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Adelheid von Rothschild

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Adelheid „Ada“ von Rothschild, in Frankreich auch genannt Adélaïde de Rothschild (geb. 19. August 1853 in Frankfurt am Main; gest. 22. Juni 1935 in Paris) war eine von drei streng orthodox erzogenen Töchtern des Frankfurter Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild und seiner Ehefrau Freifrau Mathilde von Rothschild. Der Vater war der letzte des Frankfurter Zweiges des Bankhauses Rothschild. Nach seinem Tod 1901 wurde die Firma liquidiert, da ein Nachfolger männlichen Geschlechtes und ein Rothschild hätte sein müssen. Aber keiner aus dem Clan zeigte Interesse. Durch die Fähigkeiten und Neigungen ihrer Mutter war Adelheid sehr musikalisch und hatte, auch durch ihr Elternhaus und ihre herausragende soziale Stellung, ein ausgeprägtes Interesse für Kunst.

Ehemann

Adelheid wurde ausgewählt, ihren acht Jahre älteren Cousin Baron Edmond de Rothschild (1845–1934) zu heiraten. Er war das jüngste Kind von James Mayer Rothschild und Betty von Rothschild, der Tochter des Begründers des österreichischen Zweigs der Rothschild-Familie Salomon Meyer Freiherr von Rothschild (1774–1855). Ihr Sohn wuchs in die Welt der Zweiten Republik Frankreichs und des zweiten französischen Kaiserreiches auf. Er war ein Soldat der Nationalgarde im Französisch-Preußischen Krieg 1870/71 und heiratete trotzdem sechs Jahre später eine Deutsche.

Ruine des Château Rothschild in Boulogne-sur-Seine (heute ein Stadtteil von Paris), nach dem Krieg verkauft

Leben in Paris

Am 24. Oktober 1877 fand die Hochzeit statt. Sie verließ ein Elternhaus, in dem man der Religion große Bedeutung beimaß. Religiös waren auch die französischen Rothschilds, jedoch mit Unterschieden zu den Frankfurtern. Die Frankfurter galten als strenger, legten die Dinge konservativer aus als die Verwandten im lebensfrohen Paris. Eine Umstellung für Adelheid, von der noch ihr Urenkel Benjamin de Rothschild berichtete, der von ihrer Reserviertheit gegenüber dem mondänen Pariser Leben berichtet. Er beschreibt sie als zurückhaltende, äußerst religiöse Frau ihres Pariser Cousins.

In Paris teilte sich das junge Ehepaar die Residenzen in der Rue Laffitte und das Chateau Rothschild in Boulogne-sur-Seine mit Edmonds Mutter Betty de Rothschild. Das große Gelände des heute ruinenhaften Chateaus wurde bereits 1817 von Edmond James Vater Jakob Rothschild, auch Baron James de Rothschild genannt, gekauft. Von 1855 bis 1861 erbaute ihm Joseph Armand Berthelin eine prachtvolle Sommerresidenz, die sein jüngster Sohn Edmond James erbte. Über achtzig Jahre war sie einer der Treffpunkte nicht nur der Pariser Gesellschaft. Daneben hatten sie Besitz in der Rue du Faubourg Saint-Honoré und das Chateau Rothschild in Armainvilliers. Dieses Chateau wurde von Edmond James 1877 erworben, komplett niedergelegt, mit modernster Technik im normannisch-englischen Stil neu errichtet, einschließlich Bauernhöfen und großer Orangerie. Diese Immobilie gehört heute dem König von Marokko.

Ihre Kinder

Das Ehepaar Baron Edmond James de Rothschild und Baronin Adelheid de Rothschild hatte drei Kinder:

  • James „Jimmy“ Armand Edmond de Rothschild (1878–1957)

war ein in Frankreich geborener britischer Politiker und Philanthrop, der keine starke Neigung für das Bankgeschäft verspürte. Später ließ er sich sogar seinen Anteil am Französischen Bankhaus Rothschild von seinem Vater auszahlen. Er ging zunächst auf das Lycée Louis-le-Grand in Paris und wechselte dann auf das Trinity College (Cambridge). Ihm wurden drei Leidenschaften nachgesagt: Pferde, Politik und Kunst und diese in der Reihenfolge. Diese erklären sich schon durch den familiären Hintergrund, legte doch bereits sein Großvater James de Rothschild mit einer eigenen Pferdezucht und den Betrieb eines Pferderennstalles zunächst noch in den Ställen des für ihn errichteten Chateau Ferrieres noch früher als seine englischen Verwandten die Grundlagen. Sein Vater Edmond James de Rothschild (1845–1934), Miterbe des Rennstalles und des Gestüts, ließ in Gouvieux-Chantilly für seine Pferde das berühmte Hau „Sans Souci“ errichten. Auch war er nur unter Vorbehalt Bankier und widmete sich mehr dem Aufbau seiner Kolonien in Palästina. Seine sehr große Kunstsammlung bildete später einen Grundstock der Grafik-Sammlung des Louvre. 1913 heiratete er als 35-Jähriger die damals 17-jährige Dorothy Mathilde Pinto (1895–1968), die für ihn während des Ersten Weltkriegs die Verbindungen zu seinem Vater und zu Dr. Chaim Weizmann hielt.

Auch sein Wehrdienst gestaltete sich binational. So diente er während des Ersten Weltkriegs zunächst in der Französischen Armee und beendete diesen Ersten Weltkrieg als Major der Britischen Armee der 39ten (jüdischen) Battalion, den Royal Füsilieren (auch Jüdische Legion genannt). Er verließ Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg und ging nach England. 1919 wurde er ein eingebürgerter Brite und 1922 erbte er von Alice de Rothschild das riesige Waddesdon Manor mit seinen zahllosen Kunstschätzen als Nachlass seines Großonkels Baron Ferdinand von Rothschild. Mit seiner umtriebigen Ehefrau Mathilde Dorothy „Dolly“ übernahm er die Aktivitäten und finanziellen Förderung zur Gründung des Staates Israel, in die allein sein Vater Baron Edmond James de Rothschild ca. 50 Millionen Dollars gezahlt haben soll. So finanzierte Jimmy de Rothschild den Bau des Knesset-Gebäudesmit ca. 6 Millionen und den Bau des Obersten Gerichtshofs. Baron James „Jimmy“ Armand Edmond de Rothschild starb kinderlos. Das Gebäude Waddesdon Manor überschrieb er dem National Trust, die mobilen Werte (einschließlich der Kunstschätze) und das Gelände samt dem nahen, noch von Alice von Rothschild gebauten Herrenhaus Eythrope seiner Ehefrau Mathilde Dorothy „Dolly“ de Rothschild. Diese vererbte 1988 ihr größtes Erbe Britannien (fast 100 Millionen Pfund) ihrem Neffen Nathaniel Charles Jacob Rothschild, 4. Baron Rothschild (* 29. April 1936), einem bereits vor Erbantritt sehr vermögenden Investmentbanker.

  • Maurice de Rothschild (1881–1967)

Er galt als schwarzes Schaf der Familie, da er zwar 1/3 des Pariser Bankhauses erbte, aber von seinen Cousins zwangsweise ausgezahlt wurde. Durch erhebliche Erbschaften, unter anderem die seines Onkels Adolphe de Rothschild und Tante Julie, verfügte er über zusätzliches Vermögen. Dies steigerte er noch durch Spekulationen an den Börsen und Produktmärkten in den USA während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch deren enormen Wertanstieg nach Kriegsende, zählte man ihn zum reichsten lebenden Rothschild. Einer seiner Wohnsitze war das von Onkels Adolphe erbaute und geerbte Chateau de Pregny am Genfersee, das vom Vater Baron Edmond James geerbte Pariser Stadtpalais in der Rue du Faubourg Saint-Honoré 41 sowie das vom Vater neu errichtete Chateau Rothschild in Armainvilliers (Seine-et-Marne)

  • Miriam Caroline Alexandrine de Rothschild (1884–1965)

heiratete 1910 den Frankfurter Freiherrn Albert von Goldschmidt-Rothschild (1879–1941) dessen Mutter Freifrau Minna Caroline von Rothschild (* 1857), die jüngere Schwester ihrer Mutter Adelheid „Ada“ von Rothschild, war. Diese Ehe wurde 1919 geschieden. Ihr Ex-Ehemann war in zweiter Ehe seit 1922 mit der Schweizer Bankierstochter Marie Helene Schuster-Burckhardt (* 1902)[1] verheiratet. Die Nazis beschlagnahmten 1935 sein Vermögen, unter anderem sein geerbtes Palais Grüneburg nebst Park und wertvollen Möbeln. Er, seine Ehefrau und seine Kinder gingen 1938 ins Exil. Sein greiser Vater Maximillian von Goldschmidt-Rothschild, der ehemalige Schwiegervater von Miriam Caroline de Rothschild, war vor dem Ersten Weltkrieg einer der vermögendsten Männer des Deutschen Kaiserreiches. Er starb 97-jährig verfolgt und gedemütig als Mieter einer kleinen Wohnung in seinem beschlagnahmten Stadtschloss in Frankfurt am Main. Ihr Ex-Ehemann Freiherrn Albert von Goldschmidt-Rothschild nahm sich 1941 in Lausanne fast mittellos das Leben. Miriam erbte vom Vater das am Stadtrand von Paris gelegene Chateau Rothschild in Boulogne-sur-Seine nebst riesigen Park und eine Stadtpalais in der Pariser Avenue de Foch. Das durch die Besetzung durch Deutsche und Amerikaner im und nach dem Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Chateau Rothschild in Boulogne-sur-Seine wurde nach ihrem Tod in den 1970ern an einen saudischen Prinzen verkauft. Der Park ging in Staatsbesitz über und wird und wurde ständig durch neue Stadtplanung bzw. Bebauung verkleinert. Von der ursprünglich berühmten Garten- bzw. Parkanlage ist wenig historisches übrig.

Leben und Wirken

Die Religion behielt stets ihren Platz im Leben der Baronin, mit positivem Einfluss auf ihren Ehemann Baron Edmond James, mit dem sie 57 Ehejahre und drei Kinder verbanden. Bestandteil von Adelheids Religionsauffassung war immer die Mildtätigkeit, so wie ihre Eltern es vorgelebt hatten. Frankreich, Deutschland, Palästina: überall hinterließ sie ihre wohltätigen Spuren, gemeinsam mit Edmond, aber auch alleine. Seien es ein Krankenhaus in Palästina, die Zuweisung von Geldmitteln an gemeinnützige und kulturelle Einrichtungen in ihrer Heimatstadt Frankfurt oder in Paris. Museen, Büchereien, Wissenschaftler, Künstler, Kranken- und Waisenhäuser, sie alle profitierten vom Willen der Baronin, Gutes zu tun. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass sie der Idee eines Frankfurter Stiftungsberaters folgte und 1903 zwei Millionen Reichsmark zur Gründung einer Lungenheilanstalt in Nordrach zur Verfügung stellte.

Ehrengrabstätte

Nach dem Tode von Baron Edmond de Rothschild im Chateau in Boulogne-sur Seine, starb kurze Zeit später auch seine Ehefrau Baroness Adelheid „Ada“ de Rothschild. Beide wurden zunächst in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Im April 1954 wurden sie dort exhumiert und nach Israel auf eine militärische Fregatte transportiert. In Haifa, wurde das Schiff durch Sirenen und Pfeifen begrüßt. Sie fanden ihrem Wunsch gemäß in Ramat Hanadiv Memorial Gardens bei Zikhron Ya’akob unweit von Haifa die ewige Ruhe. In Israel lautet die Inschrift ihres Grabsteines „… eine Frau, die zu Gott betete“.

Einzelhinweise

Siehe auch

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Adelheid von Rothschild aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.