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JDL-JTF-Konflikt

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Als JDL-JTF-Konflikt bezeichnet man den Konflikt zwischen der Jewish Defense League (JDL) und der Jewish Task Force (JTF). Bei beiden handelt es sich um kahanistische Organisationen, die jeweils die „wahre" Auslegung des Kahanismus für sich in Anspruch nehmen und daher in Konkurrenz zueinander stehen.

Vorgeschichte

1987 musste der damalige JDL-Vorsitzende, Victor Vancier, der vor allem unter seinem hebräischen Namen Chaim Ben Pesach bekannt ist, zum zweiten Mal ins Gefängnis, weil er wiederholt an Sprengstoffanschlägen in New York und Washington beteiligt war. Insgesamt handelte es sich dabei um 18 Anschläge. Die Anschläge hatten die JDL zwar bekannt gemacht, ihrem Ruf aber auch gleichzeitig geschadet. So bezeichnet das FBI, mit Verweis auf diese Anschläge, die JDL in seinem Terrorismus-Report 2000/01 als „gewalttätige, extremistische jüdische Organisation“. Während Vanciers Haftzeit setzte sich sein erbittertster Gegner innerhalb der JDL, Irv Rubin, als neuer Vorsitzender durch. Rubin hatte Vancier bereits in den Jahren zuvor als „Verrückten" bezeichnet und sich schon 1985 selbst zum JDL-Vorsitzenden erklärt, wurde dabei aber außerhalb von Los Angeles nicht als solcher akzeptiert. Als neuer Vorsitzender erwirkte er eine Distanzierung der JDL von Vancier, gründete aber auch einen Fonds um ihn während seiner Haftzeit zu unterstützen. In dieser Zeit wurde der JDL-Gründer Rabbi Meir Kahane 1990 bei einem Attentat erschossen. Nach seiner Haftentlassung 1991 gründete Vancier die JTF, weil sich die JDL während seiner Zeit im Gefängnis von ihm entfremdet hatte. Er erhebt gegen Rubin Vorwurf, dass die JDL unter dessen Führung zu gemäßigt geworden sei. Weil Kahane in diesem Jahr bereits tot war, wurde der Rubin-Vancier-Konflikt ohne seine Mitsprache geführt, so dass sich heute beide Organisationen vorwerfen, eine falsche Auslegung von Kahanes Lehren zu betreiben.

Gegenseitige Vorwürfe

Die JTF wirft der JDL vor, vom alten kahanistischen Kampfgeist abgerückt zu sein. Sie würde mittlerweile keine Juden mehr beschützen. Vancier nimmt für sich bis heute in Anspruch, dass die JDL erst durch ihn berühmt geworden sei. Seine Anschläge hatten die JDL einst in die Schlagzeilen gebracht. Sie hatten sich gegen Repräsentanten der Sowjetunion gerichtet. Laut eigener Aussage wollte er damit für die Reisefreiheit der sowjetischen Juden protestieren. Er behauptet, die Anschläge seien von Kahane begrüßt worden. Auch behauptet Vancier, dass diese Anschläge den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 bewirkt hätten. Sich selbst sieht er daher als Held. Vancier empört sich auch über Rubins Reaktion auf die Verurteilung des israelischen Spions Jonathan Pollard. Pollard war in Amerika 1987 wegen Spionage zu einer lebenslangen Haftsrafe verurteilt worden. Rubin stufte diese Strafe als noch zu gering ein und forderte daher im amerikanischen Fernsehen, vor einem Publikum von 30 Millionen Zuschauern, die Todesstrafe für ihn. Vancier bezeichnete die Verurteilung Pollards als israelischen Spion hingegen als „Antisemitismus“ und setzt sich bis heute für dessen Freilassung ein. Vancier wirft Rubin in diesem und weiteren Zusammehängen vor, ein Verräter zu sein. Von dem Fonds, den Rubin für Vancier während dessen Haftzeit gegründet hat, hat Vancier nach eigener Aussage keinen einzigen Cent abbekommen. Irv Rubin und seine Frau Shelley hätten die JDL unter ihrer Führung verändert, um sich bei ihren linksliberalen Freunden in Hollywood einzuschleimen. So würden sie versuchen die JDL salonfähig zu machen. Das JDL-Forum im Internet soll aber, verglichen mit dem JTF-Forum, erfolglos sein.

Die JDL führt dagegen an, dass es sich bei Vanciers Anschlägen um Terrorismus handelte, der dem Ruf der JDL extrem geschadet hat und verweisen auf die bis heute gebräuchliche Einstufung der JDL als „Terrororganisation“. Auch argumentieren sie damit, dass Vancier mit seinen Operationen keinen einzigen Juden befreit hat, sondern stattdessen mehrere Juden (Vancier selbst sowie seine Helfer) ins Gefängnis mussten. Einer dieser Komplizen, der damals 24-järige Jay Cohen, hat sogar Selbstmord begangen, nachdem er zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde, wofür Vancier sich persönlich verantwortlich fühlte. Den Zusammenbruch der Sowjetunion führen Vanciers Gegner nicht auf dessen Anschläge, sondern auf andere Ursachen zurück. Diese Ansicht wird weltweit von beihnahe allen Nichtmitgliedern der JTF geteilt. Dem Vorwurf, die JDL sei unter Rubins Führung zu gemäßigt geworden, kann entgegen gehalten werden, dass Rubin selbst als sehr radikal gilt.

Ereignisse

August 2005: Vancier bezeichnet Shelley Rubin als Verräterin und verflucht sie mit Yemach Shmo Vezichro (hebräisch: „Mögen ihr Name und die Erinnerung an sie ausgelöscht werden“), weil sie die Umsiedlung der jüdischen Siedler von Gush Katif im Gaza-Streifen befürwortet hat. Als Begründung führte sie den Umstand an, dass die Umsiedlung von einer demokratisch gewählten Regierung durchgeführt wurde. Dieser Begründung widerspricht Vancier, mit Verweis darauf, dass Adolf Hitler auch einst demokratisch gewählt wurde.

Januar 2010: Der JDL-Führer Steven Weigang wird von seiner Mitgliedschaft in der JTF ausgeschlossen.[1][2] Begründet wird dies mit seiner Rechtfertigung des JDL-Kurses unter Irv und Shelly Rubin, der Tatsache, dass er eine jüdische Organisation in Deutschland, dem „Land der Täter" gegründet hat und, weil er sich über Vanciers exzentrische Lebensführung, sowie sein Einreiseverbot nach Israel lustig gemacht hatte.[2][3] Steven Weigang und der JDL Deutschland verspricht die JTF daraufhin: „Wir werden die JDL Deutschland verbieten, ihr werdet nicht lange überleben.”[4]

Mai 2010: Das JTF-Forum ist für kurze Zeit geschlossen. Vancier gibt Weigang die Schuld dafür.

August 2010: Es kommt zu Hausdurchsuchungen durch den Staatsschutz und Post von der Polizei gegen die JDL Deutschland, weil die JTF sie denunziert hat.[4] Vorgeworfen werden ihr dabei organisiertes Verbrechen, Sachbeschädigung, Mordanschläge auf Polizeibeamte, Drogenhandel, Bau von Sprengstoffen und Bomben, sowie das Hacken der JTF-Webseite.[4][5] Infolgedessen wird die JDL-Seite für ungefähr zwei Wochen gesperrt.[4] Nach einigen Gesprächen der JDL mit der Polizei wird die Strafanzeige jedoch wieder fallen gelassen, weil die Anschuldigungen der JTF sich als völlig unbegründet erwiesen hatten.[4]

August 2011: Weltweit erstes Anti-JTF-Treffen der JDL, zusammen mit Vertretern des Anti JTF Teams, in Ahlen.[4]

Sonstiges

Der JDL-JTF-Konflikt wird von Außenstehenden manchmal scherzhaft mit dem Konflikt der Volksfront von Judäa und der Judäischen Volksfront aus Monthy Pythons Film Das Leben des Brian verglichen.[6]

Einzelnachweis

  1. [1]
  2. 2,0 2,1 [2] Chaim Ben Pesach. Why I banned Steven Weigang, who calls himself "German Kahanist"
  3. [3] Chaim Ben Pesach. Steven Weigand issues an apology to JTF
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 [4] Jüdische Verteidigungsliga Ahlen
  5. [5] Chaim Ben Pesach. Steven Weigang was responsible for our web site's problems a few days ago

Quellen

Hinweis