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1791

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Ereignisse

  • 1791: Am Vorabend der Französischen Revolution definierte Emmanuel-Joseph Sieyès in seiner einflussreichen Kampfschrift „Was ist der Dritte Stand“ den Begriff der Nation als die Gesamtheit aller Bürgerlichen im Gegensatz zu den privilegierten Ständen von Adel und Klerus. Für die Pariser Revolutionäre von 1789 galten für alle Landesbewohner die gleichen Menschenrechte. Zur Nation konnte jeder gehören, der sich zu ihren Prinzipien von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bekannte. Auf diese offene und demokratische Definition reagierten andere Staaten wegen und nach der französischen Besetzung mit einer ethnischen, exklusiven, völkischen Auffassung von „Nation“ als einer „Abstammungsgemeinschaft“. Diese wurde nicht gegen die privilegierten Stände, sondern gegen die Franzosen und alle anderen Fremden, darunter besonders auch die religiöse Minderheit der Juden, abgegrenzt. Besonders in Deutschland verband sich der Nationalismus schon früh mit dem Antisemitismus und der Ablehnung demokratischer Ziele. Bereits vor 1848 sahen viele den angestrebten deutschen Nationalstaat als „Organismus“ und verbanden mit diesem biologischen Sprachbild häufig Kritik an „Volksschädlingen“, vor allem an den Juden. Anknüpfend an mittelalterliche Herabsetzungen der „Wucherei“ wurden diese häufig als unproduktive „Schmarotzer“ dargestellt. Diese Sicht vertrat der Berliner Justizrat Karl Wilhelm Friedrich Grattenauer zu Beginn der preussischen Emanzipationsdebatte 1797 mit seiner Schrift „Über die physische und moralische Verfassung der heutigen Juden“, die unverhohlen zu ihrer Vertreibung aufforderte. Dies löste heftige öffentliche Debatten in Berlin aus, denen weitere Hassausbrüche Grattenauers (u. a. 1804: „Wider die Juden“) folgten, bis der Staat seine Schriften verbot.
  • 1791: Gründung der (jüdischen) Wilhelmsschule in Breslau
  • 28. September 1791: Die französische Nationalversammlung bringt den 40 000 französischen Juden erstmals in einem europäischen Staat die vollen Bürgerrechte. Sie hob damit aber auch ihre bisherige Gemeindeautonomie und Wehrdienstbefreiung auf und zwang sie so zur Assimilation. Die Erklärung der Menschenrechte von 1789 hatte die französischen Juden noch nicht explizit einbezogen, da sie zunächst nicht als Teil der Nation galten. Nach zweijährigen Debatten, ob man sie vertreiben oder einbürgern solle, entschied die französische Nationalversammlung 1791 sich für ihre sofortige rechtliche Gleichstellung. Während der Terrorherrschaft der Jakobiner 1793-1794 traten jedoch massive judenfeindliche Tendenzen der ländlichen und städtischen Unterschichten zutage. Dennoch beeinflusste die französische Revolution die Entwicklung zur Judenemanzipation in ganz Europa. Weil diese eins ihrer bleibenden Ergebnisse war, verband sich Antisemitismus auch in Frankreich selbst seither mit royalistischen, antirevolutionären und antidemokratischen Gruppen und Tendenzen.

Bücher

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