Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

561 v. d. Z.

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ereignisse

  • 561 v. d. Z. Nebuchadnezar stirbt; sein Sohn Ewil Merodach König (2 Jahre), neobabylonisches Reich
  • 561 v. d. Z. Jojachin (auch: Jechonja; "Gott gründet") wird aus dem Kerker entlassen und lebt am Hof von Nebukadnezars Nachfolger Amel-Marduk (biblisch: Ewil-Merodach). Jojachin unterhielt wahrscheinlich in Babylon einen eigenen Hof. Auf ihn und seine Erben konzentrierten sich die dynastischen Hoffnungen Israels und Judas, und auch die Babylonier betrachteten ihn offenbar als den legitimen Führer der Exilanten. Keineswegs alle Verbannten sehnten sich zurück nach Jerusalem. Sie lebten nicht als Sklaven, sondern in Familienverbänden. Manche brachten es zu Wohlstand. Daher gab es Juden, die nach Aufhebung des Exils freiwillig blieben; Nachkommen von ihnen lebten noch bis in die Gegenwart in dieser Region. Und eben hier in Babylonien entstanden vom 3. nachchristlichen Jhdt. an die grossen Yeshivot (Gelehrtenschulen) von Nehardea / Nehardaa, Sura und Pumbedita und in diesen wiederum der babylonische Talmud, der im Judentum späterer Zeiten eine solch bedeutende Rolle spielen sollte. Es gab allerdings auch Verbannte, für die das Leben unter den „Heiden“ ganz und gar unerträglich war. Vor die Herausforderung gestellt, fern der Heimat ihre Identität zu bewahren, riefen sie Gott um Hilfe an: „Wie können wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande?“ (Psalm 137,4). Es waren Männer wie Hesekiel oder der so genannte Deuterojesaja, eine bedeutende Prophetenfigur des babylonischen Exils, dessen eigentlicher Name im Lauf der Jahrhunderte verlorengegangen ist. Dieser Deuterojesaja ist der Autor der Kapitel 40-55 des Buchs Jesaja, in denen wie in einem Manifest die grossen Ideen jener Tage vorgestellt werden. Diese Männer und andere gleichgesinnte Führerpersönlichkeiten, sämtlich Leute, die mit den Gesetzesvorschriften vertraut waren, entwickelten ein neues Gottesbild und schufen eine Theologie, die Exil und Tempelzerstörung integrierte. Die wichtigste Neuerung aber war der universale Monotheismus. Heimführung des Volkes als im Heilsplane Gottes vorhergesehen, die individuelle Verantwortlichkeit jedes einzelnen Menschen für sein Handeln sowie der Erwählungsglaube für das ganze jüdische Volk waren weitere wichtige Bausteine. In dieser Zeit fuhr man auch fort, frühe Fassungen der ersten Bücher niederzuschreiben, eine Arbeit, die schon vor der Zerstörung des judäischen Königreiches begonnen hatte. Als Quellen dienten mündliche Überlieferungen und, soweit im Exil verfügbar, Aufzeichnungen der königlichen Annalen. Auf diese Weise wurde der Grundstein gelegt für den Anfang des Alten Testaments, wie es uns heute überliefert ist. All diesen Entwicklungen verdankte es die Exilgemeinde, dass sie ihre kulturelle Identität und eine Zukunftsperspektive bewahren konnte. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die versprengten Scharen von Israeliten, die ins Exil nach Babylon gezogen waren, als Volk der Juden nach Jerusalem heimkehrten.