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Itinerar

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Ein Itinerar (n., von lateinisch itinerarium, pl. Itineraria bzw. neuer auch Itinerarien, abgeleitet von lat. iter „Weg“) ist allgemein die zusammenfassende Darstellung von Verkehrswegen und Straßen. Gemeint sind aber auch Straßen- und Stationenverzeichnisse, Hotelangaben, Verkehrsmittel, Tickets – also eigentlich alle zu einer Reise gehörende Information – für Reisende, Wanderer, Kaufleute oder Pilger. Auch Reisebeschreibungen und protokollarische Zusammenstellungen von Reisen bekannter und wichtiger Personen werden so bezeichnet. Gelegentlich wird auch ein kleiner Altar, der auf Reisen mitgenommen wurde, als Itinerar bezeichnet.

Altertum

Aus dem Altertum sind erhalten:

Mittelalter

Reformationszeit

Aus der Zeit der Reformation ist ein umfangreiches Itinerar aus der Feder des Augsburger Predigers Wolfgang Musculus (1497–1563) erhalten, das den Reiseweg von Augsburg nach Wittenberg dokumentiert.[1]

Geschichtswissenschaft

In der Fachsprache der Geschichtswissenschaft versteht man unter Itinerar die „Reiseroute“ von Herrschern (bzw. deren wissenschaftliche Dokumentation auf der Grundlage der Ausstellungsdaten und -orte von Urkunden sowie Angaben in der Geschichtsschreibung). Besonders sinnvoll ist die Rekonstruktion von Aufenthalten und Wegen bei früh- und hochmittelalterlichen Herrschern, da diese in der Regel noch keine Residenzherrschaft ausübten, sondern als Reisekönige von einer Pfalz zur nächsten unterwegs waren (Königsitinerar). Das Ergebnis, auch als Karte darstellbar, ist hilfreich für die historische Arbeit; unechte Urkunden können nun auch dadurch erkannt werden, dass der Ausstellungsort völlig aus dem Itinerar herausfällt. Es zeigt auch, welche Orte und Regionen für den Herrscher und seine Herrschaftspraxis wichtig waren.[2]

Seit 2016 existiert ein Itinerar über das Leben von Adolf Hitler. Damit liegt erstmals eine detaillierte Darstellung über eine Person der jüngeren Zeitgeschichte im Kontext der persönlichen, politischen und militärischen Ereignisse vor. Jeder Tag inklusive der benutzten Verkehrsmittel ist dokumentiert.[3]

Geistliche Literatur

In der geistlichen Literatur kann Itinerar auch eine Wegweisung bedeuten, die hinführen soll zu rechter Lebensführung bis hin zur Vollkommenheit. Bekanntestes Beispiel ist Bonaventuras Itinerarium mentis in Deum (1259).[4]

Literatur

  • Henning Reinhardt: Das Itinerar des Wolfgang Musculus. In: Archiv für Reformationsgeschichte 97, 2006, S. 28–82.
  • Marc Löwener: Itinerare als Hilfsmittel zur chronologischen Einordnung des Quellenmaterials -- dargestellt am Beispiel der Herrschaftsgründung des Deutschen Ordens in Preußen, in: Fremdheit und Reisen im Mittelalter. Ed. Irene Erfen and Karl-Heinz Spieß, Stuttgart 1997, S. 165-176.

Weblinks

 Wiktionary: Itinerar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Vgl. auch: Krüger, Herbert: Das älteste deutsche Routenhandbuch. Jörg Gails "Raißbüchlin" (von 1563). Mit 6 Routenkarten und 272 Originalseiten in Faksimile. Graz 1974
  2. Vgl. als Beispiel: Günther/Krüger/Zorawaska-Wilkowska: Die Reisen und Aufenthalte des Königs August II. (von Polen = August der Starke, Kurfürst von Sachsen), in: Unter einer Krone. Leipzig 1997 S. 49 - 53 sowie ebd: Die Reisen und Aufenthalte des Königs August III. (von Polen = Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen) S. 58 - 63
  3. Harald Sandner: Hitler - das Itinerar
  4. Bonaventura, Itinerarium mentis in Deum: online lateinisch


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