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Herbert Obenaus

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Herbert Obenaus (* 3. März 1931 in Köln) ist ein deutscher Historiker, Hochschullehrer und Autor. Er ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte an der Universität Hannover (Niedersachsen) und hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur neueren Sozial-, Verfassungs- und Parlamentarismusgeschichte, ferner zur regionalen und lokalen Zeitgeschichte veröffentlicht.

Wirken

Als Professor für Geschichte an der Universität Hannover hat sich Herbert Obenaus seit Jahrzehnten für die Erforschung und Dokumentation der Geschichte aller Gruppen von Verfolgten des NS-Regimes eingesetzt. Auch den Formen des Widerstandes gegen die Terrorherrschaft insbesondere auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen galt und gilt bis heute sein aufklärerisches wissenschaftliches Interesse. Weit über den Wirkungskreis eines akademischen Lehrers hinaus hat er in der Öffentlichkeit Einfluss genommen. Durch eigene Forschungsarbeiten und durch fachliche Beratung verschiedener Initiativen hat er zum Aufbau und zur Entfaltung von regionalen Gedenkstätten erheblich beigetragen.

„Wenn Niedersachsen sich heute durch Vielfalt und Qualität der regionalen Gedenkstättenarbeit auszeichnet, dann ist das ganz wesentlich Prof. Dr. Obenaus zu verdanken. Darüber hinaus war seine Zusammenarbeit bei der Aufklärung der NS-Verbrechen, insbesondere mit Archiven und Gedenkstätten in Israel, Polen und Lettland, ein wichtiger Beitrag zur Verständigung zwischen den Völkern.“ und „Prof. Dr. Obenaus hat sich um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Deutschland und speziell in Niedersachsen verdient gemacht. Er hat durch seine Arbeit nicht nur der wissenschaftlichen Welt überzeugend vermittelt, dass Deutschland sich seiner Vergangenheit aufrichtig stellt. In besonderer Weise hat er sich um die deutsch-jüdischen bzw. deutsch-israelischen Beziehungen verdient gemacht.“ (Bernd Busemann, niedersächsischer Kultusminister, anlässlich der Verleihung des Niedersächsischen Verdienstordens am 22. März 2007 in Hannover)

Arbeit in Gremien

1988 wurde Obenaus als Mitglied in den damals neu eingerichteten Wissenschaftlichen Beirat der Gedenkstätte Bergen-Belsen berufen. Von 1991 bis 2004 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für die Förderung der Gedenkstättenarbeit in Niedersachsen. Unter seiner Leitung entstand in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht die Schriftenreihe der „Bergen-Belsen-Schriften“, in der wissenschaftliche Arbeiten zur Gedenkstättenkultur sowie quellenkritisch kommentierte Berichte von überlebenden Zeitzeugen publiziert werden. Seit 2001 ist er Mitglied der internationalen Expertenkommission für die Neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Recht und Verfassung der Gesellschaften mit St. Jörgenschild in Schwaben: Untersuchungen über Adel, Einung, Schiedsgericht und Fehde im 15. Jh. (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1961), 265 S. [Dissertation]
  • Die Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848 (Düsseldorf: Droste, 1984), 815 S. [Habilitation]
  • (Bearb. u. komm. von Herbert u. Sibylle Obenaus), "Schreiben, wie es wirklich war ..." Die Aufzeichnungen Karl Dürkefäldens aus der Zeit des Nationalsozialismus (Hannover: Niedersächs. Landeszentrale für Polit. Bildung, 1985), 136 S.
  • "Die Räumung der hannoverschen Konzentrationslager im April 1945," in: Rainer Fröbe u.a. (Hg.), Konzentrationslager in Hannover: KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, Bd. 2 (Hildesheim: August Lax, 1985), 493-544.
  • "Zur Nachkriegsgeschichte der hannoverschen Konzentrationslager", ebendort, 545-585.
  • Die Erschiessungen auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover, April 1945 (Hannover: Kulturamt, 1987), 40 S. Wiederabdruck in: Hannoversche Geschichtsblätter Beiheft 3 zu Neue Folge, Bd. 59, 2005
  • "Sei stille, sonst kommst Du nach Ahlem!": Zur Funktion der Gestapostelle in der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule von Ahlem (1943 - 1945) (Hannover: Landeshauptstadt Hannover, Kulturamt, 1988), 32 S. [Hannoversche Geschichtsblätter, N.F., Bd. 41]
  • Politische Häftlinge im Gerichtsgefängnis Hannover während der nationalsozialistischen Herrschaft (Hannover: Landeshauptstadt Hannover, 1990), 49 S.
  • Widerstand Im Abseits: Hannover 1933-1945: Beitrage Zur Ausstellung (Hannover: Historisches Museum Hannover, 1992), 87 S.
  • NS-Geschichte nach dem Ende der DDR: eine abgeschlossene Vergangenheit? (Hannover: Niedersächs. Landeszentrale für Politische Bildung, 1992), 20 S.
  • (Bearb., mit Sibylle Obenaus), Karl Raloff, Ein bewegtes Leben: Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik (Hannover: Niedersächs. Landeszentrale für Politische Bildung, 1995), 168 S.
  • "Das Foto vom Baumhängen," in: Gedenkstättenrundbrief (1995), 3-8.
  • (Hrsg., mit Hans-Dieter Schmid), Nachkriegszeit in Niedersachsen: Beiträge zu den Anfängen eines Bundeslandes (Bielefeld: Verl. für Regionalgeschichte, 1999), 182 S.
  • "The Germans: 'An Antisemitic People?' The Press Campaign after 9 November 1938," in: David Bankier (Hrsg.), Probing the Depths of German Antisemitism (Berghahn Books, 2000), 147-180.
  • (Hrsg.) Landjuden in Nordwestdeutschland: Vorträge des Arbeitskreises Geschichte der Juden in der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hannover: Hahn, 2005), 285 S.
  • Die Sozialistische Front, in: Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter, Berlin 2012, S. 107-128.

Besondere Verdienste hat sich Obenaus bei der Redaktionsarbeit und Herausgabe des zweibändigen „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen“ erworben, das in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem 2005 in deutscher und hebräischer Sprache veröffentlicht werden konnte:

Literatur

  • Marlis Buchholz u. a. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obenaus zum 65. Geburtstag. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1996, ISBN 3-89534-172-X, (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte 11).

Weblinks


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