zu Vater wird mit Moral und Repression bestraft, genitale Angst wird zum dominanten Gefühl; Lolita (Koketterie, dann „nicht wissen, was das soll“).
  • Zwangscharakter: frühe, strenge Reinlichkeitserziehung führt zu Unterdrückung von genitalem Interesse und genitaler Aktivität. Gewalttätige und sadistische Bedürfnisse werden kontrolliert und nur in Phantasie ausgelebt. Zur Niederhaltung der sadistischen Impulse werden Kontroll- und Ordnungsmechanismen genutzt.
  • Masochistischer Charakter: hinter masochistischer Selbstverkleinerung stehen unfähiger Ehrgeiz und angstbeseelte Größensucht. Unbefriedigte Sexualspannung, Lustangst (Masochismus als Begehren, gegen den eigenen Willen zur Befriedigung gebracht zu werden).

In den Arbeiten Alexander Lowens, die stark auf Reich aufbauen, sind diese Haupttypen noch um den schizoiden und oralen Charaktertypus erweitert worden (siehe Artikel „Bioenergetische Analyse“; Abschnitt „Charakterstrukturen“).

In seinen weiteren klinischen Arbeiten beobachtete Reich, dass sich eine bestimmte Charakterpanzerung auch physisch in ebenso typischen muskulären Spannungen manifestiert. Aus dieser Erkenntnis entwickelte er die Vegetotherapie:

Vegetotherapie

Schon ab 1934 fasste Reich die Charakterpanzerung nicht mehr nur als rein psychische Panzerung auf, sondern ging davon aus, dass diese sich zugleich in einer „muskulären Panzerung“ äußert. Die Neurose äußert sich damit auch als chronische Störung der Beweglichkeit und des vegetativen Gleichgewichts. Psychische und somatische Erscheinungen werden als Aspekte einer Ganzheit gesehen. Reich übernahm das zugrunde liegende Konzept der „vegetativen Strömung“ von einem der damals führenden, gleichwohl umstrittenen Physiologen, Friedrich Kraus.

Für Reich bilden physische Spannung und Entspannung die Grundlage für das Verständnis aller Lebensprozesse. Die „Lebensformel“ besteht sozusagen aus einem Viertakt: Mechanische Spannung – bioelektrische Ladung – bioelektrische Entladung – mechanische Entspannung.[4] Obwohl Reich die Wichtigkeit dieses Viertaktes immer wieder betont, bleiben in seinen Werken „Expansion (Streckung, Weitung) und Kontraktion (Abkugelung, Einengung)“ als „Urgegensätze vegetativen Lebens“ ebenfalls relevant. Lust und Angst sind demnach als gegensätzliche Manifestationen desselben Mechanismus zu verstehen. Reich brachte diese Vorstellung mit der Reaktion des Organismus auf Acetylcholin (u. a. Weitung der Gefäße) oder Adrenalin (u. a. Verengung der Gefäße) in Verbindung. Angst führe demnach zu einer Kontraktion der Muskeln, Lust zu einer Weitung/Entspannung.

Die Verkrampfung der Muskulatur sei körperliche Folge des Verdrängungsprozesses sowie die Grundlage seiner Aufrechterhaltung. Reich betont, dass nie einzelne Muskeln, sondern immer Muskelgruppen, die einer bestimmten Funktionseinheit angehören, in Spannung geraten und die Struktur des Muskelpanzers und den Körperausdruck bestimmen. Er nennt beispielsweise den „hart-näckigen“ Widerstand als Veranschaulichung. Reich unterteilt die Muskelpanzerung funktionell in sieben Segmente: das okuläre (Augen), orale (Mund), zervikale (Nacken), thorakale (Brust/Oberkörper), Zwerchfell-, abdominale (Bauch) und pelvikale (Becken) Segment. Diese Einteilung ist nicht strukturell zu verstehen, es geht dabei eher um eine Einteilung nach den Gründen der Verspannung und ihren Auswirkungen in diesen Bereichen.

Diese Annahmen veranlassten Reich zum Bruch mit dem klassischen, auf sprachliche Kommunikation beschränkten psychoanalytischen Behandlungsverfahren und zur Ausbildung körpertherapeutischer Methoden. Reich begann direkt am Körper des Patienten zu arbeiten. Dabei entwickelte er verschiedene Formen der Massage zur Lockerung der Muskelverspannung. Auch die Rolle der Atmung (die abhängig von der Spannung der Muskulatur ist) wurde in dieser von Reich als Vegetotherapie bezeichneten Therapieform unterstrichen. Die Vegetotherapie kann also als eine Kombination aus Charakteranalyse und Körperarbeit verstanden werden.

Reich beobachtete an seinen Patienten, dass es häufig bei der Bearbeitung der Muskulatur zu plötzlichen affektiven Ausbrüchen kommt, die (verdrängte) Erinnerungen hervorbringen können. Dies wurde später auch von anderen körpertherapeutisch Arbeitenden bestätigt (u.a. Alexander Lowen, Aadel Bulow-Hansen, Odd Havrevöld, Gerda Boyesen).

Diese körpertherapeutischen Ansätze Reichs haben sich heute in vielen Therapieformen etabliert.

Die „Entdeckung des Orgons“

Parallel zur Weiterentwicklung seiner Therapiemethode begann Reich ab 1934 im Osloer Exil mit experimenteller Laborarbeit. Seit seiner Studienzeit ist Reich naturwissenschaftlich orientiert gewesen und hatte die Entwicklung vor allem der Biologie verfolgt, speziell in Hinblick auf Erkenntnisse zur Sexualität, die in der Psychoanalyse eine zentrale Rolle spielt. Im Jahre 1934 sah er sich aufgrund seiner theoretischen Studien der Arbeiten des Sexualbiologen Max Hartmann, der Mediziner Ludwig Robert Müller (Die Lebensnerven) und Friedrich Kraus (Die Tiefenperson) und anderer herausgefordert, eine Synthese ihrer Arbeiten mit seinen eigenen zu versuchen. Dazu sah er eigene experimentelle Arbeit für erforderlich an. Nachdem Versuche, diese zusammen mit Universitätsinstituten durchzuführen, gescheitert waren, richtete er sich ein eigenes Labor ein. Dies war mit den damals neuesten Lichtmikroskopen, einer Mikrofilmapparatur und einer Reihe von elektrischen Geräten und Instrumenten ausgestattet. Reichs Experimente waren zum einen elektrophysiologische, deren Ergebnisse er in zwei Abhandlungen mitteilte;[5] zum anderen mikrobiologische, die er 1938 in dem Buch Die Bione veröffentlichte.[6]

Als Bione bezeichnete er von ihm beobachtete mikroskopische Gebilde, die er als „Energiebläschen, die Übergangsstufen zwischen der leblosen und lebenden Substanz darstellen“, interpretierte. Sie entstünden „ständig in der Natur durch einen Auflösungsprozess anorganischer und organischer Materie, der sich experimentell nachvollziehen lässt.“[7]

Zunächst versuchte Reich, die von ihm beobachteten Vorgänge mittels der ihm bekannten physikalischen Theorien, speziell des Elektromagnetismus, zu interpretieren. Nachdem ihm dies für wesentliche Teile seiner Versuchsreihen nicht gelang, postulierte er schließlich die Existenz einer spezifisch biologischen Energie, der er den Namen „Orgon“ gab. Die akademische Naturwissenschaft hat sich mit Reichs Arbeiten nur ganz am Rande befasst (s. Lit: Gebauer/Müschenich; Hebenstreit).[8]

Beschreibung der Orgonenergie

Im Sommer 1939 bemerkte Reich, dass eine solche spezielle, aus Meeressand gewonnene „Bion-Kultur“ sich entgegen seinen Erwartungen derart „energetisch auflud“, dass sie an einem statischen Elektroskop einen kräftigen Ausschlag produzierte. Reich setzte dies in Beziehung zu einer anderen Beobachtung, wonach vegetativ nicht gestörte Menschen, am stärksten vom Bauch und den Genitalien her, Gummi und Watte in derselben Weise anregten, dass nach etwa 15 bis 20 Minuten Beeinflussung am Elektroskop ein Ausschlag erfolgte.

Anfangs ging er davon aus, der Sand, aus dem diese „Bione“ durch Glühen und Quellung entstanden, sei letzten Endes erstarrte Sonnenenergie. Es war daher naheliegend, Gummi und Watte der grellen Sonnenstrahlung auszusetzen, wobei sie vorher am Elektroskop keinen Ausschlag erzeugten, wohl aber nach dem Lagern in der Sonne. Verschiedene weitere Experimente veranlassten ihn aber zu der Annahme, dass es sich bei der Energie, mit der er es zu tun hatte, nicht um eine der bekannten physikalischen Arten von Energie handelte.

Reich nannte diese Energie ‚Orgon‘. Sie sei, außer am pflanzlichen und tierischen Organismus, auch im Erdboden, in der Atmosphäre und visuell, thermisch und elektroskopisch nachweisbar.

Beim Versuch, die (Orgon-)Strahlung der „Sandbione“ in einem Kasten aus Stahlblech (Faradayscher Käfig), der mit anorganischem Material (z.B. Steinwolle) umkleidet war, zu isolieren, beobachtete er, dass sich diese Orgonenergie darin akkumulierte, also von der atmosphärischen Umgebung „aufgesogen“ wurde. Dieser Kasten war der Prototyp des so genannten Orgonakkumulators, der später in verschiedenen Abmessungen und mit mehreren alternierenden Wandungen (Stahl/Steinwolle) gebaut wurde.

Reich beschrieb seine Beobachtungen und deren Interpretationen zum ersten Mal im letzten Kapitel seiner um 1940 verfassten „wissenschaftlichen Autobiographie“ Die Entdeckung des Orgons. Band 1: Die Funktion des Orgasmus.[9] Er blieb bis zu seinem Tode 1957 auf diesem Gebiet tätig und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten dazu in Artikeln und Büchern.

Orgontherapie

Reich erweiterte seine Vegetotherapie nach der „Entdeckung“ des Orgons zur Orgontherapie, in der u. a. auch die postulierte Wirkung des Orgons auf den Organismus ausgenutzt wurde. Für diesen Zweck baute Reich „Orgon-Akkumulatoren“, die das atmosphärische Orgon speichern sollten.

Kritik

Der erste Kritiker des Konzepts vom Orgon, Albert Einstein, war nicht von sich aus interessiert. Reich bat ihn am 30. Dezember 1940 brieflich um eine Unterredung „in einer wissenschaftlich schwierigen und drängenden Angelegenheit.“ Das daraufhin vereinbarte Treffen am 13. Januar 1941 führte dazu, dass Einstein sich von Reich einen Orgonakkumulator zustellen ließ, um selbst an ihm Reichs Behauptungen zu überprüfen. Das Subjektive der Lichterscheinungen ließ Einstein außer Acht, um sich „ganz auf das Temperaturphänomen“ (eine konstant höhere Temperatur im Innern des Orgonakkumulators bei Fehlen einer Wärmequelle) zu konzentrieren. Einstein bestätigte tatsächlich die Reichschen Vorhersagen, konnte das Phänomen aber ohne Zuhilfenahme der Orgonhypothese erklären. Er teilte dies Reich brieflich am 7. Februar 1941 mit und schloss mit den Worten: „Ich hoffe, dass dies ihre Skepsis entwickeln wird, dass Sie sich nicht durch eine an sich verständliche Illusion trügen lassen.“

Da Einstein seine Interpretation nicht direkt im ersten, mehrstündigen Gespräch gegeben und sich die Mühe eigener Experimente gemacht hatte, fühlte Reich sich zu einer Fortsetzung der fachlichen Diskussion ermutigt. Er schrieb am 20. Februar 1941 einen langen Brief an Einstein, in dem er Argumente gegen Einsteins Interpretation vorbrachte, variierte Experimentalanordnungen und zahlreiche technische Details erörterte. Auf diesen Brief antwortete Einstein nicht mehr.[10]

Weitreichende Kritik erhielt die Orgontheorie von anerkannten Wissenschaftlern die diese in die Kategorie der Pseudowissenschaften einteilen.[11][12][13] Spätere Kritiker von Reichs Theorie kamen nicht nur aus der akademischen Naturwissenschaft, sondern auch aus den Reihen der Protagonisten des New Age. Autoren wie Ken Wilber, Theodore Roszak und Morris Berman warfen Reich „rigiden Szientismus“ vor, andere hingegen, etwa Fritjof Capra, begrüßten ihn als einen „Vorkämpfer des Paradigmenwechsels“.[14] Forschungen zum Orgonakkumulator wurden danach meist von Personen durchgeführt, die zwar eine akademische Ausbildung hatten, aber nicht im Rahmen akademischer Institutionen tätig waren (Ausnahmen sind unter anderen die beiden unten aufgeführten Studien an den Universitäten Marburg und Wien).[15]

Literatur

Auswahl von Werken Reichs zur Orgonomie
  • Die Bione. Zur Entstehung des vegetativen Lebens. In: Sexpol-Verlag, Oslo 1938; rev. Neuausgabe: Die Bionexperimente. Zur Entstehung des Lebens. Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 1995, ISBN 3-86150-099-X
  • Die Entdeckung des Orgons, Band 1: Die Funktion des Orgasmus. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969 (engl. orig. 1942), ISBN 3-462-01825-6
  • Die Entdeckung des Orgons, Band 2: Der Krebs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1974 (engl. orig. 1948), ISBN 3-462-00972-9
  • Das ORANUR-Experiment (I). Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 1997 (engl. orig. 1951), ISBN 3-86150-162-7
  • Das ORANUR-Experiment (II). Zweitausendeins Frankfurt a. M. 1997 (engl. orig. 1957), ISBN 3-86150-194-5
Werke anderer Autoren zur Orgonomie
  • Rainer Gebauer und Stefan Müschenich: Der Reichsche Orgonakkumulator. Naturwissenschaftliche Diskussion, praktische Anwendung, experimentelle Untersuchung. Nexus-Verlag, Frankfurt a. M. 1987 (koordinierte Diplomarbeit an der Universität Marburg), ISBN 3-923301-19-7
  • Günter Hebenstreit: Der Orgonakkumulator nach Wilhelm Reich. Eine experimentelle Untersuchung zur Spannungs-Ladungs-Formel. Dipl.-Arbeit, Universität Wien 1995
  • Irmgard Oepen, Horst Löb: Der Orgon-Strahler – eine funktionslose, aber offenbar gewinnbringende Attrappe. Skeptiker 11 (4/98) 148-152
  • Heike Buhl: Lebensenergie-Medizin. Verlag Ulrich Leutner, Berlin 2000, ISBN 3-934391-01-X
  • Heiko Lassek: Orgontherapie. Verlag Ulrich Leutner, Berlin 2005, ISBN 3-934391-23-0
  • James DeMeo: Der Orgonakkumulator: ein Handbuch. Bau, Anwendung, Experimente, Schutz gegen toxische Energie. Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 1994, ISBN 3-86150-067-1
  • Jorgos Kavouras: Heilen mit Orgonenergie. Die medizinische Orgonomie. Turm Verlag, Bietigheim 2005, ISBN 3-7999-0271-6
  • Jerome Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich. Zweitausendeins Frankfurt a. M. 1995 ISBN 3-86150-107-4 (Zum Prozess gegen Reich, der die Zerstörung der vorhandenen Orgonakkumulatoren, die Vernichtung der einschlägigen Literatur und eine zweijährige Haftstrafe für Reich zur Folge hatte)

Weblinks

 Commons: Orgon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Martin Lindner: Die Pathologie der Person. (Monographie über Kraus). GNT-Verlag für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Berlin, Diepholz 1999, S. 56
  2. Wilhelm Reich: Die Entdeckung des Orgons, Band 1
  3. Wilhelm Reich: Charakteranalyse
  4. Wilhelm Reich: Die Entdeckung des Orgons, S. 188–225
  5. Wilhelm Reich: Der Orgasmus als elektrophysiologische Entladung. In: Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, Band 1, 1934, S. 29–43. Wilhelm Reich: Experimentelle Ergebnisse über die elektrische Funktion von Sexualität und Angst. Oslo 1937
  6. Wilhelm Reich: Die Bione. Zur Entstehung des vegetativen Lebens. Oslo: Sexpol-Verlag 1938; dort auch ausführliche Beschreibung der Ausstattung des Labors.
  7. Wilhelm Reich: Die Entdeckung des Orgons. Band 1. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1969, S. 346 (Glossar)
  8. Neben der angegebenen Literatur vgl. Bernhard Harrer: Kritische Evaluation der Lebensenergie-Forschung von Wilhelm Reich (Orgon-Theorie). Berlin 1997, Abstract der Arbeitsgruppe Orgon-Biophysik an der Abteilung für Naturheilkunde, Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin; dazu die Kritik von James DeMeo
  9. Wilhelm Reich: The Discovery of the Orgone. vol. I, The Function of the Orgasm. New York: Orgone Institute Press 1942; deutsch erstmal als Die Entdeckung des Orgons. Band 1: Die Funktion des Orgasmus. Köln: Kiepenheuer und Witsch 1969
  10. Den Briefwechsel in faksimilierter Form und zugehörige Materialien veröffentlichte Reich 1953 im Rahmen einer Serie Wilhelm Reich: Biographical Material: The Einstein Affair. Orgone Institute Press, Rangeley, Maine, USA
  11. Jon E. Roeckelein (2006): Elsevier's dictionary of psychological theories. S. pp. 493, 517–518, abgerufen am 3. August 2011 (eng).
  12. John Earman: Philosophical problems of the internal and external worlds: essays on the philosophy of Adolf Grünbaum. S. p. 163, abgerufen am 3. August 2011 (Philosophical problems of the internal and external worlds: essays on the philosophy of Adolf Grünbaum, Pittsburgh-Konstanz series in the philosophy and history of science, 1, University of Pittsburgh Press).
  13. Arthur Wrobel: Pseudo-science and society in nineteenth-century America. (Nicht mehr online verfügbar.) University Press of Kentucky, , S. 229, ehemals im Original; abgerufen am 3. August 2011. (Link nicht mehr abrufbar)
  14. Einen Überblick dazu gibt Ilas Körner-Wellershaus: Wilhelm Reich — ein Vater des New Age. Alfter: VDG-Verlag 1993, S. 59–81
  15. Vgl. dazu Stefan Müschenich: Eine Bestandsaufnahme der Forschungen zum Orgonakkumulator. In: James De Meo, Bernd Senf (Hrsg.): Nach Reich. Neue Forschungen zur Orgonomie. Frankfurt/M.: Zweitausendeins 1997, S. 631–663
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