Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Anschlagserie in Midi-Pyrénées

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden

Montauban

<imagemap>-Fehler: Bild ist ungültig oder nicht vorhanden

Toulouse
Die Region Midi-Pyrénées mit den Städten Toulouse und Montauban, in denen die Anschläge verübt wurden.


Die Anschlagserie in Midi-Pyrénées ist eine Serie von Anschlägen in Toulouse und Montauban in der Region Midi-Pyrénées [midipireˈne] im Süden Frankreichs vom März 2012. Die beiden ersten Anschläge am 11. März und 15. März waren gegen Soldaten gerichtet und hatten drei Todesopfer und einen Schwerverletzten zur Folge. Beim dritten Anschlag am 19. März wurden vier Menschen vor einer jüdischen Schule getötet, darunter drei Kinder.

Nach Berichten der Ermittler stehen die Anschläge miteinander in Zusammenhang. In allen drei Fällen fuhr der Täter mit einem Motorroller vor und feuerte gezielt auf seine Opfer und soll dabei die gleiche Tatwaffe benutzt haben.

Als Hauptverdächtiger gilt Mohamed Merah, ein 23-jähriger Franzose algerischer Herkunft. In der Nacht zum 21. März 2012 umstellten Polizisten der Spezialeinheit RAID das Mehrfamilienhaus im Stadtteil Côte Pavée von Toulouse, in dem der Verdächtige wohnte. Nach Angaben des französischen Innenministers soll sich der Verdächtige als Mudschahid und Mitglied des muslimischen Terrornetzwerkes al-Qaida bezeichnet haben. Am Morgen des 22. März 2012 starb der Hauptverdächtige, nachdem eine Sondereinheit der französischen Polizei in das Mehrfamilienhaus vorgedrungen war und es zu einer Schießerei kam, bei der auch zwei Polizisten verletzt wurden. Nach Angaben des Innenministers sei er aus dem Fenster seines Badezimmers gesprungen und dabei durch einen Kopfschuss getötet worden.[1]

Anschläge

In drei Anschlägen im Abstand von jeweils vier Tagen wurden vom Täter, der einen schwarzen Motorroller fuhr und einen Helm mit verdunkeltem Visier trug, am helllichten Tag bisher sieben Menschen getötet und zwei weitere schwer verletzt. Beim Motorroller handelt es sich nach Angabe der Polizei um einen schwarzen Yamaha T Max 530; als Tatwaffe diente in allen drei Fällen ein Colt Kaliber .45, in einem Fall zusätzlich eine 9-Millimeter-Pistole.[2]

11. März – Mord in Toulouse

Am 11. März wurde ein 30-jähriger Fallschirmjäger des 1er régiment du train parachutiste in Toulouse mit einem Kopfschuss getötet, als er, in Zivil, eine Sporthalle in Toulouse verließ. Der Soldat war nordafrikanischer Herkunft.[3]

15. März – Doppelmord in Montauban

Beim zweiten Anschlag am 15. März in Montauban, 50 Kilometer von Toulouse entfernt, wurden zwei Luftlandepioniere getötet und ein dritter schwer verletzt, als sie außerhalb eines Einkaufszentrums vermutlich an einem Geldautomaten Geld beziehen wollten. Die drei Soldaten gehörten dem 17e régiment du génie parachutiste an. Die unbewaffnete Gruppe war uniformiert. Die beiden getöteten Soldaten, 24 und 26 Jahre alt,[4] waren nordafrikanischer Herkunft, der Schwerverletzte ist ein 28-jähriger Unteroffizier aus Guadeloupe. Die Überwachungskameras zeigten einen in Schwarz gekleideten Motorrollerfahrer, der einen Helm mit getöntem Visier trägt.[3]

Sowohl die Einheit in Toulouse als auch diejenige in Montauban, der die Opfer angehörten, sind unter anderem an Afghanistan-Einsätzen beteiligt. Verwendet wurde eine Waffe im Kaliber .45 (11,43 mm). In Montauban wurden 17 Patronenhülsen gefunden, der Soldat in Toulouse wurde mit einem Projektil getötet. In Montauban wurde auch ein Magazin gefunden.[5]

19. März – Anschlag auf Schule in Toulouse

Eines der Opfer: der ermordete Rabbiner Jonatan Sandler

Am Morgen des 19. März gegen 8 Uhr früh fuhr der Täter mit einem Motorroller vor die in einem ruhigen Wohnquartier von Toulouse gelegene orthodox-jüdische Schule Ozar Hatorah und feuerte mit einer kleineren Neun-Millimeter-Waffe auf einen Lehrer, der mit anderen Erwachsenen und Kindern vor dem Gebäude stand. Anschließend stellte er seinen Roller ab und betrat das Schulgelände, wo er mit einer größeren Waffe wahllos um sich schoss. Bei den vier Todesopfern handelt es sich um einen 30-jährigen Religionslehrer und Rabbiner und seine beiden kleinen Söhne sowie um die zehnjährige Tochter des Schuldirektors. Die Opfer waren französisch-israelische Doppelbürger. Ein 17-jähriger Schüler wurde schwer verletzt. Der Täter konnte auf seinem Motorroller flüchten.[3]

Die Getöteten des 19. März wurden unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung in Jerusalem auf dem Har Hamenuchot beigesetzt. Hier werden in einer Leichenhalle in Jerusalem die Leichname der drei Kinder und des Rabbiners für die Beerdigung vorbereitet.

Fahndung

Datei:Attentatsserie in Toulouse Lagekarte Toulouse.PNG
Der Wohnort des mutmaßlichen Täters und einer der Tatorte liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Zeugen hatten in allen drei Fällen angegeben, dass der Täter mit einem Motorroller oder Moped vom Tatort geflüchtet sei. Bereits nach den Morden an den Soldaten ermittelte der französische Inlandsgeheimdienst DCRI gegen einen 23-jährigen Mann als mutmaßlichen Täter. Nach dem Anschlag auf die jüdische Schule sollen sich die Verdachtsmomente verstärkt haben. In der Nacht zum 21. März umstellten Spezialkräfte in Côte Pavée, einem Stadtteil von Toulouse, das Haus, in dem der mutmaßliche Täter wohnt. Dabei kam es zu einer Schießerei, bei der drei Polizisten verletzt wurden.[6] In den Morgenstunden des 22. März stürmten Eliteeinheiten die Wohnung. Dabei kam es erneut zu einer Schießerei, in deren Verlauf der Verdächtige getötet und drei Einsatzkräfte verletzt wurden. Meldungen vom Tod des Attentäters wurden vom französischen Innenminister gegen Mittag bestätigt.[7]

Der Verdächtige, der sich im Haus verschanzt hatte, soll sich Berichten zufolge in Verhandlungen mit der Polizei als muslimischer Dschihadist und Mitglied der al-Qaida bezeichnet und ein Geständnis abgelegt haben.[8][9] Er ist der französischen Polizei bekannt und soll sich in der Vergangenheit in Pakistan und Afghanistan aufgehalten haben, wo er einmal festgenommen wurde.[10] Als Motiv für seine Tat nannte der Tatverdächtige in einem Anruf bei einem Journalisten des Senders France 24, er habe mit den Morden gegen das Verschleierungsverbot, den Afghanistan-Einsatz der französischen Armee und die Situation in Palästina protestieren wollen. Dem französischen Innenminister zufolge soll der Tatverdächtige angegeben haben, mit seiner Tat den Tod von palästinensischen Kindern im israelisch-palästinensischen Konflikt rächen zu wollen.[11] Der palästinensische Premierminister Salam Fayyad hat in einem Kommuniqué diese Rechtfertigung für die Morde aufs Schärfste verurteilt.[12]

Polizeiaktionen und Ausgang

Am späten Vormittag des 22. März gegen 11 Uhr starb der vermutliche Attentäter nach einem heftigen Schusswechsel mit der Polizei und dem RAID. Der 23-jährige Attentäter wurde hierbei getötet und eindeutig identifiziert. Drei Polizisten wurden verletzt.[13]

Einzelnachweise

  1. Stefan Simons: Mohammed Merah und die Geheimdienste: Islamist, Unbehelligt, Auffällig. In: Spiegel Online. 22. März 2012, abgerufen am 22. März 2012.
  2. Sam Kiley: Tuerie de Toulouse : un dispositif de sécurité et d'investigation hors norme. In: Le Monde. 20. März 2012, abgerufen am 21. März 2012 (französisch).
  3. 3,0 3,1 3,2 Mordserie schockiert Frankreich. In: Spiegel Online. 19. März 2012, abgerufen am 20. März 2012.
  4. Frankreich. Rollerfahrer erschießt zwei Soldaten. In: Spiegel Online. 15. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  5. Führt die Spur nach Afghanistan? Mysteriöse Mordserie an französischen Soldaten. In: Focus Online. 16. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  6. French Police Raid Toulouse House for School Shooting Suspect. In: The New York Times. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012 (Englisch).
  7. Serienmörder von Toulouse ist tot: Islamistengruppe bekennt sich zu Attentaten. In: N24.de. 22. März 2012, abgerufen am 22. März 2012.
  8. Polizei-Großeinsatz in Toulouse. Mutmaßlicher Attentäter will offenbar aufgeben. In: Tagesschau.de. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  9. Holger Dambeck: Attentate in Südfrankreich: Polizei belagert Haus von Verdächtigem in Toulouse. In: Spiegel Online. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  10. Toulouse: Terrorverdächtiger schießt in Wohnung um sich. In: Welt Online. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  11. Lilith Volkert und Friederike Grasshoff: Attentäter von Toulouse: Wer war Mohammed Merah? In: Süddeutsche.de. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.
  12. Tuerie de Toulouse: Fayyad rejette le "terrorisme au nom de la Palestine". In: Charente Libre. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012 (französisch).
  13. Toulouse: Elitepolizisten erschießen Mohamed M. In: Zeit Online. 22. März 2012, abgerufen am 22. März 2012.


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Anschlagserie in Midi-Pyrénées aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.