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Lederfabrik Heilbronn

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Die Lederfabrik Heilbronn war ein Unternehmen in der Stadt Heilbronn in Baden-Württemberg, das sich von einem kleinen Handelsbetrieb zu einem international tätigen Industriebetrieb der Lederherstellung entwickelte.

Geschichte

Anfänge

Die Firmenbegründung ging auf die Familie Victor aus Horkheim zurück, wo sie mit Pelzen und Fellen gehandelt hatte. Julius Victor (* 15. Juni. 1838; † 30. August 1887 in Heilbronn) erwarb am 3. Juli 1862 das Bürgerrecht der Stadt Heilbronn und konnte zu diesem Zeitpunkt ein Vermögen von 3000 Gulden nachweisen. Im Jahr 1868 machten sich die Gebr. Victor (Julius, Joseph und Victor) in Heilbronn selbständig. Sie betrieben in der Großen Biedermannsgasse 10 ein Geschäft für Rauchwaren, Wildbret und Sattlerlederwaren.

Im Jahre 1887 kam noch eine Leimfabrik zum bisherigen Geschäft hinzu. Das Unternehmen warb 1899 mit dem Import überseeischer Häute, und hatte sich so zu einem Häuteimportgeschäft entwickelt. Inhaber waren bereits die Söhne der Gründer: Victor, Jakob Victor I und Jacob Victor II und die Witwe von Joseph Victor, ab 1908 auch Sigmund Victor.

Expansion

Das Geschäft wurde ständig erweitert, und 1909/1910 errichteten Jacob Viktor II und Sigmund Victor zusammen mit ihrem Vetter Jakob Victor I in der Weipertstraße 40 eine Lederfabrik. Das Unternehmen hieß nun Lederfabrik Heilbronn GmbH. Aus überseeischen Großviehhäuten wurde Bodenleder für Schuhe fabriziert. Die Fabrik zählte im Ersten Weltkrieg zu den führenden Lederfabriken in Deutschland. Das Leder wurde nicht nur innerhalb Deutschlands verkauft, sondern auch in viele Länder exportiert. Weitere Neubauten wurden erstellt, und rund 280 Arbeiter und Angestellte fanden Beschäftigung in der Firma.

Gesellschaftliche Rolle

Die Victors zählten zu den angesehensten Bürgern der Stadt Heilbronn. Sie gehörten dem Vorstand des Centralvereins der Deutschen Lederindustrie (Berlin) und dem Beirat der Industrie- und Handelskammer Heilbronn an. Eugen Victor war Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Heilbronn. Im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet. Er war Leutnant. Sigmund Victor starb am 16. Mai 1930. Die Gebrüder Victor gründeten verschiedene Stiftungen: 1915 eine mit 150.000 Mark dotierte, für Arbeiter die in Not geraten waren; der Stadt wurde eine Stiftung mit dem Vermögen von 20.000 Mark zuteil; diese war zur Unterstützung armer Bürger gedacht.

Zeit des Nationalsozialismus

Diskriminierungen gegen die Lederfabrik begannen sehr früh in der Zeit des Nationalsozialismus. Zu Jacob Victors Tod († 12. Juni 1934), trauten sich nur wenige Belegschaftsmitglieder, an der Beerdigung teilzunehmen. Dr. Max Victor, der zweite Sohn von Jacob Victor II, trat in die Firma ein, nachdem er seine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr in Kiel hatte aufgeben müssen. Ebenso war Robert Victor, der zweite Sohn von Sigmund Victor, in der Fabrik tätig, wanderte aber bald nach Südafrika aus.

Die Fabrik wurde in den folgenden Jahren für viele jüdische Menschen eine Zuflucht: Weibliche jüdische Angestellte, die von anderen Unternehmen entlassen waren, wurden angestellt.

„Arisierung“

Obwohl man einen nichtjüdischen Betriebsleiter einsetzte, wurde der Druck auf das Unternehmen nicht geringer. Zwischenzeitlich verlegte Eugen Victor seinen Wohnsitz nach Holland. Die Fabrik wurde bis zur „Arisierung“ von Dr. Max Victor und Otto Victor weitergeführt. Nach dem Zwangsverkauf an die Lederfabrik Hirschberg vorm. Heinrich Knoch & Co. (gegründet 1741) wanderten Dr. Max Victor nach Holland und Otto Victor nach Südafrika aus.

Zweiter Weltkrieg

Der Betrieb wurde 1939 eingestellt; die Räume dienten der Silberwarenfabrik Bruckmann zur Fabrikation von Kriegsmaterial. Es wurden 250 ausländische Arbeitskräfte beschäftigt. 1944 wurde die Fabrik durch Bomben zerstört.

Restitution

Die Familie erhielt auf Grund der Restitutionsgesetze das Unternehmen zurück, doch die Absatzkrise in der Lederindustrie führte 1954 zur Schließung des Betriebs. 1955 erwarb die Stadt Heilbronn das Gelände, 1977 bis 1980 wurden die Gebäude abgebrochen.

Literatur

  • Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963, ISBN 3-928990-04-7 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 11), S. 204–206 (PDF, 1,2 MB).
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Lederfabrik Heilbronn aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. Hauptautor des Artikels (siehe Autorenliste) war Reinhardhauke. Weitere Artikel, an denen dieser Autor maßgeblich beteiligt war: 4.109 Artikel (davon 0 in Jewiki angelegt und 4.109 aus Wikipedia übernommen). Bitte beachten Sie die Hinweise auf der Seite Jewiki:Statistik.