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Speed-Dating

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Unter Speed-Dating versteht man eine ursprünglich aus den USA stammende Methode, schnell neue Flirt- oder Beziehungspartner zu finden. Als Urheber (seit 1998) gilt Rabbi Yaacov Deyo, Mitglied der orthodox-jüdischen Organisation Aish HaTorah mit Sitz in Los Angeles (Kalifornien, USA). Sein Ziel war eine Kontaktplattform für die jüdische Gemeinde, damit sich Alleinstehende jüdischen Glaubens schneller und effizienter kennenlernen können, mit der Aussicht schließlich zu heiraten und damit die Zahl jüdischer Ehen zu erhöhen.

Auf das von Rabbi Deyo gegründete Speed-Dating folgten wenig später Speed-Dating-Events, in der Regel kommerziell ausgerichtete Veranstaltungen ohne religiöse Vorgabe, an denen männliche und weibliche Alleinstehende in gleicher Anzahl teilnehmen, wobei die maximale Teilnehmeranzahl pro Geschlecht normalerweise auf 7–10 Personen beschränkt ist.

Ablauf beim Speed-Dating

Während der gesamten Veranstaltung lernt jeder männliche Single jeden weiblichen Single kennen und umgekehrt. Hierzu wird die Veranstaltung in Runden aufgeteilt, die jeweils circa sieben bis acht Minuten dauern. In dieser eng bemessenen Zeit haben die Singles die Gelegenheit, sich gegenseitig ein wenig kennenzulernen, gemeinsame Interessen und Hobbys und eventuelle Kinderwünsche abzufragen. Nach Ablauf der Zeit ertönt ein Gong als Zeichen, das zum Partnerwechsel auffordert. Gleichzeitig notieren die Singles auf ihnen vorher ausgehändigten Zetteln, ob sie ihr Gegenüber gerne wiedersehen wollen oder nicht. Nun wird aufgerückt, so dass sich männliche Singles und weibliche Singles in neuer Konstellation gegenüber sitzen. Dies wird so lange wiederholt, bis jede mit jedem einmal gesprochen hat. Nach dem Speed-Dating können die Singles entscheiden, ob sie die Singles des jeweils anderen Geschlechts wiedersehen möchten. Früher sammelte der Veranstalter zu diesem Zweck die zuvor ausgehändigten Zettel ein und wertete sie manuell aus. Viele Veranstalter sind jedoch zwischenzeitlich dazu übergegangen, das Speed-Dating über einen Online-Bewertungsbogen auszuwerten.[1] Ein bis zwei Tage nach dem Speed-Dating ist der Auswertungsprozess in der Regel beendet. Spätestens nach Ablauf dieser Frist erhalten die Singles eine Nachricht darüber, welche Singles des jeweils anderen Geschlechts sie wiedersehen wollen. Kommt es zu einer Übereinstimmung, so werden die Kontaktdaten zwischen den beiden Singles ausgetauscht.

Kritik

Speed-Dating-Veranstaltungen standen bereits im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen.[2] Hierbei kam heraus, dass die vielbeschworenen „inneren“ Werte bei beiden Geschlechtern bei solchen Veranstaltungen völlig nebensächlich waren, dass auch die Inhalte des Gesprächs nicht zählten, sondern dass beide Geschlechter vor allem die Personen wiedersehen wollten, die ein attraktives Aussehen aufwiesen. Die Wissenschaftler teilten den Teilnehmern aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes imaginäre Ränge zu, die auffallend stark mit dem anschließenden Erfolg bei diesen Veranstaltungen korrelierten. Allerdings scheinen Männer und Frauen in diesem Rahmen ein unterschiedliches Suchverhalten an den Tag zu legen, auch wenn bei beiden das Aussehen im Vordergrund steht. So wollten die Männer quasi jede Frau wiedersehen, die eine gewisse „Mindestattraktivität“ aufwies. Frauen hingegen wollten nur wenige Männer wiedersehen, und das umso mehr, je attraktiver sie selber waren. Neuere Untersuchungen zeigten jedoch auch, dass derartige Quoten mit großer Wahrscheinlichkeit lediglich auf das typische Speed Dating-Szenario zurückzuführen seien könnten, nachdem zumeist die Frauen sitzen bleiben und die Männer reihum wechseln. Amerikanische Forscher haben im Rahmen einer Studie nämlich herausgefunden, dass sich diese Quote bei einem Rollentausch (die Männer bleiben sitzen, die Frauen wechseln) verschob, und die Männer wesentlich wählerischer als unter den üblichen Umständen waren. Mögliche Gründe dafür werden im Einfluss körperlicher Aktionen auf die Wahrnehmung gesehen (Nähert man sich etwas, wird es attraktiver, entfernt man sich, nimmt die Anziehungskraft ab) oder aber darin, dass die Männer die herumwandernden Frauen besser sehen und dadurch deren körperliche Attraktivität besser bewerten können.[3]

Rezeption

Speed-Dating ist auch ein beliebtes Thema in Filmen und TV-Serien. Während im deutschen Film Shoppen (2007) Speed-Dating den Kern des Films ausmacht, ist es in der US-amerikanischen Komödie Hitch – Der Date Doktor (2005) nur in einer Szene zu sehen. Im Film Jungfrau (40), männlich, sucht… (2005) gibt es ebenfalls eine Speed-Dating-Szene. Auch in der bekannten US-Serie Sex and the City nimmt die vielbeschäftigte Miranda an einem Speed-Dating teil.

Speed-Dating im Internet

Im Trend liegen heutzutage Speed-Dating-Events im Internet. Besonders die Verbreitung über verschiedene Medienformate hat zum Bekanntheitsgrad des Speed-Dating beigetragen. Grundsätzlich gibt es Webseiten, die kostenlos nutzbar sind und solche, auf denen für bestimmte Dienstleistungen eine Gebühr fällig werden kann.

Die Teilnahme an Online-Speed-Dating wird nicht durch das Installieren neuer Software oder das Ausfüllen von Formularen gestört. Nach Anmeldung werden zur Kontaktaufnahme Webcam und Mikrofon (oder Headset) genutzt. Auf den meisten Portalen kann man über eine Suchfunktion nach Geschlecht, Alter und Region filtern; alles Weitere bleibt allerdings dem Zufall überlassen. Man bekommt einen Speed-Dating-Partner zugeteilt und hat in der Regel drei Minuten Zeit, um sich kennenzulernen. Unmittelbar danach stimmen beide Teilnehmer ab, ob sie mit ihrem Gegenüber in Kontakt bleiben wollen oder nicht. Nur wenn sich beide Teilnehmer einig sind, kommt ein Kontakt zustande. Hier gleicht das virtuelle Verfahren der Auswertung der verteilten Handzettel bei traditionellen Speed-Dating-Treffen.

Weiterentwicklung des Speed-Datings

Die Prinzipien des Speed-Dating werden heute nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch bei der Suche nach einem Job oder einer Wohnung eingesetzt.

Beim Azubi-Speed-Dating[4] von Arbeitsagenturen finden Betriebe und Bewerber zusammen. Im 20-Minutentakt nehmen potenzielle Bewerber an den Tischen Platz und stellen sich den eingeladenen Personalchefs vor. Ist die Zeit um, klingelt ein Glöckchen und die Bewerber wechseln an einen anderen Tisch. Wer beim Azubi-Speed-Dating überzeugt, bekommt ein offizielles Vorstellungsgespräch. Der Vorteil beim Job-Speed-Dating ist die schnelle, unkomplizierte und direkte Bewerberauswahl. Im persönlichen Gespräch können auch Bewerber durch Engagement und Persönlichkeit überzeugen, die bei einer schriftlichen Bewerbung wegen schlechter Noten oder formalen Mängeln keine Chance gehabt hätten.

Die Idee des Speed-Datings für Wohnungssuchende stammt aus London. Bei diesem sogenannten Speed-Flatmating[5] lernt jeder Wohnraumbietende jeden Wohnraumsuchenden während eines siebenminütigen Gespräches kennen. Danach vermerken beide auf einem Zettel, ob gegenseitiges Interesse besteht. Ist das der Fall, erhalten die Teilnehmer wie beim klassischen Speed-Dating am nächsten Tag vom Veranstalter eine Nachricht. Der Vorteil beim Speed-Flatmating ist, dass jeder jeden in kurzer Zeit kennenlernt. Und wenn ein Bewerber nicht gefällt, ist man ihn schnell wieder los.

Einzelnachweise


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Speed-Dating aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.