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Maleachi

Aus Jewiki
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Malachias; Altardarstellung von 1308–1311
Schriftpropheten
des Alten Testaments
Die „großen“ Propheten
Die „kleinen“ Propheten
Namen nach dem ÖVBE
Kursiviert: Katholischer Deuterokanon

Maleachi ist ein biblischer Prophet, dessen Schrift zum Zwölfprophetenbuch des Tanach bzw. des Alten Testaments gehört. In der westkirchlichen Bibel ist es das letzte Buch des Alten Testaments. Entsprechend dem Kanon der Septuaginta sind in den Ostkirchen die kleinen Propheten und damit Maleachi vor den großen Propheten eingeordnet.

Verfasser und Entstehungszeit

Über den Verfasser ist nichts bekannt. Das hebräische Wort מלאכי (mal'aki) bedeutet „Mein Bote“. Als Personenname ist Maleachi nicht belegt. In der griechischen und lateinischen Bibel heißt er Malachias. In der rabbinischen Tradition wird der letzte Prophet des Tanach mit Esra, dem Schriftgelehrten, identifiziert.

Traditionell sah die Forschung in Maleachi einen Propheten des 5. oder 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Kessler nennt die späte Perserzeit, also das 4. Jh. v. Chr. als Entstehungszeitraum, weil er davon ausgeht, dass dem Verfasser der Maleachi-Dichtung, die Tora und die Prophetenbücher bereits schriftlich vorlagen. In die hellenistische Zeit, genauer ins 3. Jh. v. Chr. datiert er den Schluss Mal 3,22–24 EU, da dieser den Kanon aus Tora und der gesamten Prophetie bereits voraussetzt.[1]

Wahrscheinlich steht hinter dem Buch keine Einzelgestalt, sondern schriftgelehrte Auslegung (vgl. u.a. die Strukturanalogien zu Sach 9,1 EU; 12,1 EU). Der Name lässt sich dann als Ableitung aus Mal 2,7 EU und 3,1 EU deuten und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein. Das deutliche Interesses der Maleachi-Schrift an Tempel und Priesterschaft deutet auf ein Milieu in diesem Umfeld hin. Insbesondere die Gruppe der Leviten als Pfleger der Schriftüberlieferung ist naheliegend.

Inhalt

Seit dem Mittelalter wird das Buch in drei, teilweise aber auch in vier Kapitel unterteilt.

  • Überschrift (1,1)
  • Gottes Liebe zu Israel (1,2–5)
  • Gegen die geistlichen Verfehlungen der Priester (1,6 – 2,9)
  • Verurteilung der Mischehen und Ehescheidungen (2,10–16)
  • Der Tag des Herrn als Tag des Gerichts (2,17 – 3,5)
  • Anklage gegen Israel wegen des Gott vorenthaltenen Zehnten (3,6–12)
  • Die göttliche Gerechtigkeit wird recht behalten (3,13–21)
  • Schluss: Die Wiederkunft Elijas vor dem Tag des Herrn (3,22–24)

Thema

Maleachi beschreibt, beklagt und verurteilt die gleichen Probleme, die es schon bei anderen Propheten gegeben hat: ungerechter Umgang mit Geld, geistlicher Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie die Mischehen mit Heiden – vor allem das Vermischen mit den heidnischen Religionen.

Wegen des trägen und unehrlichen geistlichen Leben der Juden in der nachexilischen Zeit, ruft Gott durch Maleachi zur Umkehr und zur neuen Hinwendung an Gott auf.

Das Buch Maleachi berichtet von dem letzten Werben um sein Volk, bevor der Messias kommen soll. Danach schweigt die Stimme Gottes, die Juden warten bis heute auf den kommenden Messias und auf den in Maleachi vorhergesagten Elia (Mal 3,22–24 EU). Für die Christen hat sich in Johannes dem Täufer die Vorhersage des Elia erfüllt.

Die vielfältigen theologischen Themen der Maleachi-Schrift lassen sich nur aus der Auslegung des ganzen Buches erkennen. Die vielen Themen lassen sich unter die Überschriften „Segen“, „Gabe“ und „Gerechtigkeit“ bündeln. Aus ihrem Zusammenspiel ergibt sich eine endzeitliche Perspektive. „Zwar steht JHWHs Segen am Anfang und ist vorgegeben. Aber weil die Gabe gegenwärtig verdorben ist, muss der kommende Tag erst die Reinigung bringen, welche reine Gabe und erneuten Segen möglich macht. Und weil die Gerechtigkeit gegenwärtig nicht sichtbar ist, scheinbar sogar die Gewalttäter die Oberhand haben, muss durch JHWHs Kommen zum Recht (Mal 3,5 EU) und durch den kommenden Tag die Scheidung der Gerechten von den Gottlosen vorgenommen werden.[2]

Wichtige Stellen für die christliche Interpretation

Maleachi am Portal (1139) des Doms von Verona mit Zitat aus Maleachi 3
  • Maleachi 1,11 EU wird in der katholischen und orthodoxen Kirche als Ankündigung des eucharistischen Opfers interpretiert.
  • Maleachi 3,23 EU weist auf ein eschatologisches Auftreten von Elija hin, das im Neuen Testament aufgenommen wird, so in Bezug auf Johannes der Täufer (Mt 11,13–14 EU).
  • Der Bote in Maleachi 3 EU wird in der christlichen Auslegung mit Jesus identifiziert, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird. Alternativ wird in ihm Johannes der Täufer gesehen, der Jesus den Weg bereitet und die Taufe zur Vergebung der Sünden praktiziert hat Johannes der Täufer (Mk 1,2–4 EU)

Gleichnamiger Heiliger

Es gibt auch einen christlichen Heiligen namens Malachias.

Einzelnachweise

  1. Kessler, Maleachi, 75ff.
  2. Kessler, Maleachi, 86.

Siehe auch

Literatur

Kommentare

  • Alfons Deissler: Zwölf Propheten 3. Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi. Die neue Echter-Bibel. 21. Echter-Verl., Würzburg 1988 ISBN 3-429-01138-8
  • Gerhard Maier: Der Prophet Haggai und der Prophet Maleachi. Wuppertaler Studienbibel.AT. 2. Aufl. Brockhaus, Wuppertal 1990 ISBN 3-417-25212-1 (anwendungsbezogen)
  • Karl Heinen: Die Bücher Maleachi, Joel und Jona. Geistliche Schriftlesung 13. Patmos Verl., Düsseldorf 1991 ISBN 3-491-77169-2 (anwendungsbezogen)
  • Henning Graf Reventlow: Die Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi. Das Alte Testament Deutsch 25,2. 9., völlig neu bearb. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993 ISBN 3-525-51238-4
  • Andrew E. Hill: Malachi. A New Translation with Introduction and Commentary. The Anchor Bible 25D. Doubleday, New York u.a. 1998 ISBN 0-385-46892-X
  • Arndt Meinhold: Maleachi. Biblischer Kommentar 14/8. Neukirchener Verl., Neukirchen-Vluyn 2000 ISBN 3-7887-1715-7
  • Ina Willi-Plein: Haggai, Sacharja, Maleachi. Zürcher Bibelkommentare. Altes Testament 24.3. Theologischer Verlag, Zürich 2006 ISBN 3-290-17360-7
  • Rainer Kessler: Maleachi. Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament. Verlag Herder, Freiburg, 2011 ISBN 978-3-451-26854-0

Einzelstudien

Prophet Malachias (1330), Basilika St.Laurenz (Enns/Oberösterreich)
  • Lutz Bauer: Zeit des zweiten Tempels – Zeit der Gerechtigkeit. Zur sozio-ökonomischen Konzeption im Haggai-Sacharja-Maleachi-Korpus. Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des antiken Judentums 31. Lang, Frankfurt am Main u.a. 1992 ISBN 3-631-45230-6
  • Theodor Lescow: Das Buch Maleachi. Texttheorie – Auslegung – Kanontheorie. Mit einem Exkurs über Jeremia 8,8–9. Arbeiten zur Theologie 75. Calwer-Verl., Stuttgart 1993 ISBN 3-7668-3224-7
  • Matthias Krieg: Mutmaßungen über Maleachi. Eine Monographie. Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments 80. Theol. Verl., Zürich 1993 ISBN 3-290-10858-9
  • Gordon Paul Hugenberger: Marriage as a Covenant. A Study of Biblical Law and Ethics Governing Marriage Developed from the Perspective of Malachi. Supplements to Vetus Testamentum 52. Brill, Leiden u.a. 1994 ISBN 90-04-09977-8
  • Karl William Weyde: Prophecy and Teaching. Prophetic Authority, Form Problems, and the Use of Traditions in the Book of Malachi. Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 288. de Gruyter, Berlin u.a. 2000 ISBN 3-11-016692-5
  • Stephan Lauber: „Euch aber wird aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit“ (vgl. Mal 3,20). Eine Exegese von Mal 3,13–21. Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 78; St. Ottilien 2006 ISBN 3-8306-7234-9

Weblinks

Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Maleachi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.