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Leo Gans

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Leo Gans (geb. 4. August 1843 in Frankfurt am Main; gest. 14. September 1935 ebenda) war ein deutscher Chemiker und Industrieller. Für seine Verdienste als Mäzen und Förderer von Wissenschaft und Kultur wurde er 1928 mit der Ehrenbürgerwürde seiner Vaterstadt ausgezeichnet.

Lebenslauf

Leo Gans entstammte einer jüdischen Familie, die seit 1550 im Frankfurter Ghetto, der Judengasse, ansässig war. Er war eines der sechs Kinder von Ludwig Aaron Gans (1794–1871) und Rosette Goldschmidt (1805–1868). Seine Brüder waren Adolf und Fritz Gans. Seine Schwestern waren Henriette Heidelbach, Pauline Weinberg und Marianne Löwengard. Seine Tochter Clara Gans (1881-1875) ließ die Villa Gans in Kronberg errichten. Leo Gans konvertierte später zum Protestantismus.

Er hörte Chemie bei Rudolf Christian Boettger, seit 1835 Lehrer am Physikalischen Verein, und studierte in Karlsruhe, Heidelberg, München und Marburg. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten u.a. Emil Erlenmeyer, Robert Bunsen und Hermann von Helmholtz.

Nach einer Zeit in Paris, wo er den Begründer der Teerfarbenchemie August Wilhelm von Hofmann kennenlernte, gründete er 1868 mit August Leonhardt ein Farbstofflabor in Frankfurt am Main. 1870 baute er in Fechenheim, damals ein kleines Dorf am Main zwischen Frankfurt und Hanau, eine neue Fabrik zur Produktion von Fuchsin und anderen Farbstoffen. Das neue Unternehmen firmierte zunächst als Frankfurter Anilinfarbenfabrik von Gans und Leonhardt, später als Leo Gans & Co.. Ab 1879 baute er es, später mit Unterstützung seiner Neffen Arthur und Carl Weinberg, durch intensive Forschung zu einem führenden Unternehmen für Textilfarben aus. Um 1900 war das 1894 in Leopold Cassella & Co. umbenannte Unternehmen zum weltgrößten Hersteller von synthetischen Farbstoffen geworden.

1904 beteiligten sich die Farbwerke Hoechst vorm. Meister Lucius und Brüning an dem Unternehmen Cassella, das 1925 in der I.G. Farbenindustrie AG aufging. Von 1926 bis 1935 war Gans Mitglied im Aufsichtsrat der I.G.

Seine erfolgreiche industrielle Tätigkeit brachte ihm ein beträchtliches Vermögen ein, das er als Mäzen für zahlreiche wissenschaftliche und soziale Zwecke in seiner Vaterstadt einsetzte. U.a. war Gans Vorsitzender des Städelschen Museumsvereins, des Physikalischen Vereins und des Vereins für Luftfahrt, der die erste Internationale Luftschiffahrt-Ausstellung 1909 organisierte. 1913 erhielt der Asteroid Nr. 728 den Namen Leonisis, nach Leo Gans und der ägyptischen Göttin Isis, dem Symbol des Physikalischen Vereins.

Im öffentlichen Raum befinden sich in Frankfurt zwei von Leo Gans gestiftete Figuren des belgischen Bildhauers Constantin Meunier. Es sind die Figur Der Sämann aus dem Jahre 1890, die 1906 von der Stadt Frankfurt am Main angekauft wurde und seit 1915 im Günthersburgpark steht, sowie Der Hafenarbeiter, ebenfalls aus dem Jahre 1890, an der Frankfurter Friedensbrücke.

1914 gehörte er zu den Stiftern der Universität Frankfurt, die ihn 1923 zum Ehrendoktor ernannte. Er führte die Titel Geheimer Kommerzienrat, Dr. phil., Dr. med. h.c. und Dr. rer. nat. h.c.. 1928 wurde er als erster gebürtiger Frankfurter Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main. 1932 unterstützte er mit einer großzügigen Spende an das Freie Deutsche Hochstift die Erhaltung des Goethe-Hauses.

1933 wurde Gans wegen seiner jüdischen Abstammung gezwungen, alle Ämter und Ehrenämter niederzulegen. Er starb am 14. September 1935 in Frankfurt. Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof. Eine Straße in Fechenheim wurde nach ihm benannt.

Literatur

  • Franz Lerner: Leo Gans. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, S. 64.
  • Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. (Erster Band A-L) Frankfurt am Main, Verlag Waldemar Kramer, 1994, ISBN 3-7829-0444-3
  • Angela von Gans, Monika Groening: Die Familie Gans 1350-1963. Verlag Regionalkultur, Heidelberg, 2006, ISBN 978-3-89735-486-9


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